{"id":308033,"date":"2025-07-31T11:13:10","date_gmt":"2025-07-31T11:13:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/308033\/"},"modified":"2025-07-31T11:13:10","modified_gmt":"2025-07-31T11:13:10","slug":"bgh-zu-dr-rick-und-dr-nick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/308033\/","title":{"rendered":"BGH zu &#8218;Dr. Rick und Dr. Nick&#8216;"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Vor allem Instagram ist voll von Beauty-Vergleichen: vorher h\u00e4sslich, nachher h\u00fcbsch. Doch das Werben mit solchen Bildern f\u00fcr medizinisch nicht notwendige Eingriffe mittels Hyaluron-Spritze ist und bleibt verboten, so der BGH.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Ein Klick, ein Swipe \u2013 und schon ist man mittendrin im digitalen Sch\u00f6nheitssalon. Volle Lippen, straffe Haut, konturierte Gesichter: Auf Instagram inszenieren &#8222;Dr. Rick und Dr. Nick&#8220; (b\u00fcrgerlich: Henrik He\u00fcveldop (Dr. Rick) und Dominik Bettray (Dr. Nick)) ihre Praxis als \u00e4sthetisches Gesamtkunstwerk. Mit knapp 200.000 Followern geh\u00f6rt ihr Account zu den erfolgreichsten in der deutschen Beauty-Branche. Ihre Videos zeigen zum Beispiel, wie Hyalurons\u00e4ure unterspritzt wird und wie ein Beratungsgespr\u00e4ch verl\u00e4uft.\u00a0<\/p>\n<p>Doch dann hat die Verbraucherzentrale NRW die Beauty Docs (konkret: das Unternehmen Aesthetify mit Sitz in Recklinghausen) auf Unterlassung verklagt. Dass die beiden mit Vorher-Nachher-Bildern f\u00fcr ihre Hyaluron-Unterspritzungen etwa von Kinn und Nase werben, versto\u00dfe gegen das Heilmittelwerbegesetz (HWG), das Verbraucher unter anderem davor sch\u00fctzen soll, sich zu nicht medizinisch notwendigen Eingriffen verleiten zu lassen. \u00a0<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/gerichte\/aktuelle-urteile-und-adresse\/bundesgerichtshof-bgh\" target=\"_top\" class=\"external-link-new-window\" title=\"BGH LTO-Gerichtsseite\" rel=\"noopener\">Bundesgerichtshof (BGH)<\/a> hat nun im Sinne der Verbraucherzentrale entschieden: F\u00fcr eine Behandlung, bei der durch Unterspritzung mit Hyaluron Form oder Gestalt von Nase oder Kinn ver\u00e4ndert werden, darf nicht mit Vorher-Nachher-Darstellungen geworben werden (Urt. v. 31.07.2025, Az. I ZR 170\/24).<\/p>\n<p>Ist das noch Information oder schon Werbung?<\/p>\n<p>Im Zentrum des Falls stand eine grunds\u00e4tzliche Frage: Wo endet Information und Aufkl\u00e4rung f\u00fcr Verbraucher, die m\u00f6glicherweise Kunden werden? Und wo beginnt unzul\u00e4ssige Werbung?<\/p>\n<p>Juristisch drehte sich der Streit um \u00a7\u202f11 Abs.\u202f1 Satz\u202f3 Nr.\u202f1 HWG. Danach ist es verboten, gegen\u00fcber Laien mit bildlichen Vorher-Nachher-Vergleichen f\u00fcr nicht medizinisch notwendige operative plastisch-chirurgische Eingriffe zu werben. Der Gedanke des Gesetzgebers dahinter: Verbraucher sollen nicht durch idealisierte Bilder zu risikobehafteten Eingriffen verleitet werden.<\/p>\n<p>Aesthetify hielt dagegen: Man betreibe keine &#8222;operativen plastisch-chirurgischen Eingriffe&#8220;, sondern minimalinvasive Eingriffe, also ohne Skalpell, nur mit der Kan\u00fcle. Die Behandlungen seien risikoarm, der Eingriff vergleichbar mit einem Piercing oder Ohrlochstechen. Au\u00dferdem handele es sich bei den Bildern um sachliche Information, nicht um Werbung im klassischen Sinne.