{"id":302081,"date":"2025-07-29T03:49:11","date_gmt":"2025-07-29T03:49:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/302081\/"},"modified":"2025-07-29T03:49:11","modified_gmt":"2025-07-29T03:49:11","slug":"angriffskriege-muessen-mit-einer-schlappe-des-aggressors-enden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/302081\/","title":{"rendered":"Angriffskriege m\u00fcssen mit einer Schlappe des Aggressors enden"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Zieht man Bilanz \u00fcber die russische Invasion, zeigt sich, dass der Westen Kiew bisher nur halbherzig unterst\u00fctzt hat. Pazifismus paarte sich mit emotionaler Distanz und Bequemlichkeit. Europa muss endlich begreifen, dass es in der Ukraine um die eigene Zukunft geht.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Der Westen muss seine bequeme Distanz zum Ukraine-Krieg ablegen und endlich Entschlossenheit zeigen. \u2013 Sch\u00e4den nach einem Drohnenangriff in Kiew, 21. Juli 2025.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"2630\" height=\"1874\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/7c3488c2-a896-43fb-a94f-8e43713403be.jpeg\" loading=\"eager\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Der Westen muss seine bequeme Distanz zum Ukraine-Krieg ablegen und endlich Entschlossenheit zeigen. \u2013 Sch\u00e4den nach einem Drohnenangriff in Kiew, 21. Juli 2025. <\/p>\n<p>Sergey Dolzhenko \/ EPA<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vge0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">\u00abSie hatten die Wahl zwischen Krieg und Schande. Sie haben die Schande gew\u00e4hlt und werden den Krieg bekommen\u00bb, sagte Churchill an die Adresse Neville Chamberlains, der dachte, 1938 in M\u00fcnchen den Frieden gerettet und mit Hitler einen Ausgleich erzielt zu haben.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. 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Und dass die Ukraine zu Europa geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Krieg und kein \u00abKonflikt\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vgi0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Seit der Annexion der Krim 2014, elf Jahre lang, ertrug Kiew die gewaltsame und brutale Willk\u00fcr Moskaus, derweil Europa Gedanken und Gebete schickte und mit Schlupfl\u00f6chern versehene Sanktionsgesetze verabschiedete, in der Hoffnung, der \u00abKonflikt\u00bb w\u00fcrde sich von allein l\u00f6sen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vgj0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Doch in der Ukraine herrscht kein \u00abKonflikt\u00bb, keine Situation, die zwischen zwei Parteien mit konkurrierenden Anspr\u00fcchen irgendwie beigelegt werden k\u00f6nnte. Es ist ein Krieg der Wahl, den der Kreml vom Zaun gebrochen hat \u2013 ein nach V\u00f6lkerrecht krimineller Akt. Der Krieg wird nicht enden, wenn die Ukraine aufh\u00f6rt, sich zu verteidigen, sondern wenn Russland seine Angriffe beendet.<\/p>\n<blockquote data-team-quote=\"\" id=\"id-doc-1j04ki3rs0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"quote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent quote nzzinteraction\"><p>Europas Westen klammert sich an die Illusion, dass auf dem Kontinent noch Frieden herrscht, solange die Gewalt nur weit genug im Osten bleibt.<\/p><\/blockquote>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vgj1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Zweifellos unterst\u00fctzt die grosse Mehrheit der Westeurop\u00e4er die Ukraine, aber oft aus sicherer emotionaler Distanz heraus: Der Krieg ist tragisch, ja schrecklich. Und nat\u00fcrlich tr\u00e4gt Russland die Schuld. Aber es ist nicht unser Krieg. Es ist der ihre.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vgk1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Das Baltikum, Polen und Skandinavien erkennen die Gefahr und sind erwacht. Die B\u00fcrger jener L\u00e4nder aber, die das Gl\u00fcck haben, nicht an Russland zu grenzen, prangern das Unrecht und den Horror zwar an, tun aber wenig, um beides zu stoppen. Sie klammern sich an die Illusion, dass auf dem Kontinent noch Frieden herrscht, solange die Gewalt nur weit genug im Osten bleibt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vgl0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Der tief verwurzelte Pazifismus ist daran mitschuldig: als moralisches Prinzip und als bequeme Ausrede. Die Schrecken der Weltkriege hinterliessen eine dauerhafte Abneigung gegen Gewalt und den Glauben, dass Zur\u00fcckhaltung den Frieden garantiere. So vermochten sich die Politiker vor der Verantwortung zu dr\u00fccken \u2013 bis diese Illusion sp\u00e4testens 2022 in katastrophaler Weise zerbrach. Zweifellos haben die Zur\u00fcckhaltung und die Unt\u00e4tigkeit des Westens Moskaus Aggression mit angeheizt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vgm0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Europa hat den Krieg lange verdr\u00e4ngt. Die relative Ruhe und der nie da gewesene Wohlstand wurden durch die Macht der Abschreckung in Form der Nato gesichert. Nun, da sich Washington Asien zuwendet und Moskaus imperiale Ambitionen ausser Kontrolle geraten sind, ist der alte pazifistische Reflex mehr als \u00fcberholt \u2013 er ist eine aktive Belastung.