{"id":303412,"date":"2025-07-29T16:07:11","date_gmt":"2025-07-29T16:07:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303412\/"},"modified":"2025-07-29T16:07:11","modified_gmt":"2025-07-29T16:07:11","slug":"zoll-abkommen-mit-der-eu-ja-was-habt-ihr-denn-von-trump-erwartet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303412\/","title":{"rendered":"Zoll-Abkommen mit der EU: Ja, was habt ihr denn von Trump erwartet?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der US-Pr\u00e4sident zieht die EU \u00fcber den Tisch, weil er es kann. W\u00fctend muss man nicht \u00fcber seine Ruchlosigkeit sein. Sondern \u00fcber unsere Schw\u00e4chen.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Erpresser macht Erpresser-Sachen. Ein wirtschaftlich v\u00f6llig Unterbelichteter macht wirtschaftlich v\u00f6llig unterbelichtete Sachen. Ein milit\u00e4risch arg Schutzloser macht Sachen, die sein Schutzherr verlangt. So weit, so klar, eigentlich keine \u00dcberraschung.<\/p>\n<p>Aber warum sind jetzt nahezu alle so bass erstaunt und geradezu w\u00fctend, dass Donald Trump die Europ\u00e4ische Union bei der Zoll-Einigung \u00fcber den Tisch gezogen hat? &#8222;Niederlage&#8220;, &#8222;Unterwerfung&#8220;, &#8222;Desaster&#8220; &#8211; Politiker und Medien \u00fcberbieten sich in ihren Verrissen. Allein: Was hat man denn erwartet? Bei der Ausgangs- und Verhandlungslage. <\/p>\n<p>Zur f\u00fcglichen Erinnerung: Donald Trump hat nur getan, was er meistens tut. Er hat die Schw\u00e4chen seiner Gegen\u00fcber gesehen, sie zu seinem Vorteil ausgenutzt und es dann gen\u00fcsslich zelebriert. Das ist seine &#8222;Art of the Deal&#8220;, seine Ego-Best\u00e4tigung, sein Narzissmus. Sein Weg ist, die Regeln, in diesem Fall die des freien Welthandels, mit F\u00fc\u00dfen zu treten, wenn es kurzzeitigen politischen und vor allem: einen pers\u00f6nlichen Image-Vorteil verspricht. Dass es am Ende gerade auch zum wirtschaftlichen Schaden seines Landes sein wird &#8211; egal, denn das liegt ja in der Zukunft. Dass am Ende gerade &#8222;seine&#8220; Amerikaner die Zeche zahlen werden \u00fcber Zoll-getriebene Inflation im ganz normalen Ladenregal &#8211; egal, denn auch das liegt in der Zukunft und es wird sich schon ein S\u00fcndenbock finden lassen. Darin ist Donald Trump Meister.<\/p>\n<p>Trump hat zwei Dinge verkn\u00fcpft<\/p>\n<p>Die EU kann lediglich (aber immerhin) f\u00fcr sich verbuchen, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist. Und das w\u00e4re es. Sie kann auch hinter der Hand darauf verweisen, dass die dreistelligen Milliardenzusagen f\u00fcr K\u00e4ufe und Investitionen blo\u00dfe Luftbuchungen sind, weil die EU nicht kauft, nicht einmal ihre Staaten. Es sind Unternehmen, und die werden durch Zusagen nicht gebunden. Diesen Trick hat in Trumps erster Amtszeit der damalige EU-Kommissionschef Juncker auch schon benutzt. Damals ging es um Soja-K\u00e4ufe, von denen danach nicht mehr viel zu h\u00f6ren war. <\/p>\n<p>Trotzdem stimmt: Dass die EU mit 450 Millionen Konsumenten und erheblichem Wohlstand einknickte vor einem US-Markt mit gut 340 Millionen Konsumenten, erscheint r\u00e4tselhaft. Vielleicht hat sich der eine oder andere davon in die Irre f\u00fchren lassen, dass die EU tats\u00e4chlich weitgehend einig mit einer Stimme gesprochen hat &#8211; ihre \u00f6konomischen PS also halbwegs komplett auf die Stra\u00dfe brachte. Doch so stark die EU auf dem einen Feld erscheint, so schwach ist sie auf dem anderen, dem milit\u00e4rischen. Der US-Pr\u00e4sident hat nicht gez\u00f6gert, beides zu seinem Vorteil zu verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Seine Logik dabei ist leider so abwegig nicht: Wenn die Europ\u00e4er zu wenig in der Nato &#8222;Schutzgeld&#8220; an die USA zahlen, dann sollen sie es gef\u00e4lligst \u00fcber die Z\u00f6lle tun. Denn eines schaffen die Z\u00f6lle ja: zumindest f\u00fcr eine gewisse Zeit lang, frisches Geld in die amerikanische Staatskasse zu sp\u00fclen. Zwar wird das nur einen sehr kleinen Teil des Loches stopfen, das Trump mit seiner Haushaltspolitik bis zum Horizont rei\u00dft &#8211; aber auch das r\u00e4cht sich erst in einiger Zeit, siehe oben.<\/p>\n<p> Milit\u00e4risch zu schwach<\/p>\n<p>So erstaunlich die Reaktion auf die Niederlage der Europ\u00e4er hierzulande also ist &#8211; mindestens so \u00e4rgerlich ist sie auch. Denn viele, die jetzt wehklagen, werden sehr, sehr einsilbig, sobald es um die Schlussfolgerungen geht. <\/p>\n<p>Wenn die EU milit\u00e4risch zu schwach ist, um mit einem eingeschr\u00e4nkten Schutzversprechen der USA zu leben &#8211; dann m\u00fcsste sie mehr Geld und Willen in die eigene Aufr\u00fcstung stecken. Wenn die EU an vielen Stellen an internationaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit eingeb\u00fc\u00dft hat, dann m\u00fcsste sie \u00fcber weniger (Klimaschutz-)B\u00fcrokratie nachdenken und gerade in Deutschland auch \u00fcber einen anderen Sozialstaat, der nicht hohe Kosten auf den Faktor Arbeit packt. Gegen beide \u00dcberlegungen regt sich massiver Widerstand, paradoxerweise besonders bei jenen, die sich \u00fcber Donald Trumps St\u00e4rke und R\u00fccksichtslosigkeit besonders aufregen.<\/p>\n<p>Ihnen sei gesagt: Seine St\u00e4rke ist in Wahrheit unsere Schw\u00e4che. Donald Trump werden wir nicht \u00e4ndern. Wir k\u00f6nnen nur uns selbst \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der US-Pr\u00e4sident zieht die EU \u00fcber den Tisch, weil er es kann. 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