{"id":302288,"date":"2025-07-29T05:48:12","date_gmt":"2025-07-29T05:48:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/302288\/"},"modified":"2025-07-29T05:48:12","modified_gmt":"2025-07-29T05:48:12","slug":"genf-wien-muenchen-leichtsinn-am-berg-mit-dem-kleiderbuegel-im-steig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/302288\/","title":{"rendered":"Genf\/Wien\/M\u00fcnchen | Leichtsinn am Berg: Mit dem Kleiderb\u00fcgel im Steig"},"content":{"rendered":"<p>Genf\/Wien\/M\u00fcnchen (dpa) &#8211; Wenig Wissen, wenig Kondition, wenig Umsicht: Immer wieder geraten Bergwanderer in h\u00f6chste Not, weil sie zu unbedacht unterwegs sind. Der Deutsche Alpenverein (DAV) registriert eine \u00abZunahme von leichtfertigem Verhalten\u00bb, wie Stefan Winter vom DAV der Deutschen Presse-Agentur sagt.\u00a0<\/p>\n<p>Ein unglaubliches Beispiel: Ein Tourist aus den Niederlanden wollte 2024 mit seiner acht Jahre alten Tochter in K\u00e4rnten in \u00d6sterreich einen Klettersteig bew\u00e4ltigen. Er band ihr ein Seil um den Bauch und befestigte daran einen Kleiderb\u00fcgel aus Draht. Mit dem gebogenen Ende sollte sie sich im F\u00fchrungsseil einh\u00e4ngen. \u00abDas war nur f\u00fcr die Psyche, meine Tochter klettert gut\u00bb, rechtfertigte sich der Vater, als beide in Not gerieten und gerettet werden mussten.<\/p>\n<p>Ehrgeiz und Egoismus<\/p>\n<p>Was macht die Menschen f\u00fcr die Gefahren in den Bergen so blind? Ehrgeiz und Egoismus, sagt Richard Lehner, Bergf\u00fchrer und -retter aus Zermatt. Die Leute wollten heute in k\u00fcrzerer Zeit mehr erleben als fr\u00fcher und bereiteten sich schlechter vor. \u00abDa wird eine Tour auf Biegen und Brechen durchgef\u00fchrt\u00bb, sagt er. Der Handy-Empfang praktisch \u00fcberall erh\u00f6he die Risiko-Bereitschaft. \u00abIm Hinterkopf haben die Leute: Wenn es nicht mehr geht, rufe ich an, dann kommt der Hubschrauber und holt mich raus.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Das stimmt aber nur bedingt. Das Handy funktioniert eben doch nicht \u00fcberall, und der Hubschrauber kann nicht bei jedem Wetter fliegen. Dabei sind die Voraussetzungen f\u00fcr eine Tour ohne Alptraum gut.\u00a0<\/p>\n<p>Soziale Medien und Infos aus dem Internet<\/p>\n<p>Nie seien die Qualit\u00e4t der Ausr\u00fcstung, die Verf\u00fcgbarkeit von Informationen wie Wegbeschreibungen und die Wettervorhersagen so gut gewesen wie heute, sagt Roland Ampenberger, Sprecher der Bergwacht Bayern. Nicht alle k\u00f6nnten aber mit den Informationen und der Ausr\u00fcstung umgehen. Dass man Touren heute mit Apps leicht planen und herunterladen kann, ohne sich mit dem Weg und den Bedingungen richtig auseinanderzusetzen, trage zum Leichtsinn bei, sagt Rolf S\u00e4gesser, Ausbilder beim Schweizer Alpen-Club und selbst Bergf\u00fchrer.<\/p>\n<p>Zudem verleiteten Bilder in sozialen Medien, die Mega-Erlebnisse bei bestem Wetter suggerieren, manche zu dem Wunsch: \u00abSo will ich auch aussehen\u00bb. S\u00e4gesser berichtet weiter: \u00abIch sehe Leute, die sich in den Bergen herumtummeln und ihre F\u00e4higkeiten nicht richtig eingesch\u00e4tzt haben.\u00bb Sie k\u00e4men schnell an ihre Grenzen. Wenn das Bauchgef\u00fchl sage, etwas stimme nicht, seien diese Warnzeichen ernstzunehmen, r\u00e4t Klaus Drexel von der Bergrettung in Vorarlberg. Besonders heikel sei \u00abfalscher Stolz\u00bb.<\/p>\n<p>Gef\u00e4hrlicher Trend<\/p>\n<p>Ampenberger sieht einen gef\u00e4hrlichen Trend: Noch Sp\u00e4tnachmittags nach der Arbeit wollten Leute auf den Berg. Seit Jahren mehrten sich Eins\u00e4tze zwischen 18.00\u00a0Uhr abends und 06.00 Uhr morgens. Im Sommer 2024 mussten die Retter bei rund 480 von insgesamt 3640 Eins\u00e4tzen in dieser Zeit ausr\u00fccken. In rund 15 Prozent der F\u00e4lle h\u00e4tten Menschen sich verirrt, seien in schlechtes Wetter geraten oder h\u00e4tten sich irgendwann weder vor noch zur\u00fcck getraut.\u00a0<\/p>\n<p>In der Schweiz gerieten im vergangenen Jahr 3570 Menschen in Bergnot. \u00abAuff\u00e4llig ist die Zunahme von blockierten und unversehrt geretteten Personen, besonders beim Bergwandern\u00bb, so der Schweizer Alpen-Club. In Tirol in \u00d6sterreich mussten die Bergretter seit Anfang Mai 2025 schon rund 700 Mal ausr\u00fccken. \u00d6sterreichweit gibt es mehr als 13.000 ehrenamtliche Bergretter.