{"id":302885,"date":"2025-07-29T11:16:27","date_gmt":"2025-07-29T11:16:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/302885\/"},"modified":"2025-07-29T11:16:27","modified_gmt":"2025-07-29T11:16:27","slug":"9-monate-sperrung-das-wird-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/302885\/","title":{"rendered":"9 Monate Sperrung, das wird gemacht"},"content":{"rendered":"<p>Gro\u00dfprojekt auf der Schiene: Wie die Deutsche Bahn die Strecke Hamburg\u2013Berlin bis 2026 fit f\u00fcr die Zukunft machen will.<\/p>\n<p>                        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DB272499-e1753780011570-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Zug auf Strecke Hamburg Berlin\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg soll es nach der Generalsanierung weniger Versp\u00e4tungen geben. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: Deutsche Bahn AG \/ Volker Emersleben <\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/d84440588024467e9b404d407e56065f.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"\" class=\"vg-wort-pixel\" style=\"position: absolute;\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\"\/><\/p>\n<p>Zwischen Hamburg und Berlin rollen t\u00e4glich hunderte Z\u00fcge. Rund 470 Verbindungen im Fern-, Regional- und G\u00fcterverkehr machen den 280 Kilometer langen Abschnitt zu einem der am st\u00e4rksten genutzten Korridore im deutschen Bahnnetz. Doch ab August 2025 ist Schluss damit \u2013 zumindest vor\u00fcbergehend.<\/p>\n<p>Die Deutsche Bahn sperrt die gesamte Strecke f\u00fcr neun Monate. Der Grund: eine umfassende Generalsanierung. Ziel ist es, die Infrastruktur zu erneuern, den Bahnbetrieb zu stabilisieren und langfristig weniger Reparaturbedarf zu haben. Fahrg\u00e4ste, Pendler*innen und Unternehmen m\u00fcssen sich in dieser Zeit auf erhebliche Umwege und Verz\u00f6gerungen einstellen. Auch im G\u00fcterverkehr d\u00fcrften die Auswirkungen sp\u00fcrbar sein.<\/p>\n<p>Ein Projekt mit vielen Baustellen<\/p>\n<p>Die Generalsanierung betrifft nahezu alle technischen Bereiche der Strecke: Gleise, Weichen, Fahrleitungen, Stellwerke, Bahnh\u00f6fe und Mobilfunktechnik. Zwischen dem 1. August 2025 und dem 30. April 2026 wird in drei Bauabschnitten gleichzeitig gearbeitet: Hamburg\u2013B\u00fcchen, B\u00fcchen\u2013Dergenthin und Dergenthin\u2013Berlin.<\/p>\n<p>165 Kilometer Gleise tauscht die Bahn komplett aus, weitere 61 Kilometer werden instand gesetzt. 249 neue Weichen kommen hinzu, sowohl auf Hauptgleisen als auch auf Nebenstrecken. Auf insgesamt 47 Kilometern l\u00e4ngt die Bahn neue Fahrdr\u00e4hte \u00fcber den Gleisen, also die Oberleitungen.<\/p>\n<p><strong>Geplante Ma\u00dfnahmen bei der Generalsanierung Hamburg\u2013Berlin (1.8.2025\u201330.4.2026)<\/strong><\/p>\n<p>\u2022 165 km Gleise werden vollst\u00e4ndig erneuert<br \/>\u2022 61 km Gleise werden instand gesetzt<br \/>\u2022 249 neue Weichen werden eingebaut<br \/>\u2022 25 km Fahrdraht werden komplett getauscht<br \/>\u2022 Weitere 22 km Oberleitung werden erneuert<br \/>\u2022 6 neue Stellwerke entstehen, 19 weitere werden modernisiert<br \/>\u2022 Aufbau von 5G-Funkmasten zur Einf\u00fchrung von FRMCS<br \/>\u2022 Sanierung und Modernisierung von 28 Bahnh\u00f6fen<br \/>\u2022 Verl\u00e4ngerung von Bahnsteigen f\u00fcr l\u00e4ngere Regionalz\u00fcge<br \/>\u2022 Sanierung einer Br\u00fccke in Ludwigslust (Baujahr 1850)<br \/>\u2022 Neue L\u00e4rmschutzw\u00e4nde bei Wohltorf\/Aum\u00fchle<br \/>\u2022 Vegetationsarbeiten zur Sturmsicherheit entlang der Strecke<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Technik von gestern \u2013 neue Stellwerke und FRMCS<\/p>\n<p>Ein besonderer Fokus liegt auf der Leit- und Sicherungstechnik. Noch heute werden manche Stellwerke auf der Strecke mit Disketten betrieben, wie Julian Fassing, Projektleiter der Generalsanierung, berichtet. Diese Anlagen stammen teils aus den 1980er-Jahren.