{"id":308159,"date":"2025-07-31T12:22:10","date_gmt":"2025-07-31T12:22:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/308159\/"},"modified":"2025-07-31T12:22:10","modified_gmt":"2025-07-31T12:22:10","slug":"martin-walsers-loblied-auf-die-lesestadt-nummer-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/308159\/","title":{"rendered":"Martin Walsers Loblied auf die \u201eLesestadt Nummer 1\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Leipzig. Als Martin Walser 1981 das erste Mal in Leipzig las, \u00fcbernachtete er im Hotel Astoria, im Zimmer 103. \u201eDie Vorh\u00e4nge waren kaum dazu zu bewegen, noch Tageslicht hereinzulassen. Aber unten, der Speisesaal machte alles wieder gut: eine gewaltige figurenreiche T\u00fcbke-Wand.\u201c Er erw\u00e4hne dies nur, \u201eweil es nichts mehr davon gibt\u201d.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Notiert hatte der Schriftsteller, der im Juli 2023 mit 96 Jahren starb, diese Details in seiner \u201eReisebuchf\u00fchrung\u201c. Sie birgt einen Schatz f\u00fcr Leipzig, den der Verlag Edition Isele jetzt auf wenigen Buchseiten ausbreitet: \u201eDie Stadt der St\u00e4dte. Leipzig \u2013 Lesestadt Nummer 1\u201c ist ein B\u00e4ndchen, das beiden schmeichelt: der Stadt wie auch dem Publikum.<\/p>\n<p>Leipziger reagieren \u201efeiner, schneller, genauer\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">2013 war Walser mit \u201eMe\u00dfmers Momente\u201c in der LVZ-Autorenarena auf der Leipziger Buchmesse zu Gast und erkl\u00e4rte, dieses aphoristische Buch sei keine Aphorismensammlung, sondern eine \u201eFolge von S\u00e4tzen, die immer genauer werden wollen\u201c.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Auch wegen solcher klingenden Anmerkungen sa\u00dfen ihm seine Fans zu F\u00fc\u00dfen. In stets vollen S\u00e4len freuten sie sich \u00fcber Worte, \u201edie man selber noch gar nicht als besondere S\u00e4tze entdeckt hat\u201c, wie Walser notiert. \u201eLeipzig wurde mit M\u00fcnchen und Bonn zu einer Stadt, in der die Zuh\u00f6rer feiner, schneller, genauer und stimmungsreicher reagieren als etwa in Ulm, Duisburg und Aachen.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Ich fahre nicht in irgendeine Fremde und wei\u00df dann besser, was die dort denken sollen. <\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 hfNZxo\">Martin Walser (1927-2023)<\/p>\n<p class=\"Quotestyled__AuthorDescription-sc-q277fq-2 kncpVQ\">Schriftstller<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Gelesen hat er in der Moritzbastei, im Gohliser Schl\u00f6sschen, in der Stadtbibliothek, im Alten Rathaus, im Haus des Buches oder in der Kuppelhalle der LVZ. Aus Erfahrung wisse er: Eine Lesung sei immer zuerst ein Portr\u00e4t des Veranstalters und seines Publikums und erst in zweiter Linie die Wirkung dessen, der da liest. \u201eUnd die Leipziger verf\u00fcgen \u00fcber ein Ma\u00df an spontaner Ausdruckskraft, das den Vorlesenden in der Illusion wiegt, er werde von der Zustimmung der Zuh\u00f6rer getragen.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Provozierendes sei von ihm nicht zu bef\u00fcrchten gewesen, er fahre \u201enicht in irgendeine Fremde und wei\u00df dann besser, was die dort denken sollen\u201c. Andererseits k\u00f6nne er auch nicht einfach erw\u00fcnschte Antworten geben, wenn man ihn etwas frage.<\/p>\n<p>Umfangreiches Nachwort von J\u00f6rg Magenau<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Edition Isele hat seit 1989 mit Martin Walser zusammengearbeitet und ver\u00f6ffentlicht in diesem Jahr au\u00dferdem dessen Essay \u201eDas Hundem\u00f6gliche oder Die Entstehung der Zukunft\u201c mit Fotografien von Isolde Ohlbaum. In den Vorjahren kam unter anderem Walsers \u201eDie Amerikareise. Versuch, ein Gef\u00fchl zu verstehen\u201c heraus, \u201eHeimatlob. Ein Bodenseebesuch\u201c und \u201e\u00dcber die Ver\u00f6ffentlichung des Gewissens\u201c.