{"id":297305,"date":"2025-07-27T06:17:09","date_gmt":"2025-07-27T06:17:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/297305\/"},"modified":"2025-07-27T06:17:09","modified_gmt":"2025-07-27T06:17:09","slug":"missing-link-film-com-und-die-pioniertage-der-filmpublizistik-im-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/297305\/","title":{"rendered":"Missing Link: film.com und die Pioniertage der Filmpublizistik im Internet"},"content":{"rendered":"<p>Von Lucy Mohl hatte ich lange nichts geh\u00f6rt. Um so \u00fcberraschter war ich, im Juni 2025 bei heise online <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/Party-Girl-Vor-30-Jahren-wird-der-erste-Spielfilm-live-gestreamt-10423362.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wieder \u00fcber sie zu lesen<\/a>. Lucy Mohl hatte ich im Juni 1998 beim &#8222;Film Makers Forum&#8220; als Rahmenprogramm des 24. Seattle International Film Festivals (SIFF) kennengelernt, wo wir beide Podiumsteilnehmer gleich bei der ersten Panel-Session &#8222;Film im Cyberspace&#8220; am 11. Juni 1998 waren.<\/p>\n<p>Mohl pr\u00e4sentierte zun\u00e4chst eine Demo ihrer Website film.com mit anschaulicher Beamer-Gro\u00dfbildprojektion. Film.com hatte sie als Projekt 1994 gegr\u00fcndet, gerade als der NCSA MOSAIC HTML-Browser zu Netscape wurde. So konnte sie damals den Stand der Integration von Streaming-Video auf ihrer filmpublizistischen Website zeigen. Streaming-Video auf einer Web-Plattform integriert: damals eine Sensation.<\/p>\n<p>Streaming-Pionier Real Networks<\/p>\n<p>Real Networks, der Pionier des Streaming von Audio und Video im Internet, hatte film.com im Jahr zuvor \u00fcbernommen. Real Networks hatte nicht nur eigene, propriet\u00e4re Codecs f\u00fcr Audio und Video im Angebot sowie eigene Server-Technologie, sie boten zus\u00e4tzlich eigene Player-Clients wie den Real-Player f\u00fcr verschiedene Betriebssysteme zum Download an (damals ganz neu) und auf den damals \u00fcblichen CD-Software-Sammlungen (meist als Supplement von Computerzeitschriften, die diese ganze Medienrevolution erkl\u00e4ren durften).<\/p>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"1274\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 1920 \/ 1274; object-fit: cover;\" width=\"1920\"\/><\/p>\n<p class=\"a-inline-textbox__synopsis\">\n          Was fehlt: In der rapiden Technikwelt h\u00e4ufig die Zeit, die vielen News und Hintergr\u00fcnde neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischent\u00f6ne h\u00f6rbar machen.\n        <\/p>\n<p>Real Networks hatte auch Ambitionen, selbst Content-Anbieter mit Videokan\u00e4len zu werden, als Schaufenster daf\u00fcr, was das Unternehmen konnte und um das Gesch\u00e4ft mit der eigenen Technik an propriet\u00e4ren Anwendungen anzukurbeln. Daf\u00fcr war die Akquisition von film.com seitens Real Networks eigentlich ideal, weil sie das entsprechend passende, redaktionelle Umfeld schuf. Im Jahr 2000 hatte Real Networks nach eigenen Angaben einen Streaming-Marktanteil von 85 Prozent f\u00fcr sich reklamiert.<\/p>\n<p>Soweit die Theorie: Die Markt-, Technik- und Medien-Entwicklung hat dann allerdings nach der Jahrtausendwende andere Wege eingeschlagen, ebenfalls die Beantwortung der Frage nach der Integration von Publizistik mit der Distribution von Filmen.