{"id":307873,"date":"2025-07-31T09:45:11","date_gmt":"2025-07-31T09:45:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/307873\/"},"modified":"2025-07-31T09:45:11","modified_gmt":"2025-07-31T09:45:11","slug":"neue-forschungsansaetze-im-sfb-retune","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/307873\/","title":{"rendered":"Neue Forschungsans\u00e4tze im SFB ReTune"},"content":{"rendered":"<p>Dystonie im Mausmodell: Wenn Wiederholung krank macht<\/p>\n<p>Professionelle Musikerinnen und Musiker, die jahrelang feinmotorische Bewegungen wiederholen, k\u00f6nnen an einer fokalen Dystonie erkranken \u2013 eine neurologische Bewegungsst\u00f6rung, die zu anhaltenden, unwillk\u00fcrlichen Verkrampfungen und Fehlhaltungen f\u00fchrt. Auch Patientinnen und Patienten mit einer genetischen Mutation im TOR1A Gen k\u00f6nnen eine Dystonie entwickeln \u2013 oder ihr Leben lang asymptomatisch bleiben. Wie Umweltfaktoren und Genetik in die Entwicklung der Dystonie eingreifen, erforscht Dr. Lisa Harder, Neurowissenschaftlerin und Projektleiterin im DFG-Sonderforschungsbereich ReTune am Uniklinikum W\u00fcrzburg (Projekt A07: Untersuchung der kortikal-striatalen Plastizit\u00e4t und ihrer Auswirkung auf die Entwicklung des Ph\u00e4notyps bei Dystonie). Ihr Team nutzt ein genetisch pr\u00e4disponiertes Mausmodell, das durch repetitive Bewegungsabl\u00e4ufe dystone Symptome entwickelt. Damit l\u00e4sst sich erstmals systematisch untersuchen, wie Umweltfaktoren und genetische Anlagen zusammenspielen.<\/p>\n<p>Ein besonderer Fokus liegt auf einer neuen Technik: der sogenannten temporalen Interferenzstimulation (TIS), welche zusammen mit Dr. Maximilian Wessel im Mausmodell etabliert werden soll. Dabei werden zwei schwache elektrische Felder \u00fcber die Sch\u00e4deloberfl\u00e4che appliziert, um tiefer liegende Hirnareale wie das Striatum zu stimulieren \u2013 ohne operativen Eingriff. \u201eWir wollen wissen, ob sich die dystonen Symptome bei M\u00e4usen dadurch lindern lassen. Und was sich dabei im Gehirn ver\u00e4ndert\u201c, sagt Harder. Verhalten und neuronale Aktivit\u00e4t werden dabei gleichzeitig gemessen.<\/p>\n<p>Bewegung im Blick: Neuropixels-Sonden liefern neue Einsichten<\/p>\n<p>Auch das Projekt A04 (Modulation von projektionsspezifischer neuronaler Populationsdynamiken bei Bewegungsinitiierung) an der Charit\u00e9 in Berlin verfolgt einen neuartigen Ansatz. Neurowissenschaftler und ReTune-Projektleiter Dr. Yangfan Peng analysiert in einem Mausmodell, wie das Gehirn Bewegungen vorbereitet und ausf\u00fchrt sowie, was bei Erkrankungen wie Parkinson aus dem Gleichgewicht ger\u00e4t. Zum Einsatz kommen sogenannte Neuropixels-Sonden: hauchd\u00fcnne Elektroden mit bis zu 1.000 Messpunkten. Sie erm\u00f6glichen es, die Aktivit\u00e4t hunderter einzelner Neuronen gleichzeitig aus mehreren Hirnregionen aufzuzeichnen.<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen beobachten, wie sich die neuronale Aktivit\u00e4t im Motorcortex, Thalamus und Striatum bei einer gezielten Bewegung ver\u00e4ndert \u2013 und was passiert, wenn wir zus\u00e4tzlich eine tiefe Hirnstimulation einsetzen\u201c, erkl\u00e4rt Peng. Das Ziel: Ein umfassenderes Bild der Netzwerkdynamik bei Bewegungsst\u00f6rungen. Die Kombination von tiefer Hirnstimulation mit paralleler Multi-Regionen-Messung in einem Parkinson-Tiermodell ist technisch anspruchsvoll und innovativ.<\/p>\n<p>Grundlagenarbeit mit Weitblick<\/p>\n<p>Der Sonderforschungsbereich\u00a0<strong>TRR 295 \u201eReTune \u2013 Behandlung motorischer Netzwerkst\u00f6rungen mittels Neuromodulation\u201c<\/strong>\u00a0ist ein interdisziplin\u00e4rer Forschungsverbund, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gef\u00f6rdert wird. Ziel ist es, gest\u00f6rte motorische Netzwerke bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Dystonie, Tremor oder Gangst\u00f6rungen besser zu verstehen und gezielt therapeutisch zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Die beiden neuen Projekte sind Teil der Forschungssektion Area A im SFB ReTune: Hier arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, die molekularen und zellul\u00e4ren Grundlagen gest\u00f6rter Bewegungen zu entschl\u00fcsseln. Ihre Erkenntnisse flie\u00dfen direkt in die Weiterentwicklung von Bildgebung, Modellierung und klinischen Interventionen ein.