{"id":303018,"date":"2025-07-29T12:35:11","date_gmt":"2025-07-29T12:35:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303018\/"},"modified":"2025-07-29T12:35:11","modified_gmt":"2025-07-29T12:35:11","slug":"berlin-britz-hufeisensiedlung-wird-100-ein-gluecksbringer-fuer-die-mieter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303018\/","title":{"rendered":"Berlin-Britz \u2013 Hufeisensiedlung wird 100: Ein Gl\u00fccksbringer f\u00fcr die Mieter"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img309278\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/309278.jpeg\" alt=\"Gleichheit im Wohnen: Fassade des Hauptwohnkomplexes der Hufeisensiedlung.\"\/><\/p>\n<p>Gleichheit im Wohnen: Fassade des Hauptwohnkomplexes der Hufeisensiedlung.<\/p>\n<p>Foto: IMAGO\/Arcaid Images<\/p>\n<p>In Berlin l\u00e4sst es sich gut leben \u2013 wohnen nicht unbedingt. Sp\u00e4testens mit der Industrialisierung wurde es vor allem f\u00fcr die arbeitende Bev\u00f6lkerung an manchen Ecken eng und unbequem. So verbindet \u00fcber Hinterh\u00f6fe und Generationen hinweg der Wunsch nach besserem, bezahlbaren Wohnen die Berliner*innen. Hoffnungsschimmer gibt es: architektonisches und st\u00e4dteplanerisches Umdenken, das auch f\u00fcr Menschen mit niedrigem Einkommen bauen will. Ein solches Projekt wird in diesem Jahr hundert Jahre alt. In Britz feiert man das Jubil\u00e4um der von Bruno Taut und Martin Wagner entworfenen Hufeisensiedlung und damit auch den Beginn des Sozialen Wohnungsbaus in Berlin.<\/p>\n<p>Rund um die zentrale, namensgebende Geb\u00e4udegruppe in Hufeisenform an der Fritz-Reuter-Allee fand in der vergangenen Woche die Jubil\u00e4umsfeier statt. Mit gef\u00fchrten Touren, Salons in Privatwohnungen, Musik, Essen und Basteln ehren das Landesdenkmalamt, der Verein Freunde und F\u00f6rderer der Hufeisensiedlung und der Wohnungskonzern Vonovia sowohl das architektonische Erbe aus den Zwanziger Jahren als auch die heutige Nachbarschaft. Zum Abschluss am Samstagabend sagte Jochen Biedermann (Gr\u00fcne), Bezirksbaustadtrat in Neuk\u00f6lln: \u00bbWir feiern eine Siedlung, die schon zwei Drittel ihrer Zeit unter Denkmalschutz steht und die trotzdem total lebendig ist.\u00ab<\/p>\n<p>Im Jahr 1925 begannen der renommierte Architekt Bruno Taut und sein Kollege und Baustadtrat Martin Wagner mit der Errichtung der Siedlung. Den eigentlichen Bau verrichteten Arbeiter*innen, f\u00fcr die die Siedlung in Britz eine neue Art des Wohnens darstellen sollte. Innerhalb von sieben Jahren wurden hier fast 2000 Wohnungen seriell im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet. Jede Wohnung ist mit eigenem Garten oder Balkon ausgestattet. Durch Farben und moderne Formen gelang es den Sch\u00f6pfern der Siedlung \u00bbdie Serialit\u00e4t mit einer hohen Lebensqualit\u00e4t und einer hohen Individualit\u00e4t zu verbinden\u00ab, so Biedermann.<\/p>\n<p>\u00bbDie Form des Hufeisens ist das beste Zeichen f\u00fcr Gemeinschaft\u00ab, sagt Sabine Ambrosius vom Landesdenkmalamt. Gemeinsam mit anderen Gro\u00dfsiedlungen der Moderne steht die Hufeisensiedlung symbolhaft f\u00fcr eine Modernisierung der Architektur in den 1920er Jahren. Architekten wie Walter Gropius, Le Corbusier oder Ludwig Mies van der Rohe entwerfen soziale Utopien des Wohnens, finden Formen f\u00fcr die neue Staatsform der Demokratie. \u00bbDas ist das, was hier so besonders ist: jeder hat den gleichen Blick\u00ab, sagt Ambrosius. Damit bleibt die Hufeisensiedlung bis heute ein Meilenstein eines gleichberechtigteren Bauens. Sie \u00bbwar damals revolution\u00e4r und ist auch heute von zeitloser Qualit\u00e4t\u00ab, so Robert Ger\u00df-Oestreich von Vonovia.