{"id":299837,"date":"2025-07-28T07:04:09","date_gmt":"2025-07-28T07:04:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/299837\/"},"modified":"2025-07-28T07:04:09","modified_gmt":"2025-07-28T07:04:09","slug":"mit-ki-streaming-und-mehr-dialog-zdf-orchestriert-seine-inhalte-neu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/299837\/","title":{"rendered":"Mit KI, Streaming und mehr Dialog: ZDF orchestriert seine Inhalte neu"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herr Kumb, seit Januar leiten Sie die neue ZDF-Direktion Audience. Banale Frage: Was machen Sie eigentlich?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Die Direktion ist im Rahmen einer Weiterentwicklung der Organisationsstruktur des ZDF entstanden. Wir haben alle Prozesse zusammengef\u00fchrt, die das Programm strategisch und operativ unterst\u00fctzen. Das beginnt bei der Portfolio-Steuerung, geht \u00fcber die Planung und Ausspielung der einzelnen linearen Kan\u00e4le, wie dem Hauptprogramm, ZDFneo, ZDFinfo oder 3sat und endet beim Management des Streamingportals. Bei uns liegen aber auch die Programmfinanzen, KI- und Daten-Themen und die Forschung. Kurz gesagt: Alles, was nicht zur redaktionellen Arbeit oder Produktion z\u00e4hlt, haben wir jetzt erstmals organisatorisch geb\u00fcndelt.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><strong>Wie unterscheidet sich die Aufgabe von der Programmdirektion unter F\u00fchrung von Nadine Bilke? Die Programmplanung k\u00f6nnte man ja auch bei der Programmdirektorin vermuten\u2026<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Auch in sehr vielen anderen Unternehmen sind Herstellung und Vertrieb tats\u00e4chlich nicht im gleichen Bereich. Aber wir arbeiten Hand in Hand. Wir haben zwei Direktionen, die sich um die Entwicklung und Herstellung der Inhalte k\u00fcmmern &#8211; das sind die Programmdirektion mit Fiktion, Unterhaltung, Wissenschaft, Kultur und Kinderprogramm in der Verantwortung von Nadine Bilke und die Chefredaktion mit der Aktualit\u00e4t, Politik, Gesellschaft und Sport in der Verantwortung von Bettina Schausten. Meine Direktion hat, wie der Name schon sagt, das Publikum im Blick \u2013 wir sorgen f\u00fcr die Distribution der Programme und spielen Erkenntnisse dar\u00fcber wieder zur\u00fcck in die anderen Direktionen. Der Aufbau dieser Struktur ist die gr\u00f6\u00dfte Reform innerhalb des ZDF seit mehr als 25 Jahren, um die Distribution unserer Programme zu verbessern und damit den Redaktionen zu helfen mit ihren Inhalten das Publikum zu erreichen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Was muss man sich unter dem ehrbaren Vorhaben, das Publikum besser zu verstehen, denn konkret vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Allein die Nutzung zu \u00fcberblicken, wird immer komplexer, weil sie immer kleinteiliger auf immer mehr wegen stattfindet. Nat\u00fcrlich hilft uns bei der Datenanalyse K\u00fcnstliche Intelligenz. Aber genauso wichtig ist uns der direkte Draht zu den Menschen. Hierf\u00fcr haben wir unsere Beteiligungsplattform ZDFmitreden, bei der jetzt mehr als 75.000 Menschen registriert sind, die sich regelm\u00e4\u00dfig befragen lassen. Das ist ein ziemlich gro\u00dfes Panel \u00fcber das wir innerhalb weniger Tage mehr als 20- oder 30.000 R\u00fcckmeldungen bekommen. Das ist sehr wertvoll f\u00fcr kleine wie gro\u00dfe Fragen und bietet einen qualitativen Mehrwert \u00fcber die reinen Nutzungszahlen hinaus. Au\u00dferdem schauen wir genau hin, wie \u00fcber unsere Inhalte gesprochen wird, beispielsweise in anderen Medien oder bei Social Media. Das Publikum zu verstehen, hei\u00dft verschiedene Perspektiven zusammenzubringen, um die publizistische Wirkung unserer Inhalte beurteilen zu k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr welche Art Fragen nutzen Sie ZDFmitreden? Haben sie da ein exemplarisches Beispiel?