{"id":300128,"date":"2025-07-28T09:45:13","date_gmt":"2025-07-28T09:45:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/300128\/"},"modified":"2025-07-28T09:45:13","modified_gmt":"2025-07-28T09:45:13","slug":"innenarchitekt-der-superreichen-unter-einer-million-laeuft-nichts-thai-congs-welt-der-superlative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/300128\/","title":{"rendered":"Innenarchitekt der Superreichen: Unter einer Million l\u00e4uft nichts \u2013 Th\u00e1i C\u00f4ngs Welt der Superlative"},"content":{"rendered":"<p>Th\u00e1i C\u00f4ng Qu\u00e1ch kam als Neunj\u00e4hriger mit seiner Familie aus Vietnam nach Deutschland. In Hamburg legte er die Grundsteine f\u00fcr seinen Erfolg. Inzwischen ist der 53-J\u00e4hrige als Interieur-Designer f\u00fcr Superreiche ein Superstar \u2013 nicht nur in Asien.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">F\u00fcr weniger als eine Million Dollar macht es Th\u00e1i C\u00f4ng Qu\u00e1ch nicht. So hoch muss der Umsatz sein, zu dem sich seine Kunden verpflichten \u2013 Minimum. Erst wenn der Vertrag unterschrieben, eine 25-Prozent-Anzahlung geleistet ist und das Team den potenziellen Kunden kennengelernt hat, tritt der 53-J\u00e4hrige selbst auf den Plan.<\/p>\n<p>Th\u00e1i C\u00f4ng, wie ihn alle nur nennen, ist Interieur-Designer der Superreichen, eine Stilikone, in Vietnam so etwas wie ein Superstar, vielleicht sogar weltweit. Zumindest wird er von Landsleuten erkannt, egal ob er in seinem Porsche Cabrio mit den roten Ledersitzen durch die Stra\u00dfen von Saigon f\u00e4hrt, die Fifth Avenue in New York entlangschlendert, im \u201eFour Seasons\u201c in Sydney absteigt oder in Tokio weilt. Passanten raunen seinen Namen, bitten um Selfies mit ihm.<\/p>\n<p>Auch die Hamburger kennen Th\u00e1i C\u00f4ng \u2013 oder zumindest seinen Laden am Eppendorfer Weg in Hoheluft-West. Da, wo er einst Lampen f\u00fcr 300 Euro verkaufte. Ein Betrag, \u00fcber den der 53-J\u00e4hrige heute nur m\u00fcde l\u00e4cheln kann. \u201eVon den etwa 100 Millionen Einwohnern Vietnams k\u00f6nnen sich mich gerade mal 0,01 Prozent leisten\u201c, sagt er WELT AM SONNTAG am Telefon. Es klingt nicht \u00fcberheblich oder arrogant, wenn er das sagt, sondern nach einer Beschreibung von Fakten. Ihren Anfang nahm Th\u00e1i C\u00f4ngs Karriere in Hamburg, auch wenn sie vielleicht schon in seiner Kindheit in Vietnam vorgezeichnet war. Seine Eltern produzierten Haarspray und Shampoo, seine Mutter war Friseurin. \u201eIch bin in einer Familie gro\u00df geworden, die sehr viel mit sch\u00f6nen Dingen zu tun hatte\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Der Beginn der Karriere in Hamburg<\/p>\n<p>1981 entschloss sich die Familie, nach Deutschland auszuwandern. Der Neunj\u00e4hrige hatte da bereits ein Jahr lang mit einem Privatlehrer in Vietnam die deutsche Sprache gelernt. \u201eF\u00fcr mich als Kind war das wie eine Abenteuerreise. Wir kamen am 24. Dezember 1981 in Deutschland an. Da habe ich zum ersten Mal Schnee gesehen\u201c, erinnert er sich.