{"id":296225,"date":"2025-07-26T19:44:12","date_gmt":"2025-07-26T19:44:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/296225\/"},"modified":"2025-07-26T19:44:12","modified_gmt":"2025-07-26T19:44:12","slug":"warum-der-kult-um-den-diktator-zurueckkehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/296225\/","title":{"rendered":"Warum der Kult um den Diktator zur\u00fcckkehrt"},"content":{"rendered":"<p class=\"font-sans font-medium\">Moskau. Russland verkl\u00e4rt Stalins Rolle als Feldherr \u2013 und verdr\u00e4ngt seine Verbrechen. Kritiker warnen vor wachsender Geschichtsvergessenheit.<\/p>\n<p>\u201eIch werde die Geschichten meiner Gro\u00dfmutter nie vergessen. Am Todestag Stalins herrschte in ihrer <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/ratgeber-wissen\/familie\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/ratgeber-wissen\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1666782973\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Familie<\/a> eher Freude als Entmutigung\u201c, erz\u00e4hlt der 44-j\u00e4hrige Alexandr unserer Redaktion. \u201eIhre Familie hat sehr unter dem Regime gelitten. Aber sie haben uns, den Enkeln, nicht viel davon erz\u00e4hlt. Erst in der Schule, in den 90er-Jahren, lernten wir im Geschichtsunterricht die Wahrheit von beiden Seiten kennen.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Zwei Seiten der Wahrheit aus <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/panorama\/russland\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/panorama\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1642506816\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">russischer<\/a> Sicht: Die eine ist Josef Stalins Diktatur und Schreckensherrschaft in der Sowjetunion von 1927 bis 1953. Es gab Massenmorde, brutale S\u00e4uberungen, Arbeitslager, in denen politische H\u00e4ftlinge zu Tode gehungert wurden. Millionen Menschen starben damals. Die andere aber ist Stalin als der gro\u00dfe Feldherr. Der Sieg der Sowjetunion gegen die <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/nationalsozialismus\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1706009937\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nazis<\/a> im Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg, wie in Russland der Zweite Weltkrieg genannt wird. Gefeiert wird dieser Sieg allj\u00e4hrlich am 9. Mai mit der Parade auf dem Roten Platz. Mit zunehmendem Bezug auch auf den heutigen <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/ukraine-krieg\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1642507034\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krieg in der Ukraine<\/a>. Laut Staatspropaganda geht es dort um \u201eEntnazifizierung\u201c. Auch in diesem Jahr waren Veteranen der K\u00e4mpfe in der Ostukraine mit dabei.\u00a0<\/p>\n<p>   Stalins Comeback: Denkm\u00e4ler, Namen, nationale Mythen  <\/p>\n<p>Russland huldigt neuerdings Stalin \u2013 unter Ausblendung der eigenen Geschichte. So hat Pr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/wladimir-putin\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1642507179\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wladimir Putin<\/a>, eigentlich kein Stalin-Anh\u00e4nger, die <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/article408905345\/warum-es-in-russland-wieder-einen-flughafen-stalingrad-gibt.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1746089069\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Umbenennung des Flughafens der Stadt Wolgograd in \u201eStalingrad\u201c genehmigt.<\/a> Damit soll an die Schlacht von Stalingrad, wie die Stadt an der Wolga zwischen 1925 und 1961 hie\u00df, erinnert werden. Symbolisch, aber nicht dauerhaft, wurde Wolgograd im Juni also in \u201eStalingrad\u201c umbenannt. Neue Stalin-Denkm\u00e4ler werden errichtet, j\u00fcngst auch in der Moskauer Metro.\u00a0<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/409226121_1753436533_v16_9_1200.jpeg\" class=\"block w-full object-cover relative z-10 aspect-[16\/9] \" alt=\"Kleine Bronzestatue von Josef Stalin\" title=\"Josef Stalin als Miniatur-Bronze-Figur.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Josef Stalin als Miniatur-Bronze-Figur.<br \/>\n      \u00a9 iStock | bruev\n    <\/p>\n<p>In der Station Taganskaja staunen die Menschen \u00fcber die Nachbildung eines Reliefs, das den sowjetischen Diktator zeigt. \u201eDankbarkeit des Volkes gegen\u00fcber dem F\u00fchrer und Kriegsherrn\u201c ist es benannt, das Original war Mitte der 1960er-Jahre im Zuge der Abkehr vom Stalinismus abgerissen worden. \u201eIn Moskau ist dies die erste derartige Wiederherstellung historischer Gerechtigkeit als Hommage an den Generalissimus\u201c, jubelt Alexander Juschtschenko, Parlamentsabgeordneter der systemtreuen Kommunistischen Partei.\u00a0<\/p>\n<p>   Verdr\u00e4ngte Verbrechen: Kritik am neuen Stalin-Kult w\u00e4chst  <\/p>\n<p>Kritiker werfen den heutigen Machthabern in Russland Geschichtsvergessenheit vor, beklagen Verh\u00f6hnung der Stalin-Opfer. Die liberale Oppositionspartei Jabloko meint, die Stadt Moskau missachte demonstrativ den Willen ihrer B\u00fcrger. \u201eWir halten es f\u00fcr inakzeptabel, Symbole, die mit der dunkelsten Periode in der Geschichte unseres Landes in Verbindung gebracht werden, wieder in den \u00f6ffentlichen Raum zu bringen.