{"id":295360,"date":"2025-07-26T11:46:11","date_gmt":"2025-07-26T11:46:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/295360\/"},"modified":"2025-07-26T11:46:11","modified_gmt":"2025-07-26T11:46:11","slug":"frankreich-airbnb-hat-die-miethaie-ersetzt-wie-marseille-ueberrannt-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/295360\/","title":{"rendered":"Frankreich: \u201eAirbnb hat die Miethaie ersetzt\u201c \u2013 Wie Marseille \u00fcberrannt wird"},"content":{"rendered":"<p>Franzosen, Touristen und Influencer haben Marseille entdeckt. Und das f\u00fchrt in Frankreichs zweitgr\u00f6\u00dfter Stadt zu Problemen. Die Alteingesessenen f\u00fchlen sich \u00fcberrannt und verdr\u00e4ngt. Unterst\u00fctzt von der Politik wollen sie sich jetzt ihre Stadt zur\u00fcckholen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Es ist im Nachhinein nicht mit genauer Sicherheit zu sagen, wann der Wandel von <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/marseille\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/marseille\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marseille<\/a> begonnen hat. Es mag 2001 angefangen haben, als die Schnellzugtrasse des <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/tgv\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/tgv\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">TGV <\/a>fertiggestellt war und Paris auf einen Schlag in drei Stunden Entfernung vom Mittelmeer lag. <\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter lief die erste Folge der TV-Serie <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8wVMmRxdDf8\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8wVMmRxdDf8&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">\u201ePlus belle la vie\u201c <\/a>\u00fcber die franz\u00f6sischen Bildschirme, eine Art Lindenstra\u00dfe mit mediterranem Flair, die Millionen Zuschauern fast zwanzig Jahre lang suggerierte, dass die Probleme zwar \u00fcberall dieselben sein m\u00f6gen, dass sie aber mit Sonne und einem Glas Pastis besser zu ertragen sind.<\/p>\n<p>Vielleicht setzte die Wende auch erst 2013 ein, als Marseille den Titel Europ\u00e4ische Kulturhauptstadt trug. Oder fand der Gesichtswechsel doch erst viel sp\u00e4ter statt? War am Ende wom\u00f6glich die Pandemie der eigentliche Ausl\u00f6ser, als nach wochenlangem Lockdown es ganz Paris hinunter in den S\u00fcden zog, zu Sonne, Meer, Sorglosigkeit \u2013 und das Homeoffice in die Strandbar verlegt wurde?<\/p>\n<p>Fest steht: Marseille ist \u00fcberlaufen. Es hat an vielen Stellen sein Gesicht ver\u00e4ndert. Mit 870.000 Einwohnern ist die Stadt die zweitgr\u00f6\u00dfte Frankreichs, aber die einzige Gro\u00dfstadt, die ihre sozial schwache Bev\u00f6lkerung noch nicht aus dem Zentrum verdr\u00e4ngt hat. Doch die Immobilienpreise sind explodiert, in manchen Bezirken haben sie sich in zehn Jahren verdoppelt, die Mieten sind mitgezogen. Neue Populationen verdr\u00e4ngen die alten.<\/p>\n<p>Nicht die ganze Stadt hat sich ver\u00e4ndert, nat\u00fcrlich nicht. Nicht die Problemviertel im Norden sind betroffen, nicht die Hochhaussiedlung La Castellane, wo der Fu\u00dfballer <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/zinedine-zidane\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/zinedine-zidane\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zin\u00e9dine Zidane <\/a>aufgewachsen ist, der ber\u00fchmteste Sohn von Marseille. Aber die pittoresken Bezirke hat es erwischt, alles, was nah am Meer liegt: Endoume, das Viertel Le Panier, selbst Noailles, wo man die H\u00e4user