{"id":299358,"date":"2025-07-28T01:49:11","date_gmt":"2025-07-28T01:49:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/299358\/"},"modified":"2025-07-28T01:49:11","modified_gmt":"2025-07-28T01:49:11","slug":"aktivistin-aus-russland-hilft-gefangenen-in-der-ukraine-dw-26-07-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/299358\/","title":{"rendered":"Aktivistin aus Russland hilft Gefangenen in der Ukraine \u2013 DW \u2013 26.07.2025"},"content":{"rendered":"<p>Irina Krynina verlie\u00df im September 2023 <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russland\/t-17284476\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a> &#8211; ihre Wohnung in Krasnojarsk, ihr Auto und ihren Job als Buchhalterin. Sie packte ihre Koffer, nahm ihre beiden T\u00f6chter im Alter von sieben und zehn Jahren und machte sich auf in die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukraine-krieg\/t-60978725\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ukraine<\/a>, um dort ihren Lebensgef\u00e4hrten Jewgenij Kowtkow zu besuchen. Kowtkow, der nicht der leibliche Vater ihrer Kinder ist, hatte f\u00fcr Russland gegen die ukrainische Armee gek\u00e4mpft und geriet dabei in Gefangenschaft.<\/p>\n<p>Die Frau hatte eine Urlaubsreise in die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/t\u00fcrkei\/t-17600264\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">T\u00fcrkei<\/a> gebucht, flog von dort aber in die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/moldau\/t-18461585\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Republik Moldau<\/a> weiter und reiste dann nach Kyjiw. Logistisch unterst\u00fctzt wurde sie dabei vom Projekt &#8222;Ich will leben&#8220; des ukrainischen Milit\u00e4rgeheimdienstes HUR, das f\u00fcr russische Soldaten eingerichtet wurde, die sich unerkannt freiwillig in ukrainische Kriegsgefangenschaft begeben wollen. Krynina ist die erste Partnerin eines russischen Kriegsgefangenen, die w\u00e4hrend des Krieges in die Ukraine gekommen ist.\u00a0Die ukrainischen Beh\u00f6rden gestatten den Ehefrauen russischer Gefangener diese Besuche, um die russische Propaganda zu widerlegen, die Nachrichten \u00fcber eine angeblich schlechte Behandlung von Kriegsgefangenen in der Ukraine verbreitet.\u00a0<\/p>\n<p>Was sind Kryninas Beweggr\u00fcnde?<\/p>\n<p>Krynina sagt, bis 2022 habe sie wenig \u00fcber die Ukraine gewusst, aber die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/krim-krise\/t-17476825\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Annexion der Krim<\/a> 2014 habe sie schon damals verurteilt. Erst als ihr Lebensgef\u00e4hrte nach seinem Dienst im Hinterland zu echten Kampfhandlungen in die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/warum-ist-der-donbass-so-wichtig-f\u00fcr-russland\/a-61523314\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Region Donezk<\/a> geschickt wurde und schon bald im Juni 2023 in Gefangenschaft geriet, begann sie sich f\u00fcr den Krieg zu interessieren.<\/p>\n<p>&#8222;Ich fing an, mir alles anzuschauen und zu lesen. Als mir klar wurde, was wirklich passiert, wollte ich nicht mehr in Russland bleiben&#8220;, sagt Krynina der DW und f\u00fcgt hinzu: &#8222;Von der russischen Staatsmacht war ich v\u00f6llig entt\u00e4uscht, ich begriff, wer wen angegriffen hat. Ich will nicht, dass meine Familie und Kinder f\u00fcr den Horror verantwortlich gemacht werden, der geschieht. Deshalb bin ich in die Ukraine gegangen, um zu helfen&#8220;, erz\u00e4hlt Krynina.<\/p>\n<p>Was ist mit Kryninas Lebensgef\u00e4hrten?<\/p>\n<p>Doch in der Ukraine erlebte Krynina eine Entt\u00e4uschung. Ihr Lebensgef\u00e4hrte Jewgenij Kowtkow war \u00fcber ihren Besuch nicht erfreut. In einem Video, das auf dem YouTube-Kanal des Bloggers Wolodymyr Zolkin ver\u00f6ffentlicht wurde, fragt der Mann leise: &#8222;Ira, warum?!&#8220; Dabei unterdr\u00fcckt er seine Gef\u00fchle, wirkt angespannt und verwirrt.