<\/p>\n<p>\u201eWir wollen netzwerkspezifische aber minimal-invasive Neuromodulationsverfahren f\u00fcr die klinische Praxis entwickeln, um in der Behandlung komplexer neurologischer Bewegungsst\u00f6rungen neue Standards zu setzen\u201c, sagt Prof. Andrea K\u00fchn, Sprecherin des TRR 295 ReTune und Direktorin der Sektion Bewegungsst\u00f6rungen und Neuromodulation an der Klinik f\u00fcr Neurologie der Charit\u00e9 \u2013 Universit\u00e4tsmedizin Berlin. Dazu braucht es Forschung, die von der Zelle bis zum Verhalten reicht.<\/p>\n<p>Neuer Podcast \u201eReTuneIn\u201c gibt Einblicke hinter die Kulissen<\/p>\n<p>Zum Start der zweiten DFG-F\u00f6rderperiode ist auch der neue, englischsprachige Wissenschafts-Podcast ReTuneIn erschienen. In der ersten Folge sprechen Lisa Harder und Yangfan Peng \u00fcber ihre Forschung, die t\u00e4glichen Herausforderungen im Labor und dar\u00fcber, wie wissenschaftliche Neugier zum Antrieb wird. Der Podcast ist auf allen g\u00e4ngigen Plattformen abrufbar:\u00a0<a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/2KbiTKXeAmSJkDhP5M83el\" target=\"blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Spotify<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/podcasts.apple.com\/de\/podcast\/retunein\/id1783554739\" target=\"blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Apple Podcasts<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.deezer.com\/de\/show\/1001567671?host=0&amp;deferredFl=1\" target=\"blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Deezer<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/music.amazon.de\/podcasts\/ba4c14c7-93e2-4188-910e-3d24b74af638\/retunein\" target=\"blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Amazon Podcast<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bg-green\">Der Sonderforschungsbereich <a href=\"http:\/\/www.sfb-retune.de\/\" target=\"blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">TRR 295<\/a> \u201eReTune \u2013 Behandlung motorischer Netzwerkst\u00f6rungen mittels Neuromodulation\u201c ist ein interdisziplin\u00e4rer Forschungsverbund, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gef\u00f6rdert wird. Ziel ist es, gest\u00f6rte motorische Netzwerke bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Dystonie, Tremor oder Gangst\u00f6rungen besser zu verstehen und gezielt therapeutisch zu beeinflussen.<br \/>ReTune vereint Expertinnen und Experten aus Klinik, Neurowissenschaften, Ingenieurwesen, Mathematik und Informatik. Beteiligt sind unter anderem die Charit\u00e9 \u2013 Universit\u00e4tsmedizin Berlin, die Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg, das Universit\u00e4tsklinikum W\u00fcrzburg, die Heinrich-Heine-Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf sowie die Hebrew University of Jerusalem.<br \/>Im Fokus stehen innovative Neuromodulationsverfahren \u2013 sowohl invasiv als auch nicht-invasiv \u2013, die gezielt auf spezifische Netzwerkst\u00f6rungen abgestimmt und bedarfsgerecht aktiviert werden sollen. Der SFB befindet sich seit 2025 in seiner zweiten F\u00f6rderphase.<br \/>Aktuelle Meldungen finden Sie im <a href=\"https:\/\/sfb-retune.de\/de\/presse\/\" target=\"blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Pressebereich<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dystonie im Mausmodell: Wenn Wiederholung krank macht Professionelle Musikerinnen und Musiker, die jahrelang feinmotorische Bewegungen wiederholen, k\u00f6nnen an&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":94098,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[29,30,141,232],"class_list":{"0":"post-307873","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-gesundheit","11":"tag-health"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114947209520721514","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/307873","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=307873"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/307873\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/94098"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=307873"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=307873"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=307873"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}