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Einerseits viele Themen, die ganz nah an den Redaktionen sind, etwa f\u00fcr unser Morgenmagazin oder Mittagsmagazin. Da geht es um aktuelle gesellschaftliche oder politische Fragen. Die Ergebnisse k\u00f6nnen dann von den Redaktionen wieder in die Sendungen eingebracht werden, um Interessen und Stimmungen besser einzuordnen. Wir machen genauso Titeltests f\u00fcr neue Sendungen &#8211; Versteht man den Sendungsnamen? &#8211; oder probieren verschiedene Thumbnails aus, um Erkenntnisse f\u00fcr unser Streamingportal zu gewinnen. Andererseits hatten wir zuletzt auch eine Befragung zur Gesamtstrategie des ZDF, also \u201eEin ZDF f\u00fcr alle\u201c, ob diese verstanden und begr\u00fc\u00dft wird.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Wir sprachen eben K\u00fcnstliche Intelligenz an. Wie geht das ZDF damit um &#8211; auch vor dem Hintergrund der Debatte, wie anh\u00e4ngig man sich von ausl\u00e4ndischen BigTech-Unternehmen machen darf? Was bei KI ja der Fall ist\u2026<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das eine Herausforderung und fast schon eines der wichtigsten Themen, die ich vor mir habe: KI im programmnahen Bereich einsetzbar zu machen und das ZDF damit fit zu halten bei dieser Entwicklung. Ob nun f\u00fcrs Fact-Checking oder in der Promotion. Wir wollen KI breit, aber verantwortungsvoll einsetzen. Daf\u00fcr besteht auch eine gro\u00dfe Offenheit bei den Kolleginnen und Kollegen im Haus. Als wir dazu zuletzt intern informierten, haben sich mehr als 800 Leute zugeschaltet.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong><br \/>K\u00fcnstliche Intelligenz im ZDF hat einen Namen: Marie Louise<\/strong>&#13;<\/p>\n<p><strong><br \/>Und wie setzt man KI verantwortungsvoll ein?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Wir haben uns in der Gesch\u00e4ftsleitung Grunds\u00e4tze gegeben, um genau das einzul\u00f6sen, was Sie ansprachen: Was ist die \u00f6ffentlich-rechtliche Herangehensweise? Wie wollen wir in Partnerschaften auf Augenh\u00f6he arbeiten, nicht in Abh\u00e4ngigkeiten geraten von Konzernen, die nicht die gleichen Ziele verfolgen? Wir arbeiten zusammen mit \u00f6ffentlich-rechtlichen Akteuren wie der ARD aber auch privaten Wettbewerbern, die ein \u00e4hnliches Interesse verfolgen. An den Stellen, an denen es besonders sensibel wird, gehen wir auch selbst in die Entwicklung. Daf\u00fcr haben wir ja unsere Tochterfirma ZDF Sparks gegr\u00fcndet, die sich mit KI-Fragen besch\u00e4ftigt, beispielsweise wie ein \u00f6ffentlich-rechtlicher Algorithmus aussehen m\u00fcsste, der eben nicht nur mehr vom immer Gleichen f\u00f6rdert, sondern auch an Neues heranf\u00fchrt oder wie die Programmplanung mit KI weiterentwickelt werden sollte, die wir bei ZDFinfo ja bereits einsetzen.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Wie nutzt ZDFinfo denn KI bei der Programmplanung?