{"id":298947,"date":"2025-07-27T21:47:10","date_gmt":"2025-07-27T21:47:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/298947\/"},"modified":"2025-07-27T21:47:10","modified_gmt":"2025-07-27T21:47:10","slug":"zoll-einigung-sieg-oder-niederlage-das-bedeutet-der-deal-von-turnberry-fuer-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/298947\/","title":{"rendered":"Zoll-Einigung: Sieg oder Niederlage? Das bedeutet der Deal von Turnberry f\u00fcr Europa"},"content":{"rendered":"<p>Nach monatelangen Verhandlungen einigen sich Donald Trump und Ursula von der Leyen auf neue Z\u00f6lle. Ihr Abkommen sieht 15 Prozent auf europ\u00e4ische Produkte vor. Ist das ein Sieg f\u00fcr Europa\u00a0oder eine Niederlage?<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Es schien der perfekte Ort f\u00fcr einen Deal zu sein: kein Konferenzsaal in Br\u00fcssel oder Washington, stattdessen ein Golfclub an der schottischen K\u00fcste. Auch die Zeit stimmte: Sonntag, fr\u00fcher Abend. Und der Kreis der Anwesenden blieb klein und exklusiv. US-Pr\u00e4sident Donald Trump war da, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, zudem ihr Mann f\u00fcr die Handelspolitik, Maro\u0161 \u0160ef\u010dovi\u010d. Pers\u00f6nlicher ging es kaum. <\/p>\n<p>Seit April verhandeln Br\u00fcssel und Washington \u00fcber Z\u00f6lle, hinter der EU liegen mehr als 100 Tage Hoffen und Bangen. Immer wieder lie\u00df Trump Gespr\u00e4che platzen, verschob Fristen und drohte hohe S\u00e4tze an, zuletzt 30 Prozent auf fast alle Importe aus Europa. Am Wochenende nun, in Trumps Club Turnberry, fand all das vorerst ein Ende.<\/p>\n<p>Ursula von der Leyen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article68865136eef5fc1b3ffa77db\/handelskonflikt-wir-haben-eine-einigung-erzielt-eu-und-usa-schliessen-zoll-deal.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article68865136eef5fc1b3ffa77db\/handelskonflikt-wir-haben-eine-einigung-erzielt-eu-und-usa-schliessen-zoll-deal.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">akzeptierte einen US-Zoll in H\u00f6he von 15 Prozent<\/a> auf einen Gro\u00dfteil europ\u00e4ischer Produkte. Unter diesen Satz sollen \u2013 eine gute Nachricht f\u00fcr Deutschland \u2013 auch Autos fallen. Im Gegenzug sagte die Pr\u00e4sidentin der Kommission zu, mehr amerikanische Rohstoffe und Waffen zu kaufen. Stahl und Aluminium sind nicht Teil des Deals und werden weiterhin mit 50 Prozent belegt. F\u00fcr andere Produkte hingegen \u2013\u00a0etwa bestimmte Flugzeugteile, Chemikalien und Generika \u2013\u00a0sollen k\u00fcnftig keine Abgaben mehr f\u00e4llig werden.<\/p>\n<p>Trump spricht \u00fcber Windr\u00e4der und Wale<\/p>\n<p>Trump empfing von der Leyen zu einer gemeinsamen Pressekonferenz im Ballsaal seines Clubs, begr\u00fc\u00dfte sie als \u201ePr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Union\u201c. Die beiden nahmen vor einem gro\u00dfen Fenster Platz, im Hintergrund sah man Golfspieler mit ihren Taschen und Wagen. <\/p>\n<p>Trump sprach \u00fcber alles M\u00f6gliche, etwa Windr\u00e4der (\u201etreiben Wale in den Wahnsinn und lassen sie an den K\u00fcsten stranden\u201c), Zuwanderung (\u201eEuropa hat ein riesiges Problem\u201c) und seinen eigenen Club (\u201eder beste der Welt\u201c). Von der Leyen h\u00f6rte mit versteinerter Miene zu.<\/p>\n<p>Vor drei Wochen stand man schon einmal kurz vor einem Deal. Im Gespr\u00e4ch war damals ein pauschaler amerikanischer Zoll in H\u00f6he von zehn Prozent. Die Kommission \u2013 zust\u00e4ndig f\u00fcr Europas Handelspolitik \u2013 h\u00e4tte damit leben k\u00f6nnen, wie man in Br\u00fcssel h\u00f6rt. Aber Trump \u00e4nderte offenbar pl\u00f6tzlich seine Meinung und drohte in einem wenig diplomatisch formulierten Brief 30 Prozent an. Zudem verschob er die Deadline f\u00fcr Verhandlungen vom 9. Juli auf den 1. August.<\/p>\n<p>Die meisten Gespr\u00e4che der vergangenen Monate fanden in Washington statt, immer wieder flogen Beamte der Kommission \u00fcber den Atlantik, Trumps Team hingegen lie\u00df sich kaum in Europa blicken. Manche in Br\u00fcssel sehen darin ein Symbol f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis der beiden Parteien: hier die vorsichtige, z\u00f6gerliche EU, dort der unberechenbare R\u00fcpel. <\/p>\n<p>Vor dem Treffen mit Ursula von der Leyen am Sonntag spielte Trump eine Runde Golf, er trug eine schwarze Jacke und eine wei\u00dfe USA-Kappe. Reportern am Rand des Platzes rief er zu: Die Chancen auf einen Deal mit der EU st\u00fcnden \u201eFifty-fifty\u201c, also bei 50 Prozent. Am Ende ging alles gut aus, viele erwarteten das auch so, denn ein Scheitern der Verhandlungen h\u00e4tte einen Handelskrieg zwischen Europa und Amerika ausl\u00f6sen k\u00f6nnen, eine dramatische Spirale aus Z\u00f6llen und Gegen-Z\u00f6llen.