<\/p>\n<p>Dabei war die Hufeisensiedlung durchaus ein reformistisches Projekt: Sie war die erste Gro\u00dfsiedlung, die mit der 1924 von Baustadtrat Wagner eingef\u00fchrten Hausszinssteuer finanziert wurde, die Immobilienbesitzer*innen verpflichtet, sich an \u00f6ffentlich gef\u00f6rderten Bauten zu beteiligen. Biedermann erkl\u00e4rt, der profitorientiere, privatwirtschaftlicher Wohnungsbau sei seiner Zeit in einer Krise gewesen. Die unhygienischen Mietskasernen der Kaiserzeit fordern zum Umdenken auf. Wagners gewerkschaftsnahe, gemeinn\u00fctzige Wohnungsbaugenossenschaft GEHAG, heute Teil von Vonovia, gab eine Siedlung in Auftrag, die nicht nur auf Quantit\u00e4t und m\u00f6glichst billiges Bauen setzte.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u00bbDas ist das, was hier so besonders ist: jeder hat den gleichen Blick\u00ab<\/p>\n<p>Sabine Ambrosius\u2003Landesdenkmalamt<\/p><\/blockquote>\n<p>Dank zu hoher Mieten lebten letztendlich allerdings kaum Arbeiter*innen, sondern Angestellte und Beamt*innen in der Siedlung in Britz. Vielen Bewohner*innen der als linke Hochburg bekannten Siedlung blieb mit der Wahl der Nationalsozialisten ein Jahr nach der Fertigstellung der Siedlung nur die Flucht. Im Jahr 1934 wurde der anarchistische Schriftsteller und ehemalige Bewohner Erich M\u00fchsam im Konzentrationslager Oranienburg ermordet. Zwischen 1935 und 1938 lebte der Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in der Hufeisensiedlung. Die GEHAG, nun nationalsozialistisch weitergef\u00fchrt, errichtete im Krieg eine Barracke f\u00fcr 18 Zwangsarbeiter*innen, <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1180601.rechtsextremismus-hufeisensiedlung-in-berlin-neukoelln-gedenktafel-kehrt-zurueck.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die die Siedlung pflegten<\/a>.<\/p>\n<p>Die Geb\u00e4ude immerhin \u00fcberlebten den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet und wurden 1990 saniert und unter Denkmalschutz gestellt. Gemeinsam mit f\u00fcnf anderen Gro\u00dfsiedlungen geh\u00f6rt die Hufeisensiedlung auch zum Unesco-Welterbe, eine weitere historische Wende. \u00bb2008 war das eine Revolution, weil es kaum Welterbest\u00e4tten aus dem 20. Jahrhundert gibt\u00ab, sagt Ambrosius. Mit der Kennzeichnung kamen auch neue Hindernisse dazu. So k\u00f6nnen die denkmalgesch\u00fctzten Fassaden nicht ohne Weiteres saniert werden. \u00bbDie Vereinbarkeit von Denkmalschutz und Klimaschutz ist kein Widerspruch\u00ab, so Ger\u00df-Oestreich. \u00bbSie ist unsere gemeinsame Aufgabe.\u00ab<\/p>\n<p>Die Aktualit\u00e4t von Tauts und Wagners Ans\u00e4tzen ist nicht nur im Denkmal pr\u00e4sent. Biedermann sagt im historischen R\u00fcckblick, in Berlin habe man bei enormer Wohnungsnot neue Antworten gesucht. \u00bbDas kommt uns heute ja sehr bekannt vor.\u00ab Heute liegt die Hufeisensiedlung<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1111947.deutsche-wohnen-und-co-enteignen-naechster-mieterkampf-hufeisensiedlung.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> in der Hand des umstrittenen Konzerns Deutsche Wohnen<\/a>. In Berlin fehlen mehr als doppelt so viele Wohnungen wie nach dem Ersten Weltkrieg und eine Umverteilung des Besitzes von privaten Immobilieneigner*innen wird heute wie damals gefordert. Zum Hundertj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um feiert man nicht nur das aktuelle Leben in der Hufeisensiedlung. Sie erinnert auch daran, auf welche Geschichte der Kampf um faires Wohnen zur\u00fcckblicken kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gleichheit im Wohnen: Fassade des Hauptwohnkomplexes der Hufeisensiedlung. 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