{"id":299702,"date":"2025-07-28T05:47:11","date_gmt":"2025-07-28T05:47:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/299702\/"},"modified":"2025-07-28T05:47:11","modified_gmt":"2025-07-28T05:47:11","slug":"tropenkrankheiten-wie-gut-oesterreich-vorbereitet-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/299702\/","title":{"rendered":"Tropenkrankheiten: Wie gut \u00d6sterreich vorbereitet ist"},"content":{"rendered":"<p>In Frankreich nahe der deutschen Grenze hat sich vor Kurzem ein Mensch mit dem <a href=\"https:\/\/science.orf.at\/stories\/3231051\/\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">Chikungunya-Virus infiziert<\/a>. Die Krankheit wurde in der Vergangenheit immer wieder vereinzelt von Reisenden nach Europa gebracht \u2013 dass sich nun aber eine Person auch direkt in Frankreich infizieren konnte, sei ein \u201ebesorgniserregender Trend\u201c, sagt der \u00f6sterreichische Infektiologe <a href=\"https:\/\/www.medizin.uni-tuebingen.de\/de\/das-klinikum\/mitarbeiter\/profil\/1950\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">Peter Kremsner<\/a> im Gespr\u00e4ch mit ORF Wissen.<\/p>\n<p>Kremsner leitet das Institut f\u00fcr Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie am Universit\u00e4tsklinikum T\u00fcbingen in Deutschland. Laut ihm wird es k\u00fcnftig wohl nicht bei den vom Urlaub mitgebrachten Tropenkrankheitsf\u00e4llen bleiben. \u201eDas \u00e4ndert sich \u2013 durchaus bedingt durch den Klimawandel und die Einwanderung von bestimmten Arthropoden, also Gelsen, die dann auch diese Tropenkrankheiten in unseren Breiten weiter \u00fcbertragen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Gelsen auf dem Vormarsch<\/p>\n<p>Die Asiatische Tigerm\u00fccke ist ein Beispiel einer solchen Gelsenart. Urspr\u00fcnglich in S\u00fcdostasien beheimatet, konnte sie sich aufgrund der steigenden Temperaturen und globaler Handelswege mittlerweile in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern etablieren \u2013 auch in \u00d6sterreich. \u201eWenn dann jemand zum Beispiel von einer Reise einen Dengue- oder Chikungunya-Virus in sich tr\u00e4gt und von so einer Gelse gestochen wird, kann das Tier den Erreger in sich aufnehmen und sp\u00e4ter an andere Menschen weitergeben\u201c, so Kremsner.<\/p>\n<p>Bis sich die ersten heimischen Krankheitsf\u00e4lle direkt in \u00d6sterreich ereignen, werde es daher nicht mehr allzu lange dauern. \u201eWenn es so weitergeht, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir in den n\u00e4chsten Jahren die ersten in \u00d6sterreich \u00fcbertragenen F\u00e4lle von Dengue oder Chikungunya haben werden\u201c, sagt der Infektiologe. \u201eVielleicht noch in diesem Sommer, vielleicht im n\u00e4chsten, oder vielleicht erst in zwei, drei Jahren.\u201c<\/p>\n<p>Bek\u00e4mpfung der \u00dcbertr\u00e4ger<\/p>\n<p>Neben der Asiatischen Tigerm\u00fccke gibt es aber auch noch andere Gelsen- und auch Zeckenarten, die unterschiedliche Tropenkrankheiten \u00fcbertragen k\u00f6nnen und die sich aufgrund der steigenden Temperaturen bereits in Europa etabliert haben.