{"id":308180,"date":"2025-07-31T12:33:16","date_gmt":"2025-07-31T12:33:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/308180\/"},"modified":"2025-07-31T12:33:16","modified_gmt":"2025-07-31T12:33:16","slug":"berlin-tag-und-macht-grosser-parteikarriere-check-jette-nietzard-versus-philipp-amthor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/308180\/","title":{"rendered":"Berlin Tag und Macht: Gro\u00dfer Parteikarriere-Check: Jette Nietzard versus Philipp Amthor"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;ACAB&#8220;-Nietzard will nicht mehr. Die Gr\u00fcne Jugend braucht eine neue Verbal-Krawallistin. Das muss nicht das Ende ihrer Karriere bedeuten, das Fernsehen wartet! Oder Nietzard macht es wie Staatssekret\u00e4r Amthor und baut mal so richtig Mist. Dann kann auch sie es weit bringen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Uhren im Regierungsviertel ticken schneller. Die letzte Bundesregierung beispielsweise (Sie erinnern sich eventuell an Bundeskanzler Olaf Scholz) war f\u00fcr 48 Monate gew\u00e4hlt, strich dann aber bereits nach knapp 40 Monaten die Segel. Gut, wenn man die Diskussionen \u00fcber Annalena Baerbocks Bachelor-Abschluss, Englisch-Kenntnisse, Friseur und die Fu\u00dfnoten ihres Buches aneinanderreiht, f\u00fchlt sich diese Zeit wie 23 Jahre an. Das t\u00e4uscht: Das Kabinett Scholz war schneller Geschichte als eine durchschnittliche Zollverordnung von Donald Trump.<\/p>\n<p>Auch Jette Nietzard (sprich: nie zart) muss es vorkommen, als w\u00fcrden in ihrer Welt die Stundenzeiger die Sekundenzeiger im Minutentakt \u00fcberrunden. Erst im Oktober vergangenen Jahres wurde sie Bundessprecherin der Gr\u00fcnen Jugend. Gesprochen hat sie seither tats\u00e4chlich viel. Leider vorwiegend S\u00e4tze, mit denen sich selbst der mit Verbalradikalit\u00e4t durchaus sympathisierend-vertraute normalgr\u00fcne Stammw\u00e4hler nicht beschwerdefrei identifizieren konnte. Schon diese Woche verk\u00fcndete sie daher ihren vorschnellen Abschied aus dem ansonsten f\u00fcr Politkarrieren oftmals, aber keinesfalls immer, sprungbrettartig katapultf\u00e4higen Sprecherinnenjob. <\/p>\n<p>Was hei\u00dft schon jung?<\/p>\n<p>Vorg\u00e4ngerinnen und Vorg\u00e4nger von Jette Nietzard waren immerhin Felix Banaszak (heute Bundesvorsitzender der Mutterpartei), Ricarda Lang (anschlie\u00dfend ebenfalls Bundesvorsitzende) oder Sarah-Lee Heinrich. Heinrich ist heute zwar nicht mehr bei den Gr\u00fcnen, hat daf\u00fcr aber eine neue Partei mitgegr\u00fcndet, die sich &#8222;Junge Linke&#8220; nennt. Ein vermutlich nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlter Name, der wohl sicherstellen soll, dass man mit etwa 28 Jahren die Partei wieder verlassen muss. Ein Konzept, das der neuen linken Partei-Hoffnung immerhin garantiert, dass man sich Personal-Peinlichkeiten im Sp\u00e4therbst von Politikerkarrieren wie die SPD (etwa mit Gerhard Schr\u00f6der) oder die Union (etwa mit Horst Seehofer) ersparen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wobei &#8222;jung&#8220; nat\u00fcrlich eine Frage der Definition ist. Sarah-Lee Heinrich ist 24 Jahre alt und h\u00e4lt sich wahrscheinlich f\u00fcr jung. Aber: Robert Geiss tut das auch. Und der ist nicht nur ein herausragendes Oliver-Kahn-Double, sondern auch schon 61 Jahre alt. Die &#8222;Junge Linke&#8220; &#8211; ein Name \u00fcbrigens, der wohl nicht ungewollt f\u00fcr Au\u00dfenstehende den Verdacht nahelegt, es handle sich um eine Jugendorganisation von Die Linke &#8211; sieht sich analog zu ihrem altersdiskriminierenden Titel augenscheinlich als Social-Media-basierte Meme-Partei. In ihrem offiziellen Instagram-Account jedenfalls tummeln sich auf virale Siegesz\u00fcge wartende, intellektuell erhellende Content-Kostbarkeiten wie &#8222;Schule erkl\u00e4rt von Katzen&#8220;, &#8222;Ist Elon Musk ein Faschist?