{"id":307586,"date":"2025-07-31T06:58:13","date_gmt":"2025-07-31T06:58:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/307586\/"},"modified":"2025-07-31T06:58:13","modified_gmt":"2025-07-31T06:58:13","slug":"gaza-israel-und-der-hunger-ein-kommentar-von-philipp-peyman-engel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/307586\/","title":{"rendered":"Gaza, Israel und der Hunger: Ein Kommentar von Philipp Peyman Engel"},"content":{"rendered":"<p>Wussten Sie, dass Israel allein in diesem Monat rund 34.000 Tonnen Hilfsg\u00fcter in den Gazastreifen gebracht hat, um zur Ern\u00e4hrung der pal\u00e4stinensischen Zivilbev\u00f6lkerung beizutragen? Wussten Sie, dass die US-Agentur \u00bbGaza Humanitarian Foundation\u00ab pro Tag mehrere Millionen Mahlzeiten austeilt, damit die Menschen in dem Kriegsgebiet mit dem N\u00f6tigsten versorgt werden? Wussten Sie, dass Israel vorletzte Woche mehr als 600 Lkw-Ladungen nach Gaza eingef\u00fchrt hat \u2013 unter hohem logistischem Aufwand und ebenso gro\u00dfer Gefahr?<\/p>\n<p>Wussten Sie, dass in diesen Tagen Hunderte Tonnen an Hilfslieferungen an der Grenze zu Gaza in der Sonne verrotteten, weil die Vereinten Nationen und andere Organisationen sie schlicht und einfach nicht abholten, zugleich aber die israelische Regierung lauthals anklagten, die Einwohner von Gaza auszuhungern? Wussten Sie, dass \u00c4gypten die Grenze zu Gaza fast komplett abschottet und nahezu keine Hilfslieferungen erm\u00f6glicht?<\/p>\n<p>Wussten Sie, dass viele der schockierenden Fotos, die zurzeit im Netz und in seri\u00f6sen Medien zirkulieren, in Wahrheit keine unter Hunger leidenden Kinder zeigen, sondern Kinder mit unheilbaren Krankheiten?<\/p>\n<p>Wussten Sie, dass Israel einr\u00e4umt, dass die humanit\u00e4re Lage im Gazastreifen angespannt ist, was Kriegen oftmals leider immanent ist, aber eine Hungersnot vehement bestreitet? Wussten Sie, dass in den USA, einem der reichsten L\u00e4nder der Welt, f\u00fcnf bis sieben Prozent der Kinder unterern\u00e4hrt sind, w\u00e4hrend im Gazastreifen laut dem Pal\u00e4stinenserhilfswerk UNRWA nur unwesentlich mehr Kinder Symptome von Unterern\u00e4hrung zeigen, n\u00e4mlich aufgerundet neun Prozent?<\/p>\n<p>Wussten Sie, dass Israel das einzige Land in der Geschichte ist, das \u2013 mit guten Gr\u00fcnden \u2013 die Bev\u00f6lkerung jenes Landes ern\u00e4hrt, von dem es angegriffen wurde und gegen das es sich nun mit milit\u00e4rischen Mitteln zur Wehr setzen muss, um nicht erneut angegriffen zu werden und um die eigenen Staatsb\u00fcrger, die als Geiseln genommen wurden, zu befreien?<\/p>\n<p class=\"u-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p>Wer sich \u00fcberwiegend in deutschen Medien informiert, wird die Mehrheit der oben genannten Fragen mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit mit Nein beantworten. Und mehr noch: Die Wahrscheinlichkeit ist nicht eben gering, dass die Fragen als Versuch gewertet werden, das Leid in Gaza zu relativieren oder gar zu negieren. Weder das eine noch das andere ist zutreffend.