{"id":297565,"date":"2025-07-27T08:57:17","date_gmt":"2025-07-27T08:57:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/297565\/"},"modified":"2025-07-27T08:57:17","modified_gmt":"2025-07-27T08:57:17","slug":"kinofilm-rave-on-exzess-im-berliner-technoclub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/297565\/","title":{"rendered":"Kinofilm \u201eRave On\u201c: Exzess im Berliner Technoclub"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Berliner Ravekultur lebt vom Mythos und von Exklusivit\u00e4t. Schafft man es am T\u00fcrsteher vorbei, wird nach der gr\u00fcndlichen Taschenkontrolle das Handy abgeklebt, und man wird mit B\u00e4ndchen und Garderobenmarke in die Nacht entlassen. Was danach passiert, wird nirgends festgehalten, und der Rausch l\u00e4sst sogar die eigenen Erinnerungen schemenhaft werden. Was von solchen N\u00e4chten bleibt, ist ein Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit, eine nostalgische Ekstase, deren Momentgebundenheit zum besonderen Erlebnis wird.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Nikias Chryssos und Viktor Jakovleski wagten sich mit \u201eRave On\u201c an ein Projekt, an dem viele Filmemachende scheitern. Solche N\u00e4chte darzustellen, ist eine Herausforderung; den Exzess und die zerflie\u00dfenden Gespr\u00e4che. Schnell wirkt es artifiziell, \u00e4sthetisiert, glorifiziert. Und wenn Berliner \u00fcber das Erlebte sagen: \u201eDas kann man keinem erz\u00e4hlen\u201c, dann stimmt das meist auch.<\/p>\n<p>Alles andere als szenefremd<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Der erste Schritt in die richtige Richtung wurde auf jeden Fall durch die Besetzung gemacht, einen zeitgen\u00f6ssischen Rave-Film mit Aaron Altaras (\u201eDie Zweiflers\u201c) in der Hauptrolle zu besetzen. Der ist im Berliner Nachtleben nicht nur bewandert, sondern hat mit seinem Bruder Leo als \u201eAlcatraz\u201c selbst in den relevanten Clubs der Stadt aufgelegt, bis er sich von seiner DJ-Existenz verabschiedete, um sich auf seine Schauspielkarriere zu konzentrieren.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch der restliche Cast ist alles andere als szenefremd: von Urgesteinen, die die fr\u00fchen Tage des Technos mitpr\u00e4gten \u2013 etwa Hieroglyphic Being, der im Film den Technopionier Troy Porter spielt \u2013, bis hin zu Newcomern wie Lucia Lu und DJ Hyperdrive, die als Roxy J und DJ Megalon auftreten. Sp\u00e4testens die Rollennamen lassen vermuten, dass die Regieanweisung \u201eSpielt einfach euch selbst\u201c gelautet haben muss.<\/p>\n<p>Eine Platte soll zu einer DJ-Ikone<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Musikalisch begleitet wird \u201eRave On\u201c von der Technogr\u00f6\u00dfe Ed Davenport. Vom Sound und der Visualit\u00e4t her ist der Film zumindest f\u00fcr Leute, die sich f\u00fcr elektronische Musik und ihre Kultur begeistern k\u00f6nnen, wirklich ein Erlebnis. Die Musik trifft den Puls der Zeit, und es ist bemerkenswert, wie \u00fcberzeugend die R\u00e4umlichkeiten im RevierS\u00fcdOst an den ber\u00fchmtesten Club der Stadt erinnern, von dessen Innern es ausdr\u00fccklich keine Fotos geben soll.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"DSGVO Platzhalter\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/gdpr-layer.webp.webp\" loading=\"lazy\" class=\"absolute w-full\"\/> Externe Inhalte aktivieren <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Plot wirkt zun\u00e4chst fad, wobei beim zweiten Hinschauen vielleicht genau darin das kl\u00fcgste Stilmittel liegt. Es geht um eine einzige Clubnacht, eine Schallplatte soll an eine DJ-Ikone \u00fcberreicht werden, der Weg jedoch ist m\u00e4andernd, die Erz\u00e4hlung verliert sich in Episoden, Zuf\u00e4llen und dubiosen Abzweigungen.