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Wir haben unser Planungstool liebevoll Marie Luise genannt. Marie Luise analysiert sehr genau die vergangene Nutzung und macht daraufhin Vorschl\u00e4ge f\u00fcr kommende Programmierungen. Der Programmplaner wird also nicht ersetzt, aber ihm wird die Recherche und Zusammenstellung der Abl\u00e4ufe vereinfacht. Und wir freuen uns, dass Marie Luise inzwischen schon ziemlich gut darin geworden ist, ZDFinfo zu optimieren.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"quote\">&#8222;Gemeinsam Erkenntnisse gewinnen, wie \u00f6ffentlich-rechtliche Medien den Diskurs im Internet verbessern k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Die Abh\u00e4ngigkeit von Big Tech besorgt Ihren Intendanten erkl\u00e4rterma\u00dfen &#8211; und Sie vermutlich auch &#8211; ebenso beim Thema Social Media. Deswegen hat das ZDF mit internationalen Partnern einen Public Spaces Incubator aufgesetzt. Was ist daraus geworden?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Der Kreis derer, die dabei sind, ist inzwischen gr\u00f6\u00dfer geworden. Wir freuen uns, dass auch die ARD dazugekommen ist und einige weitere internationale Partner. Wir haben zusammen, wenn man so will, ein StartUp gegr\u00fcndet, das neue Ans\u00e4tze f\u00fcr einen besseren Diskurs im Netz entwickelt. Bisher sind mehr als hundert Ideen zusammengekommen, die jetzt nacheinander auf Umsetzbarkeit gepr\u00fcft werden. Die erste Anwendung ist bereits fertig. Hierbei geht es darum, in Diskussionen \u00fcber das Schwarz\/wei\u00df-Denken hinaus auch Graut\u00f6ne sichtbar zu machen. Also bei Interaktion nicht allein auf Like oder Dislike aus zu sein, sondern mittels Schieberegler zu differenzieren. Getestet haben wir das zun\u00e4chst mit 1.600 Menschen aus unserem ZDFmitreden-Panel. Die ersten Erfahrungen sind sehr positiv. Die Debatten haben eine Qualit\u00e4t, die man sonst in Social Media oft nicht hat. Bei der Fu\u00dfball-EM der Frauen haben wir jetzt auf <a href=\"http:\/\/ZDFheute.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ZDFheute.de<\/a> einen ersten offenen Test gemacht. Im Lauf des Jahres wollen wir das Tool auch in unser Streamingportal einbauen, damit dort kommentiert und debattiert werden kann. Wir arbeiten also nicht an einem gro\u00dfen europ\u00e4ischen Airbus-Projekt, einer gro\u00dfen neuen Plattform, sondern an konkreten Elementen, die wir jetzt mit den verschiedenen Partnern in den verschiedenen L\u00e4ndern testen, um gemeinsam Erkenntnisse zu gewinnen, wie \u00f6ffentlich-rechtliche Medien den Diskurs im Internet verbessern k\u00f6nnen, um unserer Rolle in der digitalen Welt besser gerecht zu werden.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Sie sprachen das Streamingportal an, das neue Wording. Wie oft rutscht Ihnen selbst noch ZDF Mediathek raus?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>(Lacht) Meine Kollegen haben mich am Anfang so oft korrigiert, dass ich es inzwischen ganz gut hinbekomme. Es ist erstmal eine Umgew\u00f6hnung, aber ich bin mir sicher, wir haben das bald alle drauf.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Dahinter steckt ja das langfristige Ziel, dass die App einmal das ZDF wird. Noch aber gibt es nat\u00fcrlich noch das linear sehr erfolgreiche Hauptprogramm. H\u00e4lt sich die Relevanz noch die Waage?