{"id":304619,"date":"2025-07-30T03:19:11","date_gmt":"2025-07-30T03:19:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/304619\/"},"modified":"2025-07-30T03:19:11","modified_gmt":"2025-07-30T03:19:11","slug":"als-schicht-im-schacht-war-das-bangen-der-leipziger-kumpel-um-ihre-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/304619\/","title":{"rendered":"Als Schicht im Schacht war &#8211; das Bangen der Leipziger Kumpel um ihre Zukunft"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\n&#8222;Ich war ein Bergmann mit Leib und Seele&#8220;, sagt Uwe Wilke. Der 62-J\u00e4hrige steht an einem riesigen Schaufelradbagger im Bergbau-Technik-Park in Gro\u00dfp\u00f6sna. Er geh\u00f6rt zu einer Gruppe, die den <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausflug-tipps\/sachsen-freilichtmuseum-ausflug-familie-112.html\" title=\"Geschichte in Sachsen entdecken: 7 beeindruckende Freilichtmuseen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Park im S\u00fcden von Leipzig<\/a> jeden Mittwoch pflegt. Alle haben in der Montanindustrie gearbeitet. Und das Auf und Ab der Branche hautnah miterlebt. Vom Boom, bei dem sogar D\u00f6rfer dem Bergbau weichen mussten, bis zum Kohleausstieg.\n<\/p>\n<p>Auch Vereinschef Riedel musste seinen Heimatort verlassen<\/p>\n<p class=\"text\">\nEin Ausstellungsschwerpunkt in Gro\u00dfp\u00f6sna widmet sich den verschwundenen D\u00f6rfern. Der 55-j\u00e4hrigen Kohlef\u00f6rderung im Tagebau Espenhain seien 20 D\u00f6rfer teilweise oder komplett zum Opfer gefallen. <\/p>\n<p>Weit \u00fcber 8.000 Menschen h\u00e4tten sich eine neue Heimat suchen m\u00fcssen, hei\u00dft es in der Ausstellung. Darunter war auch <a name=\"Riedel\">Gerald Riedel<\/a>. Er ist der Vereinsvorsitzende des Technikparks, eine Art Hans Dampf in allen Gassen. Die Zukunft des Parks liegt ihm am Herzen: &#8222;Man m\u00fcsste 120 werden, um all die Arbeiten zu schaffen&#8220;, sagt der 75-J\u00e4hrige, der in Interviewpausen Unkraut j\u00e4tet. Etwas ist hier immer zu tun.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nRiedel lebte in Magdeborn, einem Ort, der ebenfalls dem f\u00fcr die DDR wichtigen Braunkohleabbau Anfang der 1980er-Jahre weichte musste: &#8222;Wir haben schon an unserem Dorf gehangen. Es war immerhin ein Ort mit \u00fcber 3.000 Einwohnern. Wir haben es ungern verlassen.&#8220; Riedel war damals 30 Jahre alt.\n<\/p>\n<p>Die &#8222;\u00c4lteren hingen noch mehr an der Scholle&#8220;<\/p>\n<p class=\"text\">\nBei den Eltern oder Gro\u00dfeltern sah das noch heftiger aus, erz\u00e4hlt er MDR SACHSEN: &#8222;Von den \u00c4lteren wollen wir gar nicht reden. F\u00fcr die war das noch viel schlimmer. Die hingen ja noch mehr mehr an der Scholle.&#8220; Er erz\u00e4hlt von einer Fast-Rentnerin, die alleine gewesen sei. Und am Tag ihres Umzugs nicht mehr da war. Sie habe in einem Nebengeb\u00e4ude Selbstmord begangen.\n<\/p>\n<p>&#8222;Wir brauchten halt den Strom&#8220;<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Wir jungen Leute haben es einigerma\u00dfen verkraften k\u00f6nnen. Da fing man nicht an rumzun\u00f6rgeln.&#8220; Kritik an der politischen Entscheidung, ein Dorf dem Erdboden gleichzumachen, hatte er nicht: &#8222;Wir hatten als einzige Gro\u00dfenergie Braunkohle. Deshalb war es f\u00fcr viele klar, durch dieses Nadel\u00f6hr m\u00fcssen wir gehen. Wir brauchten halt den Strom.&#8220;\n<\/p>\n<p>Arbeit in Espenhain als &#8222;Hobby und Bombenjob&#8220;<\/p>\n<p class=\"text\">\nInsgesamt 22 Jahre lang arbeitete er in Espenhain, als Elektriker, und das mit gro\u00dfer Begeisterung: &#8222;Das war mein Hobby und ein Bombenjob. Gerade im Tagebau ein sehr vielseitiger und interessanter Beruf.&#8220; Nach der Wende sah er die unsichere Zukunft in der Montanbranche, und so k\u00fcndigte er Ende 1990 und arbeitete ab da bis 2014 als Serviceleiter in einem Unternehmen, das Gabelstapler betreut. Und das in seinem neuen Wohnort Liebertwolkwitz: &#8222;Meine Frau hatte dort eine Arbeit als Uhrmacherin. Ich konnte dann mit dem Fahrrad auf Arbeit fahren.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWar der Umstieg freiwillig? &#8222;Mehr oder minder. Ich begann in der Firma eines Klassenkameraden zu arbeiten. Wir kannten uns bestens, hatten fr\u00fcher auch beide in Magdeborn gewohnt.&#8220; 1997 zog die Firma weiter ins G\u00fcterverkehrszentrum nach Leipzig-Radefeld, mit Gerald Riedel im Schlepptau. Seine neue Firma wuchs, es ist eine Erfolgsstory.\n<\/p>\n<p>&#8222;Viele haben das einfach nicht verkraftet&#8220;<\/p>\n<p class=\"text\">\nBei ihm lief das Ende seiner Zeit in der Braunkohle reibungslos. Bei vielen anderen nicht. Sie bekamen Probleme: &#8222;<a name=\"arbeitslos\">Als Zigtausende arbeitslos geworden sind,<\/a> da gab es auch welche, die haben das einfach nicht verkraftet. Ich kenne F\u00e4lle, die sind dann zum Alkohol gegangen. Oder Familien haben sich aufgel\u00f6st, weil die inneren Spannungen zu gro\u00df wurden. Das waren nicht wenige.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Ich war ein Bergmann mit Leib und Seele&#8220;, sagt Uwe Wilke. 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