{"id":303355,"date":"2025-07-29T15:33:10","date_gmt":"2025-07-29T15:33:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303355\/"},"modified":"2025-07-29T15:33:10","modified_gmt":"2025-07-29T15:33:10","slug":"die-rente-mit-63-gehoert-dringend-abgeschafft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303355\/","title":{"rendered":"\u201eDie Rente mit 63 geh\u00f6rt dringend abgeschafft\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspBWlv\"><strong>Herr Stettes, Wirtschaftsministerin Reiche hat mit ihrer Aussage, die Deutschen m\u00fcssten mehr und l\u00e4nger arbeiten, viel Widerspruch provoziert. Vertragen die Menschen keine unbequemen Wahrheiten mehr?<\/strong><br \/>Ich f\u00fcrchte, dass die meisten Menschen den Vorwurf heraush\u00f6ren, sie w\u00e4ren faul. Daher die Aufregung. Aber die kalte Diagnose ist: Im Schnitt arbeiten die Menschen relativ wenig Stunden, das hat viel damit zu tun, dass viele Besch\u00e4ftigte in Teilzeit sind. Und die Deutschen gehen sehr oft vorzeitig in den Ruhestand. Zusammen ist das h\u00f6chst bedenklich. Wenn es so weitergeht, werden wir angesichts des dramatischen demographischen Wandels irgendwann vor leeren Kassen stehen, weil viel zu wenige Arbeitsstunden geleistet werden. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/oliver-stettes-arbeitsmarktexperte-des-instituts-der-deutschen-wirtschaft-iw.jpeg\"   alt=\"\" width=\"767\" height=\"767\" loading=\"lazy\" class=\"tspAUhq\"\/><\/p>\n<p class=\"tspCBng\"><strong>Oliver Stettes<\/strong> Oliver Stettes ist Leiter des Themenclusters Arbeitswelt und Tarifpolitik beim Institut der deutschen Wirtschaft<\/p>\n<p class=\"tspBWlv\"><strong>Die Statistik l\u00e4sst sich aber auch so lesen, dass viele Menschen, in der Praxis meist Frauen, wenigstens in Teilzeit arbeiten statt ganz zu Hause zu bleiben. Mehr geht oft nicht, wenn auch noch Familienpflichten warten.<\/strong><br \/>Die Politik feiert gro\u00df, wenn Rekorde bei der Zahl der Erwerbst\u00e4tigkeit zu verk\u00fcnden sind. Teilzeitbesch\u00e4ftigung hat hierzu wesentlich beigetragen, das ist anzuerkennen. Aber wir gewinnen durch diese Rekorde nur verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenige Arbeitsstunden. Umgekehrt werden wir durch die Demographie sehr viele Arbeitsstunden verlieren. Die Politik muss dringend aktiv werden, da hat Frau Reiche Recht. <\/p>\n<blockquote class=\"tspCPos\">\n<p>Wenn das System kollabiert, ist die Rente \u00fcbrigens auch f\u00fcr diejenigen, die schon im Ruhestand sind, nicht mehr sicher.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspCPot\">\u00d6konom Oliver Stettes<\/p>\n<p class=\"tspBWlv\"><strong>Was ist zu tun?<\/strong><br \/>Die gr\u00f6\u00dfte Stellschraube ist, zu verhindern, dass so viele Menschen wie derzeit vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden. Die Rente mit 63, also die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, geh\u00f6rt dringend abgeschafft. Von diesem Modell profitieren \u00fcbrigens nicht besonders diejenigen in k\u00f6rperlich sehr harten Berufen. Die k\u00f6nnen sich n\u00e4mlich meistens gar nicht leisten, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, sondern das tun diejenigen mit besseren Geh\u00e4ltern. Au\u00dferdem m\u00fcssen Kinderbetreuung und Pflege gest\u00e4rkt werden, damit \u2013 Stichwort Familienpflichten \u2013 die Menschen \u00fcberhaupt mehr Stunden arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Die \u201eRente mit 63\u201c <\/p>\n<p class=\"tspBWlv\">Im Volksmund wird sie \u201eRente mit 63\u201c genannt: die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Als das Modell 2014 eingef\u00fchrt wurde, konnten Versicherte tats\u00e4chlich mit 63 Jahren in Rente gehen \u2013 sofern sie 1951 oder fr\u00fcher geboren waren. F\u00fcr j\u00fcngere Jahrg\u00e4nge steigt die Altersgrenze schrittweise an, am Ende wird sie f\u00fcr alle ab Jahrgang 1964 bei 65 Jahren liegen. Derzeit liegt die Grenze bereits bei \u00fcber 64 Jahren.<\/p>\n<p class=\"tspBWlv\"><strong>In Sachen Rente beten alle Fachleute die gleichen Reformoptionen herunter. Auch die Punkte, wo es Dissens gibt, sind l\u00e4ngst ausdiskutiert. Die Regierung aber beruft erst einmal eine Kommission ein. Ist das Reformverweigerung?<\/strong><br \/>Es ist gut und sch\u00f6n, wenn die Regierung eine Kommission \u00fcber die Zeit ab 2035 oder 2040 nachdenken l\u00e4sst. Das hilft uns aber im Hier und Jetzt herzlich wenig. Bis dahin sind sehr viele aus der Boomer-Generation l\u00e4ngst im Ruhestand. Wir wissen, dass etwa die H\u00e4lfte eines Jahrgangs auf dem einen oder anderen Weg vorzeitig in Rente geht. 2023 wurde sogar noch die Hinzuverdienstgrenze abgeschafft, was einen starken Anreiz setzt, vorzeitig in Rente zu gehen und obendrauf weiter zu arbeiten. Das ist angesichts der demographischen Realit\u00e4t der reine Unfug und geh\u00f6rt dringend abgestellt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/schwarz-rote-plane-im-check-wie-die-rente-tatsachlich-zu-retten-ware-13574821.html?icid=single-topic_14099270___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCOom\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kleine Schritte statt Riesenreform Experten erkl\u00e4ren, wie die Rente tats\u00e4chlich zu retten w\u00e4re <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBWlv\"><strong>Bis 2031 steigt das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre. Gen\u00fcgt das?