{"id":302741,"date":"2025-07-29T10:00:12","date_gmt":"2025-07-29T10:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/302741\/"},"modified":"2025-07-29T10:00:12","modified_gmt":"2025-07-29T10:00:12","slug":"wie-gerhard-henschel-im-frauenroman-ueber-kassel-schreibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/302741\/","title":{"rendered":"Wie Gerhard Henschel im \u201eFrauenroman\u201c \u00fcber Kassel schreibt"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.hna.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.hna.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 29.07.2025, 11:48 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Schriftsteller Gerhard Henschel feiert im j\u00fcngsten Roman die Frauen, und ein bisschen auch Kassel \u2013 ein Gastbeitrag von J\u00fcrgen R\u00f6hling, der an der Universit\u00e4t Kassel lehrt und sich im Literaturhaus Kassel engagiert. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Kein Gegenwartsautor hat sein eigenes Leben so ausf\u00fchrlich in Romanform gegossen wie Gerhard Henschel, der 2023 den Kasseler Literaturpreis f\u00fcr grotesken Humor entgegengenommen hat. Sein aktueller \u201eFrauenroman\u201c (Hoffmann und Campe 2024, 557 Seiten, 28 Euro) ist bereits der elfte Band seiner autofiktionalen Martin-Schlosser-Reihe, die 2004 mit dem \u201eKindheitsroman\u201c begann und \u00fcber den Jugend-, Liebes-, Abenteuer- und Bildungsroman 2018 schlie\u00dflich den \u201eErfolgsroman\u201c erreichte, mit den Zwischenstationen \u201eKunst\u201c und \u201eArbeit\u201c. Nach dem \u201eSchauerroman\u201c von 2021 folgte zuletzt ein Doppelschlag: \u201eSchelmenroman\u201c und, endlich, der \u201eFrauenroman\u201c. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Endlich \u2013 denn die Frauen sind un\u00fcbersehbar ein Lieblingsthema Henschels. Eroberungen, Abfuhren, One-Night-Stands und Liebesschw\u00fcre, das Martin-Schlosser-Leben ist eine schier endlose Hormontour. Gut, dass es Kassel gibt! Denn da findet ein anderes Leben statt. In Kassel gibt es keine Frauen, in Kassel gibt es Kunst. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Martin Schlosser, oder Gerhard Henschel \u2013 es ist kein Geheimnis, dass der Autor bis auf seinen Namen (und gelegentlich die Namen anderer Personen, die nicht mit einer Nennung einverstanden waren) nichts ge\u00e4ndert hat. Die Romane speisen sich aus Henschels riesigem Archiv, das historische Fernsehprogramme, Kassenzettel, Briefe, ausgedruckte E-Mails, kurzum alles M\u00f6gliche enth\u00e4lt. In Henschels Haus scheint es keinen Papierkorb zu geben, alles wird aufbewahrt, alles ger\u00e4t zwischen die Buchdeckel und wird Literatur. Ist das feinste Kempowski-Nachfolge? Oder blo\u00dfe Materialhuberei? Wie auch immer, man erkennt vieles wieder und l\u00e4sst sich gerne erinnern. Gerade ist Henri Nannen gestorben, der \u201eStern\u201c-Gr\u00fcnder. Wir schreiben also 1996, auf \u00fcber 550 Seiten kommt der \u201eFrauenroman\u201c bis ins Jahr 1998. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Schlosser ist nach G\u00f6ttingen umgezogen, und f\u00fcr G\u00f6ttinger liegt Kassel so nahe. Wenn man genug vom kleinst\u00e4dtischen Fachwerkidyll hat, findet man hier den Kontrast. Kunst! 1995 war die Caricatura-Galerie im Kulturbahnhof er\u00f6ffnet worden, Henschel immer dabei. 1997 sieht er die Ausstellung \u201eDie komische Kunst\u201c: \u201eF\u00fcr Rudi Hurzlmeiers Gem\u00e4lde ,Komposition mit Herrenschuh und Damenhirn\u2018 h\u00e4tte ich ein Verm\u00f6gen gezahlt, wenn ich eins gehabt h\u00e4tte\u201c, sinniert sein alter ego Schlosser, bevor abends der Versuch gemacht wird, \u201eganz Kassel auszutrinken\u201c. Letzten Endes vergeblich, aber nahe dran waren die Caricatura-K\u00fcnstler bestimmt.