{"id":300578,"date":"2025-07-28T13:48:10","date_gmt":"2025-07-28T13:48:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/300578\/"},"modified":"2025-07-28T13:48:10","modified_gmt":"2025-07-28T13:48:10","slug":"d-bo-zum-pessimismus-von-mc-rene-laut-de-news","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/300578\/","title":{"rendered":"D-Bo zum Pessimismus von MC Rene \u2013 laut.de \u2013 News"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead\">Der Labelmanager und fr\u00fchere ersguterjunge-Rapper kritisiert den Abgesang auf das Genre. Sein Fazit: &#8222;Hip-Hop ist lebendiger denn je!&#8220;<\/p>\n<p>Berlin (<strong><a href=\"https:\/\/laut.de\/News\/mailto:redaktion@laut.de\" class=\"vor\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dol<\/a><\/strong>) &#8211; Der Kulturpessimismus geht mal wieder um. Anl\u00e4sslich des diesj\u00e4hrigen Splash! f\u00fchlte sich <a href=\"https:\/\/laut.de\/MC-Rene\" class=\"wort\" title=\"MC Rene\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">MC Rene<\/a> dazu berufen, mit der Entwicklung der Subkultur abzurechnen. &#8222;Fr\u00fcher war Hip-Hop ein Ort f\u00fcr Haltung, Skills, Geschichten. Heute ist Hip-Hop oft nur noch ein Ort f\u00fcr Content, Clips, Momente &#8211; schneller verpufft, als die Insta-Story laden kann&#8220;, beanstandete er in einem zum Essay hochgejazzten <a href=\"https:\/\/laut.de\/News\/Doubletime-Kreuzzug-gegen-Ikkimel-17-07-2025-21236\/Seite-1\" class=\"vor\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Instagram-Beitrag<\/a>. &#8222;Fr\u00fcher wollten Rapper die Welt ver\u00e4ndern. Heute wollen sie viral gehen.&#8220; In einem <a href=\"https:\/\/laut.de\/News\/Doubletime-Ach,-Hip-Hop-ist-tot-24-07-2025-21253\/Seite-1\" class=\"vor\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">zweiten Post<\/a> warf er dann noch Veranstaltern und Publikum vor, &#8222;Komplizen in diesem Theater&#8220; zu sein.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/laut.de\/artist\/6642\" class=\"wort\" title=\"D-Bo\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">D-Bo<\/a> sieht das anders. In einer ersten Reaktion nannte er MC Renes Ausf\u00fchrungen &#8222;nur unbest\u00e4tigte Vorurteile&#8220;, mit denen dieser &#8222;einen Keil in die Community&#8220; treibe. Das Splash!-Festival sei heute &#8222;extrem friedlich, harmonisch&#8220; sowie &#8222;weiblicher und migrantischer denn je&#8220;. Vergleichswerte d\u00fcrfte der Berliner zuhauf haben. Um die Jahrtausendwende hatte er zu den Gr\u00fcndern von I Luv Money Records geh\u00f6rt, bevor er mit ersguterjunge an der Seite von <a href=\"https:\/\/laut.de\/Bushido\" class=\"wort\" title=\"Bushido\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bushido<\/a> kommerzielle H\u00f6henfl\u00fcge erlebte. Mittlerweile erlebt er das Musikgesch\u00e4ft als Manager und Verleger haupts\u00e4chlich von der anderen Seite.<\/p>\n<p><b>D-Bo \u00fcber die Debatte zum Werteverfall in der Hip-Hop-Szene:<\/b><\/p>\n<p>&#8222;MC Rene kritisiert das Splash! und diskreditiert &#8211; einfach mal ganz generell &#8211; in einem Rundumschlag die komplette Hip-Hop-Szene. Das sei halt alles nicht mehr so wie fr\u00fcher. Es laufe so vieles falsch. Es ginge ums Geld. Hip-Hop-Festivals seien nur noch kulturelle Beerdigungen. Das sind legitime Meinungen, die einen Nerv treffen, denn die Szene diskutiert &#8211; leidenschaftlich!<\/p>\n<p>Rene stellt fest: Er habe recht! Einladungen zu Diskussionsrunden werde er dennoch nicht wahrnehmen, weil er nicht auf all jene eingehen wolle, die ihn so lange ignoriert h\u00e4tten; schon gar nicht in einem Szenario, in dem diese Leute das Setting bestimmen w\u00fcrden. Zumindest nicht mehr, nachdem ER in einem kontrollierten Setting beim <a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/zuendfunk\/mc-rene-im-interview-ende-der-hip-hop-kultur-100.html\" class=\"extern\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Bayerischen Rundfunk<\/a> nochmal SEINE Meinung loswerden konnte.