{"id":303201,"date":"2025-07-29T14:12:13","date_gmt":"2025-07-29T14:12:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303201\/"},"modified":"2025-07-29T14:12:13","modified_gmt":"2025-07-29T14:12:13","slug":"maedchen-in-afghanistan-koranschule-muss-reichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303201\/","title":{"rendered":"M\u00e4dchen in Afghanistan: Koranschule muss reichen"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 29.07.2025 14:54 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Afghanistans M\u00e4dchen d\u00fcrfen nur sechs Jahre die Schule besuchen. Danach bleiben ihnen nur die Koranschulen. Deren Zahl w\u00e4chst stetig &#8211; doch welche Chancen er\u00f6ffnen sie den M\u00e4dchen?<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Stefanie Markert, ARD Neu-Delhi, zurzeit Leipzig\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Koranschule Aswatul-Quran<strong> <\/strong>in Kabul hat<strong> <\/strong>800 Sch\u00fcler. Drei Viertel, also 600 davon, sind M\u00e4dchen. Sie str\u00f6men morgens durch ein hellblaues Metalltor auf den Hof. Ihr Blick f\u00e4llt zuerst auf ein Plakat mit der strengen Kleiderordnung. Shukria h\u00e4lt sich dran. Sie tr\u00e4gt wie alle eine bodenlange schwarze Abaya mit pinkfarbenem Gesichtsschleier.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Ich danke dem Direktor, dass er die T\u00fcren f\u00fcr uns ge\u00f6ffnet hat. Ich habe zwei Jahre ohne Bildung zu Hause gesessen, da bekommt man mentale Probleme&#8220;, sagt die 17-J\u00e4hrige der ARD. Ihr Direktor habe nach der zw\u00f6lften Klasse Zeugnisse versprochen, einem Schulabschluss \u00e4quivalent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nShukria wollte Jura studieren. Aber als Muslim sollte man ja zuerst den Islam und dann modernes Wissen studieren, findet sie. Also fange sie mit der Scharia an, sei aber froh, in der Medrese lernen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>    Koranverse im Klassenraum<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Klassenraum sind die W\u00e4nde voller Koranverse. Die jungen Frauen kauern auf einem gebl\u00fcmten Teppich vor roten Plastikhockern, die nicht f\u00fcr alle reichen. Sie dienen als Tisch. Darauf schreiben alle flei\u00dfig mit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMoqadasa, 18 Jahre alt, kommt seit drei Monaten her. &#8222;Ich wollte \u00c4rztin werden. Diese Hoffnung habe ich noch. In der Medrese f\u00fchle ich nicht mehr, dass Schulen f\u00fcr M\u00e4dchen eigentlich verboten sind. So tr\u00e4ume ich weiter, eines Tages Doktor zu sein.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Moqadasa hat eine genaue Vorstellung von ihrer Zukunft. Aber im Bildungssystem der Taliban gibt es nur stark eingeschr\u00e4nkte M\u00f6glichkeiten f\u00fcr M\u00e4dchen und Frauen.\n                    <\/p>\n<p>    Welche Bildung reicht?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nJungs sind nicht in Sicht, die sind erst nachmittags dran. Auch von der Lehrerin sieht man kaum etwas &#8211; aus einem anderem Grund. Sie ist vollverschleiert in Pechschwarz, nur zwei bis drei Jahre \u00e4lter als ihre Sch\u00fclerinnen und hei\u00dft Rabia. Ihre F\u00e4cher aber sind modern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nRabia unterrichtet Computerkenntnisse und Englisch. &#8222;Bildung ist wichtig f\u00fcr M\u00e4dchen, denn sie werden in unserer Gesellschaft M\u00fctter sein&#8220;, sagt sie. In der Koranschule w\u00fcrden die M\u00e4dchen &#8222;in islamischer Atmosph\u00e4re Religion und Wissenschaft&#8220; lernen. Damit w\u00fcrden auch &#8222;die Wurzeln der Wissenschaft im Koran&#8220; vermittelt. &#8222;Diese Studien reichen f\u00fcr die M\u00e4dchen&#8220;, befindet die Lehrerin.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSie best\u00e4tigt jedoch ein Vakuum, eine riesige Bildungsl\u00fccke f\u00fcr die M\u00e4dchen. Die k\u00f6nnte mit dem Koranschulen-Abschluss ein St\u00fcck weit geschlossen werden und sie dazu bef\u00e4higen, durchaus Eignungspr\u00fcfungen an einer Uni zu bestehen. Nur sind M\u00e4dchen bislang grunds\u00e4tzlich aus Hochschulen verbannt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Lehrerin beschwichtigt und wird dann doch mutig: &#8222;Was das Islamische Emirat anordnet, sollten wir akzeptieren. Aber es sollte die Schult\u00fcren f\u00fcr M\u00e4dchen \u00f6ffnen. Das w\u00e4re gut f\u00fcr Regierung und Volk.&#8220;<\/p>\n<p>    Mehr als nur die reine Lehre<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Vorzeige-Medrese gibt es seit zwei Jahren. Auch Mathematik und afghanische Geschichte stehen auf dem Lehrplan.