<\/p>\n<p>Im Zuge der Arbeiten werden 19 Stellwerke modernisiert und sechs komplett neu gebaut. Ziel ist die Vorbereitung auf die sp\u00e4tere Umstellung auf ETCS, ein europaweit standardisiertes digitales Zugsicherungssystem. Vollst\u00e4ndig eingef\u00fchrt werden soll dieses System aber erst in den 2030er-Jahren.<\/p>\n<p>Parallel errichtet die Bahn Funkmasten f\u00fcr das sogenannte Future Railway Mobile Communication System (FRMCS), das auf dem Mobilfunkstandard 5G basiert. Damit soll nicht nur der Bahnbetrieb zuk\u00fcnftig effizienter laufen, sondern auch der Handyempfang im Zug verbessert werden. Die 15 Meter hohen Masten werden entlang der gesamten Strecke aufgebaut.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-788184 size-medium_large\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DB272629-768x512.jpg\" alt=\"Gleisbauarbeiten\" width=\"768\" height=\"512\"  \/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Nichts geht mehr: Zwischen Hamburg und Berlin sollen 165 Kilometer Gleise getauscht werden. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: Deutsche Bahn AG \/ Bau\u00fcberwachung<\/p>\n<p>Ersatzverkehre und Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr Fahrg\u00e4ste<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Bauzeit wird die komplette Strecke f\u00fcr den Personen- und G\u00fcterverkehr gesperrt. Das hat Folgen: ICE-, IC- und Flixtrain-Z\u00fcge werden \u00fcber Stendal und Uelzen umgeleitet. Diese Umwege f\u00fchren zu l\u00e4ngeren Fahrzeiten \u2013 durchschnittlich 45 Minuten mehr. Zudem halbiert sich das Angebot im Fernverkehr: Statt alle 30 Minuten f\u00e4hrt nur noch einmal pro Stunde ein Zug zwischen Hamburg und Berlin.<\/p>\n<p>Einige Verbindungen entfallen komplett. So halten zum Beispiel keine Fernz\u00fcge mehr in Ludwigslust oder Wittenberge. Auch die EC-Z\u00fcge zwischen Hamburg und Prag verkehren nur noch zwischen Berlin und Prag. Reisende von Hamburg nach Rostock m\u00fcssen ebenfalls mehr Zeit einplanen, denn die Z\u00fcge fahren \u00fcber L\u00fcbeck und Bad Kleinen.<\/p>\n<p>Im Regionalverkehr ist die Lage noch komplizierter. Viele Linien fallen aus oder verkehren nur abschnittsweise. Die Bahn hat deshalb ein Netz aus Ersatzbussen eingerichtet. Diese Busse fahren unter anderem zwischen Hamburg und Schwerin, zwischen Wittenberge und Berlin sowie auf weiteren 28 Verbindungen. Manche Strecken \u2013 etwa Hamburg\u2013Ludwigslust\u2013Wittenberge \u2013 starten und enden am Hamburger ZOB. Andere f\u00fchren nur bis an den Stadtrand, etwa zur U-Bahnstation Steinfurther Allee.<\/p>\n<p>Kritik am Ersatzverkehr<\/p>\n<p>Der Fahrgastverband PRO BAHN kritisiert das Ersatzkonzept deutlich. Besonders die Schnellbuslinie X1 zwischen Hamburg und Schwerin steht im Fokus: Sie verkehrt nur alle zwei Stunden. Das sei zu wenig, hei\u00dft es aus den Landesverb\u00e4nden Schleswig-Holstein\/Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. PRO BAHN fordert einen 60-Minuten-Takt sowie den Einsatz zus\u00e4tzlicher Busse bei hoher Nachfrage.<\/p>\n<p>Auch die mangelnde Ausstattung der Ersatzbusse sorgt f\u00fcr Unmut. Noch zum Baustart fehlen viele der versprochenen neuen Fahrzeuge. Stattdessen kommen teilweise \u00e4ltere Busse und Fahrzeuge aus fr\u00fcheren Bauprojekten zum Einsatz. Das erschwert vor allem Pendler*innen aus der Region die Anbindung an Hamburg und Berlin.<\/p>\n<p><strong>Auswirkungen der Streckensperrung Hamburg\u2013Berlin (1.8.2025\u201330.4.2026)<\/strong><\/p>\n<p>\u2022 Komplette Sperrung der Strecke f\u00fcr neun Monate<br \/>\u2022 Fernz\u00fcge werden \u00fcber Uelzen und Stendal umgeleitet (ca. +45 Minuten)<br \/>\u2022 Reduzierung auf eine Fernverbindung pro Stunde<br \/>\u2022 Wegfall der Halte in Ludwigslust, Wittenberge und Schwerin<br \/>\u2022 Zahlreiche Regionalz\u00fcge entfallen oder enden fr\u00fcher<br \/>\u2022 28 Ersatzbuslinien im Einsatz (teilweise mit WLAN und USB-Steckdosen)<br \/>\u2022 Schnellbus X1 Hamburg Steinfurther Allee \u2013 Schwerin nur im 120-Minuten-Takt<br \/>\u2022 Zus\u00e4tzliche Umstiege auf U-Bahn\/S-Bahn in Hamburg erforderlich<br \/>\u2022 G\u00fcterz\u00fcge werden \u00fcber alternative Korridore (u.