{"id":300432,"date":"2025-07-28T12:30:29","date_gmt":"2025-07-28T12:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/300432\/"},"modified":"2025-07-28T12:30:29","modified_gmt":"2025-07-28T12:30:29","slug":"diagnose-adhs-immer-mehr-erwachsene-entdecken-symptome","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/300432\/","title":{"rendered":"Diagnose ADHS: Immer mehr Erwachsene entdecken Symptome"},"content":{"rendered":"<p>Der Kampf um unsere Aufmerksamkeit\u00a0(4) \u2013 <\/p>\n<p>Zwischen \u00abZappelphilipp\u00bb und \u00abSuperkraft\u00bb: Immer mehr Erwachsene entdecken ihr ADHS<\/p>\n<p class=\"ContentHead_lead____SsS link_regular__O0hk0 link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs\">Einst dachte man, ADHS h\u00e4tten nur Kinder. Heute erhalten immer mehr Erwachsene die Diagnose. Was das mit den sozialen Medien zu tun hat \u2013 und wie Betroffene gegen eine Schubladisierung k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/3Tpl75NiKdq8loEklH-ndA.jpg\"  width=\"100\" height=\"100\"  alt=\"Alexandra Aregger\" class=\"AuthorImage_root__WCxj_ ContentMetaInfo_authorimage__Mp4LD AuthorImage_-content-head__3qDob\" style=\"background-color:#808080\"\/>Publiziert heute um 13:49 Uhr<img decoding=\"async\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ApiPkR_6aLq918QJUWeMZQ.jpg\" alt=\"Illustration eines Mannes mit einem transparenten Helm voller Zahnr\u00e4der und Maschinen auf dem Kopf, umgeben von einem Comic-Stil Hintergrund. Der Schriftzug \u2019ADHS\u2019 ist \u00fcber seinen H\u00e4nden platziert.\" title=\"Illustration eines Mannes mit einem transparenten Helm voller Zahnr\u00e4der und Maschinen auf dem Kopf, umgeben von einem Comic-Stil Hintergrund. Der Schriftzug \u2019ADHS\u2019 ist \u00fcber seinen H\u00e4nden platziert.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#A27AB0\"\/><\/p>\n<p>\u00abPl\u00f6tzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen\u00bb: Lukas Geiger spricht \u00fcber sein ADHS, das er erst im Erwachsenenalter entdeckt hat.<\/p>\n<p>Collage: Michael Treuthardt. Fotos: Sabine Rock, Getty Images<\/p>\n<p>Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.<a href=\"https:\/\/bottalk.io\/de\/\" class=\"BottalkPaywall_bottalklink__KDtuf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">BotTalk<\/a><strong class=\"SummaryList_title__8uifR\">In K\u00fcrze:<\/strong><\/p>\n<ul class=\"SummaryList_list__pEa7M\">\n<li>Die Diagnose ADHS wird bei Erwachsenen h\u00e4ufiger erkannt als noch vor einigen Jahren.<\/li>\n<li>Gem\u00e4ss Sch\u00e4tzungen sind weltweit etwa drei Prozent aller erwachsenen Menschen betroffen.<\/li>\n<li>Fach\u00e4rzte und Beratungsstellen berichten von monatelangen Wartezeiten f\u00fcr ADHS-Abkl\u00e4rungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Manchmal sind es kleine Momente, die alles in Bewegung setzen und ein Leben auf den Kopf stellen. F\u00fcr Lukas Geiger war es vor etwa 15 Jahren eine Kaffeepause.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">\u00abIch war mit einer Arbeitskollegin am Kaffeetrinken, mit der ich mich sehr gut verstand. Mitten im Gespr\u00e4ch fragte sie mich pl\u00f6tzlich: \u00abWas nimmst du eigentlich?\u00bb Ich dachte mir nicht viel und erwiderte, dass ich meinen Kaffee schwarz trinke, ohne Milch und ohne Zucker. Da ist sie rot angelaufen und verschwand. Sp\u00e4ter kam sie zu mir und entschuldigte sich, sie h\u00e4tte mich eigentlich auf meine Medikamente angesprochen. Sie sagte: \u2039Du hast ja sicher ADHS.