<\/p>\n<p>Die \u00dcberwachung und Kontrolle dieser Insekten wird daher k\u00fcnftig eine der zentralen Aufgaben f\u00fcr die Gesundheitsbeh\u00f6rden sein, ist sich auch der Innsbrucker Infektiologe <a href=\"https:\/\/experts.i-med.ac.at\/experte\/guenter-weiss\/\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">G\u00fcnter Weiss<\/a>, Direktor der Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Innere Medizin II in Innsbruck, sicher. \u201eDie <a href=\"https:\/\/www.ages.at\/\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">AGES<\/a> (Agentur f\u00fcr Gesundheit und Ern\u00e4hrungssicherheit) ist da schon relativ aktiv mit einem Netzwerk f\u00fcr M\u00fccken und Zecken\u201c, erkl\u00e4rt er gegen\u00fcber ORF Wissen.<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" class=\"lazy-loading\" bad-src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg%20xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg'%20viewBox%3D'0%200%203000%201891'%2F%3E\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2710882_bigpicture_506362_handout_steiermark_asiatische_tigermuecke_2.jpg\"  alt=\"Asiatische Tigerm\u00fccke\"\/><\/p>\n<p>   APA\/JAMES GATHAN<\/p>\n<p>      Die Asiatische Tigerm\u00fccke breitet sich seit einigen Jahren immer weiter n\u00f6rdlich aus<\/p>\n<p>Ziel des Netzwerks sei, mehr Informationen \u00fcber den Standort und die Zahl der krankheits\u00fcbertragenden Insekten zu erhalten und so auch gezielt Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung und Bek\u00e4mpfung der \u00dcbertr\u00e4ger ergreifen zu k\u00f6nnen. Diese Ma\u00dfnahmen umfassen nicht nur das Monitoring der Gelsen, sondern auch pr\u00e4ventive Ans\u00e4tze zur Reduzierung der Populationen. Dazu k\u00f6nnten beispielsweise regelm\u00e4\u00dfige Kontrollen und die Beseitigung von Brutst\u00e4tten geh\u00f6ren. \u201eEs ist entscheidend, dass wir die Dynamik dieser \u00dcbertr\u00e4ger verstehen, um schnell und effektiv reagieren zu k\u00f6nnen\u201c, betont Weiss.<\/p>\n<p>Schulungen unerl\u00e4sslich<\/p>\n<p>Ein weiterer entscheidender Faktor in der Vorbereitung auf Ausbr\u00fcche von Tropenkrankheiten ist die gezielte Ausbildung des medizinischen Personals. \u201e\u00c4rzte und Pflegekr\u00e4fte m\u00fcssen in der Lage sein, die Symptome von Tropenkrankheiten fr\u00fchzeitig zu erkennen und richtig zu diagnostizieren\u201c, erkl\u00e4rt Weiss. Das erfordere spezialisierte Schulungen und Fortbildungen, damit das medizinische Personal schnell und kompetent handeln kann, um die Ausbreitung der Krankheiten zu verhindern.<\/p>\n<p>Dazu gibt es in \u00d6sterreich bereits eine Facharztausbildung, die u. a. in Innsbruck, Graz und Wien durchgef\u00fchrt werden kann. Au\u00dferdem werden laut Weiss auch laufende Fortbildungsveranstaltungen f\u00fcr etablierte \u00c4rztinnen und \u00c4rzte angeboten und von den medizinischen Universit\u00e4ten Wien, Graz und Innsbruck wird nun auch bereits zum zweiten Mal ein Tropenmedizinkurs durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>      Tigerm\u00fccke breitet sich in \u00d6sterreich aus<\/p>\n<p>Die Asiatische Tigerm\u00fccke wird in \u00d6sterreich zunehmend heimisch \u2013 in Wien, Linz und Graz \u00fcberwintern inzwischen stabile Populationen. Das zeigen aktuelle Daten der AGES. Die M\u00fccke, urspr\u00fcnglich aus S\u00fcdostasien, kann tropische Krankheiten wie das Chikungunya-Virus \u00fcbertragen \u2013 zuletzt gab es in Stra\u00dfburg einen ersten Fall weit im Norden Europas.