{"id":303191,"date":"2025-07-29T14:07:18","date_gmt":"2025-07-29T14:07:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303191\/"},"modified":"2025-07-29T14:07:18","modified_gmt":"2025-07-29T14:07:18","slug":"us-gesundheitspolitik-wissenschaft-besorgt-ueber-kennedys-vogelgrippe-vorschlag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303191\/","title":{"rendered":"US-Gesundheitspolitik: Wissenschaft besorgt \u00fcber Kennedys Vogelgrippe-Vorschlag"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 29.07.2025 15:54 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Zwar hat sich die Vogelgrippe-Situation in den USA entspannt, doch ein Plan von Gesundheitsminister Kennedy hat Fachleute aufgeschreckt. Sie warnen davor, dass das Virus wiederkommen wird.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAls die Tiermedizinerin Meghan Davis von dem Vorsto\u00df von US-Gesundheitsminister Robert Kennedy h\u00f6rte, das Vogelgrippevirus frei in St\u00e4llen zirkulieren zu lassen, befand sie, das sei keine gute Idee. Zusammen mit einer weiteren Tiermedizinerin, einer Immunologin, einem Virologen und einer Expertin f\u00fcr Sicherheit im Gesundheitswesen beschloss die Professorin an der Johns Hopkins Universit\u00e4t in Baltimore in den USA, zu dem Thema zu forschen.<\/p>\n<p>    Freie Fahrt f\u00fcr das Virus?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKennedy hatte in einem Interview vorgeschlagen, man solle dar\u00fcber nachdenken, das Vogelgrippevirus in betroffenen Gefl\u00fcgelfarmen sich frei ausbreiten zu lassen. So k\u00f6nne man ihm zufolge sehen, welche Tiere \u00fcberleben und offenbar immun gegen das Virus sind. Mit diesen k\u00f6nnten dann weniger anf\u00e4llige Tiere gez\u00fcchtet werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas sei aus wissenschaftlicher Sicht keine gute Idee, warnt die Tier\u00e4rztin Davis. Denn in den erkrankten Tieren vermehre sich das Virus stark. &#8222;Die betroffenen V\u00f6gel sind quasi Virus-Fabriken. Je mehr man das Virus sich ausbreiten l\u00e4sst, desto mehr Gefl\u00fcgel und Wildv\u00f6gel werden krank&#8220;, so die Expertin f\u00fcr den Einfluss von Umweltbedingungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas gelte auch f\u00fcr Menschen, die mit Gefl\u00fcgel arbeiten und so mit dem Virus in Kontakt kommen. &#8222;Das ist eine echte Herausforderung, auch mit Blick auf eine m\u00f6gliche Pandemie.&#8220; Zurzeit gibt es keine Hinweise, dass das Virus von Mensch zu Mensch \u00fcbertragen wird. Die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden in den USA, aber auch in Europa, sehen bisher ein geringes Risiko f\u00fcr die Gesundheit der allgemeinen Bev\u00f6lkerung durch das Virus.<\/p>\n<p>    Virus ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn der renommierten Fachzeitschrift Science ver\u00f6ffentlichten Meghan Davis von der Johns Hopkins Universit\u00e4t und die anderen Fachleute nun einen <a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/science.adx8639\" title=\"Vogelgrippe USA\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Artikel<\/a>, in dem sie eindringlich vor der Strategie warnen, das Virus frei in den St\u00e4llen zirkulieren zu lassen. Es bestehe die Gefahr, dass sich das Virus durch den Kontakt mit Menschen weiter ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie aktuelle Strategie in den USA, aber auch in Europa, ist es daher, m\u00f6glichst zu verhindern, dass das Virus in die St\u00e4lle gelangt, sei es durch Wildv\u00f6gel, Arbeitsmaterial oder Menschen. Sollte es doch zu einem Ausbruch kommen, muss er nach aktuellen Vorgaben m\u00f6glichst schnell gestoppt werden. Das hei\u00dft: Die Gefl\u00fcgelbest\u00e4nde werden gekeult &#8211; es werden also alle Tiere des Betriebs get\u00f6tet und unsch\u00e4dlich beseitigt.<\/p>\n<p>    &#8222;Ma\u00dfnahme w\u00fcrde zu Gegenteil f\u00fchren&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAus Seuchenschutz-Sicht sei das eine sehr effektive Ma\u00dfnahme, sagt Timm Harder, Leiter des Nationalen Referenzlabors f\u00fcr Vogelgrippe am Friedrich-Loeffler-Institut. Den Vorschlag des US-Gesundheitsministers h\u00e4lt er dagegen f\u00fcr absurd. &#8222;Es hat mich sehr, sagen wir es mal zur\u00fcckhaltend, verbl\u00fcfft, wie man zu der Ansicht kommt&#8220;, so der Virologe. &#8222;So eine Ma\u00dfnahme w\u00fcrde genau ins Gegenteil dessen f\u00fchren, was die Initiatoren sich vorgestellt haben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin Grund: Grippe-Viren ver\u00e4ndern sich st\u00e4ndig. Auch Nachkommen von Gefl\u00fcgel, das nicht anf\u00e4llig f\u00fcr den aktuell kursierenden Virus-Typ ist und so die Durchseuchung \u00fcberleben w\u00fcrde, k\u00f6nnten in einigen Jahren wieder stark erkranken, da sich das Virus anpassen k\u00f6nnte, so