{"id":306642,"date":"2025-07-30T22:08:14","date_gmt":"2025-07-30T22:08:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/306642\/"},"modified":"2025-07-30T22:08:14","modified_gmt":"2025-07-30T22:08:14","slug":"umstrittene-us-software-deutschland-tastet-sich-an-palantir-heran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/306642\/","title":{"rendered":"Umstrittene US-Software: Deutschland tastet sich an Palantir heran"},"content":{"rendered":"<p>Diese Pr\u00fcfung dauere noch an, ein Ergebnis gebe es noch nicht, hie\u00df es auf Anfrage des Magazins \u201eStern\u201c, das zuerst \u00fcber die \u00dcberlegungen des deutschen Innenministeriums berichtet hatte. Zudem hie\u00df es, dass \u201everschiedene Optionen\u201c gepr\u00fcft w\u00fcrden. Dabei gehe es sowohl um den Einsatz von auf dem Markt verf\u00fcgbarer Software als auch \u201edie Nutzung einzelner modularer Services\u201c.<\/p>\n<p>Im europaweiten Vergabeverfahren habe bisher nur Palantir eine marktverf\u00fcgbare Softwarel\u00f6sung angeboten, die den Anspr\u00fcchen entsprochen habe, hie\u00df es aus dem Innenministerium. Mit der Software sollen Ermittler automatisiert Verd\u00e4chtige identifizieren und Straftaten verhindern oder aufkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Die Analysesoftware f\u00fchrt polizeiliche Datenanalyse und k\u00fcnstliche Intelligenz (KI) zusammen.<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" class=\"lazy-loading\" bad-src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg%20xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg'%20viewBox%3D'0%200%205500%203667'%2F%3E\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2716864_bigpicture_1046146_deutschland_palantir_body_dobrindt_r.jpg\"  alt=\"Deutschlands Innenminister Alexander Dobrindt\"\/><\/p>\n<p>   Reuters\/Annegret Hilse<\/p>\n<p>      Der deutsche Innenminister erntet f\u00fcr die Pr\u00fcfung eines bundesweiten Einsatzes der Palantir-Analysesoftware Kritik<\/p>\n<p>US-Milliard\u00e4r Peter Thiel ist Gr\u00fcnder<\/p>\n<p>Palantir wurde 2003 in den USA gegr\u00fcndet \u2013 unter anderem von Tech-Milliard\u00e4r Peter Thiel. Er ist bekannt f\u00fcr seine libert\u00e4ren und rechtskonservativen Positionen, seine N\u00e4he zu US-Pr\u00e4sident Donald Trump und seine Kritik an liberalen Demokratien. In der Vergangenheit regte sich Kritik an Thiels Positionen.<\/p>\n<p>Banken, Krankenh\u00e4user, die US-Regierung und das israelische Milit\u00e4r stehen auf Palantirs wachsender Kundenliste. Seit Trumps Wiederwahl hat das Unternehmen seinen B\u00f6rsenwert mehr als verdoppelt. Palantir geh\u00f6rt heute zu den weltweit wertvollsten Unternehmen, der Marktwert bel\u00e4uft sich auf mehr als 350 Mrd. Dollar (gut 300 Mrd. Euro).<\/p>\n<p>Deutsche Bundesl\u00e4nder nutzen Software<\/p>\n<p>In bewaffneten Konflikten \u2013 etwa im Verteidigungskrieg der Ukraine \u2013 helfen Palantirs Systeme, potenzielle Ziele in Echtzeit zu identifizieren. Daf\u00fcr werden Daten aus vielen Quellen herangezogen, etwa biometrische Informationen und abgefangene Telefongespr\u00e4che, und \u00fcber den Einsatz von KI ausgewertet.<\/p>\n<p>Am Dienstag war bekanntgeworden, dass die Polizei im deutschen Bundesland Baden-W\u00fcrttemberg die Software bald nutzen soll. Die dortige gr\u00fcn-schwarze Landesregierung machte daf\u00fcr den Weg frei. Hamburg hingegen schloss die Nutzung f\u00fcr das Stadtbundesland aus. Auch Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen setzen auf die Software \u2013 sie wurde erstmals 2017 eingesetzt.<\/p>\n<p>\u201eKein neutraler IT-Dienstleister\u201c<\/p>\n<p>Angesichts der Pr\u00fcfung eines bundesweiten Einsatzes kommt nun Gegenwind von der Regierungspartei SPD. \u201ePalantir ist kein neutraler IT-Dienstleister, sondern ein Unternehmen mit tiefen Verbindungen zu US-Geheimdiensten und klaren geopolitischen Interessen\u201c, sagte SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Sch\u00e4tzl. Er lehne den Einsatz von Palantir in deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden entschieden ab.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Gr\u00fcnen ist ein bundesweiter Einsatz tabu \u2013 sie \u00fcben Kritik an Innenminister Dobrindt: \u201eOffenkundig sieht er sich als Lobbyist eines hochumstrittenen US-Unternehmens\u201c, wurde Fraktionsvize Konstantin von Notz vom \u201eStern\u201c zitiert. Gerade in diesen Zeiten, in denen immer weniger Verlass sei auf die US-Regierung, verbiete sich eine Kooperation mit einem Unternehmen wie Palantir.