so hat verfallen lassen, dass 2018 in der Rue d\u2019Aubagne zwei zusammenst\u00fcrzten und acht Menschen unter sich begruben. <\/p>\n<p>Fest steht auch, dass es als Erstes Le Panier traf, das \u00e4lteste und lange Zeit \u00e4rmste Viertel von Marseille, gelegen auf einem H\u00fcgel gleich neben dem Hafen, jahrzehntelang gemieden, weil dreckig und gef\u00e4hrlich, eine Hochburg der Gauner und Ganoven, heute das Herz des <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/massentourismus\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/massentourismus\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Massentourismus <\/a>von Marseille.<\/p>\n<p>Bouba Khazri kann den Wandel bezeugen. Der 66-J\u00e4hrige steht vor seinem kleinen Lebensmittelladen in der Rue de Lorette, hoch oben im Panier. Die Passanten, die vorbeikommen, gr\u00fc\u00dfen ihn. Ein altes Ehepaar sagt zum Enkel \u201eSchau, da ist dein Freund Bouba\u201c. Nur die Menschen, die Rollkoffer hinter sich herziehen, gehen gru\u00dflos vorbei, die Augen versenkt in ihr Smartphone, das sie zu ihrem Airbnb lenkt, begleitet vom lauten Rattern der R\u00e4der, eine traurige Erkennungsmelodie.<\/p>\n<p>\u201eDas geht den ganzen Tag so\u201c, kommentiert Khazri, w\u00e4hrend er damit besch\u00e4ftigt ist, ein Mosaik zu legen. Er hat den oberen Teil der Stra\u00dfe versch\u00f6nt, an der Fassade seines Tante-Emma-Ladens thront ein Pfau. Le Panier sei wie ein Dorf gewesen, jeder kannte jeden, erz\u00e4hlt Khazri. Von diesen Zeiten zeugt eines seiner Mosaike: \u201eHier fehlt es an allem, aber uns fehlt nichts.\u201c Ein paar Meter weiter h\u00e4ngen Airbnb-Schl\u00fcsselboxen an einem Fenstergitter.<\/p>\n<p>Auf 15.000 beziffert die Stadtverwaltung die Zahl der Wohnungen, die f\u00fcr Kurzzeitmiete in der s\u00fcdfranz\u00f6sischen Hafenstadt angeboten werden. \u201eDas ist in absoluten Zahlen nicht viel f\u00fcr eine Stadt wie Marseille, deren Fl\u00e4che zweieinhalbmal gr\u00f6\u00dfer als Paris ist\u201c, sagt Patrick Amico, stellvertretender B\u00fcrgermeister von Marseille, zust\u00e4ndig f\u00fcr Wohnungspolitik. \u201eUnser Problem ist die Konzentration auf wenige Bezirke, allen voran auf den Panier, wo zehn Prozent der Wohnungen nur an Touristen vermietet werden.\u201c<\/p>\n<p>Die Stadtverwaltung lie\u00df das lange laufen. Inzwischen gelten strenge Regeln. Im Herbst m\u00fcssen sich zum ersten Mal vier Eigent\u00fcmer mit 33 Wohnungen vor Gericht verantworten. Ihnen droht eine Strafe bis zu 3,3 Millionen Euro. <\/p>\n<p>Im Oktober vergangenen Jahres hat B\u00fcrgermeister Amico zusammen mit seiner Kollegin Sophie Cammard, B\u00fcrgermeisterin der Zentrumsbezirke, 80 <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/airbnb\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/airbnb\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Airbnb-<\/a>Schl\u00fcsselboxen mit einem Trennschleifer im Panier entfernt. Im Juni haben sie die Aktion medienwirksam im alten Hafen wiederholt. Aber reicht das?<\/p>\n<p>\u201eMarseille ist keine Stadt f\u00fcr Touristen. Es gibt nichts zu sehen. Seine Sch\u00f6nheit l\u00e4sst sich nicht fotografieren\u201c, schrieb Krimiautor <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/article120433348\/Krekeler-killt-Wenn-du-nach-Marseille-gehst-nimm-die-Knarre-mit.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/article120433348\/Krekeler-killt-Wenn-du-nach-Marseille-gehst-nimm-die-Knarre-mit.