{"id":306842,"date":"2025-07-30T23:58:09","date_gmt":"2025-07-30T23:58:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/306842\/"},"modified":"2025-07-30T23:58:09","modified_gmt":"2025-07-30T23:58:09","slug":"hamburg-bremen-arbeitszeitbetrug-wann-beschaeftigte-vorsichtig-sein-muessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/306842\/","title":{"rendered":"Hamburg\/Bremen | Arbeitszeitbetrug? Wann Besch\u00e4ftigte vorsichtig sein m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"<p>Hamburg\/Bremen (dpa\/tmn) &#8211; Fr\u00fchzeitig einstempeln, einen Arzttermin vorschieben oder im Homeoffice nebenher privat im Internet surfen: Ein wenig Schummelei geh\u00f6rt bei manchen dazu, wenn es um die Arbeitszeit geht. Doch das kann mitunter schwerwiegende Folgen haben. Was Besch\u00e4ftigte zum Thema Arbeitszeitbetrug wissen m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p>Was versteht man unter Arbeitszeitbetrug?<\/p>\n<p>\u00abArbeitszeitbetrug liegt vor, wenn Besch\u00e4ftigte wissentlich unrichtige Angaben zur geleisteten Arbeitszeit machen\u00bb, sagt der Hamburger Arbeitsrechtler Prof. Michael Fuhlrott f\u00fcr den Verband deutscher Arbeitsrechtsanw\u00e4lte (VDAA).<\/p>\n<p>Ebenfalls von Arbeitszeitbetrug ist die Rede, wenn Besch\u00e4ftigte die Arbeitszeitvorgaben bewusst unterlaufen \u2013 etwa, indem sie Ein- und Ausstempeln ohne eine tats\u00e4chliche Arbeitsleistung erbracht zu haben. \u00abAuch wenn man elektronische Ger\u00e4te zur Arbeitszeiterfassung manipuliert oder andere mit dem Ein- und Ausstempeln beauftragt, spricht man von Arbeitszeitbetrug\u00bb, sagt die Juristin Josephine Klose von der Arbeitnehmerkammer Bremen.<\/p>\n<p>Rechtliche Grundlage ist laut Fuhlrott vor allem der Arbeitsvertrag. Hiernach schulden Besch\u00e4ftigte einen bestimmten Umfang von Arbeitsleistung, beispielsweise 40 Stunden pro Woche. Diese m\u00fcssen Arbeitnehmende erbringen (das ist ihre Hauptpflicht aus dem Arbeitsverh\u00e4ltnis) \u2013 und auch korrekt dokumentieren (das ist ihre Nebenpflicht aus dem Arbeitsverh\u00e4ltnis).<\/p>\n<p>Welche Grauzonen gibt es beim Arbeitszeitbetrug?<\/p>\n<p>Graubereiche gibt es vor allem bei Vertrauensarbeitszeit und mobilem Arbeiten. \u00abAuch kurze Raucherpausen oder private Telefonate dokumentieren viele nicht \u2013 hier kommt es auf Ausma\u00df, H\u00e4ufigkeit und betriebliche Regelungen an\u00bb, sagt Fuhlrott.\u00a0<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Wird es im Unternehmen etwa geduldet, dass man f\u00fcr Raucherpausen in moderatem Umfang nicht ausstempelt? Was ist, wenn der Arbeitnehmer sich einen Kaffee holt und mit einer Kollegin an der Kaffeemaschine einen 15-min\u00fctigen Plausch \u00fcber den letzten Urlaub h\u00e4lt, also sich nicht \u00fcber Arbeitsthemen austauscht?\u00a0<\/p>\n<p>\u00abFormal ist dies keine Arbeitszeit, sondern Pausenzeit\u00bb, so Fuhlrott. Allerdings: Laut Josephine Klose d\u00fcrften in den meisten Firmen Privatgespr\u00e4che in aller Regel in geringem Umfang akzeptiert sein. Schlie\u00dflich tr\u00fcgen sie zu einer guten Atmosph\u00e4re und auch zu einer besseren Arbeitsleistung bei.<\/p>\n<p>Welche Tendenz zeigt sich vor Gericht? K\u00f6nnen auch schon vermeintlich harmlose Schummeleien Folgen haben?<\/p>\n<p>\u00abGerichte verharmlosen Arbeitszeitbetrug nicht\u00bb, so Klose. Dabei ist ihr zufolge das Gewicht des Betrugs ma\u00dfgeblich, und wie hoch der Grad des Vertrauensverlustes ist. Im Klartext: Auch kleinere T\u00e4uschungen k\u00f6nnen arbeitsrechtlich relevant sein, wenn diese das Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ersch\u00fcttern.<\/p>\n<p>Fuhlrott verweist auf ein Urteil des Landesarbeitsgerichts K\u00f6ln: Das Gericht hatte bei einem Fahrscheinpr\u00fcfer, der w\u00e4hrend der von ihm dokumentierten Arbeitszeit umfangreich private Erledigungen vornahm, nicht nur die fristlose K\u00fcndigung f\u00fcr wirksam erachtet.