{"id":308008,"date":"2025-07-31T10:59:12","date_gmt":"2025-07-31T10:59:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/308008\/"},"modified":"2025-07-31T10:59:12","modified_gmt":"2025-07-31T10:59:12","slug":"mode-von-lala-berlin-antisemitismus-in-hot-pink","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/308008\/","title":{"rendered":"Mode von Lala Berlin: Antisemitismus in \u201eHot Pink\u201c"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der Hass auf Juden weltweit eskaliert, verkauft das deutsche Modelabel Lala Berlin Pal\u00e4stinensermode als Lifestyle \u2013 mit Kussmund, in Pink, f\u00fcr 180 Euro. Ein Symbol des Terrors wird Accessoire. Einige Modelle sind besonders heikel.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Im Dezember 2023, nur wenige Wochen nachdem die Terrororganisation Hamas 1200 Menschen ermordete, J\u00fcdinnen und Juden verschleppte, verst\u00fcmmelte, vergewaltigte und erniedrigte, erkundigten sich im Luxuskaufhaus KaDeWe zwei Kundinnen explizit nach den T\u00fcchern der Marke Lala Berlin.  <\/p>\n<p>Die mit dem Muster, das auf Demos die Ausl\u00f6schung Israels symbolisiert \u2013 und das bei Lala Berlin auf Schals, H\u00fcte, Kleidung und Taschen gedruckt wird. Manche Modelle ziert zus\u00e4tzlich ein kirschroter Kussmund. Preis: 180 Euro. <\/p>\n<p>Es handelt sich um Pal\u00e4stinenser-T\u00fccher \u2013 ein Muster, das seit Jahrzehnten antisemitisch aufgeladen ist. Schon vor dem 7. Oktober war es das Erkennungszeichen islamistischer, linker und rechtsextremer Israel-Hasser. Nach dem Massaker wurde es wieder ganz offen getragen. Inzwischen begegnen einem die T\u00fccher und Taschen von Lala Berlin, das auch im Ausland bekannt ist, in der Hauptstadt \u00fcberall. In der U-Bahn-Linie 6 Richtung Humboldt-Uni, an Feministinnen mit Matcha to go in Neuk\u00f6lln, bei Kulturveranstaltungen.  <\/p>\n<p>Lala Berlin hat seine besten Zeiten eigentlich<b> <\/b>hinter sich. In den Zehnerjahren war das Label bei Schauspielerinnen beliebt, die auf dem Berlinale-Teppich Kleider von Gr\u00fcnderin und Inhaberin Leyla Piedayesh trugen \u2013 oft versehen mit jenem Muster, das l\u00e4ngst politisch brisant war. Piedayesh ist im Iran geboren, nach der Macht\u00fcbernahme durch Ayatollah Chomeini zog die Familie 1979 nach Deutschland. Der Markenname \u201eLala\u201c, eine Anspielung auf die Teletubbies, war von Beginn an als Provokation gemeint: Totenkopf-Prints als Louis-Vuitton-Persiflage trafen den aufkeimenden antikapitalistischen Zeitgeist. Doch das Pal\u00e4stinenser-Muster, das bald zum Signature-Print wurde, sprengte jede Ironiegrenze. Es wurde saisonunabh\u00e4ngig auf T\u00fccher, Taschen und Modeartikel gedruckt, zum Signature-Piece der Marke und war pl\u00f6tzlich Teil des modischen Alltags. Ausgerechnet in Deutschland. <\/p>\n<p>Zu dem Zeitpunkt war das Pal\u00e4stinensertuch l\u00e4ngst ein Symbol f\u00fcr Judenhass. Urspr\u00fcnglich als Schutz gegen W\u00fcstensand gedacht, wurde es von Jassir Arafat zur visuellen Waffe gegen Israel gemacht und sp\u00e4ter sowohl von islamistischen und linken Israelgegnern als auch von Neonazis als antisemitisches Symbol \u00fcbernommen. In der selbstzufriedenen K\u00e4seglocke der Merkel-Jahre war es seltsamerweise okay, so was zu tragen. Dabei stand das Pal\u00e4stinensertuch l\u00e4ngst global f\u00fcr die Delegitimierung Israels \u2013 und wird sp\u00e4testens seit dem 7. Oktober wieder gezielt als antisemitisches Signal im \u00f6ffentlichen Raum eingesetzt. Dass ausgerechnet ein deutsches Label es weiter produziert, ist keine Petitesse. Es ist eine Verh\u00f6hnung j\u00fcdischer Lebensrealit\u00e4t in Deutschland und pure Ignoranz gegen\u00fcber dem um sich greifenden Antisemitismus. <\/p>\n<p>Babyblau ist Topseller <\/p>\n<p>Das KaDeWe, ein Haus mit j\u00fcdischer Gr\u00fcndungsgeschichte, hat Konsequenzen gezogen \u2013 Lala Berlin wird dort nicht mehr gef\u00fchrt. Im Onlineshop der Marke sind die Pal\u00e4stinensert\u00fccher und -taschen allerdings weiterhin erh\u00e4ltlich. Warum wurden sie trotz der antisemitischen Symbolik nicht l\u00e4ngst aus dem Sortiment genommen? Auf Nachfrage von WELT \u00e4u\u00dfert sich Lala Berlin nicht.