{"id":297998,"date":"2025-07-27T12:57:23","date_gmt":"2025-07-27T12:57:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/297998\/"},"modified":"2025-07-27T12:57:23","modified_gmt":"2025-07-27T12:57:23","slug":"jetzt-wirds-eklig-romandebuet-von-meme-queen-sveamaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/297998\/","title":{"rendered":"Jetzt wird&#8217;s eklig &#8211; Romandeb\u00fct von Meme-Queen Sveamaus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Svea Mausolf wird auf Instagram mit gesellschaftskritischen Satire-Memes ber\u00fchmt. Nun wendet sie ihr Erfolgsrezept auf ihren Deb\u00fctroman &#8222;Image&#8220; an und dreht spie\u00dfig-deutschen Alltagswahnsinn durch den Sveamaus-Wolf. Dabei kann es auch mal richtig schmutzig werden.<\/strong><\/p>\n<p>Peggy Brinkmann ist am Arsch. Sie ist Ende 30, gerade von ihrer Freundin verlassen worden und seit Kurzem auch noch komplett pleite. Da sie es weder schafft, ihr Langzeitstudium abzuschlie\u00dfen noch abzubrechen, sehen sich ihre Eltern zur allerletzten Konsequenz gezwungen: Peggy den Geldhahn abzudrehen. Also muss ein Mitbewohner her, um die Miete noch irgendwie stemmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Besagter Mitbewohner hei\u00dft Martin. Martin Ziegler, um genau zu sein. Und binnen weniger Wochen mutiert er zu Peggys absolutem Hassobjekt. Der Grund: Martin ist ein Schwein. In den Taschen seiner abgetragenen Jeansjacke f\u00fchrt er neben losen Tabakkr\u00fcmeln auch gerne mal benutzte Kondome spazieren, anstatt sie wegzuwerfen. Aber alles halb so wild. Er ist schlie\u00dflich &#8222;nicht mal gekommen&#8220;. <\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie mit seinen Jackentaschen h\u00e4lt Martin es mit den R\u00e4umlichkeiten seiner neuen WG: Aufr\u00e4umen und Putzen sind nebens\u00e4chlich. Benutztes Geschirr wird einfach stehen gelassen, M\u00fcll nicht entsorgt. Uriniert wird prinzipiell im Stehen und die Klob\u00fcrste nie benutzt (Martin ist ein echter Mann). Soll sich seine Mitbewohnerin doch darum k\u00fcmmern. <\/p>\n<p>Weil die sich von ihm behandelt f\u00fchlt &#8222;wie eine Bedienstete oder noch schlimmer: seine Mutter&#8220;, wachsen Unmut und Groll in Peggy Brinkmann zu echtem Aggressionspotenzial an. Sie stellt sich vor, &#8222;wie sie das Kondom, das in einer Frau drin war, \u00fcber seinen Kopf zieht und diesen immer wieder gegen die Tischkante schl\u00e4gt&#8220;. Um nur eine ihrer vielen Gewaltfantasien zu nennen.<\/p>\n<p>Doch Peggy ist nicht die Einzige, die Rachegel\u00fcste gegen\u00fcber Martin hegt. Denn da w\u00e4re auch noch Olivia &#8211; seine drogenabh\u00e4ngige Geliebte. Olivia verehrt Martin und himmelt ihn an. Martin hingegen betrachtet sie blo\u00df als Sexobjekt und behandelt sie &#8211; es l\u00e4sst sich kaum anders sagen &#8211; wie ein St\u00fcck Dreck. Doch auch Olivia hat ihre Grenzen. Grenzen, die Martin schon viel zu oft \u00fcbertreten hat. Als sich der Nebel des Rauschs einer besonders extremen Drogenphase lichtet, erkennt sie, dass sie das nicht l\u00e4nger hinnehmen will. Eines Nachts treffen sie, Peggy und Martin in der WG aufeinander. Der Zorn der beiden Frauen entl\u00e4dt sich und eine Kette unheilvoller Ereignisse nimmt ihren Lauf.