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jean-Claude Izzo<\/a> in seiner Marseille-Trilogie. Das war in den Neunzigerjahren. Inzwischen ist Marseille Instagram-Super-Star. Rooftop-Terrassen, der ehemalige Tuba-Tauchclub, der heute ein Boutique-Hotel ist, Fischbuden am Meer, \u00fcberall Aperol Spritz, die Kulisse k\u00f6nnte sch\u00f6ner kaum sein.<\/p>\n<p>Die Romane beginnen jetzt so: \u201eAuf den H\u00f6hen von Marseille sind die trendigen Bars und die Bio-B\u00e4ckereien so schnell hochgeschossen wie ein Herpesausbruch.\u201c Es ist der erste Satz von Hadrien Bels Marseille-Roman <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.medimops.de\/hadrien-bels-cinq-dans-tes-yeux-taschenbuch-M02378801556.html?variant=UsedGood&amp;creative=&amp;sitelink=&amp;gclid=EAIaIQobChMI4cGKtoPYjgMVAaiDBx2bBgfOEAQYASABEgJrAPD_BwE&amp;utm_source=PSM&amp;utm_medium=cpc&amp;utm_campaign=DE_BM_OUT_WEB_ALL_SHO_KOO-PMX_MR-10_&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=17689822452&amp;gbraid=0AAAAApJgN6gXmu1wWHKQTt0728HG-iLN7\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.medimops.de\/hadrien-bels-cinq-dans-tes-yeux-taschenbuch-M02378801556.html?variant=UsedGood&amp;creative=&amp;sitelink=&amp;gclid=EAIaIQobChMI4cGKtoPYjgMVAaiDBx2bBgfOEAQYASABEgJrAPD_BwE&amp;utm_source=PSM&amp;utm_medium=cpc&amp;utm_campaign=DE_BM_OUT_WEB_ALL_SHO_KOO-PMX_MR-10_&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=17689822452&amp;gbraid=0AAAAApJgN6gXmu1wWHKQTt0728HG-iLN7&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">\u201eCinq dans tes yeux\u201c<\/a>, in dem viel von \u201eles Venants\u201c die Rede ist, den Zugezogenen. Man nennt sie hier auch die \u201eNeo-Marseillais\u201c. Es sind junge Leute mit kreativen Berufen, die Marseille entdeckt haben, als das Homeoffice Normalit\u00e4t wurde.<\/p>\n<p>Der Blick aus der 16. Etage des einzigen Hochhauses von Endoume, einem alten Fischer- und Arbeiterbezirk, f\u00e4llt auf die D\u00e4cher, auf den winzigen Hafen im Vallon des Auffes, den junge Leute abends zur Open-Air-Bar machen. Er f\u00e4llt auf das Meer, die Frioul-Inseln, das Ch\u00e2teau d\u2019If, jene Festung, die K\u00f6nig Franz I. erbaut hat. <\/p>\n<p>Es ist das Homeoffice von \u00c9ric, der mit seiner Familie nach der Pandemie nach Marseille gezogen ist und zugibt, dass der Blick so atemberaubend ist, dass es ihm mitunter schwerf\u00e4llt, sich zu konzentrieren. Inzwischen ist auch die alte Nachbarin, die ins Heim kam, durch ein junges Paar aus Paris ersetzt worden. Wohnungen mit diesem Blick kosten inzwischen mindestens 7000 Euro pro Quadratmeter. Weitere tausend pro Quadratmeter muss man in die Renovierung stecken. \u201ePreise, fast wie in Paris\u201c, sagt Eric, der seinen Nachnamen nicht nennen will.<\/p>\n<p>\u201eEs ist, als habe eine ganze Generation entdeckt, dass es eine Gro\u00dfstadt am Meer gibt\u201c, sagt <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.agam.org\/seminaire-urbanisme-et-mobilites-dans-la-metropole-aix-marseille-provence-metropole\/\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.agam.org\/seminaire-urbanisme-et-mobilites-dans-la-metropole-aix-marseille-provence-metropole\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Laurent Couture, Urbanist bei der St\u00e4dtebauagentur des Gro\u00dfraums Aix-Marseille (AGAM)<\/a>. Aber der Eindruck ist subjektiv. Zwischen 2015 und 2022 ist die Zuwanderungsrate von 2,8 auf 3,1 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung gestiegen. Die Zugereisten aus Paris machen gerade 0,3 Prozent aus. \u201eEin Tropfen im Meer angesichts der Gr\u00f6\u00dfe der Stadt\u201c, relativiert Couture. Aber empfunden als Welle, wo sie sich konzentrieren. <\/p>\n<p>\u201eMan