<\/p>\n<p>Infrastruktur st\u00e4rken<\/p>\n<p>Neben der gezielteren Ausbildung des medizinischen Personals spielt aber auch die Infrastruktur im Gesundheitswesen eine entscheidende Rolle. Gerade bei sehr ansteckenden Tropenkrankheiten sei es wichtig, \u00fcber geeignete Einrichtungen zu verf\u00fcgen, die eine schnelle Diagnose und gegebenenfalls auch die Isolation von infizierten Patienten und Patientinnen erm\u00f6glichen. \u201eEs muss die Infrastruktur geben, wo man dann diese Patienten entsprechend schnell abkl\u00e4ren und dann auch behandeln kann\u201c, so Weiss.<\/p>\n<p>Fehlende Therapien<\/p>\n<p>Sowohl Weiss als auch Kremsner sind sich einig, dass es zur Bek\u00e4mpfung der Tropenkrankheiten au\u00dferdem bessere Medikamente braucht. \u201eBei Chikungunya- und Dengue-Fieber haben wir momentan zum Beispiel gar keine spezifischen Therapien. Das hei\u00dft, man kann eigentlich nur durch Symptomlinderung eingreifen\u201c, erkl\u00e4rt Kremsner. Die Krankheiten selbst werden durch die Medikamente nicht bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Die Entwicklung spezifischer Therapien, die direkt gegen die Erreger wirken, sei daher \u00e4u\u00dferst wichtig, erfordere aber auch internationale Zusammenarbeit. \u201eWir k\u00f6nnen Krankheiten, vor allem Infektionskrankheiten, nur bek\u00e4mpfen, eventuell sogar besiegen oder verhindern, wenn wir weltweit agieren und kooperieren.\u201c<\/p>\n<p>Impfempfehlung bald denkbar<\/p>\n<p>Dasselbe gelte auch f\u00fcr die Entwicklung neuer Impfstoffe. W\u00e4hrend es bereits Impfungen gegen einige Tropenkrankheiten gibt, wie etwa gegen Dengue, werden diese momentan haupts\u00e4chlich f\u00fcr Reisende in tropische Gebiete und die dort lebende Bev\u00f6lkerung empfohlen. In Zukunft k\u00f6nnten solche Impfungen in Europa aber zunehmend an Bedeutung gewinnen und auch in \u00d6sterreich zur Norm werden.<\/p>\n<p>\u201eNoch w\u00fcrde ich niemanden, der nur im Burgenland oder sonst wo in \u00d6sterreich herumsitzt, gegen Dengue impfen wollen. Wenn es sich dann aber mehr ausbreitet oder \u00fcberhaupt heimisch macht in \u00d6sterreich, dann kann man das \u00fcberlegen\u201c, sagt Kremsner. Er betont auch, dass die bestehenden Impfstoffe zwar einen guten Schutz bieten, die Forschung an wirksameren und umfassenderen Impfstoffen aber trotzdem weiter vorangetrieben werden muss.<\/p>\n<p>\u201eLuft nach oben\u201c<\/p>\n<p>Eine gemeinsame globale Anstrengung bei der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten k\u00f6nnte nicht nur Europa zugutekommen, sondern auch in den Ursprungsl\u00e4ndern der Tropenkrankheiten entscheidend zur Eind\u00e4mmung beitragen.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich sei bei der Vorbereitung auf die Tropenkrankheiten zwar auf einem guten Weg, laut Weiss gibt es aber auch noch \u201eLuft nach oben\u201c. Vor allem kontinuierliche Investitionen in Forschung und Infrastruktur seien notwendig, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein. Entscheidend werde au\u00dferdem sein, dass die getroffenen Ma\u00dfnahmen flexibel an neue Entwicklungen angepasst werden, um auf neue Herausforderungen reagieren zu k\u00f6nnen und die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung langfristig zu sch\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Frankreich nahe der deutschen Grenze hat sich vor Kurzem ein Mensch mit dem Chikungunya-Virus infiziert. 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