{"id":297177,"date":"2025-07-27T04:56:11","date_gmt":"2025-07-27T04:56:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/297177\/"},"modified":"2025-07-27T04:56:11","modified_gmt":"2025-07-27T04:56:11","slug":"im-reaktor-erzeugbar-kernfusion-koennte-gold-wertlos-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/297177\/","title":{"rendered":"Im Reaktor erzeugbar: Kernfusion k\u00f6nnte Gold wertlos machen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein US-Startup will das jahrtausendealte R\u00e4tsel gel\u00f6st haben, wie man aus anderen Elementen Gold herstellt: als Abfallprodukt in Nuklearreaktoren. Nicht nur Energie, auch das Edelmetall k\u00f6nnte so in Zukunft wom\u00f6glich faktisch unbegrenzt erzeugt werden &#8211; mit dramatischen Folgen.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist ein jahrtausendealter Traum: Gold einfach aus anderen Elementen zu erzeugen, statt es unter lebensgef\u00e4hrlichen Bedingungen in Minen abzubauen, daf\u00fcr W\u00e4lder abzuholzen, Fl\u00fcsse mit Quecksilber zu vergiften und die Landschaft mit Abraum zu verschandeln. Schon im alten \u00c4gypten war die Chrysopoeia &#8211; die Umwandlung niederer Metalle wie Blei in das wichtigste Edelmetall &#8211; ein zentrales Ziel der Alchemie. Auch die Griechen und R\u00f6mer versuchten sich erfolglos in der k\u00fcnstlichen Goldherstellung. Ein Startup aus San Francisco will nun einen Weg gefunden haben, der den Menschheitstraum eines Tages im gro\u00dfen Stil wahr machen soll: nukleare Fusion.<\/p>\n<p>  <a title=\"Gold Spot USD\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/boersenkurse\/devisen\/gold usd-2323869\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1753592171_727_chartNG.gfn\" alt=\"Gold, Feinunze\" class=\"space__strech lazyload\"\/>    <strong>Gold, Feinunze<\/strong>  3.336,81  <\/a>  <\/p>\n<p> Getrieben vom Energiehunger der KI-Revolution <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/KI-Boom-belebt-Zombie-Atomkraftwerke-wieder-article25302170.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_self\">erlebt die Kernkraft eine Renaissance.<\/a> Dutzende Startups weltweit forschen dabei an Fusionsreaktoren, <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/wirtschaft_startup\/Heike-Freund-von-Marvel-Fusion-Notwendigkeit-fuer-Fusionsenergie-war-nie-so-gross-wie-heute-article24696330.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_self\">auch in Deutschland<\/a>. Denn auch wenn funktionierende Fusionsreaktoren wom\u00f6glich noch Jahrzehnte entfernt sind, verspricht die Technik potenziell unendliche, saubere und verl\u00e4ssliche Energie &#8211; <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wissen\/Liefert-Kernfusion-die-Energie-der-Zukunft-article24805620.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_self\">ohne CO2-Emissionen oder radioaktiven M\u00fcll<\/a>.<\/p>\n<p>Um neue Brennstoff-Technologien f\u00fcr solche nukleare Fusionsreaktoren zu entwickeln, wurde 2023 Marathon Fusion gegr\u00fcndet. Dabei will die Firma quasi nebenbei nicht nur einen &#8222;praktikablen Weg zur gro\u00dftechnischen, fusionsgetriebenen Umwandlung von Quecksilber in Gold&#8220; gefunden haben. Sondern mit dem Ansatz k\u00fcnftigen Fusionsreaktoren &#8222;eine neue Einkommensquelle er\u00f6ffnen&#8220; und sie so wirtschaftlich \u00fcberhaupt erst tragf\u00e4hig machen. <\/p>\n<p>Gold durch Kraft der Sonne<\/p>\n<p>Die Kosten eines Fusionsreaktors sind wegen des enormen technischen Aufwands gigantisch. Die grunds\u00e4tzliche Idee ist zwar einfach: Wasserstoffatome werden zu Heliumkernen verschmolzen &#8211; die nukleare Fusionsreaktion, die die meisten Sterne im Universum und auch unsere Sonne antreibt. Doch praktisch m\u00fcssen daf\u00fcr im Reaktor zwei verschiedene Wasserstoff-Isotope &#8211; Deuterium (mit einem Neutron) und Tritium (mit zwei Neutronen) &#8211; auf mehr als 100 Millionen Grad erhitzt werden, bis sie zu einem Heliumkern (mit zwei Neutronen) fusionieren und dabei Energie &#8211; in Form eines freien Neutrons &#8211; abgeben.