{"id":304751,"date":"2025-07-30T04:35:15","date_gmt":"2025-07-30T04:35:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/304751\/"},"modified":"2025-07-30T04:35:15","modified_gmt":"2025-07-30T04:35:15","slug":"wo-der-bremer-muell-landet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/304751\/","title":{"rendered":"Wo der Bremer M\u00fcll landet"},"content":{"rendered":"<p>Restm\u00fcll, Biom\u00fcll, Blaue Tonne, Gelber Sack: An die Choreografie der M\u00fclltonnen haben sich die Bremer l\u00e4ngst gew\u00f6hnt \u2013 sp\u00e4testens der Blick in den Abfallkalender zeigt, welche Tonne abends an den Stra\u00dfenrand geschoben werden muss. Aber was passiert eigentlich, wenn der M\u00fcllwagen all die alten Windeln, Pizzakartons, Kartoffelschalen und Zahnpastatuben geschluckt hat und damit von dannen f\u00e4hrt? Wohin mit dem M\u00fcll \u2013 darum geht es in der ersten Folge unserer neuen Serie.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war die Sache einfach: Alles kommt in die Tonne und von dort auf die M\u00fclldeponie. Doch mit den wachsenden Abfallbergen der Wohlstandsgesellschaft funktionierte die Methode &#8222;Aus den Augen, aus dem Sinn&#8220; nicht mehr. Es begann das Zeitalter der M\u00fclltrennung: Wiederverwertung und <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/thema\/recycling-q132580\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Recycling<\/a> wurden beim Umgang mit dem Abfall zum erkl\u00e4rten Ziel. Auch die Inhalte Bremer M\u00fclltonnen, -s\u00e4cke und -container gehen seitdem getrennte Wege \u2013 die manchmal ganz sch\u00f6n weit sein k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>    <strong>Die Graue Tonne und der Restm\u00fcll: <\/strong>Allen Trenn- und Sortierbem\u00fchungen der Bremer zum Trotz ist der &#8222;Restm\u00fcll&#8220; mit gut 90.000 Tonnen im Jahr immer noch die gr\u00f6\u00dfte Fraktion unter den Abfallsorten. Daf\u00fcr hat er auch den k\u00fcrzesten Weg zur\u00fcckzulegen: Geleert wird die Graue Tonne von den Fahrzeugen der Abfalllogistik Bremen (ALB), einem Gemeinschaftsunternehmen des privaten M\u00fcllentsorgers Nehlsen und der Bremer Stadtreinigung. Nach der Leerung geht es direkt zum M\u00fcllheizkraftwerk an der Autobahn 27. Dort wird der Hausm\u00fcll verbrannt \u2013 der Energieversorger SWB erzeugt daraus Fernw\u00e4rme und Strom.\n<\/p>\n<p>    <strong>Die Braune Tonne und der Biom\u00fcll:<\/strong> Knapp 25.000 Tonnen Nahrungsmittelreste und K\u00fcchenabf\u00e4lle landen j\u00e4hrlich in der Braunen Tonne \u2013 <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/wirtschaft\/fehleinwuerfe-im-biomuell-in-bremen-bleiben-ab-2026-die-tonnen-stehen-doc80lpol60e1212y9caeai\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wenn alle sich an die Regeln halten.<\/a> Geleert werden die Tonnen ebenfalls von ALB \u2013 doch der Biom\u00fcll bleibt nicht in Bremen, sondern wird am Rande der Blocklanddeponie umgeladen und geht auf eine 120 Kilometer lange Reise: F\u00fcr die Verwertung ist der private M\u00fcllentsorger Remondis zust\u00e4ndig, der den Bremer Biom\u00fcll in seine Kompostierungs- und Biogasanlage in Bohmte bei Osnabr\u00fcck karrt. Dort werden die K\u00fcchenabf\u00e4lle vergoren; mit dem dabei entstehenden Biogas wird in einem Blockheizkraftwerk gleich nebenan Strom und W\u00e4rme erzeugt. Der Rest verrottet auf dem Komposthaufen \u2013 vom Bremer Biom\u00fcll bleiben am Ende j\u00e4hrlich 7500 Tonnen frische Erde.\n<\/p>\n<p>    <strong>Die Blaue Tonne und das Altpapier: <\/strong>28.000 Tonnen <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/thema\/papier-q11472\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Papier<\/a>abf\u00e4lle produzieren die Bremer jedes Jahr \u2013 alte Zeitungen, Kataloge, Prospekte, Schreibbl\u00f6cke, Kartons und Verpackungen. Abgefahren werden die Blauen Tonnen &#8211; wie die grauen und braunen &#8211; von ALB. An \u00dcbernahmestellen, zum Beispiel am Arberger Hafendamm, werden sie verwogen, verpresst und wieder verladen. Ziel der Weiterreise ist die Papier- und Kartonfabrik Varel. Dort werden die angelieferten Ballen zu einem Faserbrei eingeweicht, aus dem auf vier Produktionslinien neue Pappen und Papiere f\u00fcr die Verpackungsindustrie gepresst werden.