{"id":296662,"date":"2025-07-26T23:50:16","date_gmt":"2025-07-26T23:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/296662\/"},"modified":"2025-07-26T23:50:16","modified_gmt":"2025-07-26T23:50:16","slug":"ukraine-2025-droht-selenskyj-sein-persoenlicher-maidan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/296662\/","title":{"rendered":"Ukraine 2025: Droht Selenskyj sein pers\u00f6nlicher Maidan?"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/shutterstock_2589969781-2cd2a4df4b375661.jpeg\"  width=\"4583\" height=\"2575\"  alt=\"Wolodymyr Selenskyj\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Angez\u00e4hlt. Wolodymyr Selenskyj. <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/kyiv-ukraine-february-23-2025-ukrainian-2589969781\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Bild<\/a>: Photowalking\/ Shutterstock.com<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Massenprotest gegen Schw\u00e4chung der Antikorruptionsbeh\u00f6rden. Demonstranten missachten Ausgangssperre. Steht die Ukraine vor einem Umsturz?<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Massenproteste in Kiew markieren einen Wendepunkt in der ukrainischen Innenpolitik. Erstmals seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 gehen Tausende Ukrainer gegen ihre eigene Regierung auf die Stra\u00dfe. Der Ausl\u00f6ser: Ein umstrittenes Gesetz, das die Unabh\u00e4ngigkeit der Anti-Korruptionsbeh\u00f6rden faktisch abschafft. F\u00fcr Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj k\u00f6nnte dies zum gef\u00e4hrlichsten Moment seiner Amtszeit werden.<\/p>\n<p>Das Ende der stillen \u00dcbereinkunft<\/p>\n<p>Seit \u00fcber drei Jahren herrschte in der Ukraine eine Art stillschweigende \u00dcbereinkunft: Interne Kritik an der Regierung wurde zur\u00fcckgestellt, um nach au\u00dfen Einheit zu demonstrieren. Diese informelle Vereinbarung zwischen Regierung und Zivilgesellschaft ist nun gebrochen. Als die Werchowna Rada am 22. Juli 2025 ein Gesetz verabschiedete, das die nationalen Anti-Korruptionsbeh\u00f6rden Nabu und Sapo unter die direkte Kontrolle des vom Pr\u00e4sidenten ernannten Generalstaatsanwalts stellt, \u00fcberschritten die Demonstranten eine unsichtbare rote Linie.<\/p>\n<p>Die Symbolik k\u00f6nnte kaum brisanter sein: Veteranen mit sichtbaren Kriegsverletzungen, darunter Amputierte mit Prothesen, protestierten bis nach Mitternacht und missachteten damit sogar die milit\u00e4rische Ausgangssperre. Dmytro Koziatynskyi, selbst Kriegsveteran, rief die Massen mit den Worten auf die Stra\u00dfe: &#8222;Wir m\u00fcssen eine R\u00fcckkehr in die \u00c4ra Janukowitsch verhindern.&#8220; Der Verweis auf den 2014 gest\u00fcrzten Pr\u00e4sidenten ist kein Zufall &#8211; er weckt Erinnerungen an den Euromaidan und die &#8222;Revolution der W\u00fcrde&#8220;.<\/p>\n<p>Korruption: Das verdr\u00e4ngte Problem<\/p>\n<p>Die Korruptionsbek\u00e4mpfung war vor dem russischen Angriff eines der zentralen Themen in den Beziehungen zwischen der Ukraine und der Europ\u00e4ischen Union. Br\u00fcssel machte unmissverst\u00e4ndlich klar: Ohne funktionierende Anti-Korruptionsinstitutionen kein EU-Beitritt. Die Gr\u00fcndung von Nabu und Sapo galt als Meilenstein auf diesem Weg. Doch seit Februar 2022 wurde dieses Thema systematisch aus dem \u00f6ffentlichen Diskurs verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Diese Verdr\u00e4ngung hatte durchaus nachvollziehbare Gr\u00fcnde. Westliche Partner vermieden \u00f6ffentliche Kritik an Kiew, um Russland keine Propagandamunition zu liefern. Die ukrainische Gesellschaft selbst stellte den Kampf ums \u00dcberleben \u00fcber innenpolitische Auseinandersetzungen. Doch diese Strategie des Schweigens hat einen hohen Preis: In einem vom Krieg zerr\u00fctteten Staat, in dem normale Kontrollmechanismen au\u00dfer Kraft gesetzt sind, breitet sich Korruption wie ein Krebsgeschw\u00fcr aus.<\/p>\n<p>Die Achillesferse der westlichen Unterst\u00fctzung<\/p>\n<p>Die aktuelle Krise offenbart ein fundamentales Dilemma der westlichen Ukraine-Politik. Seit Kriegsbeginn flossen Milliarden an Milit\u00e4r- und Wirtschaftshilfe nach Kiew. Allein die USA stellten \u00fcber 100 Milliarden Dollar zur Verf\u00fcgung, die EU weitere Dutzende Milliarden. Diese Gelder stammen aus Steuereinnahmen westlicher B\u00fcrger, die zunehmend kritische Fragen stellen: Wohin flie\u00dft das Geld wirklich? Werden die Hilfen zweckgem\u00e4\u00df verwendet?<\/p>\n<p>Die Schw\u00e4chung der Anti-Korruptionsbeh\u00f6rden kommt zur Unzeit. In Washington, Berlin und Br\u00fcssel w\u00e4chst der Rechtfertigungsdruck gegen\u00fcber den eigenen W\u00e4hlern. Die hastige Reaktion westlicher Spitzenpolitiker zeigt die Nervosit\u00e4t: Emmanuel Macron und Ant\u00f3nio Costa telefonierten pers\u00f6nlich mit Selenskyj, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos warnte eindringlich, dass unabh\u00e4ngige Anti-Korruptionsinstitutionen &#8222;entscheidend f\u00fcr den EU-Kurs der Ukraine&#8220; seien.