\u201c Die R\u00fcckkehr der Symbole des Stalinismus nach Moskau sei eine Verspottung der Geschichte, eine Verh\u00f6hnung der Nachkommen der Unterdr\u00fcckten und eine Schande f\u00fcr Moskau, sagt Maxim Kruglow von Jabloko.\u00a0<\/p>\n<p>    Auch interessant<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/409593097_1753375801_v1_1_200.jpeg\" class=\"block w-full object-cover relative z-10 aspect-[1\/1] \" alt=\"dpatopbilder - 23.07.2025, Ukraine, Lemberg: Teilnehmer halten Transparente w\u00e4hrend einer Demonstration gegen ein Gesetz, das die Unabh\u00e4ngigkeit von Antikorruptionsorganen beschr\u00e4nkt. Das neue Gesetz hat in der Ukraine zu den gr\u00f6\u00dften Protesten seit Kriegsbeginn gef\u00fchrt. Foto: Mykola Tys\/AP\/dpa +++ dpa-Bildfunk +++\" title=\"dpatopbilder - 23.07.2025, Ukraine, Lemberg: Teilnehmer halten Transparente w\u00e4hrend einer Demonstration gegen ein Gesetz, das die Unabh\u00e4ngigkeit von Antikorruptionsorganen beschr\u00e4nkt. Das neue Gesetz hat in der Ukraine zu den gr\u00f6\u00dften Protesten seit Kriegsbeginn gef\u00fchrt. Foto: Mykola Tys\/AP\/dpa +++ dpa-Bildfunk +++\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>In Putins Russland wird die eine Seite des Sowjet-Diktators verherrlicht, die andere aber unterdr\u00fcckt. Die Organisation \u201eMemorial\u201c, gegr\u00fcndet 1989, war quasi das historische Gewissen der postsowjetischen Welt. Seit 2021 ist sie in Russland verboten. \u201eMemorial\u201c war immer unbequem. Ob der Tschetschenien-Krieg, oder heute Menschenrechtsverletzungen in Russland und die K\u00e4mpfe in der <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/ukraine\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1642507080\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ukraine<\/a>, die Organisation mischte sich ein und war den Machthabern, damals in der Sowjetunion und heute in Russland, immer ein Dorn im Auge. \u00dcber 60.000 Akten aus der Stalinzeit katalogisierte \u201eMemorial\u201c. Das Archiv war die wichtigste und oft einzige Quelle f\u00fcr Angeh\u00f6rige von Opfern der Stalinzeit, die genaueres \u00fcber deren Schicksal erfahren wollten. 2022 erhielt die Organisation daf\u00fcr und f\u00fcr ihr gesellschaftspolitisches Engagement den Friedensnobelpreis.\u00a0<\/p>\n<p>   Stalin als Held? Wie die Erinnerung die Realit\u00e4t verdr\u00e4ngt  <\/p>\n<p>Wie aber denken die Russinnen und Russen \u00fcber Stalin? J\u00fcngst befragte das Netzportal \u201eVFokuse Mail\u201c 22.000 Menschen aus 50 Regionen des Landes. Sicher keine repr\u00e4sentative Umfrage, der Trend aber d\u00fcrfte stimmen. 60 Prozent der Befragten halten Stalin \u201ef\u00fcr einen herausragenden oder bedeutenden Staatsmann\u201c. Nur 29 Prozent betrachten ihn eher kritisch. Und neue Stalin-Denkm\u00e4ler? 46 Prozent der Befragten finden die Idee gut, 32 Prozent lehnen die Errichtung neuer Denkm\u00e4ler ab. Gem\u00e4\u00df der Umfrage bef\u00fcrworten allerdings 85 Prozent der Menschen den Erhalt der bestehenden Stalin-Monumente. Sie w\u00fcrden \u201evon der Mehrheit nicht als Relikt der Vergangenheit wahrgenommen, sondern als bedeutender Bestandteil des historischen Erbes\u201c, so \u201eVFokuse Mail\u201c.\u00a0<\/p>\n<p>   Mangelndes Geschichtsbewusstsein in Russland  <\/p>\n<p>Das autokratisch gepr\u00e4gte Russland unter Putin ist sicherlich nicht vergleichbar mit der Diktatur Stalins in der Sowjetunion. Allerdings pr\u00e4gen die Denkmuster von damals noch heute vor allem die \u00e4lteren Menschen in Russland. \u201eStalin ist eine Person, die vor allem mit einem gro\u00dfen <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/ratgeber-wissen\/psychologie\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/ratgeber-wissen\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1666782742\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">psychischen<\/a> Trauma verbunden ist, das seine Herrschaft verursacht hat\u201c, meint der Soziologe Alexej Roschin. \u201eDiese Atmosph\u00e4re der Angst, die Atmosph\u00e4re st\u00e4ndiger Repression \u2013 daran erinnern sich die Menschen noch heute. Selbst diejenigen, die behaupten, nichts davon mitbekommen zu haben, haben ihre Erlebnisse h\u00f6chstwahrscheinlich einfach verdr\u00e4ngt.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>   Hauptstadt Inside von J\u00f6rg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion<\/p>\n<p class=\"text-body2 mt-2\">Hinter den Kulissen der Politik &#8211; meinungsstark, exklusiv, relevant.<\/p>\n<p class=\"text-caption text-copy-secondary\">\n          Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der<br \/>\n          <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/service\/newsletter-adconsent\" class=\"text-overline text-copy-accent-negative dark:underline\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Werbevereinbarung<\/a><br \/>\n          zu.\n        <\/p>\n<p>Mangelndes Geschichtsbewusstsein beklagt Alexandr gegen\u00fcber unserer Redaktion: \u201eHeute stehen nur die Leistungen Stalins auf dem Podest. Daher \u00e4ndert sich die Einstellung der jungen Generation. Das macht mir pers\u00f6nlich Sorge, weil die Objektivit\u00e4t gegen\u00fcber historischen Ereignissen verloren geht.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Moskau. Russland verkl\u00e4rt Stalins Rolle als Feldherr \u2013 und verdr\u00e4ngt seine Verbrechen. 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