<\/p>\n<p>Alltagshorror im Fleischwolf<\/p>\n<p>Die K\u00fcnstlerin, Comedian, TV- und jetzt auch Buchautorin Svea Mausolf ist durch ihren mittlerweile \u00fcber 300.000 Follower starken Instagram-Account @sveamaus ber\u00fchmt geworden, der ihr au\u00dferdem den inoffiziellen Titel der Meme-Queen verschafft hat. In ihren satirischen, gesellschaftskritischen und oft tragikomischen Posts dreht sie den Alltagshorror des deutschen Spie\u00dfb\u00fcrgertums durch den Wolf, verbindet Kapitalismuskritik mit Kleingarten-Irrsinn, arbeitet sich an Queer-Hass und Frauenfeindlichkeit ab und schaut genau dorthin, wo es unangenehm wird.<\/p>\n<p>Dieser Linie bleibt sie auch in ihrem Romandeb\u00fct &#8222;Image&#8220; treu. Mausolf wagt sich in d\u00fcstere, gewaltvolle und oft auch eklige menschliche Abgr\u00fcnde vor. Sie macht vor scheinbar nichts halt &#8211; auch nicht vor Klischees. Etwa wenn sie \u00fcber neureiche Vorstadt-Snobs, fanatische Jesus-Freaks und swingende Fetisch-Ehepaare schreibt oder \u00fcber Koks schniefende Kunst-Schn\u00f6sel und alkoholkranke Kneipendauerg\u00e4ste. Dabei gew\u00e4hrt die Autorin ihren Figuren kaum M\u00f6glichkeiten, sich weiterzuentwickeln oder andere Facetten zu entfalten. Der S\u00e4ufer bleibt ein S\u00e4ufer, die Kokserin eine Kokserin. Wirklich sympathisch kommt in &#8222;Image&#8220; \u00fcbrigens niemand r\u00fcber.<\/p>\n<p>Und da ist noch etwas an den Romancharakteren, das beim Lesen f\u00fcr Unbehagen sorgt. Mit Ausnahme von Peggy und Martin, die beide aus finanziell gut gestellten Familien kommen, fristet ein Gro\u00dfteil der Figuren eine Art Randleben. Da ist zum Beispiel Peggys Verehrerin Veronique: eine \u00fcbergewichtige, ungebildete und verarmte Alkoholikerin. Oder eben Olivia, die in ihrer Drogensucht nicht bemerkt, dass sie an &#8222;alles \u00fcbert\u00fcnchendem Mundgeruch&#8220; leidet und die sich trotz des &#8222;stechenden K\u00f6rpergeruchs&#8220; f\u00fcr &#8222;unwiderstehlich&#8220; und &#8222;fickbar&#8220; h\u00e4lt. <\/p>\n<p>Andere Eigenschaften scheinen sie nicht zu haben. Es bleibt bei einem andauernden &#8222;Igitt&#8220;-Moment, wodurch die Figuren eindimensional und fast wie ausgestellt wirken. Das f\u00fchlt sich an wie Sozial-Voyeurismus. Etwa nach dem Motto: &#8222;Guckt mal, wie eklig die sind.&#8220;<\/p>\n<p>Instagram-Meme in Romanl\u00e4nge<\/p>\n<p>Mausolfs Roman ist &#8211; ebenso wie ihre Memes &#8211; als Abrechnung mit einem konservativen Deutschland angelegt, in dem eigentlich nette Nachbarn \u00fcber Ausl\u00e4nder schimpfen und genervte V\u00e4ter lieber Playstation spielen, anstatt sich um ihre Kinder zu k\u00fcmmern. Wo junge M\u00e4nner mit fast allem davonkommen, weil sie gut aussehen und Frauen es immer ein gutes St\u00fcck schwerer haben: &#8222;Image&#8220; will eine bissige Gesellschaftssatire sein, bei der Lachen, Fremdscham und tiefe Best\u00fcrzung nah beieinander liegen.<\/p>\n<p>Nur driftet das Ganze so sehr in \u00dcberspitzungen ab, dass die Charaktere wie Karikaturen dastehen. In der K\u00fcrze eines Instagram-Memes funktionieren solche Bilder offenbar. Auf etwas mehr als 250 Romanseiten wirken sie auf Dauer etwas erm\u00fcdend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Svea Mausolf wird auf Instagram mit gesellschaftskritischen Satire-Memes ber\u00fchmt. 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