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Das Fernsehen ist weiter wichtig, aber im Kern der Strategie f\u00fcr die Zukunft steht das Streaming-Angebot. Damit wir dort st\u00e4rker werden und wachsen, mussten wir uns neu sortierten. Deswegen auch der Aufbau der neuen Direktion Audience im ZDF, in der wir Portfoliosteuerung, Planung, Distribution und die Programmkommunikation b\u00fcndeln. Ein Schwerpunkt liegt auch auf der Weiterentwicklung des technischen Plattformsystems mit ARD und Deutschlandradio. An der Entwicklung gemeinsamer Technik und am Inhalte-Austausch gibt es auch international Interesse. Also so wie ARD-Inhalte bei uns und ZDF-Inhalte bei der ARD zug\u00e4nglich sind. Das k\u00f6nnte man auch mit anderen Partnern \u00fcber deutsche Grenzen hinaus umsetzen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Stichwort Content-Austausch. Was gibts eigentlich Neues in der Auseinandersetzung mit ProSiebenSat.1 wegen Joyn?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Wir sind tats\u00e4chlich in Gespr\u00e4chen! Nachdem die Gerichtsverhandlung durch war und es dort zu einem eindeutigen Ergebnis kam, tauschen wir uns jetzt dar\u00fcber aus, ob es eine Zusammenarbeit geben kann und wenn ja, wie diese aussehen k\u00f6nnte. Wenn sich eine sinnvolle Partnerschaft ergibt, wof\u00fcr es halt eine Zustimmung von beiden Seiten braucht, warum nicht. Sie muss nur einen vern\u00fcnftigen Rahmen haben.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Nochmal kurz zur ZDF App. Einer Pressemitteilung Ihres Hauses war k\u00fcrzlich zu entnehmen: Januar und Februar waren die erfolgreichsten Monate. Also vor dem Relaunch&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Zum Jahresstart hatten wir relativ viele Highlights, die sehr gut funktioniert haben. Dann kam der Relaunch. Normalerweise hat man bei einem Relaunch ja immer erst einmal eine r\u00fcckl\u00e4ufige Nutzung. Das hatten wir &#8211; anders als vor zehn Jahren &#8211; diesmal nicht. Wir sind gerade in der Phase, in der sich die Menschen auf der Streamingplattform erstmal neu orientieren, die neue Haptik und Usability verinnerlichen m\u00fcssen. Sowohl die Nutzer-Tests, die wir gemacht haben, als auch die stabile Nutzerzahl zeigen uns: Das ist gut gelaufen, auch ohne technische Probleme.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Gibt es denn bei Ihnen auf dem Schreibtisch einen Zettel mit Verbesserungsw\u00fcnschen nach dem Relaunch?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Ja, klar \u2013 die Liste ist lang. Der Relaunch war ein gro\u00dfer Schritt, nun machen wir stetig weitere kleine Schritte. Das ist ein Prozess der kontinuierlichen Weiterentwicklung. Nat\u00fcrlich wird dabei auch das Feedback der Nutzerinnen und Nutzer ber\u00fccksichtigt. Das ist sehr wertvoll. Um mal ein kleines Beispiel zu nennen: Uns &#8211; wie auch Amazon &#8211; war nicht ganz klar, wie viele Fire TV-Sticks der ersten Generation noch genutzt werden. Da gab es technische Probleme mit der neuen App, die wir schnell gefixt haben. Wir werden auch an dem Wunsch arbeiten, neue Programminhalte in der App sichtbarer als solche zu labeln. Wir schauen uns auch nochmal an, wie welche Marken im Streamingportal zur Geltung kommen, gerade wo jetzt fast nur noch Bewegtbild angeboten wird und Texte reduziert wurden. Das Live-Erlebnis zu verbessern, steht auch auf der Liste. Es gibt also durchaus einige Themen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Aber dass ich beim ZDF online nicht mehr rausfinden kann, wer heute Abend bei Markus Lanz zu Gast ist &#8211; ist das ein Bug oder ein Feature?