<\/p>\n<p>Was Entschlossenheit hiesse<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vgm1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die Ukraine ist keine Last f\u00fcr die Sicherheit Europas, sondern ein Garant, wenn nicht gar der Garant schlechthin. Durch ihren Widerstand gegen die umfassende Invasion hat die Ukraine Moskaus milit\u00e4rische Kapazit\u00e4ten geschw\u00e4cht. Noch wichtiger ist jedoch, dass sie sich entschieden hat, zu k\u00e4mpfen, statt zu kapitulieren \u2013 ein Geschenk, das Europa noch nicht in vollem Umfang begriffen hat. Eine gut bewaffnete, in die Nato integrierte Ukraine w\u00fcrde eine glaubw\u00fcrdige Abschreckung gegen k\u00fcnftige Aggressionen darstellen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vgn0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Europa verf\u00fcgt nach wie vor \u00fcber echte Handlungsoptionen. Diese umfassen die \u00dcberweisung von 300 Milliarden Dollar von eingefrorenen russischen Verm\u00f6genswerten an die Ukraine, die Versch\u00e4rfung der Sanktionen und die Sperrung der Ostsee f\u00fcr Russlands Schattenflotte. Dazu eine nicht schrittweise, sondern umfassende Bewaffnung der Ukraine \u2013 auch mit Langstreckenwaffen f\u00fcr Ziele im tiefen Russland.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j041cn7j1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Entschlossenheit hiesse: Taurus-Marschflugk\u00f6rper zu liefern, schnell und stark in die ukrainische Milit\u00e4rtechnik zu investieren und am Himmel \u00fcber der Ukraine einen Schutzschirm aufzuziehen. Nicht weil Europa partout auf einen Kampf aus w\u00e4re, sondern um nicht selber k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vgo0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die Vorstellung, Russland stehe kurz davor, Nuklearwaffen einzusetzen, ist ein gef\u00e4hrlicher Kurzschluss. Das Risiko daf\u00fcr ist nicht kleiner, sondern gr\u00f6sser geworden, weil der Westen sich auf die Erpressung des Kremls einliess. Das Risiko einer nuklearen Konfrontation ist niemals gleich null, aber ein willf\u00e4hriges Nachgeben gegen\u00fcber Moskaus Drohungen macht einen dritten Weltkrieg eher wahrscheinlicher als weniger wahrscheinlich.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vgo1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Warum erkennt das Europa westlich der Oder den Mut der Ukraine nicht als ein grosses Geschenk an? Die Ukrainer wehren sich gegen den russischen Angriff, w\u00e4hrend Europa endlos dar\u00fcber debattiert, inwieweit es helfen kann \u2013 und wie es sich sch\u00fctzen kann, wenn die Ukraine f\u00e4llt. Aber es darf kein Wenn geben: Westeuropa sch\u00fctzt sich selbst, indem es der Ukraine hilft.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vgp0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Es ist an der Zeit, die bequeme Distanz abzulegen und sich vom Opfergang der Ukraine inspirieren zu lassen. Jetzt schl\u00e4gt die Stunde Europas. Wenn irgendetwas Moskaus Appetit auf Gewalt z\u00fcgeln kann, dann ist es eine freie Welt, die aufh\u00f6rt, sich f\u00fcr ihre Macht zu entschuldigen, und diese Macht stattdessen aus\u00fcbt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j0402vgq0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die Ukraine ringt um einen dauerhaften Frieden. Gelingen kann dieser nur, wenn Europa endlich das Mantra ablegt, die Ukraine \u00abso lange wie n\u00f6tig\u00bb unterst\u00fctzen zu wollen, und die Notwendigkeit einsieht, den Aggressor nicht ungestraft davonkommen zu lassen.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1j04e69vb0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\"><strong>Andrew Chakhoyan<\/strong> ist akademischer Direktor an der Universit\u00e4t von Amsterdam. Der in der Ukraine geborene Amerikaner studierte an der Harvard Kennedy School und der Staatlichen Technischen Universit\u00e4t Donezk. \u2013 Aus dem Englischen von A.\u00a0Bn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zieht man Bilanz \u00fcber die russische Invasion, zeigt sich, dass der Westen Kiew bisher nur halbherzig unterst\u00fctzt hat.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":302082,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-302081","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114934485126809537","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/302081","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=302081"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/302081\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/302082"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=302081"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=302081"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=302081"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}