<\/p>\n<p>Die erste Zeit verbringt er mit seinen Eltern, denen er in seinem 2002 erschienen Bildband \u201eMy Parents: An Hommage to Fashion, Photography and Life\u201c ein glamour\u00f6ses Denkmal gesetzt hat, in der N\u00e4he von Hannover. Dann zieht die Familie nach Hamburg.<\/p>\n<p>Th\u00e1i C\u00f4ng spricht nicht so gern von der Vergangenheit. \u201eEs sind immer die gleichen Fragen, und es liegt so weit zur\u00fcck\u201c, sagt er freundlich aber bestimmt und beginnt dann doch Teile seiner Geschichte zu erz\u00e4hlen \u2013 so wie er sie erz\u00e4hlt haben m\u00f6chte. Wie er nach der Schule an der privaten Akademie JAK Modedesign studierte, als Fashion Stylist f\u00fcr Magazine und Werbung arbeitete. Wie ihn schon seine Direktorin ausw\u00e4hlte, nicht nur seine Kreationen auszustellen, sondern sie zu pr\u00e4sentieren, als \u201eInstallation\u201c, wie er es nennt.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten arbeitet Th\u00e1i C\u00f4ng auch als Fotograf. Er hat einen Blick f\u00fcr die sch\u00f6nen Dinge und wei\u00df sie in Szene zu setzen. F\u00fcr ihn ist jeder Moment eine Inspirationsquelle. Da h\u00e4lt er es wie Karl Lagerfeld, der einst abf\u00e4llig feststellte, dass die meisten Menschen arbeiteten, um dann Urlaub zu machen. \u201eF\u00fcr mich sind Arbeiten und Urlaub machen eins, und das ist ein Hauptgewinn\u201c, sagt Th\u00e1i C\u00f4ng. Ganz wie Karl Lagerfeld eben.<\/p>\n<p>Er gibt sich nicht mit Mittelm\u00e4\u00dfigkeit ab und wei\u00df seine Chancen zu nutzen, die sich ihm, so sagt er es selbst, immer wieder auf dem goldenen Tablett pr\u00e4sentiert haben. \u201eIch habe mir meinen Beruf nicht ausgesucht, er hat mich ausgesucht\u201c, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p>Er lebt nach einem 300-Prozent-Prinzip. Um das zu erreichen, ben\u00f6tige es 100 Prozent Perfektion des Materials, 100 Prozent perfekte Verarbeitung, 100 Prozent perfektes Design. F\u00fcr ihn bedeutet dieses Prinzip auch 300-Prozent-Nachhaltigkeit. \u201eDamit bewahrt man die Kultur und sch\u00fctzt das Klima\u201c, sagt er. Dass sich nicht jeder einen Cashmere-Schal oder ein zehnteiliges Louis-Vuitton-Reiseset leisten kann, auch wenn beides aufgrund der Qualit\u00e4t lange halten w\u00fcrde, l\u00e4sst er au\u00dfen vor.<\/p>\n<p>\u201eKi\u1ebfn th\u1ee9c, kinh nghi\u1ec7m v\u00e0 tr\u1ea3i nghi\u1ec7m\u201c, was so viel bedeutet wie: \u201eWissen, Erfahrung und Erleben\u201c, lautet ein weiterer Dreiklang in seinem Leben. \u201eF\u00fcr mich stehen diese drei Begriffe f\u00fcr drei entscheidende Ebenen des Lernens: Wissen ist das, was man sich aneignet. Erfahrung ist das, was man sich im Leben erarbeitet. Und Erleben ist das, was man wirklich selbst gesp\u00fcrt, gef\u00fchlt und durchlebt hat\u201c, erkl\u00e4rt er und f\u00fchrt dies an Beispielen aus.<\/p>\n<p>\u201eUm einen Wein zu beschreiben, reicht Wissen allein nicht aus \u2013 man muss viele Weine probiert haben, und den Moment, das Aroma, die Stimmung selbst erlebt haben, um ihn wirklich zu verstehen. Genauso bei einem Kleidungsst\u00fcck.