{"id":304762,"date":"2025-07-30T04:41:14","date_gmt":"2025-07-30T04:41:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/304762\/"},"modified":"2025-07-30T04:41:14","modified_gmt":"2025-07-30T04:41:14","slug":"was-waere-wenn-sich-leipzig-kopenhagen-als-vorbild-nimmt-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/304762\/","title":{"rendered":"Was w\u00e4re, wenn sich Leipzig Kopenhagen als Vorbild nimmt? \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Nein, auf dem Weg, auf dem die d\u00e4nische Hauptstadt Kopenhagen schon lange ist, ist Leipzig noch nicht. Auch wenn das die Stellungnahme des Oberb\u00fcrgermeisters zu einer Petition so suggeriert, welche genau das fordert: \u201eKooperation mit Kopenhagen f\u00fcr eine auto\u00e4rmere Stadt\u201c. Die OBM-Stellungnahme macht es sich recht einfach: \u201eDie Petition fordert, Leipzig solle sich Kopenhagen zum Vorbild nehmen und konkrete Ma\u00dfnahmen zur Verkehrswende ergreifen, inkl. Partnerschaft. Der Verwaltungsstandpunkt (VSP) verweist auf die Mobilit\u00e4tsstrategie 2030, laufende Fortschritte im Umweltverbund sowie Offenheit f\u00fcr Dialog und fachlichen Austausch.\u201c<\/p>\n<p>Das liest sich gerade so, als lie\u00dfe jemand einfach mal die Luft aus der Luftmatratze.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/9e7180ca68c347fa81f4ed7c8f0bd984.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/wirtschaft\/mobilitaet\/2025\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/wirtschaft\/mobilitaet\/2025\/07\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Dabei bezog sich der Petent sogar auf <a href=\"https:\/\/www.medienservice.sachsen.de\/medien\/news\/225966\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Aussagen von Sachsens vormaligem Verkehrsminister Martin Dulig (SPD)<\/a>, der damals noch mutig war. Richtig mutig, wenn es um Fahrradvisionen f\u00fcr Sachsen ging: \u201eEs ist beeindruckend zu sehen, wie in Kopenhagen bei der St\u00e4dteplanung diese neuen Ans\u00e4tze verfolgt werden. Hier ist die Ausgangslage v\u00f6llig anders als bei uns: Die St\u00e4dte sehen sich als Treiber, reformieren ihre Verkehrssysteme aus eigenem Antrieb heraus. St\u00e4dte wie Kopenhagen bef\u00f6rdern die Reformen D\u00e4nemarks, indem sie selbst Tatsachen schaffen.<\/p>\n<p>Der Wille, die Stadt f\u00fcr Radfahrer umzugestalten, kam aus der B\u00fcrgerschaft \u2013 alle Parteien waren sich einig, dies zu unterst\u00fctzen. Entsprechend konnten dann die Herausforderungen angegangen werden. Von diesem Konsens, Verst\u00e4ndnis und der optimistischen Herangehensweise k\u00f6nnen wir uns im Freistaat Sachsen viel abschauen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/VIII-P-01393.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Die Petition: Kooperation mit Kopenhagen f\u00fcr eine auto\u00e4rmere Stadt.<\/a><\/p>\n<p>Das sagte Dulig 2019 nach dem Besuch einer s\u00e4chsischen Wirtschaftsdelegation in Kopenhagen.<\/p>\n<p>Jeder Zweite mit dem Rad zur Arbeit<\/p>\n<p>Und das Verkehrsministerium lieferte auch gleich die Zahlen noch mit, von denen Leipzig noch weit, weit entfernt ist: \u201eWie schafft es Kopenhagen, innerhalb von nur wenigen Jahren, sich von einer automobillastigen Industriestadt zu einer modernen fahrradfreundlichen Metropole zu wandeln? Unter dieser Hauptfrage verlief das Gespr\u00e4ch mit den Verkehrsexperten Kopenhagens. Bis zum Jahr 2025 will Kopenhagen CO\u2082-neutral sein \u2013 daf\u00fcr wird vor allem das Verkehrssystem grundlegend reformiert.<\/p>\n<p>49 Prozent der Einwohner fahren bereits mit dem Fahrrad auf die Arbeit \u2013 es sollen deutlich mehr werden. Um dies zu erreichen, werden Fahrspuren f\u00fcr Autos zu Gunsten von Radwegen gestrichen. Auch werden f\u00fcr Autos Durchfahrtssperren verhangen \u2013 f\u00fcr Radwege hingegen neue Br\u00fccken \u00fcber die Kan\u00e4le der Stadt gebaut. Fu\u00dfwege und Parks werden neu angelegt oder verbreitert \u2013 die Stadt soll so systematisch gr\u00fcner und lebenswerter werden.\u201c<\/p>\n<p>Von einer CO\u2082-Neutralit\u00e4t tr\u00e4umt Leipzig fr\u00fchestens im Jahr 2035, eher im Jahr 2040, wie auch der OBM in seiner Stellungnahme anf\u00fchrt. <a href=\"http:\/\/www.l-iz.de\/wirtschaft\/mobilitaet\/2025\/03\/ergebnisse-der-mobilitatsbefragung-2023-vorgestellt-zuwachse-fuss-radverkehr-ruckgang-miv-620613\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Der Anteil des Fahrradfahrens an allen Wegen, die die Leipziger zur\u00fccklegen, betr\u00e4gt knapp 20 Prozent<\/a>, auch wenn er seit Jahren steigt. Von wirklich unabh\u00e4ngigen \u201eCycle Highways\u201c kann in Leipzig keine Rede sein. Die seit 2016 diskutierten Radschnellwege in Sachsen sind bis heute nur eine Idee, ihre Finanzierung ist v\u00f6llig unklar.