<\/p>\n<p>Viele Bergg\u00e4nger n\u00e4hmen zu viel Gep\u00e4ck mit, sagt der Leiter der Alpinpolizei Tirol, Viktor Horvath. Je gr\u00f6\u00dfer und schwerer der Rucksack, desto leichter verliert der Tr\u00e4ger das Gleichgewicht, kann stolpern und umso fr\u00fcher ersch\u00f6pft er.\u00a0<\/p>\n<p>Unter Umst\u00e4nden bleiben gerettete Bergg\u00e4nger auf hohen Kosten sitzen &#8211; je nach Versicherung und Lage des Falles. \u00abSpeziell, wenn der Hubschrauber unterwegs ist, k\u00f6nnen die Kosten schnell mehrere tausend Euro pro Einsatz betragen\u00bb, sagt Ampenberger von der Bergwacht Bayern.\u00a0<\/p>\n<p>Einige krasse F\u00e4lle\u00a0<\/p>\n<p>2025: Im Juli versteigt sich ein Bergsteiger &#8211; alleine unangeseilt unterwegs &#8211; im Nebel auf dem Weg zur Zugspitze. Er ger\u00e4t in steiles Gel\u00e4nde und st\u00fcrzt zehn Meter kopf\u00fcber in eine Gletscherspalte. Nur, weil gerade der Nebel aufrei\u00dft und aus der Ferne ein anderer Bergsteiger den Mann in der Spalte verschwinden sieht und die Bergwacht alarmiert, kann er gerettet werden.\u00a0<\/p>\n<p>2025: Im Montafon in \u00d6sterreich will eine 48-J\u00e4hrige mit ihrer 13 Jahre alten Tochter einen Klettersteig absolvieren. Beide sind laut Polizei v\u00f6llig unerfahren. Nach mehreren Stunden haben sie gerade einmal 100 H\u00f6henmeter geschafft, kommen nicht mehr weiter und geraten in Bergnot.\u00a0<\/p>\n<p>2025: Auf der Monte Rosa H\u00fctte auf 2883 Metern bei Zermatt in der Schweiz macht Lehner sich Sorgen um einen vermissten Vater mit zwei Kindern. \u00abWir haben ihn mit Ferngl\u00e4sern entdeckt, kontaktiert und Hilfe angeboten, aber er wollte nicht\u00bb, berichtet er. V\u00f6llig ersch\u00f6pft kommen Vater und Kinder, etwa acht und zw\u00f6lf Jahre alt, nach zw\u00f6lf statt der \u00fcblichen vier Stunden Aufstieg an. Der Vater will tags darauf mit den Kindern auf demselben Weg wieder absteigen. \u00abIch habe ihm gesagt: Sie k\u00f6nnen alleine gehen, f\u00fcr die Kinder bestelle ich den Hubschrauber\u00bb, sagt Lehner.<\/p>\n<p>2022: Ein Mann baumelt am Matterhorn stundenlang \u00fcber Kopf am Seil. Mit Lauf- statt Bergschuhen und leicht bekleidet ist er auf 4200 Meter gest\u00fcrzt. F\u00fcr eine Rettung ist es in der Nacht zu windig und zu nebelig. Am n\u00e4chsten Morgen kann ein Retter den Mann bergen &#8211; mit Seil an einem Hubschrauber.\u00a0<\/p>\n<p>2022: 99 Sch\u00fcler und acht Lehrkr\u00e4fte aus dem Raum Ludwigshafen m\u00fcssen im Kleinwalsertal in \u00d6sterreich teils per Hubschrauber aus Bergnot gerettet werden. Sie wollten ohne passende Schuhe und Bekleidung \u00fcber den schmalen, 1794 Meter hohen Heuberggrat. Ein Lehrer hatte die Route im Internet ausgesucht, die sich als viel zu schwer erwies.<\/p>\n<p>2020: Eine Frau will von der Monte Rosa H\u00fctte aus in kurzer Hose \u00fcber einen Gletscher gehen. \u00abWir haben sie gewarnt, man soll nie alleine \u00fcber einen Gletscher gehen, da gibt es zu viele Spalten\u00bb, sagt Lehner. Prompt st\u00fcrzt die Frau 20 Meter in eine Spalte. Erst zwei Tage sp\u00e4ter h\u00f6rt eine Bergsteigergruppe zuf\u00e4llig ihre Hilferufe. \u00abWir haben sie gerettet, ein Wunder, dass sie \u00fcberlebt hat\u00bb, sagt der Bergf\u00fchrer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Genf\/Wien\/M\u00fcnchen (dpa) &#8211; Wenig Wissen, wenig Kondition, wenig Umsicht: Immer wieder geraten Bergwanderer in h\u00f6chste Not, weil sie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":302289,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,29,2507,30,1268,6237,1433,293],"class_list":{"0":"post-302288","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-deutschland","10":"tag-freizeit","11":"tag-germany","12":"tag-muenchen","13":"tag-natur","14":"tag-oesterreich","15":"tag-schweiz"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114934953039410566","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/302288","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=302288"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/302288\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/302289"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=302288"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=302288"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=302288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}