{"id":306717,"date":"2025-07-30T22:49:13","date_gmt":"2025-07-30T22:49:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/306717\/"},"modified":"2025-07-30T22:49:13","modified_gmt":"2025-07-30T22:49:13","slug":"fly-by-night-review-metal-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/306717\/","title":{"rendered":"Fly By Night Review \u2022 metal.de"},"content":{"rendered":"<p>Das zweite RUSH-Album \u201cFly By Night\u201d erschien am 14. Februar 1975, knapp ein Jahr nach dem selbstbetitelten Deb\u00fctalbum des Progressive-Rock-Trios. Das hatte Kollege Endres einst \u00e4u\u00dferst pr\u00e4zise als Werk bezeichnet, auf dem die Kanadier LED ZEPPELIN, CREAM und YES nacheiferten und wo sogar Geddy Lee seinen Gesang am Vorbild Robert Plant ausrichtete. Folglich kam es bei zeitgen\u00f6ssischen Kritikern nicht besonders gut an, wohingegen man <a href=\"https:\/\/www.metal.de\/reviews\/rush-rush-57596\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201cRush\u201d in der R\u00fcckschau<\/a> deutlich wohlwollender begegnen darf.<\/p>\n<p>Finding My Way<\/p>\n<p>Auf \u201cFly By Night\u201d sollten RUSH allerdings beginnen, ihren eigenen Weg einzuschlagen \u2013 ganz im Sinne des Openersongs \u201cFinding My Way\u201d vom Deb\u00fctalbum. Doch zun\u00e4chst mussten sie eine harte Entscheidung treffen, die einem anderen Lied, \u201cTake A Friend\u201d, diametral entgegenstand: Drummer John Rutsey konnte aufgrund seiner Diabeteserkrankung das gew\u00fcnschte Livepensum nicht absolvieren und wurde vor die T\u00fcr gesetzt. \u201eTake yourself a friend \/ Keep \u201aem till the end\u201c? Nicht so richtig. Auf Rutseys Schemel nahm Neil Peart Platz, welcher fortan der Musik durch sein variantenreiches Spiel seinen Stempel aufdr\u00fccken und den Gro\u00dfteil der Texte verfassen sollte. Das Trio Geddy Lee, Alex Lifeson und Neil Peart blieb \u00fcber vier Jahrzehnte und bis zum Ende zusammen, bis Peart 2020 nach einer Krebserkrankung starb.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zu den Anf\u00e4ngen: Die erste Feuerprobe bestand der neue Drummer auf RUSHs Tour im Vorprogramm von URIAH HEEP und MANFRED MANN\u2019S EARTH BAND, deren Erfolg sich bereits an dem ersten Konzert vor 11.000 Zuschauern in Pittsburgh bemessen lassen kann. Und schon bald hatten die drei Musiker gen\u00fcgend neue St\u00fccke geschrieben, um im Dezember 1974 ins Studio zu gehen.<\/p>\n<p>Take A Friend?<\/p>\n<p>\u201cFly By Night\u201d erscheint im Februar 1975 und zeigt bereits optisch den neuen Weg der Band: Das babyblaue Albumcover mit der Eule, die ihre Schwingen ausbreitet, ist nat\u00fcrlich weit vom Deb\u00fctalbum entfernt, wo einfach nur das Bandlogo im Comicstil m\u00f6glichst dynamisch aufploppt. Auch die mit Weichzeichner aufgenommenen Bilder der Bandmitglieder deuten einen Richtungswechsel an.<\/p>\n<p>Und der ist h\u00f6rbar: Beg\u00fcnstigt durch einen transparenteren Sound ist das variantenreichere, ja progressive Schlagzeugspiel von Neil Peart bereits beim Opener \u201cAnthem\u201d deutlich zu vernehmen. Die Gitarrenarpeggien sind verwinkelter und der Gesang \u00e4hnlich selbstbewusst wie die knackigen Bassl\u00e4ufe. Dass das Album aber nicht komplett mit der Vergangenheit bricht, zeigen \u201cBest I Can\u201d und \u201cBeneath, Between &amp; Behind\u201d \u2013 gerade letzteres St\u00fcck schippert immer noch sehr deutlich im Fahrwasser von LED ZEPPELIN. Schlecht ist das aber dennoch nicht.<\/p>\n<p>\u201cFly By Night\u201d bricht nicht komplett<\/p>\n<p>Mit \u201cBy-Tor &amp; The Snow Dog\u201d dringen die drei Musiker dann aber erstmals auf diesem Album in progressive Gefilde ein. Den ambitionierten Ansatz dokumentiert die Tracklist, die dem 8:40 Minuten langen Song gleich acht Sektionen zuweist. Der Hintergrund zum St\u00fcck \u00fcber Prince By-Tor und den Schneehund, die miteinander k\u00e4mpfen, ist allerdings ziemlich banal: Den Ausgangspunkt bilden die beiden Hunde von RUSHs Manager, welche die Spitznamen Biter und Snowdog abbekamen. Geddy Lee erinnert sich: \u201eWir m\u00fcssen eines Tages high gewesen sein, als wir uns ein Lied \u00fcber diese beiden Hunde vorstellten. Und dann machte sich Neil an die Arbeit und schrieb es.