{"id":305975,"date":"2025-07-30T16:01:12","date_gmt":"2025-07-30T16:01:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/305975\/"},"modified":"2025-07-30T16:01:12","modified_gmt":"2025-07-30T16:01:12","slug":"wacken-open-air-wie-viel-szene-steckt-noch-in-dem-metal-festival","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/305975\/","title":{"rendered":"Wacken Open Air: Wie viel Szene steckt noch in dem Metal-Festival?"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 30.07.2025 17:07 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Zum 34. Mal steigt diese Woche das Wacken Open Air. Es gilt als das weltweit bekannteste Metal-Festival &#8211; und als Symbol f\u00fcr einen Wandel hin zum Mainstream. Die Frage wird lauter: Wie viel Metal-Kultur steckt noch in Wacken?<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Samira Straub, SWR Kultur\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMehr als 85.000 Menschen pilgern diese Woche wieder ins schleswig-holsteinische Dorf Wacken. Zum 34. Mal wird die ber\u00fchmteste Kuhwiese der Welt zur Heavy-Metal-Hauptstadt. Zusammen mit dem ikonischen Bullenkopf-Logo steht der Name Wacken l\u00e4ngst nicht mehr nur f\u00fcr Musik, sondern f\u00fcr eine international sichtbare Marke. Was 1990 als improvisiertes Projekt zweier Metalheads auf einem Acker begann, ist heute ein hochprofessionalisierter Festival-Betrieb.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeit 2024 h\u00e4lt der Hamburger Investor Superstruct Entertainment die Mehrheitsanteile am Festival. Superstruct, ein Unternehmen im Besitz der US-Investmentfirma Providence Equity Partners, ist bereits an \u00fcber 80 Festivals weltweit beteiligt &#8211; darunter auch das Sziget Festival in Budapest oder das Parookaville in Weeze. Das Wacken Open Air ist somit Teil einer internationalen Festival-Holding, die sich auf das Metalfestival auswirkt. F\u00fcr viele in der Szene ist das keine gute Entwicklung.<\/p>\n<p>    &#8222;Das Rebellische war immer eher symbolischer Natur&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Ballermann in Schwarz&#8220; &#8211; so nennen kritische Stimmen, auch aus den eigenen Reihen, das Festival mittlerweile: Zu viel Show, zu viele Kameras, zu viele Fans, die eher f\u00fcr Instagram als f\u00fcr die Musik kommen. Tats\u00e4chlich gleicht Wacken heute einem Erlebnispark mit Metal-Yoga, Feuershows und Endzeit-Dekor. Der einst spontane Ausnahmezustand ist zum durchgetakteten Erlebnisprodukt geworden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;In unseren Breitengraden ist Heavy Metal l\u00e4ngst keine Subkultur mehr. Er ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen&#8220;, sagt der Kulturwissenschaftler und Metal-Experte J\u00f6rg Scheller, der an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste lehrt. &#8222;Das Rebellische war immer eher symbolischer Natur und lebte von der Reibung mit einer wertkonservativen Mehrheitsgesellschaft. Die gibt es so nicht mehr.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDass sich Wacken zunehmend an kommerziellen Erlebnisformaten orientiert, sei aus seiner Sicht keine Entgleisung, sondern eine konsequente Entwicklung. Was f\u00fcr viele Fans wie ein Ausverkauf wirkt, ist oft auch \u00f6konomische Notwendigkeit: Die wirtschaftlichen Realit\u00e4ten im Festivalbetrieb sind hart, selbst etablierte Festivals k\u00e4mpfen ums \u00dcberleben. Das saarl\u00e4ndische <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/regional\/saarland\/sr-ziegler-zum-rocco-aus-kuenstler-werden-nur-noch-hin-und-hergeschoben-100.html\" title=\"Saarland: Veranstalter zum Rocco-Aus: K\u00fcnstler werden nur noch hin- und hergeschoben\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rocco del Schlacko<\/a> etwa k\u00fcndigte f\u00fcr 2025 seine letzte Ausgabe an.