{"id":303401,"date":"2025-07-29T16:01:08","date_gmt":"2025-07-29T16:01:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303401\/"},"modified":"2025-07-29T16:01:08","modified_gmt":"2025-07-29T16:01:08","slug":"karl-schloegel-ist-der-friedenspreis-fuer-karl-schloegel-eine-gute-entscheidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303401\/","title":{"rendered":"Karl Schl\u00f6gel: Ist der Friedenspreis f\u00fcr Karl Schl\u00f6gel eine gute Entscheidung?"},"content":{"rendered":"<p>        Ja, unbedingt        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">sagt Alexander Cammann\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Es ist ein Zeichen gegen das schleichende Gift der Gew\u00f6hnung: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/literatur\/2025-07\/historiker-karl-schloegel-wird-mit-friedenspreis-geehrt\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der Osteuropahistoriker Karl Schl\u00f6gel erh\u00e4lt den diesj\u00e4hrigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.<\/a> Damit erh\u00e4lt nach der amerikanisch-polnischen Journalistin Anne Applebaum im vergangenen Jahr und dem ukrainischen Schriftsteller Serhij Zhadan 2022 erneut ein Intellektueller diesen Preis, der sich fr\u00fch und leidenschaftlich f\u00fcr eine militante Solidarit\u00e4t mit der von Putins Russland \u00fcberfallenen <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/krieg-in-ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ukraine<\/a> ausgesprochen hat.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das ist ein mutiges Signal des B\u00f6rsenvereins in einer Zeit, in der nicht mehr nur Alice Schwarzer und Sahra Wagenknecht, um des vermeintlichen &#8222;Friedens&#8220; willen, gegen eine angebliche &#8222;Kriegslogik&#8220; agitieren, also das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung gegen einen Aggressor. Sondern dieses Recht auch aus Washington, D. C. torpediert wird, bis es zumindest wackelig wirkt, in einer Zeit, in der das emp\u00f6rte Engagement so vieler Europ\u00e4er allm\u00e4hlich entschlafen ist und in der mehr Menschen achselzuckend sagen: Was geht uns dieser ferne Krieg an?\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Entscheidung f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/karl-schloegel\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karl Schl\u00f6gel<\/a> erinnert auch daran, dass man den Friedenspreis nie mit einem Preis f\u00fcr Pazifismus verwechseln durfte: Schl\u00f6gels Engagement f\u00fcr eine milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung des Westens f\u00fcr die \u00dcberfallenen beruht keineswegs auf den Tr\u00e4umereien eines Moralisten, sondern stammt auch aus der realistischen Einsicht des Historikers, der sich \u00fcber die dauerhafte Bedrohung des Friedens durch das russische Imperium nach einer m\u00f6glichen Halbierung der Ukraine keinen Illusionen hingibt.\u00a0\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0ZEIT ONLINE<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Nat\u00fcrlich intelligent<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">K\u00fcnstliche Intelligenz ist die wichtigste Technologie unserer Zeit. Aber auch ein riesiger Hype. Wie man echte Durchbr\u00fcche von hohlen Versprechungen unterscheidet, lesen Sie in unserem KI-Newsletter.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a><br \/>\n     zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Dass die Preisgabe der Ukraine dennoch eine ideelle Kapitulation des Westens w\u00e4re, wei\u00df niemand besser als Schl\u00f6gel. Der 1948 geborene Osteuropahistoriker hat viele preisgekr\u00f6nte, so bahnbrechende wie stilistisch brillante B\u00fccher zur russischen Geschichte geschrieben, zuletzt auch \u00fcber Amerika. Als einer der Ersten ist er seit den fr\u00fchen 1980er-Jahren neugierig nicht nur durch die Archive, sondern als intellektueller Reporter durch Russlands Weiten gestreift, auf der Suche nach den Mentalit\u00e4ten, auch in Literatur und Kunst: dem stalinistischen, dem postsowjetischen, dem dissidentischen Geist, vor allem nach dem immer wieder aufbegehrenden Russland jenseits der ewigen brutalen Macht, auf das er seine Hoffnungen setzt. Aus diesen Erfahrungen der vom Westen so oft ignorierten Unterdr\u00fcckten speisen sich Schl\u00f6gels \u00fcber die Jahrzehnte entstandenes Werk und seine Sensibilit\u00e4t gegen\u00fcber deren Kampf um einen Frieden, der mehr bietet als jene osteurop\u00e4ische Friedhofsruhe vor 1989. Daher gibt es 2025 keinen besseren Friedenspreistr\u00e4ger als <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/karl-schloegel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karl Schl\u00f6gel<\/a>. In der Nacht vor der Bekanntgabe wurden 22 ukrainische Zivilisten durch russische Angriffe get\u00f6tet.