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Wir arbeiten aktuell an einem Preview-Feature f\u00fcr kommende Inhalte, um Promotionfl\u00e4che f\u00fcr neue Programme zu schaffen. F\u00fcr die t\u00e4gliche Kommunikation von G\u00e4sten oder Themen ist eher ZDFheute.de relevant. Unsere Streaming-App folgt jetzt der Logik einer reinen Videoplattform. Das hei\u00dft Inhalte erscheinen dort erst, wenn sie als Video verf\u00fcgbar sind. Das Streamingangebot ist ein Angebot zum Konsum unserer Videoinhalte, nicht f\u00fcr Vorank\u00fcndigungen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"quote\">&#8222;Wenn wir in der Branche zu einer neuen W\u00e4hrung kommen, hei\u00dft das auch: weg vom schnellen Urteil am Morgen nach der Erstausstrahlung.&#8220;<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Wenn ich mit kommerziellen Anbietern spreche, plagt viele noch eine weiterhin fehlende gemeinsame Reichweite von linearer und non-linearer Nutzung. Wie sehen Sie das?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Transparente und verl\u00e4ssliche Marktdaten w\u00e4ren ein echter Gewinn f\u00fcr alle. Damit das gelingt, brauchen wir klare Konventionen. Das ist am besten \u00fcber die AGF zu erreichen, die viele Entwicklungsschritte hierf\u00fcr bereits hinter sich hat, die jetzt St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck sichtbar werden. Es gibt gerade mehrere Projekte, um Daten f\u00fcr eine Ausspielweg-\u00fcbergreifende W\u00e4hrung anzureichern. Das hat lange gedauert, aber es ist auch unglaublich komplex. Im ZDF haben wir mit dem Formatkompass ein Tool entwickelt, bei dem wir Faktoren wie publizistische Resonanz, die lineare Quote, die OnDemand-Nutzung und die Reaktionen in Social Media in einem Dashboard zusammenfassen, damit die Redaktionen ein umfassenderes Bild von der Performance bekommen. Und wenn wir irgendwann in der gesamten Branche zu einer neuen W\u00e4hrung kommen, hei\u00dft das aber auch: weg vom schnellen Urteil am Morgen nach der Erstausstrahlung \u2013 und hin zu einem l\u00e4ngeren Atem bei der Bewertung.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>V\u00f6llig richtig. W\u00fcrden wir bei DWDL sofort unterst\u00fctzen. M\u00fcssen wir uns eigentlich von der Sehbeteiligung als harter aber nicht mit dem Digitalen vergleichbaren W\u00e4hrung verabschieden, sprich auf Nettoreichweite gehen?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Das Fernsehen hat die h\u00e4rteste W\u00e4hrung von allen Mediengattungen und es ist gut, dass wir sie haben. Aber wir brauchen zus\u00e4tzliche Kennzahlen, die \u00fcbergreifend gelten. Wir gucken ZDF-intern auf Sehvolumen, also wie viel Nutzungszeit mit unseren Inhalten verbracht wurde. Au\u00dferdem auf die Reichweite, also wie viele Menschen Kontakt mit unseren Inhalten hatten. Dazu kommt die aus dem TV bekannte Sehbeteiligung, die gemittelte Reichweite \u00fcber die gesamte L\u00e4nge. Und die ist auch wertvoll. Wenn ich beispielsweise eine hohe Reichweite habe, aber die Verweildauer gering ausf\u00e4llt, ist das auch eine klare qualitative Abstimmung des Publikums. Ich sag mal so: Viele w\u00fcnschen sich die vermeintlich gute alte Zeit mit einer Zahl zur\u00fcck, mit der sich Erfolg bewerten l\u00e4sst. Ich bef\u00fcrchte aber: die gibt\u2019s nicht mehr.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Jetzt ist das ZDF 2025 erneut auf bestem Weg klarer Marktf\u00fchrer zu werden im linearen Fernsehen. Jetzt ist Ihre Direktion auch f\u00fcr die Programmplanung zust\u00e4ndig. Kann man da dann nicht nur verschlimmbessern?