\u201c F\u00fcr ihn bleibt Wissen ohne Erfahrung oberfl\u00e4chlich, Erfahrung ohne Erleben technisch und Erleben ohne Wissen zuf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Th\u00e1i C\u00f4ng liebt das Neue und sch\u00e4tzt die Kontrolle, w\u00e4hlt sorgsam aus, was er tut, mit wem er sich umgibt und auch, was er isst. \u201eIch habe eine wahnsinnige Angst, dick zu werden, deswegen achte ich auf meine Ern\u00e4hrung und deswegen trainiere ich t\u00e4glich\u201c, erz\u00e4hlt er. Mit zwei unterschiedlichen Trainern. \u201eEiner w\u00e4re mir zu langweilig.\u201c Wenn er s\u00fcndigt, dann muss es sich lohnen \u2013 keine billigen Chips, sondern solche mit Tr\u00fcffel, kein Null-Acht-15-Sushi, sondern eines mit feinstem Fisch. Der Reis mache schlie\u00dflich furchtbar dick.<\/p>\n<p>Th\u00e1i C\u00f4ng lebt in Superlativen, mit Superlativen. Das gilt auch f\u00fcr seine Arbeit. Er richtet seinen Kunden ihre Wohnungen oder H\u00e4user nicht ein, er inszeniert sie. Da werden R\u00e4ume ganz neu aufgeteilt, neue Grundrisse entstehen, Th\u00e1i C\u00f4ng w\u00e4hlt Fu\u00dfb\u00f6den, Wandbeschaffenheiten aus, dann erst geht es an die Auswahl der M\u00f6bel und deren Platzierungen. Die m\u00fcssen alle bei Th\u00e1i C\u00f4ng gekauft werden. Davor allerdings muss er die Bed\u00fcrfnisse seiner Kunden kennen.<\/p>\n<p>Vietnam: ein Land voll neuer Million\u00e4re<\/p>\n<p>\u201eIch frage, wo und wie sie Urlaub machen, welche Hotels sie buchen, ob sie Personal haben, das im Haus lebt, wie viele Schuhe die Garderobe ausmachen, ob zu Hause gearbeitet oder auch trainiert wird.\u201c Das ist die Kundschaft, die Th\u00e1i C\u00f4ng hat, seit mittlerweile mehr als zw\u00f6lf Jahren in Vietnam. In Hamburg f\u00fchlte er sich kreativ nicht mehr herausgefordert. \u201eDa habe ich Vietnam entdeckt \u2014 ein Land voller Energie, voller Erfolgsgeschichten, voller neuer Million\u00e4re. Menschen, die alles haben \u2014 aber oft noch auf der Suche sind nach etwas, das man mit Geld allein nicht kaufen kann: Stil, Pers\u00f6nlichkeit, Identit\u00e4t.\u201c Dabei hilft er ihnen nun.<\/p>\n<p>Seitdem hat Th\u00e1i C\u00f4ng sein Imperium stetig ausgebaut, allein in Vietnam hat er 70 Mitarbeiter. Seine Verbindung zu Hamburg ist geblieben: Im vergangenen Jahr heiratete er hier, im Hotel Vierjahreszeiten, seinen Partner Huy Yves, das Ladengesch\u00e4ft im Eppendorfer Weg nutzt er noch als B\u00fcro.<\/p>\n<p>Der Preis, den er daf\u00fcr zahlt, ist absolute \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Social Media, als Gesicht f\u00fcr Werbung f\u00fcr gr\u00fcnen Tee und Kartoffelchips. Gerade ist in Vietnam ein Film in die Kinos gekommen, in dem er und sein Mann mitspielen. Er hat die kreative Leitung eines riesigen Immobilienprojektes mit Wohnungen, Shopping-Mall und Hotels \u00fcbernommen, arbeitet an einem neuen Buch und ist von einer Porzellanfirma f\u00fcr ein Design f\u00fcr eine ihrer Kollektionen angefragt. \u201eIch lebe das Leben, das sich die Menschen f\u00fcr sich w\u00fcnschen\u201c, sagt Th\u00e1i C\u00f4ng und meint damit wohl nicht ausschlie\u00dflich seine Kunden.<\/p>\n<p>Britta Schmeis<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Th\u00e1i C\u00f4ng Qu\u00e1ch kam als Neunj\u00e4hriger mit seiner Familie aus Vietnam nach Deutschland. 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