<\/p>\n<p>Irgendwie schade, denn die grandiose Reichweite &#8211; sowohl auf Social Media als auch beim Bayerischen Rundfunk &#8211; wurde nur genutzt, um zu kritisieren. Aber irgendwie wurde etwas enorm Wichtiges vergessen: Mal abgesehen von seinem Kumpel <a href=\"https:\/\/laut.de\/Figub-Brazlevic\" class=\"wort\" title=\"Figub Brazlevic\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Figub Brazlevic<\/a>, den ich selbst f\u00fcr einen absoluten Diamanten und Fixstern jedweder Form der Hip-Hop-Elemente halte, wurde einfach niemand empowered, die oder der es besser macht als all jene, die es laut Rene zu kritisieren gilt.<\/p>\n<p><b>&#8222;Der Pool an Talenten ist un\u00fcberschaubar gro\u00df geworden&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Da sind nun endlich mal alle Augen auf Hip-Hop gerichtet und all diese Aufmerksamkeit f\u00fchrt zu nicht mehr als dem Fazit: Ich, MC Rene, habe alles gesagt. Wer versteht, versteht, wer nicht, der nicht! Was wurde mit der Diskussion nun gewonnen? Wie neugierig auf K\u00fcnstlerin XYZ h\u00e4tte man das Land mit der Reichweite der spannenden Diskussion, die MC Rene ausgel\u00f6st hat, machen k\u00f6nnen? Wie charmant h\u00e4tte man weibliche, migrantische oder generell oft viel zu selten geh\u00f6rte Stimmen mit ihren subjektiven Perspektiven zu Wort kommen lassen k\u00f6nnen? Wie eindr\u00fccklich h\u00e4tte man sich an der Hip-Hop-Kultur bereichernden Brands ein schlechtes Gewissen machen und sie zu mehr finanziellen oder Reichweiten f\u00f6rdernden Support bewegen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Das Volumen an Menschen, die sich mit Elementen des Hip-Hops k\u00fcnstlerisch ausdr\u00fccken, ist \u00fcber die Jahre so irre angewachsen. Klar ist alleine deswegen subjektiv gesehen inzwischen auch mehr Quatsch dabei. Ich rede von K\u00fcnstler*innen, die Hip-Hop vermeintlich schlecht aussehen lassen. Projekte wie &#8211; sehr alte Hip-Hop-Heads wissen Bescheid &#8211; die <a href=\"https:\/\/laut.de\/Die-Fantastischen-Vier\" class=\"wort\" title=\"Die Fantastischen Vier\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fantastischen Vier<\/a>, <a href=\"https:\/\/laut.de\/Der-Wolf\" class=\"wort\" title=\"Der Wolf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Der Wolf<\/a> oder <a href=\"https:\/\/laut.de\/Tic-Tac-Toe\" class=\"wort\" title=\"Tic Tac Toe\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tic Tac Toe<\/a> vor 30 Jahren, die die Real-Keeper-Fraktion zur ideologischen Wei\u00dfglut brachten, gibt es nat\u00fcrlich heute auch immer mal wieder. Allerdings gibt es auch nahezu unersch\u00f6pflich viele grandiose Hip-Hop-Perlen in diesem Land. Der Pool an Talenten ist un\u00fcberschaubar gro\u00df geworden. Ich spreche aus eigener Erfahrung.<\/p>\n<p><b>&#8222;Sie streben nicht in die etablierten Bubbles von uns alten Hasen&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Ich sitze als Manager, Verleger und Vertriebler jeden Tag in meinem B\u00fcro, h\u00f6re mutig-experimentelle bis hin zu leidenschaftlich-perfektionistische Demos und sehe unz\u00e4hlige junge, aber auch etablierte Kunstschaffende hoffnungsvoll ihren allerletzten Euro in ihren Traum investieren. Ich sehe, wie sie sich gegenseitig supporten, gemachte Erfahrungen und zuverl\u00e4ssige Kontakte tauschen und versuchen, das ihnen bestm\u00f6gliche Ergebnis an Kunst zu kreieren. Gleichzeitig sehe ich parallel auch das Banale und Beliebige, was Rene kritisiert, nur in einer verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel geringeren Anzahl als behauptet.<\/p>\n<p>Ich sehe Veranstalter monatelang darum k\u00e4mpfen, in kleinsten Jugendzentren kulturelle Basisarbeit zu realisieren &#8211; \u00fcberall im Land gegen jeden Widerstand. Diese Menschen machen f\u00fcr zwei Dutzend gl\u00fccklicher Hip-Hop-Kids viele hundert bis tausend Euro Minus &#8211; aus ehrlicher Liebe zum Hip-Hop. Ich sehe Menschen hinter den Kunstschaffenden, die jahrelang Praktika abrei\u00dfen, weil auch sie aus Leidenschaft zum Hip-Hop erdulden, dass sie nur \u00fcber diesen Weg ein respektierter Teil einer Kultur werden k\u00f6nnen, die ihnen wichtig ist.