<\/p>\n<p>OLG Hamm: Stich mit Kan\u00fcle z\u00e4hlt schon als Operation<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/nachrichten\/n\/4ukl224-olg-hamm-verbraucherschutzzentrale-nrw-werbung-vorher-nachher-bild-schoenheits-op\" target=\"_top\" class=\"external-link-new-window\" title=\"LTO: Sch\u00f6n\u00adheit\u00ads\u00adope\u00adra\u00adtionen d\u00fcrfen nicht mit Vorher-Nachher-Bil\u00addern beworben werden\" rel=\"noopener\">Schon das Oberlandesgericht (OLG) Hamm sah das anders. Es sah in der Verwendung der Bilder einen Versto\u00df gegen das HWG und verpflichtete Aesthetify zur Unterlassung<\/a>. F\u00fcr das Vorliegen eines plastisch-chirurgischen Eingriffs sei nicht, ob mit einem Skalpell geschnitten werde, sondern ob mit irgendeinem Instrument eine Gestaltver\u00e4nderung am K\u00f6rper vorgenommen werde. Genau das passiere bei einer Hyalurons\u00e4ure-Unterspritzung, wenn mit der Kan\u00fcle unter der Haut eingestochen wird.<\/p>\n<p>Die Ma\u00dfst\u00e4be des HWG seien nicht auf chirurgische Gro\u00dfma\u00dfnahmen beschr\u00e4nkt, so das OLG weiter. \u00a7\u202f11 HWG wolle generell verhindern, dass Menschen durch bildhafte Darstellungen zu Eingriffen veranlasst werden, bei denen der Nutzen medizinisch nicht belegt ist, aber durchaus Risiken bestehen \u2013 auch wenn das Ganze beim Instagram-Scrollen auf dem Smartphone harmlos aussieht.<\/p>\n<p>Juristisch ebenfalls spannend an dem Fall: Es handelt sich um das erste Verfahren, das das OLG Hamm erstinstanzlich auf Grundlage der seit Oktober 2023 geltenden Neuregelung in \u00a7\u202f6 Abs.\u202f1 Unterlassungsklagengesetz (UKlaG) f\u00fchrte. Danach sind nun die Oberlandesgerichte f\u00fcr bestimmte Klagen von qualifizierten Einrichtungen wie den Verbraucherzentralen (\u00a7 4 UKlaG) zust\u00e4ndig \u2013 quasi eine Sch\u00f6nheitskorrektur im Prozessrecht.<\/p>\n<p>BGH legt den Begriff des &#8222;Eingriffs&#8220; gro\u00dfz\u00fcgig aus<\/p>\n<p>Die Revision der Insta-Docs hatte nun keinen Erfolg: Auch der BGH entschied, dass Behandlungen, bei denen mit einem Instrument in den K\u00f6rper eines Menschen eingegriffen und seine Form oder Gestalt ver\u00e4ndert werden, operative plastisch-chirurgische Eingriffe im Sinne des \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. c HWG sind. Entsprechend gelte \u00a7 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 HWG, wonach f\u00fcr solche Eingriffe nicht mit Vorher-Nachher-Bildern geworben werden darf.\u00a0<\/p>\n<p>Die Argumentation der beklagten Beauty Docs, das Risiko der Hyaluron-Behandlung sei mit dem von Ohrlochstechen vergleichbar, greife dabei nicht, fanden die Karlsruher Richter. Piercings oder Ohrlochstechen seien n\u00e4mlich nicht als operative plastisch-chirurgische Eingriffe im Sinne des \u00a7\u202f1 Abs.\u202f1 Nr.\u202f2 Buchst.\u202fc Heilmittelwerbegesetz (HWG), sondern lediglich als oberfl\u00e4chliche \u00e4sthetische Ver\u00e4nderungen der Haut einzustufen. Sie fielen deshalb auch nicht unter das Werbeverbot des \u00a7\u202f11 Abs.\u202f1 Satz\u202f3 Nr.\u202f5 HWG.<\/p>\n<p>Der BGH betonte in seiner Entscheidung, dass der Begriff des &#8222;operativen plastisch-chirurgischen Eingriffs&#8220; weit gefasst werden m\u00fcsse. Dies sei nicht nur mit dem Wortlaut des Gesetzes vereinbar, sondern entspreche auch dem Willen des Gesetzgebers.<\/p>\n<p>Der BGH best\u00e4tigte damit die Entscheidung aus Hamm und setzte dem \u00e4sthetischen Influencertum Grenzen.<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tDicke Lippe(n) vorm Bundesgerichtshof:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t31.07.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/57572 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t31.07.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vor allem Instagram ist voll von Beauty-Vergleichen: vorher h\u00e4sslich, nachher h\u00fcbsch. 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