\u203a\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Wenn Geiger heute von der Szene erz\u00e4hlt, muss er lachen. Der 39-j\u00e4hrige Berner sitzt im Hemd und dunkelblauen Anzug an der Limmat in Z\u00fcrich, er hat gerade einen Gesch\u00e4ftstermin hinter sich. Geiger ist Organisationsberater und Projektleiter. \u00abDamals hat mich das irritiert. Ich sagte zu ihr: Ich habe sicher kein ADHS. Ich war ja nie so ein Gumpi-Kind.\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Er glaubte damals auch, die Aufmerksamkeits\u00addefizit-\/Hyperaktivit\u00e4ts\u00adst\u00f6rung gebe es nur bei Kindern. Dennoch begann es in seinem Kopf zu rattern. Er dachte nach, wie er als Kind h\u00e4ufig den Eindruck hatte, aus der Reihe zu tanzen. In der Schule abwesend war, sehr vertr\u00e4umt. Wie er fast vom Gymnasium flog. Und wie viel M\u00fche er auch im Arbeitsleben noch mit scheinbar einfachen Routinearbeiten hatte. \u00abPl\u00f6tzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen.\u00bb<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Ee-z3ScQ4_9A4yxSVP_4dk.jpg\" alt=\"Lukas Geiger sitzt l\u00e4chelnd vor gr\u00fcnlichem Wasser in Z\u00fcrich, umgeben von B\u00e4umen, und spricht \u00fcber sein Leben mit ADHS.\" title=\"Lukas Geiger sitzt l\u00e4chelnd vor gr\u00fcnlichem Wasser in Z\u00fcrich, umgeben von B\u00e4umen, und spricht \u00fcber sein Leben mit ADHS.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#67AC69\"\/><\/p>\n<p>Entdeckte vor rund 15 Jahren sein ADHS: Organisationsberater Lukas Geiger aus Bern.<\/p>\n<p>Foto: Sabine Rock<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Mit Mitte zwanzig liess er sich abkl\u00e4ren und erhielt die Diagnose ADHS. \u00abEs war ein totaler Gamechanger.\u00bb<\/p>\n<p>Als man dachte, ADHS sei ein Erziehungsfehler<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Lange gingen \u00c4rzte und Forscherinnen davon aus, dass sich ADHS im Lauf der Pubert\u00e4t \u00abausw\u00e4chst\u00bb. Dass es quasi von allein verschwindet. Und dass die Ursache bei Erziehungsfehlern liegt. Heute weiss man: ADHS ist keine Kinderkrankheit. Gem\u00e4ss Untersuchungen besteht das ADHS bei rund 50\u00a0Prozent der Betroffenen im Erwachsenenalter weiter. Weltweite Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass rund drei\u00a0Prozent der Erwachsenen ADHS haben. Es kommt h\u00e4ufiger bei M\u00e4nnern vor.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Das Thema ADHS polarisiert. Auf Tiktok oder Instagram ist in den letzten Jahren ein regelrechter Hype dar\u00fcber entstanden. Die Nutzerinnen und Nutzer diagnostizieren sich selbst oder stilisieren die Betroffenen als kreative K\u00f6pfe mit besonderen Begabungen hoch. ADHS als Superkraft, quasi.<\/p>\n<p class=\"DynamicInfobox_infoboxtext__JDA1K\">Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut \u2013 und ein umk\u00e4mpftes. Sie entscheidet dar\u00fcber, was wir konsumieren, wie wir leben, wen wir w\u00e4hlen. Was bedeutet es, wenn sich die Welt gef\u00fchlt immer schneller dreht? Welche Rolle spielen das Smartphone und die sozialen Medien? In einer vierteiligen Serie gehen wir diesen Fragen auf den Grund.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Aber auch die skeptischen Stimmen werden lauter. Jene, die sagen, ADHS sei eine \u00abModediagnose\u00bb. Ein Auswuchs des digitalen Zeitalters. Schliesslich seien wir doch alle unkonzentrierter als fr\u00fcher, da wir st\u00e4ndig durch Push-Meldungen unterbrochen w\u00fcrden, so die Begr\u00fcndung.