<\/p>\n<p>    Debatte \u00fcber Authentizit\u00e4t<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWacken hingegen profitiert vom Markenkern: Der Name ist l\u00e4ngst Chiffre f\u00fcr ein Lebensgef\u00fchl, aber eben auch zur lukrativen Ware geworden. Das zieht nicht nur Hardcore-Fans, sondern auch Event-Publikum an. Die Diskussion dar\u00fcber, wie authentisch Metal im Festivalkontext sein kann, ist zwar nicht neu &#8211; aber sie wird lauter.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;True vs. False Metal&#8220; ist in der Szene zu einem gefl\u00fcgelten Ausdruck f\u00fcr Authentizit\u00e4tsfragen geworden. Darunter verhandeln sogenannte Metalheads seit Jahren die Frage nach der Deutungshoheit: Wer entscheidet eigentlich, was &#8222;echter&#8220; Metal ist? &#8222;Das Echte liegt nicht in der \u00c4sthetik eines bestimmten Subgenres&#8220;, betont Scheller, &#8222;sondern in der Ernsthaftigkeit, mit der innerhalb der Szene dar\u00fcber gestritten wird.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Begriff Heavy Metal selbst erinnert Scheller, stamme urspr\u00fcnglich nicht aus der Szene, sondern wurde von der britischen Musikpresse etabliert. Ein weiteres Indiz daf\u00fcr, dass kulturelle Identit\u00e4t nicht allein auf Authentizit\u00e4t beruht, sondern immer auch ein Produkt von Zuschreibung, Kontext und Wandel ist.<\/p>\n<p>    Erst Skandal, dann staatliche F\u00f6rderung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVon der romantisierten Vorstellung, Metal m\u00fcsse unverf\u00e4lscht sein, sollte man sich derweil vielleicht l\u00f6sen: Schon in den 1970er-Jahren hatte eine Band wie Judas Priest kein Problem damit, sich zu vermarkten. Laut Scheller zeigt sich vor allem an Klassikern wie Iron Maiden oder Metallica, dass Heavy Metal schon immer stark von Imagepflege und Markenbildung geformt wurde &#8211; lange bevor das Wacken-Logo auf K\u00fchltaschen und Babybodys prangte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn Norwegen war Black Metal in den 1990er-Jahren noch ein Skandal, heute wird er staatlich gef\u00f6rdert. Die Entwicklung des Metal sei da keine Ausnahme, sondern ein typischer Vorgang innerhalb liberaler Popkultur. Ausgerechnet die Eventisierung gro\u00dfer Festivals wie Wacken k\u00f6nne dabei sogar eine Avantgarde befeuern: &#8222;Wacken darf ruhig zum Mega-Volksfest werden&#8220;, sagt Scheller.<\/p>\n<p>    Szene im Wandel<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Gerade das schafft Raum f\u00fcr neue Formen der Gegenkultur.&#8220; Manche der kritischen Fans weichen mittlerweile auf kleinere, unabh\u00e4ngige Festivals aus &#8211; mit dem Argument, dort sei der Geist der Szene noch sp\u00fcrbar. Was also passiert mit einer Subkultur, wenn sie zum Mainstream wird? Sie ver\u00e4ndert sich, gleichzeitig bleibt sie in Bewegung: &#8222;Die Rebellen von heute sind die Arrivierten von morgen&#8220;, h\u00e4lt Scheller fest.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWacken steht dabei exemplarisch f\u00fcr die Widerspr\u00fcche der Kulturindustrie zwischen Inszenierung und Identit\u00e4t, Kommerz und Community. Doch statt eines Abgesangs auf den Ausverkauf von Subkultur zu sein, zeigt sich ein anderer Befund: Subkultur \u00fcberlebt &#8211; nicht trotz, sondern wegen ihrer Wandlungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Metalheads sind heute ganz normale Menschen, die zur Arbeit gehen und Kinder gro\u00dfziehen&#8220;, sagt Kulturwissenschaftler Scheller. Dass sie sich in Wacken oder anderswo inszenieren, mache ihre Leidenschaft nicht weniger ernsthaft &#8211; im Gegenteil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 30.07.2025 17:07 Uhr Zum 34. Mal steigt diese Woche das Wacken Open Air. 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