{"id":30778,"date":"2025-04-14T08:24:24","date_gmt":"2025-04-14T08:24:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/30778\/"},"modified":"2025-04-14T08:24:24","modified_gmt":"2025-04-14T08:24:24","slug":"kampf-ums-voelkerschlachtdenkmal-kriegsende-in-leipzig-1945","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/30778\/","title":{"rendered":"Kampf ums V\u00f6lkerschlachtdenkmal: Kriegsende in Leipzig 1945"},"content":{"rendered":"<p>Neuer Kampfkommandant will Leipzig halten<\/p>\n<p class=\"text\">\nDennoch bleiben dem V\u00f6lkerschlachtdenkmal gr\u00f6\u00dfere Zerst\u00f6rungen zun\u00e4chst erspart. Im Fr\u00fchjahr 1945 sieht es danach aus, dass das auch so bleiben k\u00f6nnte. Als die US-Amerikaner im April auf Leipzig vorr\u00fccken, sind sich Oberb\u00fcrgermeister Alfred Freytag, Polizeipr\u00e4sident Wilhelm von Grolman und Kampfkommandant Generalmajor Hans von Ziegesar einig, dass eine Verteidigung der Stadt aufgrund fehlender Kr\u00e4fte nicht m\u00f6glich ist. Doch am 10. April wird Ziegesar durch den 46-j\u00e4hrigen Oberst der Gebirgsj\u00e4ger und Ritterkreuztr\u00e4ger Hans von Poncet abgel\u00f6st. Der ist &#8222;offensichtlich linientreu&#8220; genug, die Stadt unbedingt verteidigen zu wollen, wie der Leiter des V\u00f6lkerschlachtdenkmals Dr. Steffen Poser erkl\u00e4rt. Daf\u00fcr will er &#8222;alle bewaffneten Kr\u00e4fte inklusive Polizei unter seinen Befehl haben&#8220;. Doch Freytag und Grolman lehnen das ab. Damit ist Poncets Plan einer gestaffelten Verteidigung obsolet.\n<\/p>\n<p>K\u00e4mpfe um Hauptbahnhof und Rathaus<\/p>\n<p class=\"text\">\nAls die US-Truppen ab dem <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/zweiter-weltkrieg\/1945\/kampf-um-leipzig-sachsen-zweiter-weltkrieg-kriegsende-100.html\" title=\"Kampf um Leipzig: Blutiges Kriegsende an der Plei\u00dfe\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">17. April in Leipzig einr\u00fccken<\/a>, schl\u00e4gt ihnen zwar \u00f6rtlich heftiger, aber kein systematischer Widerstand entgegen. Zu schweren K\u00e4mpfen kommt es in der Nacht vom 18. auf den 19. April am Hauptbahnhof. Der Widerstand im Neuen Rathaus wird nach drei erfolglosen Sturmversuchen am fr\u00fchen Nachmittag des 19. April durch Verhandlungen beendet. Nur am Leipziger V\u00f6lkerschlachtdenkmal wird noch weitergek\u00e4mpft. Hier hat sich Kampfkommandant Poncet mit rund 200 Soldaten verschanzt. Das zu 90 Prozent aus Beton bestehende und mit hartem Granitporphyr verkleidete Denkmal mit seinen meterdicken Mauern ist wie eine kleine Festung. Zur Au\u00dfenverteidigung haben Poncets M\u00e4nner Sch\u00fctzengr\u00e4ben angelegt und mit MGs und Panzerf\u00e4usten best\u00fcckt. Auch Munition und Lebensmittel hat der Kampfkommandant in gro\u00dfen Mengen ranschaffen lassen, erz\u00e4hlt Denkmalleiter Poser: &#8222;Da wird gesagt, der h\u00e4tte hier Monate aushalten k\u00f6nnen.