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Fachpersonen halten entgegen, dass ADHS genetisch bedingt sei. Und es nicht mehr Betroffene gebe als fr\u00fcher. \u00abADHS wird einfach h\u00e4ufiger erkannt\u00bb, sagt Heiner Lachenmeier. Er ist Facharzt f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie und macht in seiner Praxis in Affoltern am Albis selbst ADHS-Abkl\u00e4rungen. T\u00e4glich kommen mehrere Anfragen rein, zu viele, um alle zu bew\u00e4ltigen. Auch andere Mediziner und Beratungsstellen berichten von zunehmenden Anfragen. Es kann \u00fcber ein halbes Jahr dauern, bis ein Erwachsener einen Termin kriegt.<\/p>\n<p>Social Media f\u00fchrt nicht zu mehr ADHS-F\u00e4llen<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Heiner Lachenmeier verbindet eine lange Geschichte mit ADHS. Denn er hat vor \u00fcber 25 Jahren selbst die Diagnose erhalten.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">\u00abIch habe mich damals mit H\u00e4nden und F\u00fcssen dagegen gewehrt, mein ADHS abzukl\u00e4ren. Schliesslich sprach damals noch kaum jemand davon. Und ich war doch erfolgreich, hatte studiert und dachte, ich k\u00f6nne deswegen kein ADHS haben. Das war ein Fehlschluss.\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Noch heute erkennt Lachenmeier viele Vorurteile und Fehlannahmen. So glaubten etwa viele noch immer, Personen mit ADHS h\u00e4tten ein Defizit der Aufmerksamkeitsf\u00e4higkeit. \u00abDas ist falsch. ADHS bedeutet vereinfacht, dass die Zentrale zur Ansteuerung von Funktionen wie Aufmerksamkeit oder Impulskontrolle weniger aktiv ist.\u00bb Darum falle es den Betroffenen schwerer, sich auf einen Inhalt zu konzentrieren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/AmNTLVFYqPQBzGx8TrHXRt.jpg\" alt=\"Ein Mann mit grauem Haar und Brille in Anzug spricht bei der Welt am Sonntag Better Future Veranstaltung.\" title=\"Ein Mann mit grauem Haar und Brille in Anzug spricht bei der Welt am Sonntag Better Future Veranstaltung.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#9F7462\"\/><\/p>\n<p>\u00abIch habe mich damals mit H\u00e4nden und F\u00fcssen dagegen gewehrt, mein ADHS abzukl\u00e4ren\u00bb, sagt Heiner Lachenmeier. Heute macht er selbst Abkl\u00e4rungen.<\/p>\n<p>Foto: PD<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Auch f\u00fchre die heute schnelle, digitale Welt nicht dazu, dass mehr Menschen ADHS h\u00e4tten. \u00abVielmehr ist es so, dass es f\u00fcr ADHS-Betroffene noch viel schwieriger ist, mit dieser Reiz\u00fcberflutung umzugehen.\u00bb Und dass ein hoher digitaler Medienkonsum die ADHS-Symptome verst\u00e4rken k\u00f6nne.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Von daher werde auch vermutet, dass mehr Erwachsene durch die heute Mediennutzung \u00fcberhaupt erst auf die Idee k\u00e4men, sie k\u00f6nnten ADHS haben. Auch, weil sie dort h\u00e4ufiger auf ADHS-Inhalte stossen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>ADHS-Hype untergr\u00e4bt die Ernsthaftigkeit<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Dass viele erst im Erwachsenenalter ihr ADHS entdecken, liegt auch daran, dass sich die St\u00f6rung dann anders zeigen kann. \u00abMan sieht es den Betroffenen \u00e4usserlich meist weniger gut an als den Kindern\u00bb, sagt Frank Wieber. Er ist Professor f\u00fcr Public Health an der Z\u00fcrcher Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Vorstandsmitglied der Schweizerischen Fachgesellschaft ADHS. Er erkl\u00e4rt es so: Der Bewegungsdrang nehme im Alter grunds\u00e4tzlich ab. \u00abDen Erwachsenen gelingt es in der Regel auch besser, eine innere Unruhe gegen aussen zu verbergen, gerade in Situationen, in denen es unangemessen erscheint.