{"id":297221,"date":"2025-07-27T05:24:20","date_gmt":"2025-07-27T05:24:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/297221\/"},"modified":"2025-07-27T05:24:20","modified_gmt":"2025-07-27T05:24:20","slug":"jugendliche-als-gewalttaeter-warum-in-grossbritannien-so-viele-teenager-zum-messer-greifen-panorama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/297221\/","title":{"rendered":"Jugendliche als Gewaltt\u00e4ter &#8211; Warum in Gro\u00dfbritannien so viele Teenager zum Messer greifen &#8211; Panorama"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"teaserText\" data-schema-org-speakable=\"true\">Der Messerangriff im englischen Southport vor einem Jahr schockierte weltweit. Wie ein Brennglas lenkte er den Fokus auf ein Problem, das seit Jahren Gro\u00dfbritanniens Jugend gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Southport (dpa) &#8211; Die sechsj\u00e4hrige Bebe, die siebenj\u00e4hrige Elsie und die neun Jahre alte Alice: So hei\u00dfen die M\u00e4dchen, die am 29. Juli 2024 im englischen Southport bei einem Taylor-Swift-Tanzkurs mit einem K\u00fcchenmesser erstochen wurden &#8211; von einem T\u00e4ter, der mit damals 17 Jahren selbst noch fast ein Kind war.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Die Tat schockierte \u00fcber Gro\u00dfbritanniens Grenzen hinaus, befl\u00fcgelte nicht nur gewaltsame, rechtsextreme Ausschreitungen, sondern auch eine Debatte \u00fcber die seit Jahren hohe Zahl der Straftaten mit Messern, oft begangen von teils sehr jungen M\u00e4nnern. Denn der Vorfall in Southport mag in seiner Brutalit\u00e4t besonders sein, ist jedoch nur die Spitze einer traurigen Entwicklung, mit der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Gro%C3%9Fbritannien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gro\u00dfbritannien<\/a> schon lange zu k\u00e4mpfen hat.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Immer wieder sind Teenager in Messergewalt involviert, sowohl in der Opfer- als auch in der T\u00e4terrolle. Die Zahl der 13- bis 19-J\u00e4hrigen, die durch ein Messer oder einen anderen scharfen Gegenstand get\u00f6tet wurden, hat sich in den letzten zehn bis zw\u00f6lf Jahren mehr als verdoppelt, wie es in einem k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Bericht des britischen Youth Endowment Funds hei\u00dft.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Und die T\u00e4ter, die sind selbst oft Teenager. Ein 13-j\u00e4hriger Junge, der mit einem Messer auf einen Mitsch\u00fcler losgeht? In britischen Medien sind solche Schlagzeilen keine Seltenheit. Doch wie kommt es dazu, dass selbst die J\u00fcngsten in Gro\u00dfbritannien mit dem Messer in der Hosentasche aus dem Kinderzimmer spazieren?<\/p>\n<p>Experte: Griff zum Messer nicht mehr letzter Ausweg<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Zur Frage nach dem Warum gibt es, wie so oft, keine einfache Antwort. Das Problem zeige sich in vielen Facetten, erkl\u00e4rt der Londoner Kriminologe und Experte f\u00fcr Jugendgewalt, Simon Harding, im Gespr\u00e4ch der Deutschen Presse-Agentur. Klar sei: W\u00e4hrend der Griff zum Messer vor wenigen Jahren noch als letzter Ausweg galt, sei dies heute f\u00fcr viele ver\u00e4ngstigte Teenager der erste Schritt, sagt Harding.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Zum einen gebe es da kriminelle Banden, die schon 14-j\u00e4hrige Jungs zu T\u00e4tern (und Opfern) werden lassen. Zum anderen spielten auch Armut und ein in sozialen Medien h\u00e4ufig verzerrt dargestelltes Bild der Realit\u00e4t eine Rolle. Viele junge Menschen seien besorgt oder ver\u00e4ngstigt. \u201eEs gibt viele Gegenden, in denen sich junge Menschen einfach nicht mehr sicher f\u00fchlen, weil die Polizei nicht zugegen ist oder weil sie im Internet etwas gelesen haben\u201c, so der Experte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Gro\u00dfbritannien hat schon lange mit Messergewalt zu k\u00e4mpfen. (Symbolbild)\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/a09fd8e6-1b5a-42d0-8364-b21a6ff23fbb.jpg\"  role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"css-y4bre2\"\/>Gro\u00dfbritannien hat schon lange mit Messergewalt zu k\u00e4mpfen. (Symbolbild) (Foto: Paul Zinken\/dpa)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Und dann gibt es da noch die Einzelg\u00e4nger, die sich &#8211; wie im Falle des Southport-Attent\u00e4ters &#8211; in ihrem Kinderzimmer und schlie\u00dflich im Internet verkriechen und so Gefahr laufen, sich zu radikalisieren. Nach der Southport-Attacke sprach der britische Premier Keir Starmer von einer neuen Bedrohung. Es seien \u201eEinzelg\u00e4nger, Au\u00dfenseiter, junge M\u00e4nner\u201c, die sich online radikalisierten und verzweifelt nach Ruhm strebten. \u201eSie sind auf diese extreme Gewalt fixiert, anscheinend um ihrer selbst willen\u201c, sagte der Premier.