{"id":296233,"date":"2025-07-26T19:48:12","date_gmt":"2025-07-26T19:48:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/296233\/"},"modified":"2025-07-26T19:48:12","modified_gmt":"2025-07-26T19:48:12","slug":"koennen-unsere-schuldenberge-eine-revolution-ausloesen-lehren-aus-der-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/296233\/","title":{"rendered":"K\u00f6nnen unsere Schuldenberge eine Revolution ausl\u00f6sen? Lehren aus der Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Die Franz\u00f6sische Revolution hatte auch mit einem finanziellen Sanierungsprogramm zu tun: Immer wieder haben Schuldenkrisen die Weltgeschichte auf eine absch\u00fcssige politische Bahn geschickt. Trotzdem verhallen heute warnende Stimmen folgenlos.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Die Schuldenuhr tickt, die politischen Folgen werden kommen, aber noch interessiert es nur wenige brennend.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"6506\" height=\"4337\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/aeb26ba4-0f57-46ea-91ea-85ea5ce0b2c9.jpeg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Die Schuldenuhr tickt, die politischen Folgen werden kommen, aber noch interessiert es nur wenige brennend. <\/p>\n<p>Michael Nguyen \/ Imago<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0tv72a30\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Sie wachsen und wachsen, die Schuldenberge, obwohl st\u00e4ndig vor ihnen gewarnt wird. Die gr\u00f6sseren westlichen Staaten scheinen nicht mehr in der Lage zu sein, Einnahmen und Ausgaben auszugleichen. Im laufenden Jahr betr\u00e4gt das Budgetdefizit in Deutschland 4 Prozent, in Frankreich und Grossbritannien \u00fcber 5 Prozent und in den USA gar \u00fcber 6 Prozent.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.\n      <\/p>\n<p>Bitte passen Sie die Einstellungen an.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10nr5qc1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Auch China hat enorme finanzpolitische Probleme. Offiziell beziffert die chinesische Regierung das Budgetdefizit auf 4 Prozent. Ber\u00fccksichtigt man jedoch auch alle Ausgaben f\u00fcr die soziale Sicherheit und die Infrastruktur, d\u00fcrften es etwa 10 Prozent sein. Nicht nur Demokratien, sondern auch Diktaturen haben Schwierigkeiten, ihre finanziellen Versprechungen mit Steuereinnahmen zu finanzieren.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10npken0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Gewiss, die Defizite der westlichen L\u00e4nder haben auch mit der Aufr\u00fcstung zu tun. Insofern handelt es sich um ausserordentliche Ausgaben in ausserordentlichen Zeiten. Doch die strukturellen Defizite bestehen schon lange.<\/p>\n<p>\u00dcberschuss nur dank Mobilfunklizenzen<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10ntbbu1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Frankreich hatte 1974 zum letzten Mal einen Budget\u00fcberschuss. Grossbritannien schrieb seit 1971 nur f\u00fcnfmal schwarze Zahlen, wobei der letzte \u00dcberschuss von 2021 nur dank ausserordentlichen Einnahmen aus dem Verkauf von Mobilfunklizenzen zustande kam.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10ns52j1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00c4hnlich sieht es bei den USA aus: Seit Mitte der 1970er Jahre verzeichnet die Grossmacht immer ein Defizit \u2013 abgesehen von der Hochkonjunkturperiode von 1998 bis 2001.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10ntpmv1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Selbst Deutschland hat ein strukturelles Problem. Von 1962 bis 2013 hat Berlin nur dreimal einen Finanzierungs\u00fcberschuss erzielt, und die \u00dcbersch\u00fcsse von 2014 bis 2019 waren alles andere als nachhaltig, kamen sie doch nur dank einer drastischen Senkung der staatlichen Investitionen zustande. Heute muss Deutschland dieses Vers\u00e4umnis mit hohen Defiziten wieder ausgleichen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10npkes0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Warum haben die warnenden Stimmen keine Wirkung? Die Antwort ist einfach: Die Fehler von heute r\u00e4chen sich erst mit einer grossen Verz\u00f6gerung, alle unangenehmen Entscheidungen lassen sich vertagen. Umso erbarmungsloser straft der Ausbruch einer Schuldenkrise die gerade amtierenden Politiker ab.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10nuh3u1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die Nemesis ist oft so gewaltig, dass die finanzpolitischen Verwerfungen ein politisches Erdbeben, ja sogar eine Revolution ausl\u00f6sen. Die Geschichte sollte eigentlich als Abschreckung dienen. Immer wieder haben Schuldenkrisen die Weltgeschichte auf eine absch\u00fcssige politische Bahn geschickt.