\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Es sei auch wichtig, zu verstehen, dass es sehr unterschiedliche ADHS-Typen gebe: Manche seien extrovertiert und hyperaktiv, andere introvertiert, und wiederum andere funktionierten nur gut mit starken Strukturen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/7vUPHbSRKcoAx4JzS7aR5x.jpg\" alt=\"Eine Person mit grauen Haaren h\u00e4lt den Kopf in den H\u00e4nden, w\u00e4hrend sie an einem Schreibtisch mit zwei Laptops, Notizbl\u00f6cken und Post-its sitzt. Thema ADHS bei Erwachsenen.\" title=\"Eine Person mit grauen Haaren h\u00e4lt den Kopf in den H\u00e4nden, w\u00e4hrend sie an einem Schreibtisch mit zwei Laptops, Notizbl\u00f6cken und Post-its sitzt. Thema ADHS bei Erwachsenen.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#605256\"\/><\/p>\n<p>ADHS-Betroffenen f\u00e4llt es bei vielen Impulsen schwerer, sich auf einen Inhalt zu konzentrieren.<\/p>\n<p>Foto: Sven Hoppe (Keystone)<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Darum sind die medizinischen Abkl\u00e4rungen f\u00fcr eine ADHS-Diagnose auch sehr aufwendig. Sie dauern Wochen und beinhalten standardisierte Tests, Interviews und Beobachtungen. Entsprechend ist Wieber auch sehr skeptisch gegen\u00fcber dem ADHS-Hype auf den sozialen Medien. Dort kursierten neben hilfreichen Informationen auch viele zu verk\u00fcrzte bis falsche Kriterien, um ADHS zu erkennen. \u00abDas kann zu falschen Einsch\u00e4tzungen f\u00fchren und Betroffene verletzen, weil die Ernsthaftigkeit des Themas verloren geht.\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Gleichzeitig findet es Wieber wichtig und richtig, dass immer mehr Erwachsene den Verdacht auf ADHS ernst nehmen. Er r\u00e4t, diesen fr\u00fch genug abkl\u00e4ren lassen \u2013 aber eben durch professionelle Fachpersonen. \u00abADHS-Betroffene machen viele negative Erfahrungen, etwa durch Probleme beim Organisieren von Aufgaben oder beim Pflegen von Freundschaften.\u00bb Deshalb sei das Risiko f\u00fcr Folgeerkrankungen wie Depressionen, Angstst\u00f6rungen oder Suchtprobleme h\u00f6her. Umso wichtiger also die fr\u00fchzeitige Abkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Dank ADHS-Medikamenten kein \u00ablatent schlechtes Gewissen\u00bb mehr<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Lukas Geiger nennt es eine \u00abgl\u00fcckliche F\u00fcgung\u00bb, dass er die Diagnose ADHS erhalten hat. \u00abMir hat es geholfen, einen Namen f\u00fcr das zu haben, was mir schwerfiel. Ich habe realisiert, dass ich nicht komplett falsch bin.\u00bb Aber mit der Diagnose habe eine intensive Arbeit begonnen.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Dazu geh\u00f6ren Besuche beim Psychiater, Verhaltenstherapie und in seinem Fall auch t\u00e4glich Medikamente. Nicht alle mit ADHS wollen Medikamente nehmen. Und nicht bei allen scheint es sinnvoll. Die <a class=\"HtmlText_root__A1OSq\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/adhs-experte-ordnet-ritalin-anstieg-in-der-schweiz-ein-636624479006\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zunehmende Verschreibung von Ritalin bei Kindern<\/a> wird beispielsweise gerade kontrovers diskutiert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2el2Ef76qCPAaGLkxMem1S.jpg\" alt=\"Lukas Geiger sitzt auf einer Mauer, gestikuliert beim Sprechen, im Hintergrund gr\u00fcne Bl\u00e4tter und ein Fluss. Thema: Leben mit ADHS.\" title=\"Lukas Geiger sitzt auf einer Mauer, gestikuliert beim Sprechen, im Hintergrund gr\u00fcne Bl\u00e4tter und ein Fluss. Thema: Leben mit ADHS.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#96A14D\"\/><\/p>\n<p>\u00abGer\u00e4usche lenken mich extrem ab\u00bb, sagt Lukas Geiger \u00fcber sein Leben mit ADHS.