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73367607\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73367607_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Irina Krynina steht in Kyjiw am Ort eines zerst\u00f6rten Wohnhauses\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Irina Krynina in Kyjiw am Ort eines zerst\u00f6rten WohnhausesBild: DW<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Krynina\u00a0vorerst in der Ukraine bleiben will, wartet Kowtkow auf einen Gefangenenaustausch und will nach Russland zur\u00fcckkehren. Heute ist Krynina nicht mehr mit ihm zusammen. &#8222;Ich habe Jewgenij nicht wiedererkannt. Er hat sich sehr ver\u00e4ndert, er ist kalt, verschlossen und \u00e4ngstlich. Krieg und Gefangenschaft ver\u00e4ndern Menschen sehr&#8220;, sagt sie.<\/p>\n<p>Was macht das Projekt &#8222;Unser Ausweg&#8220;?<\/p>\n<p>In der Ukraine gr\u00fcndete Krynina das Projekt <a rel=\"noopener follow nofollow\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" href=\"https:\/\/t.me\/dvizhenie_nashvyhod\" title=\"Externer Link \u2014 &quot;Unser Ausweg&quot;\">&#8222;Unser Ausweg&#8220;<\/a> (Nasch Wychod), \u00fcber das Angeh\u00f6rige russischer Kriegsgefangener Kontakt zu ihnen aufnehmen k\u00f6nnen. Der Initiative hat sich die bekannte russische Journalistin Wiktorija Iwlewa angeschlossen, die sich seit 2014 f\u00fcr die Ukraine einsetzt und im M\u00e4rz 2022 nach Kyjiw gezogen ist.<\/p>\n<p>Krynina besucht Gefangene in Lagern, nimmt Gespr\u00e4che mit ihnen auf, \u00fcberbringt Pakete und erm\u00f6glicht ihnen Telefonate. Die Videogespr\u00e4che dienen den Angeh\u00f6rigen der Gefangenen auch als Beweis daf\u00fcr, dass sie sich wirklich in Gefangenschaft befinden, sagt sie und f\u00fcgt hinzu, dass es in Russland schwierig sei, als Kriegsgefangener anerkannt zu werden. Viele gefangene Soldaten w\u00fcrde man einfach als vermisst, tot oder fahnenfl\u00fcchtig abtun. Andere w\u00fcrden als aktive Soldaten bezeichnet, obwohl zu ihnen kein Kontakt bestehe. Krynina sagt, inzwischen w\u00fcrden unter der Hand selbst russische Einberufungs\u00e4mter Angeh\u00f6rigen Kriegsgefangener heimlich empfehlen, sich an das Projekt &#8222;Unser Ausweg&#8220; zu wenden.<\/p>\n<p>Im Januar 2025 organisierte das Projekt beispielsweise eine Reise zweier Ehefrauen zu russischen Kriegsgefangenen in der Ukraine. &#8222;Es war ein eint\u00e4giger Besuch. Wir holten sie von der Grenze zur Republik Moldau ab und brachten sie ins Lager, wo sie ihre Ehem\u00e4nner trafen&#8220;, erz\u00e4hlt Krynina. Einer dieser M\u00e4nner ist inzwischen im Rahmen eines Austauschs nach Russland zur\u00fcckgekehrt. Der andere lehnt einen Austausch ab.<\/p>\n<p>Was sagen die gefangenen Russen?<\/p>\n<p>Der <a rel=\"noopener follow nofollow\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCm6rauHXv_VO2CHcnudQxnA\" title=\"Externer Link \u2014 YouTube-Kanal\">YouTube-Kanal<\/a> des Projekts &#8222;Unser Ausweg&#8220; hat \u00fcber 100.000 Abonnenten. Dort sind hunderte Interviews zu sehen. In ihnen berichten Gefangene von ihrem fr\u00fcheren Leben, \u00fcber ihre Motivation, einen Vertrag mit der russischen Armee zu schlie\u00dfen, und \u00fcber ihre Gefangennahme.<\/p>\n<p>Krynina zufolge geraten M\u00e4nner, die aufgrund von Vertr\u00e4gen mit der Armee aus Gef\u00e4ngnissen entlassen wurden, sehr oft in Kriegsgefangenschaft. &#8222;Sie ziehen in den Krieg und hoffen, nicht an die Front zu kommen, sondern irgendwo in der Reserve zu dienen. Sie unterschreiben die Vertr\u00e4ge, geraten in den Krieg, werden gefangen genommen und dann sagen sie, dass sie lieber ihre Strafe weiter abgesessen h\u00e4tten&#8220;, so Krynina.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73367583\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73367583_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Irina Krynina im Gespr\u00e4ch mit DW-Reporterin Anna Pshemyska\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Irina Krynina im Gespr\u00e4ch mit der DWBild: DW<\/p>\n<p>Auf dem YouTube-Kanal sind auch Gespr\u00e4che mit Angeh\u00f6rigen von Russen zu sehen, die nach einem Gefangenenaustausch und einer R\u00fcckkehr nach Russland wieder an die Front in die Ukraine geschickt wurden. Krynina r\u00e4t Betroffenen, Journalisten und Anw\u00e4lte zu kontaktieren. &#8222;Wenn ein Kriegsgefangener nicht f\u00fcr seine Rechte k\u00e4mpft, nichts einfordert, dann schickt ihn der Staat zur\u00fcck in den Krieg&#8220;, so die Gr\u00fcnderin des Projekts &#8222;Unser Ausweg&#8220;.