{"id":300724,"date":"2025-07-28T15:06:11","date_gmt":"2025-07-28T15:06:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/300724\/"},"modified":"2025-07-28T15:06:11","modified_gmt":"2025-07-28T15:06:11","slug":"ein-buch-das-feministische-historie-spannend-und-lebendig-erzaehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/300724\/","title":{"rendered":"Ein Buch, das feministische Historie spannend und lebendig erz\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Warum dieser Autor und dieses Buch?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich war auf der Suche nach etwas Neuem, einem Buch aus einer anderen Zeit, einem neuen Genre oder \u00e4hnlichem. Und so fiel mir der feministische Historienroman \u201eDie P\u00e4pstin\u201c der US-amerikanischen Schriftstellerin Donna W. Cross in die H\u00e4nde. Sie lebt in New York und hat englische Literatur studiert. 1996 brachte sie mit \u201eDie P\u00e4pstin\u201c ihren 566 Seiten langen Deb\u00fctroman heraus, der 2009 sogar verfilmt wurde. Der Fakt, dass es sich um eine fiktionale Erz\u00e4hlung einer umstrittenen Legende handelt, hat mich fasziniert.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Worum geht es?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Johanna wird als einzige Tochter einer heidnischen Mutter und eines Dorfpriesters geboren. Schon fr\u00fch zeigt sich, dass Johanna wissbegierig und clever ist. Ein Problem im 9. Jahrhundert, denn der Zugang zu Wissen und Bildung ist Frauen strikt untersagt. Johanna geht dennoch gegen den Willen ihres herrschs\u00fcchtigen Vaters ihren Weg und schafft es sogar, gemeinsam mit ihrem Bruder Johannes an einer renommierten Domschule unterrichtet zu werden. Aber ihr Weg bleibt auch dort stehts steinig. Ritter Gerold, eine Art Ziehvater, ist der Einzige, der ihr Halt und Zuspruch gibt. Eine geheime Liebe entwickelt sich zwischen den beiden.<\/p>\n<p>Als die Stadt von Normannen heimgesucht wird, ist Johanna eine der wenigen \u00dcberlebenden. In dieser dunklen Stunde kommt ihr eine Idee. Sie ist sich bewusst, dass ihr als Frau nie die gleichen M\u00f6glichkeiten offenstehen werden wie einem Mann. Deshalb nimmt sie die Identit\u00e4t ihres Bruders, der bei dem Angriff ebenfalls sein Leben lassen musste, an. Sie fl\u00fcchtet aus der Stadt und findet Zuflucht im Kloster Fulda. In den folgenden Jahren nimmt Johannas Einfluss als Bruder Johannes vor allem durch ihr Wissen als \u00c4rztin immer weiter zu. Als sie das Kloster Fulda verl\u00e4sst, um die Reise in die Heilige Stadt Rom anzutreten, wird sie dort im Laufe der Zeit zu einer der engsten Vertrauten des Papstes. Und wenig sp\u00e4ter selbst zum Papst gew\u00e4hlt. Gerold, der bei dem damaligen Angriff der Normannen nicht in der Stadt war, trifft in Rom auf Johanna und erkennt sie sofort wieder. Ihr Geheimnis ist bei ihm jedoch sicher.<\/p>\n<p>Als starke Unwetter einen Dammbruch verursachen, der die Stadt \u00fcberflutet, werden Johanna und Gerold bei einer Rettungsaktion f\u00fcr Tage in einem Geb\u00e4ude eingesperrt und geben sich ihren lange Zeit verdr\u00e4ngten Gef\u00fchlen hin. Als es Johanna in den darauffolgenden Wochen gesundheitlich immer schlechter geht, erkennt sie entsetzt, dass sie schwanger ist. Ein Abtreibungsversuch scheitert und ihr wird klar, dass ihre Verkleidung als Mann bald auffliegen wird. So beschlie\u00dfen Gerold und Johanna heimlich aus Rom zu fl\u00fcchten. Die Flucht verz\u00f6gert sich jedoch immer wieder, da Johanna ein sehr pflichtbewusster Mensch ist, der sein Volk w\u00e4hrend herrschaftlicher Machtk\u00e4mpfe nicht im Stich lassen kann. Und so nimmt ihr Dasein ein tragisches Ende.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Womit punktet das Buch besonders?