{"id":306059,"date":"2025-07-30T16:46:10","date_gmt":"2025-07-30T16:46:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/306059\/"},"modified":"2025-07-30T16:46:10","modified_gmt":"2025-07-30T16:46:10","slug":"nuernberg-tiergarten-toetet-12-paviane","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/306059\/","title":{"rendered":"N\u00fcrnberg: Tiergarten t\u00f6tet 12 Paviane"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sie wurden in Transportkisten gepackt, an einen Ort au\u00dferhalb des Zoos gebracht und erschossen. Trotz Protesten hat der N\u00fcrnberger Tiergarten zw\u00f6lf Affen get\u00f6tet, drei m\u00e4nnliche Paviane und neun weibliche. Die Weibchen wurden zuvor bet\u00e4ubt, um durch eine Untersuchung auszuschlie\u00dfen, dass sie tr\u00e4chtig sind. Dabei sind zwei Tiere verendet. Die Ursache sollen nun Pathologen kl\u00e4ren. Die restlichen toten Tiere wurden Wildtieren im Zoo zum Fra\u00df vorgeworfen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das ist die konkrete Praxis, wenn Zoos eine Population verringern m\u00fcssen. W\u00e4chst zu viel Nachwuchs heran und beansprucht Platz, brechen in manchen Gehegen K\u00e4mpfe aus. Zoos suchen dann nach Abnehmern bei anderen Tierparks. Auch der N\u00fcrnberger Zoo hat das versucht, sei aber nach eigenen Angaben auch nach l\u00e4ngerer Suche nicht f\u00fcndig geworden. Auch Versuche mit Verh\u00fctungsmitteln waren in den Jahren zuvor gescheitert. Unter anderem, weil Tiere wie Affen ein Sozialgef\u00fcge mit Jungtieren brauchen, um im friedlichen Gleichgewicht zu bleiben. Das Gehege in N\u00fcrnberg war zuletzt mit 43 Tieren v\u00f6llig \u00fcberbelegt. Also entschied man sich f\u00fcrs T\u00f6ten. Populationsmanagement hei\u00dft das im Fachjargon.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Fall wirft tierethische Fragen auf \u2013 und offenbart zugleich die widerspr\u00fcchliche Haltung vieler Menschen zum Thema Tierwohl. Auf der einen Seite steht die Frage, ob Zoos noch zeitgem\u00e4\u00df sind. Oder gerade in Zeiten des Artensterbens notwendiger denn je. Und welche Eingriffe das rechtfertigt. Ist T\u00f6tung aus Platzmangel okay? Auch bei gesunden, empfindsamen Lebewesen wie Affen? Und wenn nicht, warum soll es dann in Ordnung sein, Schweine zu schlachten? Von einem brisanten Fall im Zoo landet man dann schnell beim eigenen Teller und der Frage, wie weit sich der moderne Mensch von der Natur entfernt hat, wenn er lieber nicht wissen will, was in seinem Grillw\u00fcrstchen steckt und womit die Zoos ihre Wildtiere f\u00fcttern.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zoos begr\u00fcnden ihr Dasein unter anderem damit, dass sie Arten erhalten, die in freier Wildbahn kaum \u00dcberlebenschancen h\u00e4tten. F\u00fcr diese \u201eReservepopulationen\u201c ist es notwendig, in Zoos zu z\u00fcchten \u2013 und am Ende der Kette zu t\u00f6ten, wenn der Nachwuchs \u00fcberhandnimmt. Aus diesem Grund nennt auch die Vereinigung wissenschaftlich geleiteter Zoologischer G\u00e4rten, VdZ, die Entscheidung in N\u00fcrnberg \u201eaus verantwortungsethischer Sicht vern\u00fcnftig\u201c. Der VdZ verstehe, dass das T\u00f6ten von gesunden Tieren in Zoos zun\u00e4chst widersinnig erscheine, und dadurch starke emotionale Reaktionen hervorriefe, hei\u00dft es auf Anfrage. Unabh\u00e4ngig davon, ob es sich um eine bedrohte Tierart handelt, m\u00fcssten Zoos ihre Tierpopulationen aber nachhaltig managen. Das bedeute unter anderem, ihnen Fortpflanzung zu erm\u00f6glichen, f\u00fcr stabile soziale Gruppen zu sorgen und zugleich zu verhindern, dass Tiergruppen zu gro\u00df w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Begr\u00fcndung ist auch rechtlich relevant. Denn in Deutschland d\u00fcrfen Tiere laut Tierschutzgesetz nicht grundlos get\u00f6tet werden. Als vern\u00fcnftige Gr\u00fcnde gelten etwa das Schlachten von Nutztieren, Jagd, Fischerei und das Erl\u00f6sen eines leidenden Tiers. Die Zootierhaltung ist nicht eigens geregelt, doch \u00fcber die Notwendigkeit des Populationsmanagements erscheint die T\u00f6tung als letztes Mittel legitim.