{"id":303497,"date":"2025-07-29T16:52:17","date_gmt":"2025-07-29T16:52:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303497\/"},"modified":"2025-07-29T16:52:17","modified_gmt":"2025-07-29T16:52:17","slug":"genetische-grundlagen-des-stotterns-aufgedeckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/303497\/","title":{"rendered":"Genetische Grundlagen des Stotterns aufgedeckt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wer stottert, leidet oft unter erheblichen sozialen Einschr\u00e4nkungen. Nun haben Forschende mit einer genomweiten Assoziationsstudie 48 Gene identifiziert, die mit dem Stottern in Verbindung stehen. Die Ergebnisse deuten auf einen genetischen Zusammenhang zu anderen Erkrankungen wie Autismus und Depressionen hin. Auch ein Gen, das f\u00fcr das Rhythmusgef\u00fchl verantwortlich ist, weist bei stotternden Menschen typischerweise Variationen auf. Die neuen Erkenntnisse k\u00f6nnen dazu beitragen, die Stigmatisierung Betroffener zu verringern. Zudem k\u00f6nnten sie zur Entwicklung neuer therapeutischer Ans\u00e4tze beitragen.<\/strong><\/p>\n<p>Mit mehr als 400 Millionen Betroffenen weltweit ist Stottern die h\u00e4ufigste Sprachflussst\u00f6rung. Typische Auspr\u00e4gungen sind Silben- und Wortwiederholungen, Lautverl\u00e4ngerungen und Pausen zwischen den W\u00f6rtern. Meist tritt die St\u00f6rung im Alter von zwei bis f\u00fcnf Jahren erstmals auf, wobei das Problem bei 80 Prozent der Kinder spontan oder begleitet von Sprachtherapie verschwindet. In einigen F\u00e4llen bleibt das Stottern allerdings bis ins Jugend- und Erwachsenenalter bestehen, insbesondere bei M\u00e4nnern. Obwohl bereits bekannt ist, dass Stottern vererbt werden kann, sind die Ursachen noch weitgehend unklar.<\/p>\n<p>Genetischen Risikofaktoren auf der Spur<\/p>\n<p>\u201eNiemand versteht wirklich, warum jemand stottert; es ist ein v\u00f6lliges R\u00e4tsel. Und das gilt f\u00fcr die meisten Sprach- und Sprechst\u00f6rungen. Sie sind stark unterforscht, weil sie niemanden ins Krankenhaus bringen, aber sie k\u00f6nnen enorme Auswirkungen auf die Lebensqualit\u00e4t der Betroffenen haben\u201c, sagt Jennifer Below von der Vanderbilt University in Tennessee. \u201eWir m\u00fcssen die Risikofaktoren f\u00fcr Sprach- und Sprechst\u00f6rungen verstehen, damit wir sie bei Kindern fr\u00fchzeitig erkennen und diejenigen, die es w\u00fcnschen, angemessen behandeln k\u00f6nnen.\u201c Gemeinsam mit einem Team um Erstautorin Hannah Polikowsky hat Below daher die genetischen Daten von fast 100.000 Stotternden und mehr als einer Million Kontrollpersonen analysiert.<\/p>\n<p>Dabei identifizierten die Forschenden 57 Stellen auf 48 Genen, die bei stotternden Menschen ver\u00e4ndert sind. Anhand von zwei unabh\u00e4ngigen Kohorten best\u00e4tigte das Team, dass die genetischen Variationen in diesen Bereichen tats\u00e4chlich mit einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr Stottern in Verbindungen stehen. \u201eSeit Jahrhunderten gibt es falsche Vorstellungen dar\u00fcber, was Stottern verursacht \u2013 von Linksh\u00e4ndigkeit \u00fcber Kindheitstraumata bis hin zu \u00fcberf\u00fcrsorglichen M\u00fcttern\u201c, sagt Below. \u201eUnsere Studie zeigt, dass Stottern nicht durch pers\u00f6nliche oder famili\u00e4re Vers\u00e4umnisse oder Intelligenz verursacht wird, sondern durch unsere Gene beeinflusst wird.\u201c<\/p>\n<p>Zusammenhang mit Rhythmus und Musikalit\u00e4t<\/p>\n<p>Unter den identifizierten Genen sind einige, die laut in fr\u00fcheren Studien auch an anderen Erkrankungen beteiligt sind, darunter Autismus und Depressionen. Da M\u00e4nner h\u00e4ufiger bis ins Erwachsenenalter hinein von Stottern betroffen sind als Frauen, untersuchten die Forschenden die genetischen Daten auch nach Geschlechtern getrennt. Dabei stellten sie fest, dass bei stotternden M\u00e4nnern typischerweise ein Gen namens VRK2 ver\u00e4ndert ist, das bereits fr\u00fcher mit unserem Rhythmusgef\u00fchl in Verbindung gebracht wurde. Variationen in diesem Gen k\u00f6nnen fr\u00fcheren Studien zufolge dazu f\u00fchren, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, im Takt zu klatschen.<\/p>\n<p>\u201eIn der Vergangenheit haben wir Musikalit\u00e4t, Sprache und Sprechen als drei separate Einheiten betrachtet, aber diese Studien deuten darauf hin, dass es eine gemeinsame genetische Grundlage geben k\u00f6nnte. Die Architektur des Gehirns, die unsere Musikalit\u00e4t, unser Sprechen und unsere Sprache steuert, k\u00f6nnte Teil eines gemeinsamen Pfades sein\u201d, sagt Below. \u201eEs ist unglaublich spannend, auf biochemischer, molekularer und zellul\u00e4rer Ebene zu verstehen, was uns als Spezies ausmacht \u2013 unsere Kommunikationsf\u00e4higkeit. Wir hoffen, dass dies weitere Studien zu diesem Gen und seiner Funktion im Gehirn anregen wird.\u201c<\/p>\n<p>Ihr Kollege und Co-Autor Dillon Pruett, der selbst stottert, erg\u00e4nzt: \u201eEs gibt viele unbeantwortete Fragen zum Stottern, und als jemand, der pers\u00f6nlich davon betroffen ist, wollte ich einen Beitrag zu dieser Forschung leisten. Unsere Studie hat ergeben, dass es viele Gene gibt, die letztlich zum Stotter-Risiko beitragen, und wir hoffen, dieses Wissen nutzen zu k\u00f6nnen, um das Stigma im Zusammenhang mit Stottern zu beseitigen und hoffentlich in Zukunft neue therapeutische Ans\u00e4tze zu entwickeln.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: Hannah Polikowsky (Vanderbilt University Medical Center, Nashville, TN, USA) et al., Nature Genetics, <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41588-025-02267-2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1038\/s41588-025-02267-2<\/a><\/p>\n<p>\n\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1753807936_523_BDW_SHOP_Logo.png\"\/><\/p>\n<p>            \t<a class=\"shop-link\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/neu.wissenschaft-shop.de\/products\/dampfmaschine-bausatz?variant=43844282286260&amp;utm_source=wissenschaft.de&amp;utm_medium=blogkonradin&amp;utm_campaign=WDIG35-002\" title=\"Im Shop anzeigen\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/805460_dampf2.b246d5f9.jpg\"\/><\/a><\/p>\n<p>Bauen Sie Ihre eigene Dampfmaschine! 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