<\/p>\n<p>Um es klar zu sagen: Die Not in Gaza ist real. Und sowohl die internationale Gemeinschaft als auch Israel m\u00fcssen noch mehr, sie m\u00fcssen alles daf\u00fcr tun, dass dieses Leid m\u00f6glichst schnell aufh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Zugleich entsprechen die oben genannten Informationen zu hundert Prozent den Tatsachen. Jerusalem ist zwar im Begriff, die Hamas milit\u00e4risch zu besiegen. Den Krieg der Informationen und der Bilder aber hat die pal\u00e4stinensische Terrororganisation schon l\u00e4ngst gewonnen \u2013 beg\u00fcnstigt durch das Versagen westlicher Journalisten und Politiker. Wie \u00bbWELT\u00ab-Herausgeber Ulf Poschardt j\u00fcngst feststellte, als die Wochenzeitung \u00bbDie Zeit\u00ab einen schonungslos-ehrlichen Text von Maxim Biller kurzerhand \u00bbdepublizierte\u00ab: Der Westen wird gerade vergiftet, insbesondere durch die Akzeptanz der Hamas-Propaganda in der Presse. Denn der Vorwurf \u2013 oder genauer: die L\u00fcge \u2013, Israel w\u00fcrde die pal\u00e4stinensische Zivilbev\u00f6lkerung aushungern und einen V\u00f6lkermord begehen, ist mittlerweile Mehrheitsmeinung.<\/p>\n<p>Es ist ein abgedroschenes Zitat, aber es stimmt: Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit. Seit dem Massaker der Hamas an israelischen Zivilisten am 7. Oktober 2023 erlebt die Welt die Neuauflage von alten antisemitischen Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen. Fr\u00fcher hie\u00df es kontrafaktisch, dass die Juden christliche Kinder umbringen w\u00fcrden, um mit deren Blut Mazzot herzustellen. Heute hei\u00dft es ebenso kontrafaktisch, Israel \u2013 der Jude unter den Staaten \u2013 hungere Kinder in Gaza aus oder erschie\u00dfe willk\u00fcrlich unschuldige Zivilisten, um sich deren Heimat einverleiben zu k\u00f6nnen. Die Maxime scheint zu lauten: Je abwegiger, je abartiger der Vorwurf gegen den Judenstaat, desto besser.<\/p>\n<p>Es ist ein Narrativ mit fatalen Folgen. Ein kleines, im Vergleich zu anderen Vorg\u00e4ngen fast schon harmloses Beispiel: W\u00e4hrend Linken-Chef Jan van Aken gegen die angeblichen \u00bbHungerm\u00f6rder\u00ab in Israel hetzt, \u00fcbernehmen seine Follower auf dessen Social-Media-Seite die Hetze gegen Juden in der Diaspora, etwa gegen den Pianisten Igor Levit oder die Holocaust-\u00dcberlebende Charlotte Knobloch, die \u00bbsofort verhaftet und einem Kriegsverbrechertribunal zugef\u00fchrt\u00ab werden sollten. Einspruch vom Linken-Chef? Fehlanzeige!<\/p>\n<p>Fr\u00fcher galt mit Jean Am\u00e9ry: \u00bbDer Antisemitismus, mit dem wir es heute zu tun haben, nennt seinen Namen nicht. Im Gegenteil: Will man ihn haftbar machen, verleugnet er sich. (\u2026) Er sei nicht der, als den man ihn hinstelle, nicht Antisemit also sei er, sondern Anti-Zionist!\u00ab Heute gilt nicht einmal mehr das. Mittlerweile ist alles erlaubt. Alle D\u00e4mme sind gebrochen. Der Judenhass zeigt sich ganz ungeniert.<\/p>\n<p class=\"u-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p>Ein antisemitischer Sturm w\u00fctet zurzeit durch Europa, wie wir ihn in der Intensit\u00e4t seit Jahrzehnten nicht erlebt haben: Die Antisemitismusstatistiken explodieren geradezu. Immer mehr Juden in Berlin erw\u00e4gen, ihre Heimat zu verlassen. In \u00d6sterreich werden Juden aus Restaurants und Campingpl\u00e4tzen geschmissen, blo\u00df weil sie Israelis sind; in Frankreich wird ein Rabbiner verpr\u00fcgelt, in Spanien j\u00fcdische Jugendliche aus Flugzeugen geworfen, blo\u00df weil sie auf Hebr\u00e4isch singen.