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Unter dem Titel \u201eDie Kunst der Zustimmung \u2013 Fast alles \u00fcber Martin Walser\u201c sind im April Essays und Interviews des Autors und Journalisten J\u00f6rg Magenau erschienen. Von ihm stammt auch das umfangreiche Nachwort zu Walsers Leipzig-Notizen, die rund 20 Seiten luftig f\u00fcllen \u2013 auf der linken Seite jeweils die Handschrift-Faksimiles mit Streichungen und Korrekturen des Autors von Bestsellern wie \u201eEin fliehendes Pferd\u201c, \u201eEhen in Philippsburg\u201c und \u201eTod eines Kritikers\u201c.<\/p>\n<p>\u201eWalser las mit k\u00f6rperlichem Einsatz\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Magenau zeichnet im Nachwort das Portr\u00e4t eines Mannes, der beim Schreiben und als Lesender um Wirkungen wusste und damit umzugehen verstand wie ein B\u00fchnenk\u00fcnstler. Er zeigt den Heimatverbundenen vom Bodensee und den Reisenden, dem Lesungen eine wichtige Einnahmequelle waren, angewiesen auf die Gunst des Publikums.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eWalser las mit k\u00f6rperlichem Einsatz, mit Leib und Seele, und er lie\u00df es sich auch im hohen Alter nicht nehmen, seine Texte stehend hinterm Lesepult zu zelebrieren.\u201c Stehen musste er, \u201eum mehr Atem zu haben, aber auch um seine S\u00e4tze mit der flachen Hand zu unterstreichen, sie mit ausladendem Arm in die Welt zu entlassen oder Einzelheiten mit einer schaufelnden Bewegung wie beim Wassersch\u00f6pfen wieder zur\u00fcckzuholen aus dem Strom der Sprache.\u201c<\/p>\n<p>Treffen mit T\u00fcbke, Hilbig, Neumann<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Dabei sei es Walser um Gemeinschaft in der Sprache gegangen. F\u00fcr ihn habe sich die Nation als Sprach- und Denklandschaft entfaltet, schreibt Magenau \u00fcber den Schriftsteller, der Ende der 70er-Jahre sein \u201eelementares Bed\u00fcrfnis\u201c bekannte, ohne \u201eAufwand und Grenzschikanen\u201c nach Sachsen und Th\u00fcringen reisen zu k\u00f6nnen. \u201eLeipzig ist mein\u201c, habe er ausgerufen \u2013 \u201eauch wenn er noch nicht dort gewesen war.\u201c<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Erst im M\u00e4rz 1981 war es soweit. Eingeladen hatte ihn der Leipziger Germanist Claus Pezold. Den Maler Werner T\u00fcbke traf er ebenso wie die Schriftsteller Wolfgang Hilbig und Gert Neumann. Magenau w\u00fcrdigt Walser als einen Beobachter und Sympathisanten, \u201eder wei\u00df, dass er nichts besser wei\u00df als die Menschen vor Ort\u201c.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eLeipzig war aber schon in der DDR-Zeit auf der Landkarte, auf der ich St\u00e4dte nach den Saalerlebnissen eintrage, die ich in ihnen habe, zur Lese-Stadt Nummer 1 geworden\u201c, schreibt Martin Walser. Dieses retrospektive Lob sei mehr als nur Schmeichelei, es beschreibe dessen \u201eIdeal eines Lesungsgeschehens, bei dem die Kr\u00e4fte zwischen Podium und Publikum gleichm\u00e4\u00dfig verteilt sind\u201c, schreibt J\u00f6rg Magenau in seiner Liebeserkl\u00e4rung an einen Autor, die Literatur, den Austausch. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Info<\/b>: Martin Walser: Die Stadt der St\u00e4dte. Leipzig \u2013 Lesestadt Nummer 1. Mit einem Nachwort von J\u00f6rg Magenau. Edition Isele; 56 Seiten (11 Faksimile-Abbildungen), 16,80 Euro<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-5u8rgl-0 cBUuy\">LVZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Leipzig. 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