<\/p>\n<p>\u00d6konom warnte 13 Jahre vor der Franz\u00f6sischen Revolution<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10npkev0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Das klassische Beispiel ist die Franz\u00f6sische Revolution. Frankreich verzeichnete seit Jahrzehnten ein strukturelles Defizit, weil es st\u00e4ndig kostspielige Kriege anzettelte und verlor. Im Mai 1789 rief deshalb der franz\u00f6sische K\u00f6nig die Vertreter der drei St\u00e4nde nach Versailles, um ein finanzpolitisches Sanierungsprogramm zu beschliessen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10nv6c61\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Einen gr\u00f6sseren Fehler h\u00e4tte er nicht machen k\u00f6nnen, denn er schuf mit dieser St\u00e4ndeversammlung ein Forum, bei dem sich alle Unzufriedenen \u00fcber Wochen hinweg an einem Ort austauschen und organisieren konnten. Die b\u00fcrgerlichen Oppositionellen hatten nie im Sinne, dem K\u00f6nig zu helfen, sondern brachten ganz andere Pl\u00e4ne mit nach Versailles. Auch Adel und Klerus hatten kein Interesse, dem K\u00f6nig aus der Patsche zu helfen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10npkf00\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Wer also die Franz\u00f6sische Revolution nur mit den aufkl\u00e4rerischen Ideen oder der schlechten Ernte im Winter 1788\/89 erkl\u00e4ren will, hat nur teilweise recht. Der konkrete finanzpolitische Anlass war genauso wichtig, und die Zeitgenossen wussten um die Bedeutung der Finanzreform f\u00fcr das \u00dcberleben der Monarchie.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10nvr5d1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Bereits Mitte der 1770er Jahre hatte der franz\u00f6sische Finanzminister Turgot, einer der brillantesten \u00d6konomen seiner Zeit, vor dem Eintritt in den amerikanischen B\u00fcrgerkrieg gewarnt. 1776 schrieb er dem K\u00f6nig: \u00abDer erste Kanonenschuss wird den Staat in den Bankrott treiben.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10o08jv1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Turgot wurde im selben Jahr entlassen, zwei Jahre sp\u00e4ter trat Frankreich in den Krieg ein, und nach Ende des gewonnenen Kriegs war das Land kurz vor dem Staatsbankrott. Heute wie damals war eine Staatsschuldenkrise kein schwarzer Schwan, ein unvorstellbares und vollkommen \u00fcberraschendes Ereignis.<\/p>\n<p>Autorit\u00e4re Wende m\u00f6glich<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10npkf10\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Werden die wachsenden Schuldenberge im 21.\u00a0Jahrhundert ebenfalls zu grossen politischen Umw\u00e4lzungen f\u00fchren? Eine Schuldenkrise k\u00f6nnte durchaus mit einem Strukturbruch verbunden sein. Denn wenn die westlichen Regierungen den Staatshaushalt sanieren wollen, werden sie in manchen L\u00e4ndern zu Notmassnahmen greifen m\u00fcssen, um die demokratische Blockade zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j10o16hm1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Frankreich ist l\u00e4ngst an diesem Punkt: Eine Sperrminorit\u00e4t von Linken und Rechten verhindert jede Reform. K\u00f6nnte es sein, dass Paris einmal mehr zum Ausgangspunkt von grossen Unruhen wird? Eine Revolution wird es kaum geben, aber eine autorit\u00e4re Wende wird immer wahrscheinlicher.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0tutm8e0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Tobias Straumann ist Professor f\u00fcr Wirtschaftsgeschichte an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Franz\u00f6sische Revolution hatte auch mit einem finanziellen Sanierungsprogramm zu tun: Immer wieder haben Schuldenkrisen die Weltgeschichte auf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":296234,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-296233","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114921269004958840","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/296233","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=296233"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/296233\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/296234"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=296233"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=296233"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=296233"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}