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem der historische Kontext des Romans hat mich fasziniert. Die Mischung aus historischen Fakten und Fiktion ist Donna W. Cross herausragend gelungen. Es ist mein erstes Buch, das in dieser Zeit spielt. Das Leben der Menschen im 9. Jahrhundert wird eindr\u00fccklich und lebendig geschildert, sodass ich immer wieder Vergleiche mit unserer heutigen Zeit gezogen habe, die den technischen Fortschritt in allen Bereich klar gezeigt haben. Vor allem die Spaltung der Menschen zwischen Aberglauben und dem Nutzen des logischen Verstandes wird stark dargestellt. Spannend fand ich au\u00dferdem die Thematik um Identit\u00e4t, Identit\u00e4tskrise, Selbstverleumdung und damit einhergehend nat\u00fcrlich die Rolle der Frau in einer durch und durch patriarchalen Gesellschaft. Auch hier l\u00e4sst sich eine Parallele zu unserer heutigen Zeit, in der Transgender und Diversit\u00e4t ein wichtiges Thema darstellen, ziehen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Wie war das Lesegef\u00fchl?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie P\u00e4pstin\u201c ist getrieben von Spannung, Emotionen und Dramatik. Dies f\u00fchrte dazu, dass ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen wollte. Johanna ist eine vielschichtige und inspirierende Protagonistin, die die Sympathie direkt auf sich zieht. Man w\u00fcnscht sich, dass sie ihren Weg gegen Machtstrukturen, religi\u00f6sen Fanatismus und gesellschaftliche Normen geht und m\u00f6chte deshalb stets wissen, wie sie die n\u00e4chste Herausforderung \u00fcberwindet und ob ihre Verkleidung unentdeckt bleibt. Obwohl der Roman in einer anderen Zeit spielt und es um Themen wie Theologie und Macht geht, sind die Sprache und der Schreibstil zug\u00e4nglich und fl\u00fcssig. Man stolpert hin und wieder \u00fcber ein paar lateinische Begriffe, die ich, da ich den Anspruch habe, ein Buch durch und durch zu verstehen, \u00fcbersetzen musste. Dies rei\u00dft einen vielleicht kurz aus dem Lesefluss, dennoch zeugen sie von einer hohen Authentizit\u00e4t, und deshalb habe ich dies nicht als st\u00f6rend empfunden. Das Einzige, was mir nicht gefallen hat: Dass es kein Happy End gab\u2026<\/p>\n<p><strong>War der Umfang angemessen?<\/strong><\/p>\n<p>Knapp 600 Seiten sind nicht wenig, dennoch h\u00e4tte der Roman nicht k\u00fcrzer sein d\u00fcrfen. Johannas Leben wird von Geburt bis zu ihrem Tod detailliert geschildert, dazu kommen ein reichhaltiger historischer Kontext und eine sich steigernde Dramaturgie. Dies alles braucht Raum, um den Leser zu erreichen. Deshalb fand ich den Umfang des Historienromans sehr angemessen, zumal eine gute Kapitelgliederung gegeben ist.<\/p>\n<p><strong>Werde ich den Autor und\/oder die Thematik weiterverfolgen?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe entdeckt, dass Helga Glaesener mit \u201eDas Erbe der P\u00e4pstin\u201c einen Roman ver\u00f6ffentlicht hat, der an Donna W. Cross\u2018 Roman ankn\u00fcpft bzw. diesen aufgreift. Es geht um Gerolds Enkelin Freya, die in Rom den Tod von Gerold und Johanna miterlebt und daraufhin beschlie\u00dft, herauszufinden, wer Schuld an Johannas Tod tr\u00e4gt. Auch wenn ich mit der Kirche pers\u00f6nlich nicht so viel anfangen kann, fand ich Johannas Geschichte sehr spannend, sodass ich mit \u201eDas Erbe der P\u00e4pstin\u201c ankn\u00fcpfen werde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Warum dieser Autor und dieses Buch?\u00a0 Ich war auf der Suche nach etwas Neuem, einem Buch aus einer&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":300725,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-300724","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114931485102667142","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/300724","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=300724"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/300724\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/300725"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=300724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=300724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=300724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}