<\/p>\n<p>Wehret den Anf\u00e4ngen? Davon kann keine Rede sein! Stattdessen: Aber das V\u00f6lkerrecht! Aber der angebliche V\u00f6lkermord in Gaza! Das Ma\u00df ist voll. Es ist schon lange nicht mehr zu ertragen.<\/p>\n<p>Und unsere Politiker? Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron kapituliert einmal mehr vor der muslimisch-arabischen Stra\u00dfe und will noch im Herbst dieses Jahres einen pal\u00e4stinensischen Staat anerkennen. Bereits Ende 2023 feierten die muslimisch-israelfeindlichen Banlieues den Politiker, als dieser erkl\u00e4rte, nicht an der gro\u00dfen Anti-Antisemitismus-Kundgebung in Paris teilzunehmen, weil er den Staatsfrieden nicht gef\u00e4hrden wolle. Sprich: Wenn er teilnimmt, brennen die Banlieues.<\/p>\n<p>Nun darf sich also die Hamas freuen: Massenmord lohnt sich! Als Geschenk f\u00fcr die Ermordung von \u00fcber 1200 israelischen Babys, Kindern, M\u00fcttern, Familienv\u00e4tern und Holocaust-\u00dcberlebenden gibt es endlich einen eigenen Staat! 77 Jahre lang hat die pal\u00e4stinensische F\u00fchrung keine Gelegenheit ausgelassen, Gelegenheiten auszulassen, sich auf eine Zwei-Staatenl\u00f6sung zu einigen, und jetzt soll es einen eigenen Staat ohne Verhandlungen, g\u00e4nzlich frei Haus geben.<\/p>\n<p>Wer mag den Pal\u00e4stinensern widersprechen, wenn sie sagen: Die Europ\u00e4er sind n\u00fctzliche Idioten. Sie sind tats\u00e4chlich noch d\u00fcmmer, als wir vermutet haben.<\/p>\n<p>Vergangene Woche lief eine Meldung \u00fcber die Ticker, der inmitten der V\u00f6lkermordvorw\u00fcrfe gegen Israel fast keine Beachtung geschenkt wurde. Der Inhalt: Die USA zogen ihr Verhandlungsteam aus Katar frustriert ab. Die Hamas wolle keine Waffenruhe, stellte der US-Sondergesandte Steve Witkoff geradezu gekr\u00e4nkt-emp\u00f6rt fest.<\/p>\n<p class=\"u-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p>\u00dcberraschung: Nat\u00fcrlich will die Hamas keinen Frieden! Die Hamas wird die israelischen Geiseln und ihr eigenes Volk weiter qu\u00e4len. Die Hamas versucht, sich weiterhin an der Macht zu halten, koste es was es wolle.<\/p>\n<p>Unterdessen werden Bundeskanzler Friedrich Merz und sein Au\u00dfenminister Johann Wadephul (beide CDU) nicht m\u00fcde, die israelische Regierung \u00f6ffentlich anzuz\u00e4hlen und an den Pranger zu stellen. Jerusalem zu kritisieren, auch scharf, ist ihr gutes Recht und immer wieder auch notwendig, wie bei jedem anderen Staat weltweit auch. Die grunds\u00e4tzlich guten und gefestigten deutsch-israelischen Beziehungen halten das aus.<\/p>\n<p>Doch immer \u00f6fter muss man sich fragen: warum diese komplette Einseitigkeit? Warum spricht die Bundesregierung neuerdings Israel das Recht ab, sich gegen die Hamas zur Wehr zu setzen? Warum blieben zudem \u00fcber Wochen die Hinweise auf die grausamen Schicksale der israelischen Geiseln \u2013 unter ihnen \u00fcbrigens mehrere deutsche Staatsb\u00fcrger \u2013 in den F\u00e4ngen der Hamas aus? Warum wird bis heute kein Druck auf die Hamas und ihre Unterst\u00fctzer in Iran oder Katar ausge\u00fcbt, um endlich die restlichen Geiseln zu befreien und die Hamas zur Kapitulation zu bewegen?<\/p>\n<p>Niemand m\u00f6ge sich angesichts dessen wundern, dass es der Hamas seit anderthalb Jahren gelingt, die Friedensverhandlungen systematisch zu sabotieren und im Wortsinne zu attackieren.