{"id":299434,"date":"2025-07-28T02:39:15","date_gmt":"2025-07-28T02:39:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/299434\/"},"modified":"2025-07-28T02:39:15","modified_gmt":"2025-07-28T02:39:15","slug":"paul-lynchs-roman-jenseits-der-see","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/299434\/","title":{"rendered":"Paul Lynchs Roman \u201eJenseits der See\u201c"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/literatur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"3_literatur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Literatur<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 27.07.2025, 16:21 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.fr.de\/autor\/sylvia-staude-cy94200co.html\" title=\"Zur Autorenseite von Sylvia Staude\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" staude=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sylvia Staude<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/39072774-eine-meeresflaeche-darueber-wolken-und-eine-fahle-sonne-2aXncN7KcMfe.jpg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"619\" width=\"1100\" alt=\"Eine Meeresfl&#xE4;che, dar&#xFC;ber Wolken und eine fahle Sonne. \"\/>Monatelang haben sie nur das Meer und sich.  \u00a9\u00a0Imago Images<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Paul Lynchs fiebriger, gespenstischer Roman \u201eJenseits der See\u201c.   <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Sag mir, Hector, was ist ein Sturm? Ein bisschen Wind, mehr nicht.\u201c  Der Fischer Bolivar ist ein alter Hase in seinem Beruf, ein gro\u00dfer, kr\u00e4ftiger Mann dazu, mit robustem Selbstbewusstsein. \u201eMir ist noch kein Sturm begegnet, der mich unterkriegt.\u201c Er nimmt die Wetterwarnung auf die leichte Schulter, anders als seine Kollegen, er \u00fcberredet au\u00dferdem einen unerfahrenen jungen Mann, eben jenen Hector, mit ihm rauszufahren. Er ist auch bereit, ihm mehr zu zahlen.  Man wei\u00df, es wird nicht gutgehen, nicht nur, weil auf eine Meckerei Bolivars  \u2013 was f\u00fcr ein Bl\u00f6dsinn dieser Idiot da singt, brummelt er \u2013 seine Bekannte Rosa sagt: \u201eDiese Lieder singt man f\u00fcr die Knochen der Toten.\u201c <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Der 1977 im irischen Limerick geborene, in Dublin lebende Paul Lynch erhielt 2023 f\u00fcr seinen dystopischen Roman \u201eProphet Song\u201c (dt. \u201eDas Lied des Propheten\u201c, Klett-Cotta) \u00fcber das Abrutschen eines Landes in die Diktatur (man muss ein zuk\u00fcnftiges Irland dahinter vermuten, Menschen fliehen von da nach Gro\u00dfbritannien) den Booker Prize, die wichtigsten Auszeichnung englischsprachiger Literatur. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">\u201eBeyond the Sea\u201c erschien im Original bereits 2019, abgesehen von einigen Seiten zu Anfang spielt dieser Roman nur auf See, in einem Panga-Boot, in dem Bolivar und Hector zu \u00fcberleben versuchen. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Denn der von Bolivar gering gesch\u00e4tzte Sturm wird zum gewaltigen Unwetter, \u201edas Meer wogt in die falsche Richtung\u201c, stellt der Fischer, dann doch \u00dcbles ahnend, fest. Zwei Tage lang liegen er und Hector, damit sie nicht von Deck gefegt werden, im K\u00fchlkasten des Pangas. Und stehen es durch. Doch nach dem Sturm ist der Motor des Boots hin\u00fcber. Und die Handys der beiden haben keinen Saft mehr, klar, Empfang h\u00e4tten sie wohl auch nicht. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Wieder gibt sich Bolivar l\u00e4ssig. Die anderen, die Fischer, die Freunde werden nach ihnen suchen, versichert er Hector. Sie werden suchen und uns bald finden, keine Sorge. Schlimmstenfalls m\u00fcssen sie ein paar Tage aushalten. Sie teilen sich ihren Proviant und ihr Wasser ein. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Die Tage vergehen. Hector ritzt Striche in die Bootswand, denn sind sie nicht Gefangene? Bolivar, den Hector \u201ePorkey\u201c nennt, reagiert w\u00fctend darauf. Und noch w\u00fctender, wenn Hector sich seiner Meinung nach gehen l\u00e4sst, rohe Meeresschildkr\u00f6te, rohen Seevogel zu eklig zum Essen findet. Noch haben sie ein Netz, Hector tanzt, als sie damit einen Thunfisch fangen. Noch haben sie ein Messer, als das verloren geht \u2013 mag man sich gar nicht vorstellen, was Bolivar mit den Tieren macht. Paul Lynch geht nicht allzu sehr ins blutige Detail, zum Gl\u00fcck.    <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Manchmal sehen sie in der Ferne ein Schiff. Aber die Hoffnung stirbt schnell. Es folgen \u201eTage wie N\u00e4chte uralten Regens\u201c. <\/p>\n<p>Ist das noch ein Leben?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Hector wird schw\u00e4cher, d\u00fcnner, hohl\u00e4ugig, springt ins Meer, verzweifelt, Bolivar muss ihn wieder rausziehen, auf ihn einreden, nicht aufzugeben, immer wieder. \u201eMan isst, man schl\u00e4ft und vollf\u00fchrt einfache Aufgaben. Jetzt leben wir wirklich.\u201c   <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Paul Lynch l\u00e4sst Dialoge und Gedanken ineinanderflie\u00dfen, so dass man oft nicht sicher sein kann, was die beiden M\u00e4nner ausgesprochen haben, was sie getr\u00e4umt oder halluziniert haben. Oder vielmehr, was gegen Ende des Buches Bolivar halluziniert, denn da ist Hector mit den \u201eschwarzen Kieselaugen\u201c schon verhungert, verdurstet \u2013 er hat sich zuletzt geweigert, noch etwas zu sich zu nehmen. <\/p>\n<p>Das Buch<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-factBox-paragraph\"><strong>Paul Lynch: <\/strong>Jenseits der See. Roman. A. d. Engl. von Eike Sch\u00f6nfeld. Klett-Cotta, M\u00fcnchen 2025. 184 Seiten, <br \/>22 Euro.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">W\u00fctend kippt Bolivar ihn ins Meer, der nur noch Haut und Knochen und ausgepickte Augen ist. \u201eDu bist allein\u201c, sagt Bolivar sich. Und doch sieht er Hector wieder im Boot sitzen. \u201eHectors K\u00f6rper bewegt sich, als schwebe er im Dunkeln.\u201c Bolivar rechtet mit ihm, rechtet mit sich selbst und seiner Schuld. Denn ist er nicht schuld, dass der junge Mann kein Leben mehr hat?  <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Wie es sich anf\u00fchlen k\u00f6nnte, was der (verwirrte) Geist mit einem machen k\u00f6nnte, wenn man monatelang nur sich selbst hat, nur die bewegte Meeresfl\u00e4che und das sich ver\u00e4ndernde Wetter, nur das Licht und die komplette Finsternis, das erz\u00e4hlt Paul Lynch in diesem Roman. \u201eSein Geist wird von der Krankheit im K\u00f6rper verdreht\u201c, beobachtet Bolivar bei Hector. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Lynchs Vater arbeitete f\u00fcr die irische K\u00fcstenwache, so k\u00f6nnte er zu diesem Thema gekommen sein. Drau\u00dfen und allein legt Bolivar sich selbst gegen\u00fcber Zeugnis ab, erkennt sein Versagen gegen\u00fcber seiner Tochter, h\u00f6rt Hectors Gespenst mit Hectors Stimme sagen: \u201eWei\u00dft du, Porkey, du hast kein anderes Herz ber\u00fchrt.\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Kultur Literatur Stand: 27.07.2025, 16:21 Uhr Von: Sylvia Staude DruckenTeilen Monatelang haben sie nur das Meer und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":299435,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-299434","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114928547575484717","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299434","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=299434"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299434\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/299435"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=299434"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=299434"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=299434"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}