\u201c Sp\u00e4ter bezeichnete er den Song als \u201eeinen Witz, der au\u00dfer Kontrolle geriet\u201c.<\/p>\n<p>Ganz unbissig und handzahm gibt sich der Beginn der zweiten LP-Seite mit dem Titelsong: \u201cFly By Night\u201d handelt von Pearts Erfahrungen, als er als junger Musiker von Kanada nach London zog, bevor er zu RUSH kam. Lifesons Riffing ist wie aus dem Lehrbuch, die Melodief\u00fchrung etwas lieblich. Eing\u00e4ngig ist das St\u00fcck aber allemal. \u201cMaking Memories\u201d setzt dagegen den Schwerpunkt auf die vollen Akkorde auf der 12-saitigen Akustikgitarre. \u201cRivendell\u201d ist eine sanfte und etwas unscheinbare Ballade, die thematisch Tolkiens Werk aufgreift. Bleibt das siebenmin\u00fctige \u201cIn The End\u201d, das per definitionem nur am Schluss stehen kann und alle Stimmungen, alle verwendeten Gitarrensounds sowie alle Gesangslagen noch einmal auff\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Unbissig und handzahm<\/p>\n<p>Insgesamt zeigt \u201cFly By Night\u201d deutlich die Entwicklung von RUSH weg vom direkten Hardrock hin zu progressiveren Sounds. Dabei haben die Kanadier einige sch\u00f6ne, memorable Songs erschaffen, wie den Opener, \u201cBy-Tor &amp; The Snow Dog\u201d und den Titeltrack. Gleichzeitig steckt in den St\u00fccken aber auch viel S\u00fc\u00dfe und Weichzeichner (in den Portr\u00e4ts der Bandmitglieder somit ziemlich viel Wahrheit). Auch ist die Gitarrenarbeit h\u00e4ufig noch sehr bodenst\u00e4ndig und geht den einfachen Weg und verk\u00f6rpert noch nicht die Komplexit\u00e4t sp\u00e4terer Werke \u2013 wer Alex Lifeson auf der Gitarre nacheifern m\u00f6chte, findet hier aber reichlich Anschauungsmaterial.<\/p>\n<p>Bleibt die zeitgen\u00f6ssische Kritik, die wenig zimperlich mit RUSH umgehen sollte: \u201czweitklassig\u201d, \u201cveraltet\u201d, \u201cschrecklich\u201d und \u201cmittelm\u00e4\u00dfig\u201d sind einige der Attribute, mit denen Songs, Kompositionen, Stimme und Konzept beschrieben wurden und die neben einigem Lob f\u00fcr die neue Ausrichtung und die spielerische Klasse stehen. Der Erfolg gab RUSH indes recht: Eine weitere erfolgreiche Tour im Vorprogramm von KISS und AEROSMITH standen ebenso auf der Habenseite wie 110.000 verkaufte Einheiten des Albums in den ersten Monaten.<\/p>\n<p>Zeitgen\u00f6ssische Kritik und Einordnung<\/p>\n<p>\u201cFly By Night\u201d ist in der Gesamtheit der Songs sicherlich nicht RUSHs bestes Album. Als sich der Verfasser dieser Zeilen aber vor (in seinem Fall) 35+ Jahren mit den Klassikeralben von RUSH auseinandersetzen wollte, hat er sich \u201cFly By Night\u201d eben auch zugelegt und irgendwie auch lieben gelernt. Da spielt die Benotung eine untergeordnete Rolle. Ebenso die Querverweise auf andere Bands, die heute nicht mehr so im Mittelpunkt stehen wie vielleicht zur Zeit der Ver\u00f6ffentlichung. \u201cFly By Night\u201d ist unverkennbar RUSH.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/0f2caf27612b4ba989729e3c8850fef1.gif\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"\/><\/p>\n<p>Schon bald ging es f\u00fcr die Kanadier weiter, die noch im selben Jahr ihr drittes Werk \u201cCaress Of Steel\u201d ver\u00f6ffentlichten \u2013 an dem sich einmal mehr die Geister scheiden sollten. Dazu bald mehr in einer weiteren Folge in unserer \u201cBlast From The Past\u201d-Serie.<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das zweite RUSH-Album \u201cFly By Night\u201d erschien am 14. 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