Tiermedizinerin Meghan Davis. Das Virus ver\u00e4ndert sich nicht immer so, wie Menschen das vorhersehen w\u00fcrden. Als es in den USA beispielsweise einen Vogelgrippe-Ausbruch unter Milchk\u00fchen gab, waren selbst Fachleute \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>    Eigenschaften der Tiere k\u00f6nnten verloren gehen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd auch die Z\u00fcchtung des Gefl\u00fcgels ist nicht so einfach, wie sich das mancher offenbar vorstellt, sagt die Professorin f\u00fcr Umweltgesundheit. Wenn man nur Tiere zur Zucht verwendet, die offenbar immun gegen das aktuell kursierende Virus sind, k\u00f6nnten andere Eigenschaften der Tiere verloren gehen, die \u00fcber Generationen herangez\u00fcchtet wurden &#8211; etwa, wie schnell und vorhersehbar die Tiere wachsen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSie und ihre Kolleginnen wollen mit ihrer Publikation in Science f\u00fcr das Festhalten an einer wissenschaftlich fundierten Strategie gegen das Virus werben. &#8222;Unsere Sorge ist, dass es viel Druck von bestimmten Gruppen gibt und wir etwas Wissenschaftliches dagegenhalten m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p>    Unterschiede zwischen USA und Europa<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber auch wenn etwas aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist, schafft es nicht immer den Weg in die Praxis, wie zum Beispiel die Impfung gegen das Vogelgrippe-Virus: Seit 2023 ist in Europa ein Schutz gegen den Erreger verf\u00fcgbar. In Frankreich komme die Impfung zum Schutz von Enten-Farmen zum Einsatz, in den USA bisher allerdings nicht, sagt Davis. Das Problem sei dabei nicht die Impftechnik: &#8222;Das Problem sind die Handelsabkommen und die Politik rund um die Einf\u00fchrung und Verwendung der Impfung. Ob das jemals etwas wird, wei\u00df ich nicht.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nTimm Harder vom Friedrich-Loeffler-Institut sieht generell Unterschiede in der Herangehensweise in den USA und Europa. In den Vereinigten Staaten h\u00e4tten die Betriebe in Bezug auf den Umgang mit Tierseuchen deutlich mehr unternehmerische Freiheiten. Aktuell seien die Fallzahlen in den USA und auch in Europa zwar niedrig. Aber: &#8222;Das ist kein Signal, sich zur\u00fcckzulehnen und zu sagen: Aha, das Problem scheint sich ja von selbst zu l\u00f6sen&#8220;, so Harder.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn einer aktuellen <a href=\"https:\/\/www.efsa.europa.eu\/en\/efsajournal\/pub\/9508\" title=\"Vogelgrippe USA\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Studie<\/a> analysierte die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit EFA beispielsweise, \u00fcber welche Wege das Virus aus den USA eingetragen werden k\u00f6nnte &#8211; m\u00f6glich w\u00e4re das \u00fcber lebende Tiere wie Gefl\u00fcgel, Tierprodukte, vor allem aber \u00fcber Wildv\u00f6gel.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Ich glaube, wir m\u00fcssen weiterhin damit rechnen, dass uns dieses Virus auch in den n\u00e4chsten zehn Jahren gro\u00dfe Sorgen und gro\u00dfes Kopfzerbrechen bereiten wird&#8220;, sagt Timm Harder. Man werde nicht umhinkommen, die aktuellen Ma\u00dfnahmen aufrechtzuerhalten. &#8222;Die Ma\u00dfnahmen, die wir zum Beispiel im Bereich der Biosicherheit von Gefl\u00fcgelhaltung ergriffen haben, m\u00fcssen wir konsequent fortsetzen &#8211; auch wenn es schmerzhaft und teuer ist.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Herbst, wenn die Zugv\u00f6gel gro\u00dfe Wegstrecken hinter sich bringen, erwarten Fachleute wieder einen Anstieg der Infektionszahlen. Das besorgt auch Meghan Davis: &#8222;Wir d\u00fcrfen das Virus nicht aus den Augen lassen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 29.07.2025 15:54 Uhr Zwar hat sich die Vogelgrippe-Situation in den USA entspannt, doch ein Plan von Gesundheitsminister&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":303192,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[29,30,141,4612,232,64,10576],"class_list":{"0":"post-303191","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-gesundheit","11":"tag-gesundheitspolitik","12":"tag-health","13":"tag-usa","14":"tag-vogelgrippe"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114936915207198849","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/303191","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=303191"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/303191\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/303192"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=303191"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=303191"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=303191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}