<\/p>\n<p>Als verlorene Seele durch die Berliner Nacht<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Jeder Film \u00fcber Raving, der ohne Selbstironie auskommen will, ist zum Scheitern verurteilt. Denn das Berliner Nachtleben ist nun mal grotesk: Alle, so sagen sie, sind \u201ewegen der Musik\u201c da, doch alle nehmen sie Drogen. Die mentalen und physischen Barrieren, die die Hauptfigur Kosmo davon abhalten, Troy Porter eine Schallplatte zu \u00fcbergeben, wirken von au\u00dfen fast lachhaft. Zuerst will der T\u00fcrsteher ihn schon am Eingang zu seinem eigenen Schutz mit der \u201eHeute nicht\u201c-Guillotine abs\u00e4gen: Kosmo gilt als eine \u201everlorene Seele\u201c, auf der einen Seite gefeierte Szenegr\u00f6\u00dfe, auf der anderen jemand, der einfach zu oft und zu lange da war, als dass es f\u00fcr ihn gesund w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Leider ist zwischen Kosmo und seiner Szene-Bekanntheit etwas Zeit ins Land gegangen, weshalb ihm der Zugang zum Backstage verwehrt bleibt \u2013 und das, nachdem er mit der Entschlossenheit eines Ravers \u00fcber den Zaun geklettert ist, um in den Club zu gelangen. Mittlerweile f\u00fcllen neue Gesichter den Backstage. Kosmo f\u00fchlt sich alt und best\u00e4tigt sein Klischee, indem er gem\u00e4\u00df der \u201eFr\u00fcher war alles besser\u201c-Mentalit\u00e4t \u00fcber den heutigen Techno wettert.<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" class=\"Sonntagszeitung\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1753476492_862_latest.jpg\"\/><\/p>\n<p>Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/zeitung.faz.net\/meine-ausgaben\/fas\/\" class=\"Button\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">&#13;<br \/>\n          &#13;<br \/>\n         <\/a><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Was immer w\u00e4hrt, ist der Absturz in die Drogen. Schuld daran tragen alle, die nicht richtig Nein sagen k\u00f6nnen, aber auch jene, die kein Nein akzeptieren. Die Spr\u00fcche an der Bar, auf dem Floor und den Toiletten kennt jeder Clubg\u00e4nger. Der Shot, den Kosmo eigentlich gar nicht trinken wollte, endet in einer Ketamin-\u00dcberdosis. Die Verharmlosung sowie \u00dcberpr\u00e4senz harter Drogen im Club ist an manchen Stellen be\u00e4ngstigend, aber leider vollkommen realistisch. Kosmo robbt verzweifelt durch den Darkroom (Ketamin ist eigentlich ein Pferdebet\u00e4ubungsmittel), vorbei an K\u00f6rpern mitten im Akt, die ihn kaum bemerken. An manchen Stellen ist der Film zu langatmig. N\u00fcchtern im Kino, wird man zwar von der Musik mitgerissen und elektrisiert von den vibrierenden Tanzszenen, bleibt aber au\u00dfen vor wie absichtlich stehen gelassen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Doch genau diese Inhaltsleere und Ungesch\u00f6ntheit braucht der Film wohl, damit es nicht \u00fcberspitzt, sondern gut wird. Im Film wird durchweg dar\u00fcber diskutiert, was Techno ist und was nicht, was Techno darf und was lieber nicht. Die Antworten fallen unterschiedlich aus. Die sch\u00f6nste kommt von Troy Porter, der Techno als kollektives Erleben beschreibt. Wenn der Anspruch war, kollektives Erleben auf die Leinwand zu bringen, dann muss es roh und authentisch passieren. Ohne leinwandreife Handlungsstr\u00e4nge, ohne zu sauber gebaute Dialoge. Diesen Anspruch tr\u00e4gt die Nacht nicht und will ihn auch gar nicht. Am Ende best\u00e4tigt sich also der Mythos, von dem immer alle reden: Man muss wohl dabei gewesen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Berliner Ravekultur lebt vom Mythos und von Exklusivit\u00e4t. 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