<\/p>\n<p>Foto: Sabine Rock<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Geiger hingegen sagt, ihm w\u00fcrden die Medikamente helfen, mehr Ruhe in seinen Alltag zu bringen. Und er k\u00f6nne sich damit auf Situationen vorbereiten, die viel Konzentration erforderten.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">\u00abGer\u00e4usche lenken mich zum Beispiel extrem ab. Fr\u00fcher w\u00e4re es undenkbar gewesen, dass ich hier mit Ihnen rede, wenn hinter uns ein Auto durchf\u00e4hrt, ein Tram rattert und da dr\u00fcben ein Vogel zwitschert. Heute kann ich mich ziemlich gut aufs Gespr\u00e4ch konzentrieren. Ich bin verl\u00e4sslicher geworden und habe nicht mehr ein latent schlechtes Gewissen.\u00bb<\/p>\n<p>Sorgen vor der Schubladisierung wegen ADHS<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Auch wenn das Thema ADHS heute omnipr\u00e4sent ist, ist die Stigmatisierung noch immer gross. Diese Redaktion hat mit mehreren Erwachsenen mit ADHS gesprochen, die Karrieren in einem leistungsorientierten Umfeld gemacht haben. Darunter eine Professorin einer renommierten Universit\u00e4t oder eine Kadermitarbeiterin eines staatlichen Unternehmens.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Sie bef\u00fcrworten zwar einen offenen und positiven Umgang mit ADHS im Erwachsenenalter, gleichzeitig ist es vielen unwohl, wenn sie sich \u00f6ffentlich mit Namen als ADHS-Betroffene \u00abouten\u00bb, wie es mehrere formuliert haben. Die Kadermitarbeiterin etwa sagt:<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">\u00abIm Arbeitskontext habe ich Strategien entwickelt, damit mein ADHS nicht auff\u00e4llt. Ich leiste oft extra mehr als das Erwartete, um gewisse Unzul\u00e4nglichkeiten wie Fl\u00fcchtigkeitsfehler, verpasste Deadlines und vergessene To-dos auszugleichen. Offen reden dar\u00fcber k\u00f6nnte ich erst, wenn ich darauf vertrauen kann, dass mich dann keine Schubladisierung, sondern Verst\u00e4ndnis, Hilfestellungen und angepasste Rahmenbedingungen erwarten.\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Die Sorgen vor der Schubladisierung kennt auch Lukas Geiger. \u00abIch will nicht auf mein ADHS reduziert werden. Und ich will es auch nie als Entschuldigung f\u00fcr etwas benutzen, das ich vielleicht verbockt habe.\u00bb<\/p>\n<p>Braucht ADHS einen neuen Namen?<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Fragt man die Betroffenen, was sie br\u00e4uchten, um offener \u00fcber ihr ADHS zu reden, heisst es meist: ein positiveres Bild davon. Dass ADHS weniger als Krankheit denn als Neurodivergenz betrachtet werde. Und es gibt auch Stimmen, die sich eine Namens\u00e4nderung w\u00fcnschen. Da ADHS nur schon durch die Begriffe \u00abDefizit\u00bb und \u00abSt\u00f6rung\u00bb negativ konnotiert sei.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Auch im wissenschaftlichen Diskurs wird die Namensgebung nun zum Thema. Die Schweizerische Fachgesellschaft ADHS wird an ihrer n\u00e4chsten Tagung im Fr\u00fchling 2026 dar\u00fcber diskutieren. Frank Wieber sagt, er k\u00f6nne die Forderung nach einer neutralen Namensgebung verstehen. \u00abSchauen wir ADHS nur als St\u00f6rung des Gehirns an, implizieren wir damit, dass etwas kaputt ist. Und dass man dem weitgehend ausgeliefert ist.\u00bb Spreche man hingegen vermehrt von der Neurodivergenz und respektiere diese, lenke das den Fokus auf die Umgebung, die oftmals nicht optimal f\u00fcr ADHS-Betroffene sei, aber leicht angepasst werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Er bef\u00fcrworte aber aus medizinischer Perspektive den Status quo, \u00abweil ADHS klar definiert ist und uns die entwickelten evidenzbasierten und Leitlinien-gest\u00fctzten Abkl\u00e4rungs- und Behandlungsmethoden helfen, eine hohe Versorgungsqualit\u00e4t sicherzustellen\u00bb. Die zus\u00e4tzlichen Perspektiven wie eben ADHS als Form der Neurodivergenz w\u00fcrden aber wertvolle Einblicke bieten, um das Verst\u00e4ndnis von ADHS bei Erwachsenen zu verbessern.