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Dagegen die documenta! Hier reicht dem Chronisten eine Zusammenfassung der Tagesschau: \u201eZu den bevorzugten Themen z\u00e4hlen die Globalisierung und die zunehmende Kontaktarmut in der Gesellschaft\u201c. Diese Vorlage nimmt Henschel gerne auf: \u201eWar die Menschheit zehn, zwanzig, f\u00fcnfzig oder zweihundert Jahre fr\u00fcher kontaktfreudiger gewesen?\u201c Aber Antworten auf solche rhetorischen Fragen sollte man nicht erwarten. Henschel verweigert der documenta sowohl mehr Aufmerksamkeit als auch die markentypische Kleinschreibung, denn Wichtigeres steht an. Schon am n\u00e4chsten Tag wird der Fernsehmonteur in G\u00f6ttingen erwartet, dessen Begr\u00fc\u00dfung \u201eMich darf niemand anfassen, ich bin schon den ganzen Tag am Rotzen!\u201c Henschel viel gelungener scheint als documenta-Kontaktfragen in Zeiten der Globalisierung. Das muss man m\u00f6gen oder zumindest hinnehmen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Und Kassel kommt weiter vor. Eine echte Liebe wird es aber nicht. Im Anschluss an eine Lesung, nach der Henschel sich mit Achim Frenz und Andreas Sandmann, den beiden Caricatura-Kuratoren, \u201everplaudert\u201c hat (man darf den Einfluss alkoholischer Getr\u00e4nke durchaus vermuten), wird der Weg ins Hotel K\u00f678 zwar noch gefunden, doch die angegebene Zimmernummer 2 gibt es nicht. In sch\u00f6nster Kom\u00f6dienmanier ist das Schild abgebrochen, vor der 2 war noch etwas, ging es also um Zimmer 12, 22 oder 32? Man m\u00fcsste maximal drei Schl\u00f6sser ausprobieren. Doch Schlosser (da h\u00e4tte doch ein Wortspiel nahegelegen!) ziert sich, ruft nachts um vier eine im rezeptionslosen Hotel aush\u00e4ngende Notfallnummer an und wird von einer Dame mit \u201eSch\u00e4ferhund-Stimme\u201c angebellt, er habe das Hotel zu verlassen. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Und bietet nun Henschel\/Schlosser all seinen Charme auf, um endlich das ersehnte Hotelzimmer samt Bett zu erreichen? Nein. Er wird \u201egrob\u201c! Wom\u00f6glich wurde au\u00dfer dem zitierten Wort \u201eSchweinehotel\u201c noch Schlimmeres gesagt, doch wir erfahren es nicht. Am Ende konnte sich ein Kasseler Taxifahrer \u00fcber eine 130-Mark-Tour nach G\u00f6ttingen freuen, mit Zwischenstopp an einer Tankstelle zum Erwerb einer Trostflasche Wei\u00dfwein und Zigaretten. Ja, so war sie, Gerhard Henschels Kasseler Zeit. Blo\u00df wieder zur\u00fcck nach G\u00f6ttingen!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/36789253-kasseler-literaturpreis-fuer-grotesken-humor-die-preistraeger-gerhard-henschel-und-noemi-so.jpeg\" loading=\"lazy\"   height=\"619\" width=\"1100\" alt=\"Kasseler Literaturpreis f&#xFC;r Grotesken Humor. Die Preistr&#xE4;ger: Gerhard Henschel und Noemi Somalvico. Foto: Sascha Hoffmann\"\/>2023 als Preistr\u00e4ger in Kassel: Gerhard Henschel \u2013 daneben F\u00f6rderpreistr\u00e4gerin Noemi Somalvico.   \u00a9\u00a0Hoffmann, Sascha<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Kultur Stand: 29.07.2025, 11:48 Uhr DruckenTeilen Schriftsteller Gerhard Henschel feiert im j\u00fcngsten Roman die Frauen, und ein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":302742,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-302741","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114935944073340045","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/302741","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=302741"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/302741\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/302742"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=302741"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=302741"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=302741"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}