<\/p>\n<p>Es ist nicht der einzige Deal, den Trump diese Woche abschloss. Er einigte sich auch mit Japan. Importe aus dem Land sollen k\u00fcnftig mit einem Zoll in H\u00f6he von 15 Prozent belegt werden. F\u00fcr diesen \u2013 wenigstens im Vergleich zu vielen anderen Staaten \u2013 niedrigen Satz zahlt die Regierung in Tokio einen hohen Preis: Sie soll 550 Milliarden Dollar in den USA investieren, 100 Flugzeuge von Boeing kaufen und mehr amerikanischen Reis einf\u00fchren. <\/p>\n<p>Warum verstrickt Trump Nationen rund um den Globus in solche Konflikte? Zum einen will er mit den Z\u00f6llen daheim Steuersenkungen finanzieren und Unternehmen dazu bringen, ihre Produktion in die USA zu verlegen. Zum anderen ist er mit der Handelsbilanz seines Landes unzufrieden. Gegen\u00fcber den EU-Staaten betrug das Defizit im vergangenen Jahr 236 Milliarden Dollar. Amerika importierte Waren im Wert von 606 Milliarden Dollar aus Europa. Die Exporte dorthin beliefen sich aber nur auf 370 Milliarden Dollar. Trump findet das unfair. <\/p>\n<p>15 Prozent \u2013 Sieg oder Niederlage f\u00fcr die EU?<\/p>\n<p>Ist ein pauschaler amerikanischer Zoll in H\u00f6he von 15 Prozent, wie er nun vereinbart wurde, ein Sieg oder eine Niederlage f\u00fcr die EU? <\/p>\n<p>Im Vergleich zu den angedrohten 30 Prozent \u2013 ein Satz, der nach Ansicht der EU-Kommission zum Kollaps des transatlantischen Handels gef\u00fchrt h\u00e4tte \u2013 klingen 15 Prozent gut. Auch Unternehmen und Anleger d\u00fcrften aufatmen, wichtiger als der genaue Wert d\u00fcrfte vielen das Ende der Unsicherheit sein.<\/p>\n<p>Betrachtet man hingegen die H\u00f6he der amerikanischen Z\u00f6lle auf Produkte aus der EU in der Zeit vor Trumps zweiter Pr\u00e4sidentschaft, dann wirkt der Deal von Turnberry schlecht: Zwischen 2000 und 2024 lag der durchschnittliche Satz bei ungef\u00e4hr zwei Prozent. 15 Prozent bedeuten also eine dramatische Steigerung. Das Institut f\u00fcr Weltwirtschaft in Kiel hat berechnet: Ein solcher Zoll w\u00fcrde Deutschland j\u00e4hrlich 0,13 Prozentpunkte Wachstum kosten. Besonders heikel ist der neue Wert f\u00fcr Autos \u2013\u00a0unter Pr\u00e4sident Joe Biden hatten nur 2,5 Prozent gegolten. Das ist die Schattenseite des Abkommens. <\/p>\n<p>Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betonte dennoch, dass es noch schlimmer h\u00e4tte kommen k\u00f6nnen: \u201eMit der Einigung ist es gelungen, einen Handelskonflikt abzuwenden, der die exportorientierte deutsche Wirtschaft hart getroffen h\u00e4tte\u201c, lie\u00df sich der Kanzler zitieren. \u201eDies gilt besonders f\u00fcr die Automobilwirtschaft, bei der die gegenw\u00e4rtigen Z\u00f6lle von 27,5 Prozent auf 15 Prozent fast halbiert werden. Gerade hier ist die schnelle Zollsenkung von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchmerzhafter Kompromiss\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist gut, dass es durch dieses Abkommen zumindest etwas Planbarkeit f\u00fcr die deutsche und europ\u00e4ische Industrie gibt\u201c, sagt der CDU-Europaabgeordnete Daniel Caspary. \u201e15 Prozent Zoll werden den europ\u00e4ischen Anbietern nicht das Genick brechen, sie verteuern jedoch europ\u00e4ische Produkte in den Vereinigten Staaten.\u201c Damit treffe Trump vor allem seine eigenen W\u00e4hler.<\/p>\n<p>Aus der Wirtschaft hingegen kommen kritische Stimmen, der deutsche Au\u00dfenhandelsverband etwa bezeichnet die Einigung mit den USA als \u201eschmerzhaften Kompromiss\u201c. Jedes Prozent Zoll sei ein Prozent zu viel, sagt  Pr\u00e4sident Dirk Jandura. \u201eDer Aufschlag bedeutet f\u00fcr viele unserer H\u00e4ndler eine existenzielle Bedrohung.\u201c <\/p>\n<p>Wie geht es nun weiter? Die 27 EU-Staaten m\u00fcssen dem Abkommen zustimmen. Zudem d\u00fcrften weitere Verhandlungen zwischen Br\u00fcssel und Washington \u00fcber technische Details folgen. Dann aber wohl wieder in Konferenzs\u00e4len, nicht auf Golfpl\u00e4tzen.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/stefan-beutelsbacher\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/stefan-beutelsbacher\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Stefan Beutelsbacher<\/b><\/a><b> ist Korrespondent in Br\u00fcssel. Er berichtet \u00fcber die Wirtschafts-, Handels- und Klimapolitik der EU.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach monatelangen Verhandlungen einigen sich Donald Trump und Ursula von der Leyen auf neue Z\u00f6lle. 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