\n<\/p>\n<p>                        Nein, bitte nicht        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">sagt Peter Neumann\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wieder also eine Stimme, die<br \/>\nsich in der Ukraine-Frage durch entschiedene Kriegsrhetorik hervorgetan<br \/>\nhat. Nach Serhij Zhadan und Anne Applebaum erh\u00e4lt nun Karl Schl\u00f6gel den<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/friedenspreis-des-deutschen-buchhandels\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedenspreis des Deutschen Buchhandels<\/a>. Alle drei: f\u00fcr sich genommen<br \/>\nhoch respektabel, ohne Zweifel. Und dennoch wirkt die Auswahl der<br \/>\nvergangenen Jahre frappierend einseitig.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Schl\u00f6gel<br \/>\n geh\u00f6rte zu den Ersten, die eine Flugverbotszone forderten; er warf<br \/>\njenen Intellektuellen &#8222;Verrat&#8220; vor, die etwa wie der Philosoph J\u00fcrgen<br \/>\nHabermas zu mehr Besonnenheit mahnten. Habermas, daran muss erinnert<br \/>\nwerden, war auch f\u00fcr Waffenlieferungen an die Ukraine, verlangte aber<br \/>\nzugleich einen Plan f\u00fcr rechtzeitige Friedensverhandlungen. W\u00e4hrend im<br \/>\nsendungsbewussten Westen die Rufe nach immer neuen Waffen, nach<br \/>\nKampfjets, U-Booten, lauter wurden, pl\u00e4dierte er f\u00fcr eine europ\u00e4ische<br \/>\nAgenda mit klaren Zielsetzungen. Schl\u00f6gel hingegen erkl\u00e4rte noch j\u00fcngst<br \/>\nbei der Verleihung des Gerda-Henkel-Preises, Deutschland m\u00fcsse &#8222;alles<br \/>\ntun&#8220;, um der Ukraine im Abwehrkampf zu helfen. Putin habe, so Schl\u00f6gel,<br \/>\n&#8222;alles in den Schatten gestellt, was man nicht einmal einem D\u00e4mon<br \/>\nzutraut&#8220; \u2013 und er sprach nicht nur von &#8222;Putins Krieg&#8220;, sondern von einem<br \/>\n &#8222;russischen Krieg&#8220;.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die<br \/>\n Jury muss sich fragen lassen, ob sie ihrem Statut nachkommt, in dem es<br \/>\nhei\u00dft, der Preis diene &#8222;dem Frieden, der Menschlichkeit und der<br \/>\nVerst\u00e4ndigung der V\u00f6lker&#8220;. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2024-10\/friedenspreis-deutscher-buchhandel-anne-applebaum-rede\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Auch Applebaum nutzte ihre Friedenspreisrede<br \/>\nf\u00fcr einen flammenden Appell zur Unterst\u00fctzung der Ukraine.<\/a> Zhadan<br \/>\nschloss sich im vergangenen Jahr gar der Nationalgarde an und ist<br \/>\nseither f\u00fcr milit\u00e4risch-zivile Kommunikation an der Ostfront zust\u00e4ndig.<br \/>\nAuf die Frage, wie der Krieg ihn ver\u00e4ndert habe, sagte er einmal, es<br \/>\ngehe ihm besser, wenn er unter Gleichgesinnten sei. Alles andere habe an<br \/>\n Gewicht verloren. Auch die Literatur, das Schreiben.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Dass<br \/>\n man der Ukraine helfen muss, ist unstrittig. Aber wenn der<br \/>\nFriedenspreis nur noch jenen verliehen wird, die lautstark Waffen<br \/>\nfordern, gibt er seinen eigenen Anspruch auf. Erst k\u00fcrzlich forderten<br \/>\nsechs Intellektuelle in der ZEIT, unter ihnen der Soziologe Hartmut<br \/>\nRosa, die Schriftstellerin Juli Zeh und die Rechtsphilosophin Frauke<br \/>\nRostalski, beim Thema Krieg d\u00fcrfe man nicht dieselben Fehler wie w\u00e4hrend<br \/>\n der Coronapandemie begehen: Man m\u00fcsse reden, diskutieren, gerade weil<br \/>\nes sich um Triggerpunkte handelt. Mit ihrer Entscheidung f\u00fcr Karl<br \/>\nSchl\u00f6gel hat die Jury der Unterst\u00fctzung der Ukraine einen B\u00e4rendienst<br \/>\nerwiesen. Man muss Frieden nicht mit Pazifismus verwechseln, um zu<br \/>\nerkennen, dass es jenseits der einge\u00fcbten Diskurslogiken ein Denken<br \/>\ngibt, das sich nicht immer gleich in Maximalforderungen ersch\u00f6pft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ja, unbedingt sagt Alexander Cammann Es ist ein Zeichen gegen das schleichende Gift der Gew\u00f6hnung: Der Osteuropahistoriker Karl&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":303402,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,3100,15578,13,87984,1435,80,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-303401","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-autor","11":"tag-frieden","12":"tag-headlines","13":"tag-karl-schloegel","14":"tag-krieg-in-der-ukraine","15":"tag-kultur","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114937363586944453","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/303401","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=303401"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/303401\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/303402"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=303401"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=303401"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=303401"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}