<\/p>\n<p>Selenskyjs gef\u00e4hrliches Machtspiel<\/p>\n<p>Die Art und Weise, wie das Gesetz durchgepeitscht wurde, offenbart autorit\u00e4re Tendenzen. Abgeordnete wurden kurzfristig nach Kiew beordert, mit dem Hinweis, &#8222;der Boss&#8220; beobachte genau, wer sich widersetze. Die Abstimmung erfolgte mit Unterst\u00fctzung ehemaliger pro-russischer Parlamentarier &#8211; eine unheilige Allianz, die Fragen aufwirft. Besonders brisant: Laut NABU-Direktor Semen Kryvonos stimmten mehrere Abgeordnete f\u00fcr das Gesetz, die selbst Verd\u00e4chtige in laufenden Korruptionsermittlungen sind.<\/p>\n<p>Der Zeitpunkt scheint kalkuliert: Selenskyj nutzte offenbar die Ablenkung durch Donald Trumps turbulente erste Tage im Amt, um innenpolitisch Fakten zu schaffen. Doch die Rechnung ging nicht auf. Die Proteste zeigen, dass die ukrainische Zivilgesellschaft wachsam bleibt. Liubov Tsybulska, eine Regierungsberaterin, brachte die Stimmung auf den Punkt: &#8222;Die Russen wollen uns t\u00f6ten&#8230; Aber daran gew\u00f6hnt man sich. Viel schlimmer ist es, Gefahr von denen zu sp\u00fcren, die dein Land regieren.&#8220;<\/p>\n<p>Kriegsm\u00fcdigkeit trifft auf Korruptionswut<\/p>\n<p>Die Proteste sind Symptom einer tieferen Krise. Nach dreieinhalb Jahren Krieg ist die ukrainische Gesellschaft ersch\u00f6pft. Die Mobilisierung stockt, nicht zuletzt weil bekannt ist, dass Angeh\u00f6rige der Elite sich dem Milit\u00e4rdienst entziehen und im Ausland ein komfortables Leben f\u00fchren. Yehor Firsov, Abgeordneter und Drohnenkommandeur an der Front, warnt vor den Auswirkungen auf die Kampfmoral: &#8222;Ich f\u00fcrchte, dass die Soldaten sich fragen werden: Wof\u00fcr k\u00e4mpfen wir eigentlich noch?&#8220;<\/p>\n<p>Diese Kriegsm\u00fcdigkeit verbindet sich nun mit der Wut \u00fcber Korruption zu einer explosiven Mischung. Die Demonstranten skandieren &#8222;Ich bin kein Trottel!&#8220; &#8211; ein Zitat Selenskyjs aus seinen Anfangstagen als Pr\u00e4sident, das nun gegen ihn gewendet wird. Die Ironie ist bitter: Der Mann, der einst als Komiker die Maidan-Proteste verspottete, sieht sich nun selbst mit einem m\u00f6glichen neuen Maidan konfrontiert.<\/p>\n<p>Die offene Zukunft<\/p>\n<p>Selenskyjs hastige Ank\u00fcndigung, ein neues Gesetz vorzulegen, das die Unabh\u00e4ngigkeit der Anti-Korruptionsbeh\u00f6rden wahrt, zeigt seine Verwundbarkeit. Mit 65 Prozent Zustimmung ist er zwar nicht unpopul\u00e4r, doch diese Zahlen k\u00f6nnten schnell erodieren. Die Geschichte lehrt, dass ukrainische Pr\u00e4sidenten, die das Vertrauen der Stra\u00dfe verlieren, selten im Amt bleiben.<\/p>\n<p>Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Selenskyj die Lehren aus der Vergangenheit gezogen hat. W\u00e4hlt er den Dialog mit der Zivilgesellschaft oder setzt er auf weitere Machtkonzentration? Die Antwort wird nicht nur \u00fcber seine politische Zukunft entscheiden, sondern auch \u00fcber den weiteren Weg der Ukraine. Denn eines ist klar: Ein Land, das f\u00fcr europ\u00e4ische Werte und gegen russische Aggression k\u00e4mpft, kann es sich nicht leisten, diese Werte im Inneren zu verraten.<\/p>\n<p>Die aktuelle Krise ist mehr als eine innenpolitische Turbulenz. Sie ist ein Lackmustest f\u00fcr die ukrainische Demokratie unter Kriegsbedingungen. Gelingt es nicht, Korruption einzud\u00e4mmen und demokratische Institutionen zu sch\u00fctzen, droht die Ukraine nicht nur milit\u00e4risch, sondern auch moralisch zu verlieren. F\u00fcr Selenskyj k\u00f6nnte dies tats\u00e4chlich zum eigenen Maidan werden \u2013 mit ungewissem Ausgang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Angez\u00e4hlt. Wolodymyr Selenskyj. Bild: Photowalking\/ Shutterstock.com Massenprotest gegen Schw\u00e4chung der Antikorruptionsbeh\u00f6rden. Demonstranten missachten Ausgangssperre. Steht die Ukraine vor&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":296663,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,324,14,15,12,317,1712,107],"class_list":{"0":"post-296662","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-korruption","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-ukraine","16":"tag-ukraine-krieg","17":"tag-wolodymyr-selenskyj"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114922220664389657","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/296662","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=296662"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/296662\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/296663"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=296662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=296662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=296662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}