<\/p>\n<p>Der fr\u00fche Vogel f\u00e4ngt den Wurm, so hei\u00dft es. Es gibt allerdings keine Garantie daf\u00fcr, dass der Erfolg anh\u00e4lt. Real Networks existiert als Unternehmen noch heute, allerdings nurmehr als nicht mehr b\u00f6rsennotierter Anbieter von KI-L\u00f6sungen zur Verhinderung und Aufkl\u00e4rung von Ladendiebst\u00e4hlen. Ein weiter Weg von der Glitzerwelt des Kinos.<\/p>\n<p>Film.com ist zu haben<\/p>\n<p>Film.com ist als Website inzwischen verwaist; ein Domain-Makler ist mit dem Verkauf der Domain beauftragt. Dessen &#8222;Asking Price&#8220; f\u00fcr die Domain film.com betr\u00e4gt derzeit zwei Millionen US-Dollar; ein sehr sp\u00e4ter Versuch, die Akquisitionskosten f\u00fcr film.com durch Domain-Verkauf wieder hereinzuholen. Ob Film, Kino und film.com gegenw\u00e4rtig und k\u00fcnftig noch so attraktiv sind, damit jemand diesen eingeforderten Marktwert f\u00fcr die eigene Internet-&#8222;Hausanschrift&#8220; bezahlt?<\/p>\n<p>Obwohl film.com heute publizistisch verwaist ist, l\u00e4sst sich die Geschichte der Website durch die Wayback Machine des Internet Archive nachvollziehen. Es existieren Snapshots von film.com, zum Beispiel vom 10. Februar 1999, 27. April 1999 und vom 29. Februar 2000. Bereits 2005 hatte sich der cinephil-publizistische Charakter von film.com stark ge\u00e4ndert \u2013 die Domain wurde einfach auf movies.real.com weitergeleitet.<\/p>\n<p>Nach rund 30 Jahren filmpublizistischer Ausdifferenzierung im World Wide Web mag das filmjournalistische Konzept dieser Pionier-Website einem als nichts Besonderes mehr erscheinen. F\u00fcr die drei Dekaden Filmpublizistik im Netz lassen sich genug Beispiele finden: Das Lebenswerk des US-Filmkritikers Roger Ebert wird unter rogerebert.com von seinem Estate weitergef\u00fchrt; das australische eZine &#8222;Senses of Cinema&#8220;, Websites wie World of Reel, &#8222;They Shoot Pictures Don\u2019t They&#8220;. Dazu kommen die Archive von ehemals klassischen Filmzeitschriften wie epd-Film, Filmdienst, Cahiers du Cinema oder Sight and Sound.<\/p>\n<p>filmportal.de vom Deutschen Filminstitut &amp; Filmmuseum, Plattformen wie critic.de, das Verzeichnis deutschsprachiger Filmpodcasts und -Blogs bei &#8222;Sch\u00f6ner Denken&#8220; sind weitere Beispiele. Auch der deutsche Filmkritiker-Verband betreibt eine Website mit Lesenswertem, oft eben auch Nachrufe auf Filmpublizisten, der Schwanengesang trotz Nachwuchspreisen. Beim \u00d6RR ist von den Resten der Filmredaktionen nicht mehr viel \u00fcbrig geblieben, vielleicht und oft mit angespitzten Ohren geh\u00f6rt: Vollbild.<\/p>\n<p>Mit der Erweiterung um &#8222;Soziale Medien&#8220; landeten die Cinephilen schlie\u00dflich in den letzten Jahren bei so etwas wie Letterboxd, das offenbar wesentlich intensiver als filmhistorische Buchver\u00f6ffentlichungen derzeit in der Lage ist, die junge Generation an Filmgeschichte zu interessieren. F\u00fcr filmhistorich Interessierte ist das deutsche Fernsehen, zumal der \u00d6RR, inzwischen fast ein Totalausfall, der kaum mehr Zugang zu alten, historischen Filmwerkquellen bietet, mit wenigen Ausnahmen, ja ARTE, so lange es diesen TV-Sender noch gibt.<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p><strong>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen \u2013 ohne Verpflichtung!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Lucy Mohl hatte ich lange nichts geh\u00f6rt. 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