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Man muss sicher sehr behutsam an die Elemente herangehen, die erfolgreich sind. Aber es gibt immer Optimierungsbedarf, nicht nur beim gerade angesprochen Streamingportal, sondern auch im Linearen. Man sollte auch nicht den Fehler machen und sich mit dem, was gut l\u00e4uft, nicht besch\u00e4ftigen. Es ist schlie\u00dflich immer einfacher rechtzeitig aus einer Position der St\u00e4rke zu agieren als zu sp\u00e4t auf Ver\u00e4nderungen reagieren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Zuletzt haben Sie am Mittwochvorabend eine gr\u00f6\u00dfere \u00c4nderung vorgenommen. Die bleibt?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Absolut, wir meinen es ernst und setzen an dieser Stelle weiterhin auf Non-Fiction. Es kommen in den n\u00e4chsten Monaten weitere neue Formate. Wir sind hier kontinuierlich in der Entwicklung, auch bereits f\u00fcrs kommende Jahr. Das man bei so vielen Experimenten nicht mit allen Zahlen immer zufrieden sein kann, ist auch klar. Aber wir bleiben dran.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Wo gibt es im Programmschema denn noch Optimierungsbedarf?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>An verschiedenen Stellen. Bei ZDFneo haben wir zum Beispiel am Sonntagabend ein Schaufenster f\u00fcr die junge Fiction eingef\u00fchrt, 3sat ist mit seinen Partnern in einem Strategieprozess, um die Frage zu kl\u00e4ren, wie sich die Marke 3sat im linearen Programm wie auch in der digitalen Welt k\u00fcnftig positionieren sollte. Im Hauptprogramm werden wir im Herbst am Wochenendprogramm arbeiten. Wir wollen st\u00e4rker sortieren und ein bisschen mehr Raum f\u00fcr Vertiefung bieten. Sonntags haben wir nach dem \u201eFernsehgarten\u201c sehr erfolgreich Factual-Programme etabliert und wollen da mit konstruktivem Journalismus, gesellschaftlichen Themen, Umwelt und Nachhaltigkeit ankn\u00fcpfen. Da waren zuletzt auch schon Experimente sichtbar. Das bekommt mehr Sendezeit, also 45 Minuten statt 30. Am Vorabend hatten wir fr\u00fcher nach den 17 Uhr Nachrichten Sport, jetzt planen wir mit \u201eTerra Xplore\u201c an der Stelle. Urspr\u00fcnglich rein f\u00fcr Online entwickelt, passt es um 17.15 Uhr sehr gut, finden wir. Das Format wird auch auf 45 Minuten verl\u00e4ngert. Zudem ziehen wir die ZDF-Reportage vom Sonntag auf den Samstagvorabend und platzieren sie hinter dem \u201eL\u00e4nderspiegel\u201c. Da entsteht ein \u00fcberzeugendes LineUp mit Geschichten aus dem Leben in Deutschland. Und sonntags um 18 Uhr werden wir auf Wiederholungen setzen &#8211; das geh\u00f6rt auch zur Wahrheit, weil wir mehr Geld ins Streaming stecken. Dann muss es im Hauptprogramm auch hier und da mehr Wiederholungen geben.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nZwischen Medienpolitik &amp; Marketing&#13;<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Sie sprechen die Budgetverschiebungen an. Die f\u00fchrten auch dazu, dass man einige erfolgreiche Programme beendet hat, um mehr Budget frei zu haben f\u00fcr neue Ideen. Ist der Prozess abgeschlossen?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Wir haben das Luxusproblem, dass wir im Hauptprogramm nur Formate haben, die in ihrem Segment sehr erfolgreich sind. Das f\u00fchrt dazu, dass wir uns \u2013 auch wenn es am Ende schmerzhaft ist \u2013 von Formaten verabschieden m\u00fcssen, die sehr erfolgreich sind. Nur so kann Neues entstehen. Denn selbst im Falle einer Beitragserh\u00f6hung werden wir nicht mehr Geld f\u00fcrs Programm haben, weil die Inflationsrate das auffrisst. Deshalb schichten wir weiter Programmbudgets f\u00fcr Zielgruppen um, die wir momentan zu wenig erreichen. Aber das ist ein Marathon und wir laufen noch.