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Teenager verlieren sich online schnell in einem Strudel der Gewalt &#8211; solange, bis sie selbst welche anwenden, sagt Harding. \u201eEs gibt keinen moralischen Kompass, der dir sagt: Jetzt ist genug, zieh dich zur\u00fcck\u201c, erkl\u00e4rt der Kriminologe. Der Kontakt in die Au\u00dfenwelt, der geschieht im Ernstfall erst mit einer Gewalttat.<\/p>\n<p>Dreimal an Pr\u00e4ventionsprojekt verwiesen<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Im Kampf dagegen schien die britische Regierung in der Vergangenheit oft machtlos. Das zeigte sich im Fall Southport besonders drastisch: In seiner <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Jugend\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jugend<\/a> war der heute 18-j\u00e4hrige T\u00e4ter den Beh\u00f6rden mehrfach auch wegen seiner Neigung zu Gewalt aufgefallen. Dreimal wurde er im Alter von 13 und 14 Jahren an das Pr\u00e4ventionsprojekt gegen Extremismus (\u201ePrevent\u201c) verwiesen. Konsequenzen hatte das nicht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Ein 17-J\u00e4hriger hatte am 29. Juli 2024 drei M\u00e4dchen erstochen. (Archivbild)\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/33b72ec9-f35d-42d3-b6d9-0f813860090e.jpg\"  role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"css-y4bre2\"\/>Ein 17-J\u00e4hriger hatte am 29. Juli 2024 drei M\u00e4dchen erstochen. (Archivbild) (Foto: Peter Byrne\/PA Wire\/dpa)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Er werde nicht zulassen, dass von einem Beh\u00f6rdenversagen abgelenkt werde, sagte Starmer damals und versprach eine Reihe an Ma\u00dfnahmen. Innenministerin Yvette Cooper k\u00fcndigte vor wenigen Tagen erneut an, \u201egewaltfixierte Personen\u201c wie den Southport-Attent\u00e4ter \u00e4hnlich wie Terroristen belangen zu wollen. Im Januar k\u00fcndigte die Regierung etwa auch Regelungen an, um gerade den Onlinekauf von Messern f\u00fcr Jugendliche zu erschweren.\u00a0<\/p>\n<p>Experte: Brauchen \u201enationalen Dialog\u201c mit Teenagern<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Doch aus Sicht des Experten Harding ist es vor allem entscheidend, an der Wurzel des Problems anzukn\u00fcpfen. Die zunehmende Isolierung junger Menschen sei dabei ein Grundproblem. \u201eWir m\u00fcssen sicherstellen, dass wir diese Menschen erreichen, sie einbeziehen und einbinden. Das ist das Wichtigste in Bezug auf Messergewalt\u201c, ist sich Harding sicher.\u00a0<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Man m\u00fcsse h\u00f6ren, was Jugendliche denken, \u201ewas sie w\u00fctend macht und ver\u00e4rgert und warum sie m\u00f6glicherweise Angst haben\u201c. Daf\u00fcr m\u00fcsse etwa auch der Kontakt zu den verschiedenen Communitys ausgebaut und die Polizeiarbeit verbessert werden. \u201eWir brauchen einen nationalen Dialog mit jungen Menschen. Niemand spricht mit ihnen und das ist einfach verr\u00fcckt.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Im Fall Southport ist die Pr\u00e4vention klar gescheitert &#8211; mit schlimmen Folgen, die bis heute sichtbar sind. Im Zuge einer \u00f6ffentlichen Untersuchung sagte die Mutter eines verletzten M\u00e4dchens k\u00fcrzlich: \u201eUnsere M\u00e4dchen verdienen eine Entschuldigung \u2013 untermauert von dem Versprechen, dass sich etwas \u00e4ndern wird und so etwas nie wieder geschehen darf.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">\u00a9 dpa-infocom, dpa:250727-930-843813\/1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Messerangriff im englischen Southport vor einem Jahr schockierte weltweit. 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