<\/p>\n<p>Einzelne Modelle sind besonders heikel: Das Triangeltuch in \u201ehot pink\u201c etwa erinnert deutlich an jene, die in den 1970er-Jahren von Terrorgruppen wie der \u201eVolksfront zur Befreiung Pal\u00e4stinas\u201c getragen wurden, einer Organisation, die gezielt j\u00fcdische Zivilisten ermordete. Pastellig, feministisch aufgeladen \u2013 genau diese \u00c4sthetik trifft heute auf ein linkes, urbanes Milieu, in dem antisemitische Ressentiments l\u00e4ngst unter dem Deckmantel von Solidarit\u00e4t Anschluss gefunden haben. Die Botschaft bleibt bestehen, nur die Verpackung ist h\u00fcbscher geworden. Das Modell in Babyblau wird auf der Website sogar als Topseller gef\u00fchrt. Es verkauft sich also nach eigenen Angaben besonders gut. Dem Label, das im Herbst 2023 <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/iconist\/mode\/plus247409916\/Leyla-Piedayesh-Ueber-die-Insolvenz-ihrer-Modemarke-Lala-Berlin.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/iconist\/mode\/plus247409916\/Leyla-Piedayesh-Ueber-die-Insolvenz-ihrer-Modemarke-Lala-Berlin.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Insolvenz <\/a>anmelden musste und kurz darauf von einem Investor aufgefangen wurde, d\u00fcrfte das kaum ungelegen kommen.<\/p>\n<p>Was macht es mit J\u00fcdinnen und Juden, wenn ihnen so aktivistisches Accessoire nicht nur am Rand von Demonstrationen begegnet, sondern mitten im Leben \u2013 in der Bahn, im H\u00f6rsaal, beim Kaffee holen, bei der Arbeit, beim Flanieren am Ku\u2019damm, beim Date, auf der WG-Party? Antisemitismus ist in Deutschland l\u00e4ngst wieder <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/plus688778329b0ba028671f6628\/Linkspartei-In-dieser-Aggressivitaet-nicht-einmal-bei-der-AfD.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/debatte\/plus688778329b0ba028671f6628\/Linkspartei-In-dieser-Aggressivitaet-nicht-einmal-bei-der-AfD.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alltag<\/a> und J\u00fcdinnen und Juden verlassen wieder notgedrungen ihre Heimat \u2013 weil die Angst unertr\u00e4glich wird. Die Gewalt nimmt zu, sie werden systematisch ausgegrenzt, j\u00fcdische Einrichtungen werden beschmiert, vor H\u00e4usern werden antisemitische Parolen skandiert, Parolen gebr\u00fcllt, und die Politik versagt dort, wo Entschlossenheit gefragt w\u00e4re. <\/p>\n<p>Dass ausgerechnet ein Symbol des Hasses als Modeaccessoire gehandelt wird, macht die Gleichg\u00fcltigkeit sichtbar: Wer den Hass nicht benennt, macht ihn mit m\u00f6glich. Und wer ihn tragbar macht, macht ihn tragf\u00e4hig. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W\u00e4hrend der Hass auf Juden weltweit eskaliert, verkauft das deutsche Modelabel Lala Berlin Pal\u00e4stinensermode als Lifestyle \u2013 mit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":308009,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[926,712,57014,296,29,30,1000,4750,88832,110,88831],"class_list":{"0":"post-308008","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-7-oktober-2023","9":"tag-antisemitismus","10":"tag-antisemitismus-ks","11":"tag-berlin","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-gewalt","15":"tag-israel-hamas-angriff-auf-israel","16":"tag-leyla","17":"tag-newsteam","18":"tag-piedayesh"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114947500837179127","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/308008","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=308008"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/308008\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/308009"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=308008"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=308008"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=308008"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}