&#8220;\n<\/p>\n<p>Letzte Bastion V\u00f6lkerschlachtdenkmal<\/p>\n<p class=\"text\">\nPoncet und seine Soldaten sind wild entschlossen, ihre Stellung zu halten. Als am 18. April eine Kampfgruppe der US-Amerikaner \u00fcber die heutige Prager Stra\u00dfe in Richtung Innenstadt rollt, wird sie vom V\u00f6lkerschlachtdenkmal aus beschossen. Mehrere gepanzerte Fahrzeuge werden getroffen. Die Amerikaner gehen zu Infanterieangriffen \u00fcber, was sich Poser zufolge als &#8222;keine gute Idee&#8220; erweist. Denn w\u00e4hrend Poncets M\u00e4nner &#8222;in dem burgartigen Geb\u00e4ude gut gesch\u00fctzt&#8220; sind, sind die US-Soldaten bei ihrem Angriff &#8222;den Denkmalh\u00fcgel aufw\u00e4rts v\u00f6llig ungedeckt&#8220;. Es gibt Tote, Verwundete und Gefangene. Polizeipr\u00e4sident von Grolman bietet US-Befehlshaber General Emil F. Reinhardt die \u00dcbergabe der Stadt an. Der lehnt jedoch ab, solange am V\u00f6lkerschlachtdenkmal noch gek\u00e4mpft wird. Daraufhin versucht Grolman Kampfkommandant Poncet von einer Kapitulation zu \u00fcberzeugen, was der mit Verweis auf den F\u00fchrerbefehl ablehnt. Nun fahren die Amerikaner im wahrsten Sinne des Wortes schwere Gesch\u00fctze auf.\n<\/p>\n<p>Artilleriegranate explodiert im Denkmal<\/p>\n<p class=\"text\">\nAm 19. April gehen am Monarchenh\u00fcgel in Liebertwolkwitz 155-Millimeter-Haubitzen in Stellung. Geleitet von einem Artillerieflieger nehmen sie das V\u00f6lkerschlachtdenkmal unter Beschuss. Die s\u00fcd\u00f6stliche R\u00fcckseite wird dabei arg l\u00e4diert. Die Sprenggranaten hinterlassen zun\u00e4chst aber nur Einkerbungen im Gestein und versetzte Quader. Der Besatzung im Denkmal f\u00fcgen sie keinen Schaden zu. Dann wird jedoch das gro\u00dfe steinerne Rundbogenfenster durch einen Treffer zerst\u00f6rt. Als schlie\u00dflich eine Artilleriegranate durch die Fensterh\u00f6hlung fliegt und in der Ruhmeshalle explodiert, w\u00e4chst auf deutscher Seite die Breitschaft zu verhandeln. &#8222;Ich m\u00f6chte mir nicht vorstellen, wie sich eine explodierende Granate im V\u00f6lkerschlachtdenkmal anh\u00f6rt und welche psychologischen Wirkungen das hat&#8220;, erkl\u00e4rt Poser die einsetzende Gespr\u00e4chsbereitschaft von Poncet und seinen Leuten.\n<\/p>\n<p>Poncet beruft sich auf F\u00fchrerbefehl<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Verhandlungen auf amerikanischer Seite f\u00fchrt Hauptmann Hans Trefousse, ein in die USA emigrierter Deutscher. Er trifft sich mit Poncet um 15 Uhr am Andenkenstand des V\u00f6lkerschlachtdenkmals, wo er den Kampfkommandanten von einer Kapitulation \u00fcberzeugen will. Doch der deutsche Oberst bleibt hartn\u00e4ckig und lehnt eine \u00dcbergabe mit Verweis auf den F\u00fchrerbefehl weiterhin ab. Man einigt sich jedoch auf zwei Stunden Waffenruhe und die Bergung der Toten und Verwundeten. Gefangene werden nicht ausgetauscht. Auch ein Versuch von Anwohnerinnen, Poncet zum Einlenken zu bewegen, scheitert. Denkmalleiter Poser erkl\u00e4rt die Motive: &#8222;Die Frauen haben nat\u00fcrlich Angst, dass die Amerikaner irgendwann Luftunterst\u00fctzung anfordern. Dann zieht es nat\u00fcrlich automatisch die umgebenden Wohngebiete in Mitleidenschaft.&#8220;\n<\/p>\n<p>Kapitulation in der Nacht zum 20. April<\/p>\n<p class=\"text\">\nObwohl Poncet eine Kapitulation noch immer ablehnt, verhandeln Deutsche und US-Amerikaner auch nach dem Ende der offiziellen Waffenruhe um 17 Uhr weiter miteinander. Schlie\u00dflich kapituliert die deutsche Besatzung des V\u00f6lkerschlachtdenkmals am 20. April um 2 Uhr morgens. Die Soldaten gehen in Gefangenschaft und werden in Kriegsgefangenenlager im Rheinland verbracht, unter anderem auf die gef\u00fcrchteten Rheinwiesenlager bei Bad Kreuznach. Die Offiziere werden zun\u00e4chst auf Ehrenwort nach Hause entlassen, melden sich aber vereinbarungsgem\u00e4\u00df am n\u00e4chsten Tag und gehen ebenfalls in die Kriegsgefangenschaft, erz\u00e4hlt Poser: &#8222;Interessanterweise geht der Poncet nicht in Kriegsgefangenschaft. Ich nehme an, dass das wohl Teil der Kapitulationsbedingungen war.