<\/strong><br \/>Unser Rentensystem, so wie es ist, wird nicht mehr lange tragf\u00e4hig sein. Das gilt auch f\u00fcr die anderen Sozialversicherungen. Wenn das System kollabiert, ist die Rente \u00fcbrigens auch f\u00fcr diejenigen, die schon im Ruhestand sind, nicht mehr sicher. Wir kommen an dem Umstand nicht vorbei, dass wir Menschen zumuten m\u00fcssen, l\u00e4nger zu arbeiten. Zumindest erstmal bis 67, perspektivisch aber auch noch l\u00e4nger. Wenn die Politik das nicht sieht, werden die Konsequenzen sehr, sehr hart.<\/p>\n<p> Mehr zum Thema bei Tagesspiegel Plus <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/wir-mussen-mehr-und-langer-arbeiten-die-umstrittene-ausserung-von-wirtschaftsministerin-reiche-im-faktencheck-14094476.html?icid=topic-list_14099270___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCOom\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eWir m\u00fcssen mehr und l\u00e4nger arbeiten\u201c  Die umstrittene \u00c4u\u00dferung von Wirtschaftsministerin Reiche im Faktencheck <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/in-osterreich-ist-alles-besser-wo-in-der-rentendebatte-geflunkert-wird-13687225.html?icid=topic-list_14099270___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCOom\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eEintrittsalter bald bei 70\u201c Die f\u00fcnf dreistesten Renten-L\u00fcgen \u2013 und was wirklich stimmt <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/kompliziert-langwierig-hochstrittig-so-konnte-es-klappen-beamte-in-die-gesetzliche-rente-zu-holen-13672930.html?icid=topic-list_14099270___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCOom\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kompliziert, langwierig, hochstrittig So k\u00f6nnte es klappen, Beamte in die gesetzliche Rente zu holen <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBWlv\"><strong>Das Modell Minijob h\u00e4lt viele Menschen davon ab, mehr als nur ein paar Stunden zu arbeiten. Muss es abgeschafft werden?<\/strong><br \/>Der gro\u00dfe Aufwuchs bei den Minijobs kam in den vergangenen Jahren durch Menschen, die eine Anstellung haben und sich einen Minijob nebenbei suchen. Das ist f\u00fcr die Sozialversicherungen ein gro\u00dfes Problem, denn f\u00fcr Minijobs fallen ja kaum Abgaben an. Also ja: Das Modell kann nicht bleiben, wie es ist, angesichts der Tatsache, dass \u00fcberall Fachkr\u00e4fte fehlen und viele Unternehmen sicher liebend gern das Stundenvolumen ihrer Teilzeitkr\u00e4fte erh\u00f6hen w\u00fcrden.<\/p>\n<p> Lesermeinungen zum Artikel <\/p>\n<p class=\"tspBWlv\">\u201eEines ist ganz sicher: Man kann sich zwar \u00fcber den Sinn jeder einzelnen Ma\u00dfnahme ausgiebig streiten und ideal bzw. sch\u00f6n davon ist nichts, aber wenn buchst\u00e4blich gar nichts ge\u00e4ndert wird, wird das <strong>Rentensystem<\/strong> (und die Pflege, das Gesundheitssystem und das B\u00fcrgergeld) <strong>zusammenbrechen<\/strong>.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich wird<strong> es erst dann, wenn alle verlieren<\/strong> und grunds\u00e4tzlich alles in Frage gestellt ist, eine <strong>Bereitschaft<\/strong> geben, dass <strong>jeder Zugest\u00e4ndnisse macht<\/strong> bzw. etwas gibt. Erst wenn alle bei Null ankommen, wird die Bereitschaft zur Einsicht da sein, dass etwas weniger von relativ viel immer noch mehr ist als gar nichts.\u201c <strong>Diskutieren Sie \u00fcber folgenden Link mit <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/arbeitsmarkt-okonom-uber-die-aufregung-um-reiche-die-rente-mit-63-gehort-dringend-abgeschafft-14099270.html?commentId=b01cb283-483e-44d0-ad5b-5db56c92214a\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">Ilaria<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Stettes, Wirtschaftsministerin Reiche hat mit ihrer Aussage, die Deutschen m\u00fcssten mehr und l\u00e4nger arbeiten, viel Widerspruch provoziert.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":303356,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[380,87981,29,30,13,87132,14,15,9221,379,12,6620,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-303355","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-arbeitsmarktpolitik","9":"tag-demographie","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-headlines","13":"tag-lebensarbeitszeit","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-pflege","17":"tag-rente","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-sozialpolitik","20":"tag-top-news","21":"tag-top-meldungen","22":"tag-topmeldungen","23":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114937253703747351","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/303355","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=303355"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/303355\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/303356"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=303355"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=303355"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=303355"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}