<\/p>\n<p>Ich kenne Restaurantbesitzer, die in ihren L\u00e4den Release-Parties, Ausstellungen, Team-Events, Videodrehs und Live-Podcasts stattfinden lassen. Ich kenne Fotografen, die 50.000 Kilometer durch das Land fahren, um kostenlos aufstrebende Artists zu portr\u00e4tieren, mit der Absicht, all jene sichtbar zu machen, die Rene meines Erachtens viel zu leichtfertig ignoriert. Es gibt sie sehr wohl, die vielf\u00e4ltige und au\u00dferordentlich talentierte Hip-Hop-Szene. In allen Ecken und Regionen dieses Landes. Alle Geschlechter, alle Altersgruppen, alle Ethnien, alle Kulturen, alle Religionen und alle \u00f6konomischen Schichten sind dabei &#8211; als MCs beim Rap, beim Spr\u00fchen, Tanzen oder beim DJing. Sie streben nicht in die etablierten Bubbles von uns alten Hasen und fragen, ob wir ihnen die Welt erkl\u00e4ren k\u00f6nnten. Die haben einen ganz eigenen Plan und ziehen diesen selbstbewusst durch.<\/p>\n<p><b>F\u00fcr ein &#8222;gutes und gesundes Zuhause mit anderen Gleichgesinnten&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Das bedeuten eben auch die Werte, die in der <a href=\"http:\/\/www.hiphophistory.de\/upload\/the_hiphop_declaration_of_peace_deutsche_uebersetzung.pdf\" class=\"extern\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Hip-Hop-Declaration of Peace<\/a> von <a href=\"https:\/\/laut.de\/KRS-One\" class=\"wort\" title=\"KRS-One\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">KRS-One<\/a> nachzulesen sind. In dieser Liste befinden sich all diese gro\u00dfartigen Pflichten und Prinzipien, die MC Rene einfordert, w\u00e4hrend er selbst nur einen sehr limitierten Ausschnitt eines wirklich gigantischen Hip-Hop-Horizonts betrachtet, um zu behaupten, all diese Werte g\u00e4be es nicht mehr. Diese Pauschalisierung \u00e4rgert mich sehr!<\/p>\n<p>Ich lebe Werte und Prinzipien vor, die ich mir bei Events oder in der Kunst erhoffe und gleichzeitig versuche ich, st\u00e4ndig Neues zu lernen und zu verstehen, was all die K\u00fcnstler*innen und \u00fcbrigens auch die gro\u00dfartigen Fans der Hip-Hop-Kultur bewegt, was sie motiviert und was ihnen Sorge bereitet. Ich versuche, all denjenigen, deren Kunst oder Produkte ich lieber konsumieren w\u00fcrde, mit meiner \u00f6ffentlichen Aufmerksamkeit, all meinen Kontakten und meiner Erfahrung zu helfen und sie zu empowern, anstatt das legitime Engagement derer, die mich nicht begeistern k\u00f6nnen, schlecht zu reden.<\/p>\n<p>So verstehe ich, unabh\u00e4ngig von jedweder Kultur und Ideologie, ein gutes und gesundes miteinander, welches jeder und jedem von uns hilft, sich gegen all diese Schei\u00dfe zu behaupten, die einem die Hoffnung auf die Zukunft tr\u00fcbt. Trotz k\u00fcnstlerischer Unperfektion, trotz mir sich nicht gleich erschlie\u00dfender Absichten, gestehe ich jeder und jedem zu, ein Zuhause mit anderen Gleichgesinnten teilen zu wollen. Wo nicht die Probleme angeprangert, sondern wo L\u00f6sungen kultiviert werden. So verstehe ich Kultur und so verstehe ich Hip-Hop. Und Hip-Hop ist aus meiner Sicht lebendiger denn je!&#8220;<\/p>\n<p>Text von\u00a0<b><a href=\"https:\/\/laut.de\/D-Bo\" class=\"wort\" title=\"D-Bo\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">D-Bo<\/a><\/b><\/p>\n<\/p>\n<p>F\u00fcr &#8218;laut.de Politics&#8216; sammelt Dominik Lippe Gastkommentare von Rappern, Musikern und Vertretern der Branche zur tagesaktuellen Nachrichtenlage oder gesellschaftlichen Themen best\u00e4ndiger Relevanz. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Labelmanager und fr\u00fchere ersguterjunge-Rapper kritisiert den Abgesang auf das Genre. 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