&#8220; Der letzte Kampfkommandant von Leipzig geht stattdessen nach dem Krieg nach S\u00fcdafrika, lebt &#8222;dort eine gewisse Zeit&#8220; und verbringt dann &#8222;dem Vernehmen nach einen sehr ruhigen Lebensabend im Bayerischen&#8220;.\n<\/p>\n<p>Zahlreiche Sch\u00e4den durch Beschuss<\/p>\n<p class=\"text\">\nDem V\u00f6lkerschlachtdenkmal selbst bleibt eine Zerst\u00f6rung erspart. Der Artilleriebeschuss hinterl\u00e4sst jedoch zahlreiche Sch\u00e4den. Das gro\u00dfe Rundbogenfenster auf der R\u00fcckseite ist zerst\u00f6rt. In der Ruhmeshalle klafft neben einer der Riesenfiguren ein Riesenloch. An zahlreichen Stellen im Inneren und an der Fassade haben Granatsplitter ihre Spuren hinterlassen. Auch die Br\u00fcstung der Aussichtsplattform hat einen abbekommen. Der Schaden f\u00e4llt Poser und seinem Team bei der gro\u00dfen Denkmalsanierung 2003 bis 2017 auf: &#8222;Offensichtlich waren die Quader im Moment der Explosion leicht angehoben worden und so zur\u00fcckgefallen, dass sie nicht mehr gerade, sondern ausgebeult nach au\u00dfen standen. Das ist nat\u00fcrlich erschreckend, weil es einen sehr lebhaften Eindruck vermittelt, wie heftig das gewesen ist.&#8220;\n<\/p>\n<p>Sowjetischer Kommandant befiehlt Reparaturen<\/p>\n<p class=\"text\">\nDass die gr\u00f6\u00dften Sch\u00e4den am V\u00f6lkerschlachtdenkmal nach dem Krieg zumindest oberfl\u00e4chig relativ schnell beseitigt werden, ist Poser zufolge dem sowjetischen Stadtkommandanten zu verdanken, der nach dem <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/zweiter-weltkrieg\/1945\/besatzungswechsel-mitteldeutschland-amerikaner-russen-sachsen-anhalt-thueringen-100.html\" title=\"Als die &quot;Russen&quot; in ganz Sachsen und Th\u00fcringen die Macht \u00fcbernahmen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Besatzungswechsel im Juli 1945<\/a> von den US-Amerikanern das Kommando in Leipzig \u00fcbernimmt. Das gro\u00dfe V\u00f6lkerschlachtdenkmal, das an eine Schlacht erinnert, in der die russische Armee die meisten Lasten zu tragen und den Sieg erfochten hatte, beeindruckt den General, sagt Poser: &#8222;Insofern war der ziemlich begeistert davon und gab Befehl, das Denkmal bis zum 18. Oktober 1945 wieder so weit herzurichten, dass man eine Gedenkfeier [zum Jahrestag des Sieges in der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/weitere-epochen\/voelkerschlacht\/voelkerschlacht-bei-leipzig-napoleon-verlauf-100.html\" title=\"Die V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig - Vorgeschichte, Verlauf, Folgen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig 1813<\/a>] veranstalten konnte.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Neuer Kampfkommandant will Leipzig halten Dennoch bleiben dem V\u00f6lkerschlachtdenkmal gr\u00f6\u00dfere Zerst\u00f6rungen zun\u00e4chst erspart. 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