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eWer sich dem Artenschutz verpflichtet, der muss wissen, dass man eine Population nur stabil halten kann, wenn man sie reguliert \u2013 und regulieren kann auch T\u00f6ten bedeuten\u201c, sagt Arne Lawrenz, Direktor des Wuppertaler Zoos. Er h\u00e4lt es f\u00fcr richtig, wenn Zoos damit transparent umgehen und den Besuchern erkl\u00e4ren, dass T\u00f6ten in der Natur dazugeh\u00f6rt, dass dar\u00fcber Selektion funktioniert und dass darum auch in Zoos das T\u00f6ten von Tieren Teil der Praxis ist. \u201eIn den USA werden L\u00f6wen mit Wurst gef\u00fcttert, weil Menschen nicht mehr sehen wollen, dass Wildtiere andere Tiere fressen\u201c, sagt Lawrenz. Das sei eine bedenkliche Entwicklung. \u201eL\u00f6wen werden nicht vegan\u201c, so Lawrenz, \u201edie Natur hat harte Seiten, auch das m\u00fcssen wir im Zoo vermitteln.\u201c Lawrenz nennt zudem gef\u00e4hrdete Arten wie Uhus oder den Karpatenluchs, die in Zoos Schutz fanden und sich inzwischen auch in der Natur wieder vermehren.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Tiersch\u00fctzer dagegen stellen die Existenz von Tierparks grunds\u00e4tzlich infrage. \u201eMan kann das T\u00f6ten von Tieren im Zoo nicht mit Verweis auf die Nahrungskette in der Natur rechtfertigen\u201c, sagt die Tierethikerin Friederike Schmitz. \u201eZoos sind keine Natur, sondern k\u00fcnstliche Umgebungen, wo Tiere prim\u00e4r zur Unterhaltung der Menschen ausgestellt werden.\u201c Der Artenschutz sei ein Feigenblatt-Argument der Tierparks, weil die meisten Tiere dort nicht vom Aussterben bedroht seien und die wirklich bedrohten Arten kaum ausgewildert werden k\u00f6nnten. \u201eWenn sich Zoos wirklich dem Artenschutz verpflichtet f\u00fchlten, w\u00fcrden sie nicht die Unmengen an <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/fleisch\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fleisch<\/a> und anderen umweltsch\u00e4dlichen Tierprodukten in ihren Restaurants servieren.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch der Bildungsauftrag sei nur ein Scheinargument. \u201eMan erlebt im Zoo gar nicht, wie wilde Tiere sich in Freiheit verhalten w\u00fcrden, man erlebt eine Art Attrappe, die eingesperrt ganz anders lebt. Das verringert eher den Respekt vor Tieren\u201c, sagt Schmitz. Wer wirklich ein Tiererlebnis suche, solle sich an die heimischen Arten halten, in den Wald gehen und dort aus der Distanz beobachten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dass einige gef\u00e4hrdete Arten ohne Zoo aussterben w\u00fcrden, h\u00e4lt Schmitz f\u00fcr vertretbar. \u201eWenn sie in der Natur gar keine \u00dcberlebenschancen mehr haben, ist es auch nicht sinnvoll, sie in einem zu engen Gehege am Leben zu erhalten\u201c, sagt Schmitz. \u201eAuf die einzelnen Tiere wird im Zoo keine R\u00fccksicht genommen, dabei sind genau sie es, die eigentlich als f\u00fchlende Individuen mit eigenen Rechten z\u00e4hlen sollten.\u201c Au\u00dferdem sei der Erhalt weniger Arten in Zoos Augenwischerei. \u201eJeden Tag sterben zwischen 130 und 150 Tier- und Pflanzenarten weltweit aus, da machen Zoos kaum einen Unterschied\u201c, sagt Schmitz.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Verh\u00e4ltnis zwischen Mensch und Tier sei stark von Widerspr\u00fcchen und Verdr\u00e4ngung gepr\u00e4gt, sagt die Ethikerin. Die meisten Menschen wollten nicht, dass Tiere litten oder unn\u00f6tig st\u00fcrben, \u00e4\u00dfen aber doch Fleisch und K\u00e4se, weil das als normal gelte. \u201eMan denkt nicht dar\u00fcber nach\u201c, sagt Schmitz, \u201ewenn man es n\u00e4mlich t\u00e4te, gibt es keinen Grund, die T\u00f6tung von Affen zu verurteilen, aber die von H\u00fchnern, Schweinen, Rindern okay zu finden.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Affent\u00f6tung in N\u00fcrnberg k\u00f6nnte auch ein juristisches Nachspiel haben. Dabei m\u00fcssten die Widerspr\u00fcche im Umgang mit Haustieren, Nutztieren und Zootieren diskutiert werden. Und privat muss ohnehin jeder Einzelne eine Haltung dazu finden, wie er es h\u00e4lt mit dem Zoobesuch und der Grillwurst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sie wurden in Transportkisten gepackt, an einen Ort au\u00dferhalb des Zoos gebracht und erschossen. 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