<\/p>\n<p>Man muss es so deutlich sagen: Sowohl der Bundeskanzler als auch der Au\u00dfenminister haben die Geiseln, die von der Hamas wie Tiere in Ketten in Tunneln unter Gaza gehalten, misshandelt und ausgehungert werden, \u00fcber Wochen im Stich gelassen. Sie lassen zunehmend auch Israel im Stich.<\/p>\n<p>Beide klingen immer mehr wie Ex-Au\u00dfenministerin Annalena Baerbock, deren verheerende Nahost-Politik beide, sowohl Merz als auch Wadephul, nach dem 7. Oktober 2023 rund anderthalb Jahre lang im Bundestag so treffend und pointiert kritisiert hatten.<\/p>\n<p class=\"u-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p>Keine \u00dcbertreibung, keine billige Polemik, keine Relativierung: Es ist ein gro\u00dfes Gl\u00fcck, dass es in den 40er-Jahren weder Live-Ticker noch TikTok gab. Warum? Wahrscheinlich h\u00e4tten die Nationalsozialisten die Angriffe der Alliierten als V\u00f6lkermord, als Genozid skandalisiert und gro\u00dfe Teile der Welt h\u00e4tten auf Frieden mit dem NS-Regime gedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Im Grunde ist es ebenso banal wie einleuchtend: Israel hat alles Recht der Welt, sich gegen den Terror der Hamas zur Wehr zu setzen. Alles Recht, die eigenen Staatsb\u00fcrger, die von der Hamas verschleppt wurden, zu befreien. Alles Recht, k\u00fcnftige Angriffe zu unterbinden. Und alles Recht, k\u00fcnftig endlich in Frieden und in Freiheit mit seinen Nachbarn zu leben.<\/p>\n<p>Kein Land auf der Welt w\u00fcrde es zulassen, T\u00fcr an T\u00fcr mit einer hochger\u00fcsteten Armee zu leben, die alles daf\u00fcr tun w\u00fcrde, den Nachbarn auszul\u00f6schen. Warum also verlangt man dies von Israel?<\/p>\n<p>Warum wird Israel denunziert? Warum wird dem j\u00fcdischen Staat jene Hilfe verwehrt, die es verdient hat und die zur langfristigen Sicherung seiner Existenz notwendig ist?<\/p>\n<p>engel@juedische-allgemeine.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wussten Sie, dass Israel allein in diesem Monat rund 34.000 Tonnen Hilfsg\u00fcter in den Gazastreifen gebracht hat, um&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":307587,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1773],"tags":[573,574,29,214,30,411,570,576,572,80,14,16,575,471,1780,215,571],"class_list":{"0":"post-307586","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-serien","8":"tag-berichte","9":"tag-blogs","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-israel","14":"tag-juedische-allgemeine","15":"tag-juedisches-leben","16":"tag-kommentare","17":"tag-kultur","18":"tag-nachrichten","19":"tag-politik","20":"tag-religion","21":"tag-serien","22":"tag-series","23":"tag-unterhaltung","24":"tag-wochenzeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114946552958576762","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/307586","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=307586"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/307586\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/307587"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=307586"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=307586"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=307586"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}