\n<\/p>\n<p>    <strong>Der Gelbe Sack und der Verpackungsm\u00fcll:<\/strong> In den Gelben S\u00e4cken und Tonnen landen Jahr f\u00fcr Jahr in Bremen rund 20.000 Tonnen Verpackungsm\u00fcll aus Kunststoff oder Blech. F\u00fcr die Entsorgung der sogenannten Leichtverpackungen sind die Dualen Systeme zust\u00e4ndig \u2013 neben dem Gr\u00fcnen Punkt gibt es mittlerweile ein rundes Dutzend Unternehmen unter diesem Label. F\u00fcr Bremen ist die K\u00f6lner Firma Interzero zust\u00e4ndig. Sie l\u00e4sst den Bremer Verpackungsm\u00fcll in eine Sortieranlage in Braunschweig transportieren. Dort werden die Materialien m\u00f6glichst sortenrein getrennt \u2013 in verschiedene Kunststoffarten, aus denen in anderen Werken neue Kunststoffe entstehen, sowie in Wei\u00dfblech und Aluminium, das in H\u00fcttenwerken wieder eingeschmolzen wird. Rund die H\u00e4lfte des Verpackungsm\u00fclls landet in der &#8222;thermischen Verwertung&#8220;, wird also verbrannt.\n<\/p>\n<p>    <strong>Der Altglascontainer und die leeren Flaschen:<\/strong> Ihr Altglas m\u00fcssen die Bremer selbst wegbringen \u2013<a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/landkreis-osterholz\/gemeinde-lilienthal\/wilder-muell-in-lilienthal-problem-an-altglascontainern-doc81i5n31jqkp1ixebh8zy\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> in Container, die im Stadtgebiet verteilt sind<\/a>. Knapp 9000 Tonnen Flaschen und Gl\u00e4ser sammeln sich dort im Laufe des Jahres an. Daraus wird neues Glas hergestellt, und zwar im Glaswerk Nienburg, wo die Luxemburger Ardagh Group eine ihrer acht Glash\u00fctten in Deutschland betreibt. In gro\u00dfen \u00d6fen werden die Scherben eingeschmolzen und zusammen mit frischen Rohstoffen wie Sand, Soda und Kalk zu neuen Flaschen und Glasbeh\u00e4ltern &#8211; zum Beispiel f\u00fcr Marmelade &#8211; geformt.\n<\/p>\n<p>Dass der Bremer M\u00fcll zum Teil verbrannt wird, zu einem anderen Teil weite Wege zur\u00fccklegt, bevor etwas Neues daraus wird, ist f\u00fcr kritische Beobachter wie den Umweltschutzverband BUND zumindest vertretbar. &#8222;Hochtechnisierte Anlagen wie eine Papier- oder Glasfabrik gibt es nun mal nicht \u00fcberall&#8220;, sagt Klaus Prietzel, Vorsitzender des BUND-Landesverbands Bremen. Trotzdem sei im Umgang mit dem Abfall noch viel Luft nach oben. Beim Verpackungsm\u00fcll etwa sei das Grundproblem die hohe Sortenvielfalt: &#8222;Es gibt allein 50 verschiedene Kunstsoffsorten f\u00fcr Einwegverpackungen&#8220;, rechnet er vor. &#8222;Es ist schwierig, die sortenrein zu trennen und wiederzugewinnen.&#8220;<\/p>\n<p>Auch die Verbraucher k\u00f6nnten mehr gegen die M\u00fcllflut tun: &#8222;Im Restm\u00fcll landen im Schnitt 50 Prozent Stoffe, die da eigentlich nicht reingeh\u00f6ren&#8220;, sagt Prietzel \u2013 ob aus Bequemlichkeit oder mangels Wissen, auch nach f\u00fcnf Jahrzehnten M\u00fclltrennung. &#8222;Es ist offenbar so, dass jede Generation den Umgang mit ihrem Abfall wieder neu lernen muss.&#8220;<\/p>\n<p>                        <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/\" id=\"home\" class=\"button primary-primary font-size-15_1 m-0a customEvent\" data-layer-event-name=\"customEvent\" data-layer-trigger=\"click\" data-layer-category=\"artikelscoring\" data-layer-action=\"startseite_button\" data-layer-label=\"doc80nswji92lvyazaiest\" data-layer-value=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/wirtschaft\/1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zur Startseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Restm\u00fcll, Biom\u00fcll, Blaue Tonne, Gelber Sack: An die Choreografie der M\u00fclltonnen haben sich die Bremer l\u00e4ngst gew\u00f6hnt \u2013&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":304752,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1824],"tags":[2420,3364,29,30],"class_list":{"0":"post-304751","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bremen","8":"tag-bremen","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114940328378064694","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/304751","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=304751"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/304751\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/304752"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=304751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=304751"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=304751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}