\u00a0<\/p>\n<p>Die Richter verurteilten den Arbeitnehmer auch zum Ersatz der Detektivkosten in H\u00f6he von knapp 20.000 Euro, die der Arbeitgeber nach entsprechenden Hinweisen verausgabt hatte, um den Arbeitnehmer zu \u00fcberwachen und ihn des Arbeitszeitbetrugs zu \u00fcberf\u00fchren (LAG K\u00f6ln, Urteil vom 11.2.2025 \u2013 <a href=\"https:\/\/nrwe.justiz.nrw.de\/arbgs\/koeln\/lag_koeln\/j2025\/7_Sa_635_23_Urteil_20250211.html\" target=\"_blank\" class=\"externalLink\" rel=\"noreferrer noopener\">7 Sa 635\/23<\/a>).<\/p>\n<p>Endet Arbeitszeitbetrug immer in einer fristlosen K\u00fcndigung?<\/p>\n<p>Nein. \u00abAndere m\u00f6gliche Konsequenzen sind eine ordentliche K\u00fcndigung oder auch lediglich eine Abmahnung\u00bb, sagt Klose. Welche Folgen ein Arbeitszeitbetrug hat, h\u00e4ngt unter anderem vom Umfang des Betrugs, aber auch von weiteren Faktoren wie der Dauer des Arbeitsverh\u00e4ltnisses ab.<\/p>\n<p>Denkbar sind auch Schadenersatzforderungen. \u00abIn gravierenden F\u00e4llen kann es auch strafrechtliche Konsequenzen wegen Betrugs oder Urkundenf\u00e4lschung geben, was aber in der Praxis sehr selten vorkommt\u00bb, so Fuhlrott.<\/p>\n<p>Wer muss den Betrug beweisen?<\/p>\n<p>\u00abDer Arbeitgeber muss in einem Gerichtsverfahren stichhaltig beweisen, dass ein Besch\u00e4ftigter Arbeitszeitbetrug begangen hat\u00bb, sagt Klose. Solche Beweise k\u00f6nnen etwa Zeugenaussagen, technische Protokolle oder Videoaufzeichnungen sein.<\/p>\n<p>Welche Mittel sind erlaubt, wenn Arbeitgeber die Einhaltung der Arbeitszeit \u00fcberpr\u00fcfen wollen?<\/p>\n<p>Der Arbeitgeber darf Besch\u00e4ftigte nicht anlasslos \u00fcberwachen. \u00abEs muss der begr\u00fcndete Verdacht auf eine schwerwiegende Pflichtverletzung vorliegen, wenn ein Arbeitgeber Detektive auf einen Arbeitnehmenden ansetzt oder Keylogger nutzt\u00bb, so Klose. Ein Keylogger ist eine Software, mit der man an einem digitalen Ger\u00e4t Tastatureingaben \u00fcberwachen und aufzeichnen kann.<\/p>\n<p>Unproblematisch ist es laut Fuhlrott, wenn Arbeitgeber eine offene und transparente Arbeitszeiterfassung gegebenenfalls auch mit technischer Unterst\u00fctzung nutzen.<\/p>\n<p>Was passiert bei unbeabsichtigtem Fehlverhalten?<\/p>\n<p>Unabsichtliche Fehler \u2013 etwa durch versehentlich falsches Eintragen \u2013 f\u00fchren in der Regel nicht sofort zu Sanktionen. \u00abEntscheidend ist, ob ein Vorsatz erkennbar war und wie der Mitarbeitende mit dem Fehler umgeht\u00bb, sagt Fuhlrott. Hier komme es auf eine Korrektur und eine offene Kommunikation an.<\/p>\n<p>Es h\u00e4ngt auch davon ab, ob der Besch\u00e4ftigte glaubhaft darlegen kann, dass es ein unabsichtlicher Fehler war. \u00abWer zum zweiten Mal vorgibt, vergessen zu haben, eine Raucherpause einzutragen, muss dem Gericht schon sehr genau erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, warum dies unbeabsichtigt erfolgt ist\u00bb, so Fuhlrott.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hamburg\/Bremen (dpa\/tmn) &#8211; Fr\u00fchzeitig einstempeln, einen Arzttermin vorschieben oder im Homeoffice nebenher privat im Internet surfen: Ein wenig&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":306843,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[1140,1141,630,1483,4941,29,30,692,624,1009,20900,11747],"class_list":{"0":"post-306842","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-arbeit","9":"tag-arbeitszeit","10":"tag-beruf","11":"tag-betrug","12":"tag-cjab","13":"tag-deutschland","14":"tag-germany","15":"tag-hamburg","16":"tag-ratgeber","17":"tag-recht","18":"tag-tmn0305","19":"tag-urteile"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114944901391946179","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/306842","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=306842"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/306842\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/306843"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=306842"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=306842"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=306842"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}