<\/p>\n<p>\u201eFl\u00e4chendeckender Angriff auf Privatsph\u00e4re\u201c<\/p>\n<p>Eine Warnung kam von den Linken: \u201eMit der Palantir-Software droht ein fl\u00e4chendeckender Angriff auf die Privatsph\u00e4re von Millionen Menschen (\u2026). Daten, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr v\u00f6llig unterschiedliche Zwecke erhoben wurden, sollen automatisiert zusammengef\u00fchrt, ausgewertet und der Polizei zur Rasterfahndung bereitgestellt werden, ohne wirksame Kontrolle, ohne Transparenz und ohne Schutz vor Fehlentscheidungen.\u201c<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" class=\"lazy-loading\" bad-src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg%20xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg'%20viewBox%3D'0%200%205760%203840'%2F%3E\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2717146_bigpicture_1046247_deutschland_palantir_body_thiel_afp.jpg\"  alt=\"Peter Thiel\"\/><\/p>\n<p>   APA\/AFP\/Getty Images\/Marco Bello (Archivbild)<\/p>\n<p>      US-Milliard\u00e4r Peter Thiel<\/p>\n<p>\u201eStaat sollte mit F\u00e4higkeiten hinterherkommen\u201c<\/p>\n<p>Die F\u00fcrsprecher hingegen kommen etwa aus der Union: Fraktionschef Jens Spahn hatte dem \u201eStern\u201c bereits Anfang Juni den Einsatz der Software bef\u00fcrwortet. Sie w\u00fcrde der Polizei \u201esehr helfen\u201c. Verbrecher w\u00fcrden auch alle digitalen M\u00f6glichkeiten nutzen, argumentierte Spahn. \u201eDer Staat sollte da im Rahmen des Rechts hinterherkommen mit seinen F\u00e4higkeiten.\u201c<\/p>\n<p>Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) sprach sich f\u00fcr Palantir aus. \u201eDie Zeiten, in denen Sicherheitspolitik ihre Ideologien und Datenschutzbedenken pflegen und steigern k\u00f6nnen, sind l\u00e4ngst vorbei\u201c, betonte der Vorsitzende Rainer Wendt. Es sei bedauerlich, dass Europa keine eigenen Produkte entwickelt habe, aber die USA seien ein verl\u00e4sslicher Partner.<\/p>\n<p>\u201eDie Bedrohungen aller freiheitlichen Gesellschaften durch anhaltenden Terror, Cyberattacken, Organisierte Kriminalit\u00e4t und Angriffe auf unsere Demokratie und Freiheit sind allgegenw\u00e4rtig\u201c, so Wendt. Um Massendaten zu bew\u00e4ltigen, brauche es Analysetechniken, die in der Lage seien, Beziehungsmuster zu erkennen und Zusammenh\u00e4nge herzustellen, die mit konventioneller Arbeitsweise von Ermittlungskr\u00e4ften kaum feststellbar seien.<\/p>\n<p>Verfassungsbeschwerde eingelegt<\/p>\n<p>Erhebliche Bedenken \u00e4u\u00dferten wiederum die Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte (GFF), ein Verein, der sich f\u00fcr den Ausbau von Grund- und Menschenrechten einsetzt, sowie der Chaos Computer Club (CCC), eine NGO, die sich Fragen der Computersicherheit widmet.<\/p>\n<p>Gegen die gesetzlichen Regeln, die in Bayern den Einsatz der Verfahrens\u00fcbergreifenden Recherche- und Analyseplattform (VeRA) von Palantir erm\u00f6glichen, wurde eine Verfassungsbeschwerde eingereicht. Beide kritisieren, dass die Software auch Verbindungen zu Menschen herstellt, die nicht im Zusammenhang mit Straftaten stehen.<\/p>\n<p>Aus dem deutschen Innenministerium hie\u00df es dazu: \u201eDer Einsatz von durch private Unternehmen entwickelter Software ist Standard in deutschen Polizeibeh\u00f6rden.\u201c Die Polizei pr\u00fcfe die vertraglich zugesicherten Eigenschaften der Software.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Diese Pr\u00fcfung dauere noch an, ein Ergebnis gebe es noch nicht, hie\u00df es auf Anfrage des Magazins \u201eStern\u201c,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":306643,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[331,3924,332,3922,3364,29,30,13,14,3923,15,3921,12],"class_list":{"0":"post-306642","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-deutschland","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-aktuelle-news-aus-deutschland","12":"tag-de","13":"tag-deutschland","14":"tag-germany","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-nachrichten-aus-deutschland","18":"tag-news","19":"tag-news-aus-deutschland","20":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114944469026270641","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/306642","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=306642"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/306642\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/306643"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=306642"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=306642"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=306642"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}