<\/p>\n<p>Sachsens Kommunen an der kurzen Leine<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich hatte Dulig recht, wenn er darauf verwies, dass die Spielr\u00e4ume d\u00e4nischer St\u00e4dte gr\u00f6\u00dfer sind. Sie h\u00e4ngen nicht derart wie s\u00e4chsische St\u00e4dte am Tropf einer Staatsregierung, die lieber riesige R\u00fccklagen anh\u00e4uft, als mutig in Zukunftsstrukturen zu investieren. Daran hat auch die letzte Wahl nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Wobei auch Leipzigs OBM recht hat, wenn er darauf verweist, dass <a href=\"https:\/\/www.leipzig.de\/umwelt-und-verkehr\/verkehrsplanung\/mobilitaetsstrategie-2030#c136438\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Leipzigs Mobilit\u00e4tsstrategie<\/a> \u2013 f\u00fcr s\u00e4chsische Verh\u00e4ltnisse \u2013 tats\u00e4chlich schon ambitioniert ist.<\/p>\n<p>Das klingt in der <a href=\"https:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2026010&amp;refresh=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Stellungnahme des OBM<\/a> dann so: \u201eDie Petition will eine Kooperation mit der Stadt Kopenhagen und die \u00dcbernahme st\u00e4dtepla\u00adnerischer Ziele erwirken. Das Anliegen der Petition entspricht aus verschiedenen Gr\u00fcnden bereits dem Verwaltungshandeln.<\/p>\n<p><strong>The bike lanes of Copenhagen<\/strong><\/p>\n<\/p>\n<p>Leipzig verfolgt mit der Mobilit\u00e4tsstrategie 2030 verschiedene Ziele. Diese stimmen im Wesentlichen mit denen der Stadt Kopenhagen \u00fcberein. Beispielsweise wollen beide St\u00e4dte die Erh\u00f6hung des Anteils an Rad- und Fu\u00dfverkehr. Der Rahmenplan zur Mobilit\u00e4tsstrategie, der alle zwei Jahre fortgeschrieben wird, benennt dazu viele konkrete Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Die aktuell laufende Evaluation zeigt, dass sich der Trend zur St\u00e4rkung des Umweltverbundes fortsetzt. Auch die Zufriedenheit von Fu\u00dfg\u00e4ngern und Radfahrenden, sowie die Nutzung des \u00d6PNV entwickeln sich positiv. Die Stadtverwaltung wird die Anregungen der Petition in die laufenden Planungen einflie\u00dfen lassen. Die Mobilit\u00e4tsstrategie 2030 ist ein dynamischer Prozess, der bewusst weiterentwickelt wird.\u201c<\/p>\n<p>Geht es nicht mutiger?<\/p>\n<p>Die Verwaltung lehnt die Petition also nicht ab, betont aber: \u201eEine formalisierte Kooperationspartnerschaft mit Kopenhagen ist derzeit nicht vorgesehen. Es ist uns bewusst, dass der Weg zu einer CO\u2082-neutralen Stadt bis 2040 herausfordernd ist. Dabei k\u00f6nnen wir von den Erfahrungen anderer St\u00e4dte wie Kopenhagen lernen. Wir pr\u00fcfen kontinuierlich M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kooperationen und den fachlichen Austausch bew\u00e4hrter Praktiken. Dar\u00fcber hinaus ist der gesellschaftliche Dialog wichtig.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern entwickeln wir L\u00f6sungen, die den Bed\u00fcrfnissen aller Verkehrsteilnehmer gerecht werden sollen. Dabei ist es wichtig, auf die \u00f6rtlichen Gegebenheiten einzugehen und hierf\u00fcr passende L\u00f6sungen zu entwickeln.\u201c<\/p>\n<p>Da klingt doch sehr zur\u00fcckhaltend gegen\u00fcber der Forderung aus der Petition, wirklich eigene Wege zu gehen, \u201edass man einen gesellschaftlichen Dialog f\u00f6rdert, der zum Ziel hat, ernsthaft einen Konsens f\u00fcr eine Verkehrswende einzuleiten \u2013 was die Mobilit\u00e4tsstrategie 2030 nicht tut, diese ist ein Witz schlechthin und \u00e4ndert an den Problemen fast nichts. Statt auf Reformen von oben zu warten, sollte auch Leipzig selber vorangehen und eine Verkehrswende hin zu \u00d6PNV, Fahrrad und Fu\u00dfg\u00e4ngerfreundlichkeit wagen. Der Weg, den Kopenhagen beschreitet, scheint sinnvoll zu sein.\u201c<\/p>\n<p>Man sp\u00fcrt die Unzufriedenheit mit all den kleinen Kompromissen, mit denen es in der Leipziger Verkehrswende vorangeht. Kompromisse, die schon bei der schrittweisen Umsetzung jedes Mal heftige Kontroversen ausl\u00f6sen und die lautstarken Verfechter einer fossilen Verkehrswelt auf den Plan rufen. Was w\u00fcrden dann erst \u201eCycle Highways\u201c nach Kopenhagener Vorbild in Leipzig f\u00fcr Debatten anfachen? Oder w\u00e4re sogar das Gegenteil der Fall?<\/p>\n<p>Jetzt ist der Petitionsausschuss dran, sich eine Meinung zu bilden, bevor die Petition dann zur Abstimmung in den Stadtrat kommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nein, auf dem Weg, auf dem die d\u00e4nische Hauptstadt Kopenhagen schon lange ist, ist Leipzig noch nicht. 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