<\/p>\n<p> Damit die Fusion in Gang bleibt und immer wieder genug Tritium als Brennstoff im Plasma entsteht, wird der Reaktor mit einem Mantel aus Lithium umh\u00fcllt. Denn Lithium zerf\u00e4llt bei Kontakt mit dem freiwerdenden Neutron aus der Fusionsreaktion zu Helium &#8211; und eben neuem Tritium, das so den Fusionsprozess weiter antreibt. Der Fusionsreaktor basiert darauf, verschiedene Elemente der Natur ineinander umzuwandeln: Wasserstoff wird zu Helium, Lithium zu Tritium. Warum die Kernfusion dann nicht auch f\u00fcr andere nukleare Rekombinationen nutzen &#8211; etwa f\u00fcr die k\u00fcnstliche Herstellung von Gold, die nicht nur \u00c4gypter und Griechen im Sinn hatten? <\/p>\n<p>Marathon schl\u00e4gt daher vor, zus\u00e4tzlich zu Lithium noch Quecksilber in den Mantel um den Fusionsreaktor zu geben. Denn ein bestimmtes Quecksilber-Isotop (mit 118 Neutronen) verwandelt sich bei Kontakt mit den Neutronen aus der Fusionsreaktion in ein anderes Quecksilber-Isotop (mit 117 Neutronen). Und das ist instabil &#8211; und zerf\u00e4llt innerhalb von 64 Stunden zu Gold. <\/p>\n<p>Ein Teil der freiwerdenden Neutronen aus der Wasserstoff-zu-Helium-Fusion soll im Marathon-Reaktor also weiter zur Energiegewinnung genutzt werden. Die andere H\u00e4lfte jedoch zur Goldproduktion. Das Entscheidende ist: Der Brennstoffkreislauf soll dadurch aber nicht abgew\u00fcrgt werden. Gold f\u00e4llt quasi als Nebenprodukt ab, ohne die Energieerzeugung zu unterbrechen. <\/p>\n<p>Bislang ist der Reaktor zwar reine Zukunftsmusik, und Marathon hat den Vorschlag lediglich in einem Paper ver\u00f6ffentlicht, das noch nicht peer-reviewed wurde. &#8222;Auf dem Papier sieht es gro\u00dfartig aus, und jeder, mit dem ich dar\u00fcber gesprochen habe, ist interessiert und begeistert&#8220;, zitiert die &#8222;Financial Times&#8220; jedoch Ahmed Diallo, einen Kernphysiker der Princeton-Universit\u00e4t und Kernfusions-Experte.<\/p>\n<p>Marathon-Gr\u00fcnder Adam Rutkowski, der zuvor als Raketen-Ingenieur bei Elon Musks SpaceX gearbeitet hat, verspricht sich von seiner Idee, die kommerzielle Anwendung von Kernfusion massiv zu beschleunigen. Denn der Verkauf von im Reaktor erzeugten Gold k\u00f6nnte ausreichen, &#8222;um die Kapital- und Betriebskosten auszugleichen und in vielen F\u00e4llen sogar vollst\u00e4ndig zu decken. Diese zus\u00e4tzlichen Erl\u00f6se senken die tats\u00e4chlichen Stromerzeugungskosten erheblich&#8220;, hei\u00dft es in seinem Paper. Fusionsenergie w\u00fcrde dadurch zu mehr als einer reinen Energiequelle &#8211; &#8222;was ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wert erheblich steigert.&#8220;<\/p>\n<p>Macht Kernfusion Gold zum Billigmetall?<\/p>\n<p> Das h\u00e4ngt jedoch davon ab, wieviel sich mit dem Verkauf des Goldes verdienen l\u00e4sst. In seinem Paper geht Rutkowski von zwei Tonnen, in der &#8222;Financial Times&#8220; von j\u00e4hrlich bis zu f\u00fcnf Tonnen Gold je Gigawatt Stromerzeugungskapazit\u00e4t aus, ohne die Leistung des Reaktors zu mindern. Bei den gegenw\u00e4rtigen Marktpreisen w\u00e4re das Gold dann in etwa so viel wert wie der erzeugte Strom selbst &#8211; und w\u00fcrde den Gewinn eines Fusionskraftwerks entsprechend verdoppeln.