\u202fa. \u00fcber Magdeburg) geleitet<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Bahnh\u00f6fe im Wandel \u2013 neue Ausstattung und Barrierefreiheit<\/p>\n<p>Insgesamt werden entlang der Strecke 28 Bahnh\u00f6fe saniert. Dazu z\u00e4hlen unter anderem Stationen in Wittenberge, Neustadt (Dosse), Schwarzenbek oder Ludwigslust. Neben barrierefreien Zug\u00e4ngen und l\u00e4ngeren Bahnsteigen plant die Bahn auch neue Toilettenanlagen, Wetterschutzh\u00e4user und ein verbessertes Leitsystem.<\/p>\n<p>An mehreren Bahnh\u00f6fen \u2013 zum Beispiel in M\u00fcssen, B\u00fcchen, Brahlstorf oder Schwanheide \u2013 werden die Bahnsteige verl\u00e4ngert. Ziel ist, k\u00fcnftig l\u00e4ngere Regionalz\u00fcge einsetzen zu k\u00f6nnen. Auch neue Fahrradabstellanlagen sind vorgesehen. Die Bahnh\u00f6fe sollen so schrittweise zu \u201eZukunftsbahnh\u00f6fen\u201c entwickelt werden.<\/p>\n<p>Arbeiten an der Vegetation \u2013 mehr Sicherheit bei Unwettern<\/p>\n<p>St\u00fcrme, Starkregen und Trockenheit f\u00fchren immer h\u00e4ufiger dazu, dass B\u00e4ume entlang der Bahntrassen zu einer Gefahr werden. Die Bahn reagiert darauf mit gezielten R\u00fcckschnittma\u00dfnahmen. Ziel ist, dass B\u00e4ume nicht h\u00f6her wachsen als ihr Abstand zu den Gleisen betr\u00e4gt. So soll verhindert werden, dass sie bei Sturm auf die Strecke st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckschnittarbeiten beginnen im Oktober 2025. Wo m\u00f6glich, werden heimische Str\u00e4ucher und B\u00e4ume neu gepflanzt. Auch Biotopverbindungen sollen entstehen, um die Artenvielfalt zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Wird die Strecke nach der Sanierung besser?<\/p>\n<p>Der Zustand der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin war zuletzt kritisch. Die Bahn selbst vergab die Schulnote 3,7. Nach Abschluss der Generalsanierung soll sich dieser Wert auf 2,3 verbessern. Auch die Zahl der St\u00f6rungen und Versp\u00e4tungen soll deutlich sinken. Die Strecke gilt dann f\u00fcr mindestens f\u00fcnf Jahre als baustellenfrei.<\/p>\n<p>Ob das reicht, um das gro\u00dfe Ziel \u2013 mehr P\u00fcnktlichkeit im deutschen Bahnverkehr \u2013 zu erreichen, bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Ohne tiefgreifende Eingriffe wird sich der Sanierungsstau auf vielbefahrenen Strecken nicht l\u00f6sen lassen.<\/p>\n<p>Wie es nach Hamburg\u2013Berlin weitergeht<\/p>\n<p>Schon kurz nach Abschluss der Arbeiten folgt die n\u00e4chste Gro\u00dfbaustelle. Vom 1. Mai bis zum 10. Juli 2026 wird die Strecke Hamburg\u2013Hannover saniert. Besonders betroffen ist der Abschnitt L\u00fcneburg\u2013Uelzen. Auch dort werden Stellwerke erneuert und ein Ersatzverkehr eingerichtet.<\/p>\n<p>Fahrg\u00e4ste und Unternehmen m\u00fcssen sich also auch in den kommenden Jahren auf Einschr\u00e4nkungen einstellen. Die Generalsanierung Hamburg\u2013Berlin ist nur ein Baustein im Gesamtkonzept der Bahn. Insgesamt sollen bis 2030 rund 40 solcher Projekte umgesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gro\u00dfprojekt auf der Schiene: Wie die Deutsche Bahn die Strecke Hamburg\u2013Berlin bis 2026 fit f\u00fcr die Zukunft machen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":302886,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1739,296,2030,29,30],"class_list":{"0":"post-302885","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-bahn","9":"tag-berlin","10":"tag-deutsche-bahn","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114936243872996568","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/302885","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=302885"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/302885\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/302886"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=302885"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=302885"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=302885"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}