<\/p>\n<p>Trotz des Risikos, dass ehemalige Gefangene wieder auf ukrainischem Boden k\u00e4mpfen, will Krynina weiterhin helfen, dass russische Kriegsgefangene heimkehren. &#8222;Jeder zur\u00fcckgekehrte Russe bedeutet auch einen zur\u00fcckgekehrten Ukrainer. Der Austausch muss weitergehen&#8220;, betont sie.<\/p>\n<p>Hoffen auf ein Ende\u00a0des Krieges<\/p>\n<p>Kryninas Rolle werde auch darin bestehen, &#8222;der Ukraine im Informationskrieg gegen Russland zu helfen&#8220;, sagte Petro Jazenko vom ukrainischen Koordinierungsstab f\u00fcr Gefangenenaustausche dem ukrainischen Portal &#8222;Detector Media&#8220; bei der Ankunft der Russin in der Ukraine.<\/p>\n<p>Und Krynina sagt, sie wolle &#8222;den Russen zeigen, was wirklich los ist&#8220;. Dazu reist sie zu Orten russischer Angriffe und nimmt dort Videos auf. Sie glaubt, dass sie wirken: &#8222;Eine gro\u00dfe Zahl der Angeh\u00f6rigen &#8211; wahrscheinlich 99 Prozent &#8211; wollen, dass das, was passiert, aufh\u00f6rt. Alle sind dieses Krieges m\u00fcde, und niemand versteht, warum er immer noch andauert.&#8220;<\/p>\n<p>Krynina ist \u00fcberzeugt, dass ihre Videos mit ein\u00a0Grund sind, dass &#8222;Unser Ausweg&#8220; im Juli 2025 auf die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russlands-gesetz-\u00fcber-ausl\u00e4ndische-agenten\/a-60659666\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Liste ausl\u00e4ndischer Agenten<\/a> in Russland gesetzt wurde. Auf die Frage der DW, ob sie sich f\u00fcr die Verbrechen der Russen schuldig f\u00fchle, sagt sie: &#8222;Ich verstehe \u00fcberhaupt nicht, warum sie schie\u00dfen. Das ist f\u00fcr mich sehr schwer zu ertragen.&#8220;<\/p>\n<p>Wie geht es Krynina als Russin in der Ukraine?<\/p>\n<p>Viele Russen verurteilen Kryninas Umzug in die Ukraine, doch auch die Ukrainer betrachten sie mit gemischten Gef\u00fchlen. Im Fr\u00fchjahr 2025 ging ein Beitrag einer Kundin eines Kyjiwer Fitnessclubs auf Facebook viral. Sie lernte beim Training Krynina kennen und war emp\u00f6rt dar\u00fcber, dass sich die B\u00fcrgerin des Aggressors Russland in der Ukraine frei bewegt. In einigen Kommentaren wurde der Fitnessclub aufgefordert, der Russin den Zugang zu verwehren, in anderen darauf hingewiesen, dass Krynina sich legal im Lande aufhalte.<\/p>\n<p>Krynina selbst sagt, vor ihrem Umzug in die Ukraine habe sie bef\u00fcrchtet, daf\u00fcr verurteilt zu werden, dass sie Russisch spreche. Doch diese Angst sei unbegr\u00fcndet gewesen. In Kyjiw mietet sie eine Wohnung und ihre T\u00f6chter besuchen eine ukrainische Schule. Sie lebt vom Unterhalt ihres Ex-Mannes und arbeitet nebenbei als Buchhalterin. F\u00fcr das Projekt &#8222;Unser Ausweg&#8220; engagiert sie sich ehrenamtlich.<\/p>\n<p>Krynina hofft, irgendwann in ein &#8222;freies Russland&#8220; zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen. Sie sagt, nach dem von Moskau gegen die Ukraine entfesselten Krieg w\u00fcrden die Beziehungen zwischen Russen und Ukrainern nie wieder dieselben sein. &#8222;Russland hat dem ukrainischen Volk viel Leid und Not gebracht. Ich denke, die Russen werden sich schuldig f\u00fchlen, aber sie werden nichts wiedergutmachen k\u00f6nnen. Ich wei\u00df nicht, ob die Ukrainer den Russen verzeihen k\u00f6nnen, was sie getan haben. Es wird Generationen dauern, bis wir \u00fcberhaupt an Frieden denken k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Adaption aus dem Ukrainischen: Markian Ostaptschuk<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Irina Krynina verlie\u00df im September 2023 Russland &#8211; ihre Wohnung in Krasnojarsk, ihr Auto und ihren Job als&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":299359,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-299358","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114928351097308653","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299358","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=299358"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299358\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/299359"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=299358"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=299358"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=299358"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}