<\/p>\n<p>Rutkowski nimmt allerdings an, dass das zus\u00e4tzliche Reaktor-Gold auf dem Markt nicht den Preis dr\u00fcckt. Bislang werden weltweit j\u00e4hrlich \u00fcber 3500 Tonnen des Edelmetalls gef\u00f6rdert. Zusammen mit allem recyceltem Gold lag das Gesamtangebot im vergangenen Jahr laut World Gold Council bei rund 5000 Tonnen. Theoretisch lie\u00dfen sich also k\u00fcnftig Fusionsreaktoren mit 1000 bis 2500 Gigawatt Leistung bauen, bevor sie laut Rutkowskis Annahmen synthetisch soviel Gold erzeugen wie momentan herk\u00f6mmlich gef\u00f6rdertes Gold gekauft wird. Das ist sicherlich eine Menge und k\u00f6nnte helfen, die wirtschaftlichen Einstiegsh\u00fcrden der Kernfusion zu senken.<\/p>\n<p> Doch auf Dauer w\u00fcrde die synthetische Goldproduktion den Markt wohl \u00fcberschwemmen und den Goldpreis crashen. Denn schon heute liegt die weltweite Stromerzeugungskapazit\u00e4t aller Kraftwerke laut US-Energieagentur (EIA) mit \u00fcber 9000 Gigawatt fast viermal so hoch &#8211; und durch den KI-Boom wird sie noch massiv steigen. Nur die ersten Fusionsreaktoren werden mit zus\u00e4tzlicher Goldproduktion also Geld verdienen k\u00f6nnen. Falls sich die Kernfusion als dominante Energiequelle durchsetzen und die synthetische Erzeugung dabei zum regul\u00e4ren Nebengesch\u00e4ft werden sollte, k\u00f6nnte sie nicht nur Strom deutlich g\u00fcnstiger machen. Sondern auch Gold faktisch zum Billigmetall degradieren.<\/p>\n<p>Bis aus der Theorie wom\u00f6glich Wirklichkeit wird, ist es noch ein langer Weg. Selbst die optimistischsten Prognosen privater Fusionsunternehmen gehen von einer kommerziellen Nutzung der Kernfusion erst ab Anfang bis Mitte der 2030er Jahre aus. Und selbst danach w\u00fcrde noch mehr Zeit vergehen: Durch die nat\u00fcrliche Verunreinigung von Quecksilber entstehen bei der Produktion im Fusionsreaktor auch instabile Isotope, die zerfallen und die Goldernte teilweise radioaktiv machen. Laut Rutkowski m\u00fcsste sie etwa 14 bis 18 Jahre gelagert werden, bevor sie genutzt werden kann. Bis der Menschheitstraum, Gold nach Belieben zu erschaffen wom\u00f6glich wahr wird, d\u00fcrfte es bestenfalls also noch Jahrzehnte dauern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein US-Startup will das jahrtausendealte R\u00e4tsel gel\u00f6st haben, wie man aus anderen Elementen Gold herstellt: als Abfallprodukt in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":297178,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134],"tags":[175,170,169,29,627,30,668,2311,171,174,36354,173,172,55],"class_list":{"0":"post-297177","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-business","9":"tag-companies","10":"tag-companies-markets","11":"tag-deutschland","12":"tag-energieversorgung","13":"tag-germany","14":"tag-gold","15":"tag-kernfusion","16":"tag-markets","17":"tag-maerkte","18":"tag-start-ups","19":"tag-unternehmen","20":"tag-unternehmen-maerkte","21":"tag-wirtschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114923424096972384","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/297177","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=297177"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/297177\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/297178"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=297177"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=297177"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=297177"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}