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Lukas Geiger sagt, er finde es zwar wichtig, dass man auch \u00fcber die Bezeichnung von ADHS nachdenke. F\u00fcr ihn pers\u00f6nlich mache es aber keinen Unterschied, ob man nun von ADHS spreche oder von Neurodivergenz. \u00abIch w\u00fcnsche mir grunds\u00e4tzlich einen unverkrampfteren und sachlicheren Diskurs. Denn letztlich ist ADHS f\u00fcr mich keine Superpower. Aber auch kein Hindernis f\u00fcr ein erf\u00fcllendes und erfolgreiches Leben.\u00bb<\/p>\n<p>Der Kampf um die Aufmerksamkeit und seine Folgen: H\u00f6ren Sie hier unsere Podcastfolge zur Serie.<\/p>\n<p class=\"DynamicTeaser_boxtitle__B6piN\">Der Kampf um unsere Aufmerksamkeit<\/p>\n<p>Newsletter<\/p>\n<p>Sant\u00e9!<\/p>\n<p>Tipps, News und Geschichten zu Gesundheit, Ern\u00e4hrung, Psychologie, Fitness und Wohlbefinden. Jeden zweiten Montag in Ihrem Postfach.<\/p>\n<p><a class=\"NewsletterBox_more__FNemz link_underlinelink__K5Zr0\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/newsletter-uebersicht\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Weitere Newsletter<\/a><\/p>\n<p>Einloggen<strong>Alexandra Aregger<\/strong> schreibt f\u00fcr das Ressort Reportagen &amp; Storytelling. Schwerpunkt ihrer Berichterstattung sind gesellschaftspolitische Themen.<a class=\"ArticleAuthorBio_moreinfo__cqyvz link_underlinelink__K5Zr0\" rel=\"author nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/author\/80545795\/alexandra-aregger\" target=\"_blank\">Mehr Infos<\/a><a href=\"https:\/\/twitter.com\/alexaregger\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">@AlexAregger<\/a><\/p>\n<p class=\"Feedback_root__fr_Mi ArticleContainer_content-width__FRl7F\">Fehler gefunden?<a href=\"mailto:tagesleitung.korrektorat@tamedia.ch?subject=Hinweis%20auf%20Fehler%20%7C%20Alexandra%20Aregger%20%7C%20Zwischen%20%C2%ABZappelphilipp%C2%BB%20und%20%C2%ABSuperkraft%C2%BB%3A%20Immer%20mehr%20Erwachsene%20entdecken%20ihr%20ADHS&amp;body=Ich%20habe%20in%20diesem%20Inhalt%20einen%20Fehler%20entdeckt%3A%20https%3A%2F%2Fwww.tagesanzeiger.ch%2Fdiagnose-adhs-immer-mehr-erwachsene-entdecken-symptome-902451110425\" class=\"Feedback_feedbacklink__VyDCi link_underlinelink__K5Zr0\">Jetzt melden.<\/a><\/p>\n<p>0 Kommentare<\/p>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Kampf um unsere Aufmerksamkeit\u00a0(4) \u2013 Zwischen \u00abZappelphilipp\u00bb und \u00abSuperkraft\u00bb: Immer mehr Erwachsene entdecken ihr ADHS Einst dachte&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":300433,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[87386,29,30,141,232],"class_list":{"0":"post-300432","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-content-trackinggesundheit","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-gesundheit","12":"tag-health"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114930871771986915","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/300432","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=300432"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/300432\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/300433"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=300432"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=300432"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=300432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}