muss beide Ph\u00e4nomene voneinander trennen, die Gentrifizierung und den Massentourismus\u201c, mahnt Victor Collet, Autor des Buches \u201eVon der Bruchbude zum Airbnb\u201c, in dem er beschreibt, wie absichtlich vernachl\u00e4ssigte Geb\u00e4ude, die 2018 zu der Katastrophe der Rue d\u2019Aubagne f\u00fchrten, notd\u00fcrftig renoviert heute als Touristenquartiere dienen. \u201eAirbnb hat die Miethaie ersetzt\u201c, konstatiert Collet. Viele Wohnungen bef\u00e4nden sich in Bezirken wie Noailles oder Belsunce, \u201etotal zentral\u201c, nah am Hafen, \u201eaber so herunterkommen, so verfallen, dass diese Leute das zwei Tage lang aushalten, aber nie dort wohnen wollten\u201c.<\/p>\n<p>Wie in Berlin vor dem Mauerfall<\/p>\n<p>Marseille hat viele Gesichter. Mit seinen Couscous-Restaurants und Gew\u00fcrzl\u00e4den der Rue d\u2019Aubagne k\u00f6nnte man sich in Afrika w\u00e4hnen. In der Belle de Mai sieht es aus wie in Berlin vor dem Mauerfall. Und auch wenn auf einem der vorgelagerten H\u00fcgel in 13 Meter hohen Lettern MARSEILLE steht, eine Werbeaktion f\u00fcr die gleichnamige Netflix-Serie, ist es nicht das franz\u00f6sische Hollywood. Es ist sch\u00f6n und stinkend, eine Stadt voller gro\u00dfer Versprechen und noch gr\u00f6\u00dferer Widerspr\u00fcche, <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/pressemitteilungen\/matthias-diermeier-henry-goecke-arm-aber-sexy-war-einmal.html\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/pressemitteilungen\/matthias-diermeier-henry-goecke-arm-aber-sexy-war-einmal.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">arm, aber sexy, wie einst Berlin.<\/a><\/p>\n<p>Voller Widerspr\u00fcche ist Marseille, aber auch voller Widerstand. Der Karneval von La Plaine hat sich vor zwei Jahren in eine bunte Protestaktion gegen Airbnb verwandelt. Gleichzeitig zieht das alternative Stra\u00dfenfestival genau die Touristen an, die billig \u00fcbernachten wollen. Die Stadt ist laut, die Luft verschmutzt. \u201eMarseille schwitzt, stinkt und wird vom Wind durchgeblasen\u201c, schreibt <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/livres\/article\/2025\/01\/26\/carnes-d-esther-teillard-corps-crus-entre-rage-et-deroute_6517025_3260.html\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.lemonde.fr\/livres\/article\/2025\/01\/26\/carnes-d-esther-teillard-corps-crus-entre-rage-et-deroute_6517025_3260.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Esther Teillard, eine junge Schriftstellerin<\/a>, die ein neues Ph\u00e4nomen beschreibt: den Exodus der Neo-Marseillais.<\/p>\n<p>Marseille sei mediterran: \u201ezutiefst entt\u00e4uschend, ver\u00e4nderungsresistent, unempfindlich f\u00fcr den guten Geschmack\u201c. Teillard erz\u00e4hlt von teilweise \u201etraumatischen Erfahrungen\u201c der Zugezogenen, die den falschen Akzent haben, die falschen Klamotten tragen und von den Einheimischen diskriminiert werden. Die ersten seien desillusioniert, hei\u00dft es, die Umzugskisten schon gepackt.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/martina-meister\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/martina-meister\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Martina Meister <\/b><\/a><b>berichtet im Auftrag von WELT seit 2015 als freie Korrespondentin in Paris \u00fcber die franz\u00f6sische Politik. <\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Franzosen, Touristen und Influencer haben Marseille entdeckt. Und das f\u00fchrt in Frankreichs zweitgr\u00f6\u00dfter Stadt zu Problemen. 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