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Jetzt haben wir \u00fcber alle Ausspielwege des ZDF gesprochen: Von welchem kann man sich denn am einfachsten trennen, wenn Sie in den Austausch mit der ARD gehen, um den medienpolitischen Vorgaben einer Reduktion Folge zu leisten?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Aus ZDF-Perspektive gesprochen haben wir mit ZDFneo und ZDFinfo zwei Programme, die einen sehr wertvollen Beitrag dazu leisten, junge Publika anzusprechen. Der Medienstaatsvertrag, sollte er zum 1. Dezember in Kraft treten, sieht aber vor, dass die Anzahl der linearen Kan\u00e4le von ARD und ZDF im Informationsbereich um zwei und bei jungen Zuschauern um einen reduziert werden muss. Dazu befinden wir uns aktuell in Gespr\u00e4chen mit der ARD. Diese sind noch nicht abgeschlossen. Aber ich habe das Gef\u00fchl, dass wir eine gute gemeinsame L\u00f6sung finden werden. Viel Zeit bleibt daf\u00fcr nicht: Der erste Schritt muss schon 2027 umgesetzt werden. Und mit dem Jahr 2032 ist das Ende aller linearen Spartensender ja leider auch schon definiert. Bis dahin m\u00fcssen wir die Transformation abgeschlossen haben.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Kurzer Exkurs zum Marketing, auch das f\u00e4llt in den Aufgabenbereich der neuen Direktion. Mit welcher Konsequenz?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Wir haben unsere Marketingstrategie grundlegend \u00fcberarbeitet. Bislang hatten wir eine senderspezifische Programmkommunikation. Nun machen wir diese nach Genre und Zielgruppen. In einem Pitch hat Serviceplan aus M\u00fcnchen einen Teil des Marketing-Etats verteidigt und Jung von Matt in Hamburg ist neu an Bord gekommen. Die \u00fcbernehmen unsere Kommunikation f\u00fcr Information, Gesellschaft und Sport. Serviceplan \u00fcbernimmt Fiktion, Unterhaltung und Kultur. Wir m\u00fcssen in unserem Auftritt lauter werden, um regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Wahrnehmungsschwelle zu kommen. Da werden wir sehr bald neue Impulse in den Kampagnen sehen. Das besser auszusteuern ist auch eine Folge der neuen Organisation im ZDF, weil Kommunikation jetzt als integraler Bestandteil der Distribution betrachtet wird \u2013 von Pressearbeit bis Social Media.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><strong>In einer non-linearen Welt ist das ZDF f\u00fcr die meisten jungen Zuschauerinnen und Zuschauern nicht mehr \u201edas zweite Programm\u201c. Ist der Claim und die entsprechende Geste \u201eMit dem Zweiten sieht man besser\u201c im Streamingzeitalter noch zeitgem\u00e4\u00df?<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Bei der Frage der Positionierung und emotionalen N\u00e4he zu j\u00fcngeren Publikumsgruppen m\u00fcssen wir sicher neue Antworten finden. Aber die Geste und der Claim sind noch immer sehr bekannt und wir bleiben ja auch im Streamingzeitalter das ZDF. Das geben wir nicht auf &#8211; genauso wenig wie den orangenen Ball. Wir werden alles daran setzen, dass diese auch im Zweiten Deutschen Internet jeder kennt.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>Herr Kumb, herzlichen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Kumb, seit Januar leiten Sie die neue ZDF-Direktion Audience. 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