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSie ist die erste in Kabul, die den M\u00e4dchen mehr bietet als Koran, Scharia und Arabisch, mehr als Instruktionen \u00fcber h\u00e4usliche Pflichten, Gehorsamkeit in der Ehe und Erziehung von Mudschahed-Kindern, heiligen Kriegern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie M\u00e4dchen danken es vor der Kamera der ARD mit teils identischen Lobeshymnen.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Seit sie 2021 an die Macht kamen, haben die Taliban Frauen und M\u00e4dchen nach und nach aus Schulen und Hochschulen verdr\u00e4ngt. Eine Lehrerin sagt dennoch, das Angebot der Koranschulen reiche.\n                    <\/p>\n<p>    Koranschulen boomen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nTaliban-Tugendminister Khalid Hanafi will die Medresen aufwerten: &#8222;Absolventen der Universit\u00e4t Kabul, \u00c4rzte, Ingenieure und andere Spezialisten sollten nicht auf einen Absolventen herabschauen, der eine Medrese abgeschlossen hat. Und Studenten Islamischer Seminare sollten nicht auf jene mit Hochschulbildung herabschauen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeit der Taliban-Macht\u00fcbernahme hat sich die Zahl der Koranschulen vervierfacht, auf mehr als 20.000. Damit gibt es in Afghanistan nun mehr religi\u00f6se als weltliche Schulen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAllein im vergangenen Schuljahr seien rund eine Million Kinder in Medresen angemeldet worden, so Afghanistans Vize-Bildungsminister Karamatullah Akhundzada im September 2024. Das macht insgesamt mehr als 3,5 Millionen Lernende. An mancher Medrese sind es zu 90 Prozent M\u00e4dchen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn den Provinzen scheinen sich die Verwaltungschefs einen regelrechten Wettbewerb zu liefern, wer die meisten Medresen baut &#8211; auch zum Erhalt der eigenen, lokalen Macht. Denn die Jungs werden dort zu fundamentalistischen Rekruten erzogen, das sagen zumindest Beobachter.<\/p>\n<p>    Viele M\u00e4dchen nur mit Grundkenntnissen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Exekutivdirektorin des Kinderhilfswerks UNICEF, Catherine Russell, macht indes eine andere Rechnung auf: Bestehe der Oberschulbann bis 2030 weiter, h\u00e4tten mehr als vier Millionen afghanische M\u00e4dchen nur Basiswissen. Das h\u00e4tte verheerenden Folgen f\u00fcr Afghanistans Zukunft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm privaten Kabuler TV-Sender Tolonews gab es zum Jahreswechsel eine Sendung zur &#8222;Lage der Frau&#8220; am Hindukusch. Najmul Sama Shafajo, Pr\u00e4sidentin der afghanischen Gesellschaft f\u00fcr Geburtshilfe und Gyn\u00e4kologie, fand dort klare Worte \u00fcber die Folgen der Bildungspolitik. &#8222;Es ist eine Herausforderung f\u00fcr die Frauen. Sie haben keinen Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Das wirkt sich auf die hohe M\u00fcttersterblichkeit aus.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie liege, so die Gyn\u00e4kologin, im Vergleich zu Bangladesch vier Mal und zu Indien sechs Mal h\u00f6her. Wenn die Regierung auf dem Hijab, also der Trennung von Mann und Frau, bestehe, solle sie daran denken, dass eine Frau zu einer \u00c4rztin gehen muss, nicht zu einem Arzt. Doch die Studienbeschr\u00e4nkungen f\u00fchren zu einem Mangel an \u00c4rztinnen.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Mittags verlassen die M\u00e4dchen die Koranschule &#8211; am Nachmittag werden dann die Jungen unterrichtet.\n                    <\/p>\n<p>    Segen oder Fluch?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch Anisa, 18, will genau das: \u00c4rztin werden. Doch mit den Taliban habe sich alles ge\u00e4ndert. Ihre Augen gucken entschlossen \u00fcber eine Mund-Nase-Maske. Sie klammert sich an ihren letzten Strohhalm, ihre Medrese.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wir sind sehr gl\u00fccklich, weil wir hier weiter lernen k\u00f6nnen. Ich hoffe, es werden noch mehr gute Dinge in Afghanistan geschehen. Denn viele M\u00e4dchen haben ihre Hoffnung verloren. Nun hoffen wir auf neue Koranschulen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch welche Zukunft die Medresen den wissbegierigen M\u00e4dchen verhei\u00dfen, steht auf einem anderen Blatt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 29.07.2025 14:54 Uhr Afghanistans M\u00e4dchen d\u00fcrfen nur sechs Jahre die Schule besuchen. 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