&#8220; oder &#8222;Baf\u00f6g reicht nicht mal f\u00fcr eine Besenkammer&#8220;. Das sorgt auch bei Boris Becker f\u00fcr verst\u00e4ndnisloses Kopfsch\u00fctteln.<\/p>\n<p>Viele fliegen. Ich Jette.<\/p>\n<p>All diese goldenen Mandats-Zukunftsoptionen wird Eskapaden-Magnet Jette Nietzard nun also nicht mehr erleben. Zun\u00e4chst. Karrieretaktisch n\u00e4mlich kein unkluges Man\u00f6ver. Nachdem sich die Diplomatie-allergische und daueremp\u00f6rte Provokationsmaschine Nietzard mit Aussagen wie &#8222;M\u00e4nner, die ihre Hand beim B\u00f6llern verlieren, k\u00f6nnen zumindest keine Frauen mehr schlagen&#8220; oder absurden Hamas-IDF-Vergleichen um Kopf und Kragen rebelliert hatte, br\u00f6ckelte der R\u00fcckhalt auch in der eigenen Partei. Und das schneller als der Gesichtsausdruck von Thomas Gottschalk, wenn er erf\u00e4hrt, dass das regelm\u00e4\u00dfige Anfassen nackter Frauenbeine auch dann nicht unter die Kategorie &#8222;Charmanter Schelm&#8220; f\u00e4llt, wenn der \u00dcbergriff aus beruflichen Gr\u00fcnden passiert.<\/p>\n<p>Oder anders gesagt: W\u00e4re Uli Hoene\u00df nicht Uli Hoene\u00df, sondern zum Beispiel Winfried Kretschmann, der Grandseigneur der schw\u00e4bischen Dialektpolitik, w\u00fcrde er sagen: &#8222;Solange Cem \u00d6zdemir und ich hier was zu sagen haben, wird Jette Nietzard nicht mal Liftgirl in der neuen Parteizentrale.&#8220; Das ist aber nicht weiter tragisch. Sarah-Lee Heinrich etwa wurde f\u00fcr \u00e4hnliche Verbalausf\u00e4lle einst branchenfremd mit einer Rolle in der Fernseh-Serie &#8222;Jerks&#8220; geadelt.<\/p>\n<p>Nietzard traue ich eine \u00e4hnlich spektakul\u00e4re TV-Karriere zu. Als Hauptdarstellerin der sympathischen Flugreise-Doku &#8222;Ich Jette&#8220; beispielsweise. Darin verfolgt eine Kamera sie dabei, wie sie als Chefstewardess den konstruktiven Dialog mit Passagieren sucht und kurz vor Beginn des Landeanflugs alle Mitreisenden dar\u00fcber aufkl\u00e4rt, was am Zielort politisch alles falsch l\u00e4uft und warum sie einen &#8222;APAB&#8220;-Pullover tr\u00e4gt (&#8222;All Passengers are Bastards&#8220;).<\/p>\n<p>Bei den Gr\u00fcnen ist immer ein linker, linker Platz leer<\/p>\n<p>Aber mal Spa\u00df bei Seite in dieser Politszene-analytischen Fachkolumne mit der Humorfarbe einer Protagonistin, gegen die sogar Philipp Amthor als Loriot durchgeht. Selbstverst\u00e4ndlich wird sich f\u00fcr Jette Nietzard irgendeine Anschlussverwendung in einer der zahlreichen linksorientierten NGOs finden. Der werden dann aber vom Bund aus Angst vor Indoktrinierung der ohnehin schon aufw\u00e4ndig woke-manifestierten Gesellschaft mit einem Mindset links der Gr\u00fcnen noch w\u00e4hrend dieser Legislaturperiode alle F\u00f6rdergelder gestrichen.<\/p>\n<p>Dieser skandal\u00f6se Cancel-Culture-Eklat (und finanzielle Notwendigkeiten) treiben Nietzard kurz darauf dann wieder zur\u00fcck in die Arme ihrer Ursprungspartei. Und da ist sie bei den Gr\u00fcnen genau an der richtigen Adresse. Die einst aus den Turnschuhen von Joschka Fischer, einigen &#8222;Atomkraft nein danke!&#8220;-Antifaschisten und den geistigen Vorfahren von Fridays For Future entstandene Revolutionspartei ist f\u00fcr politische Renaissance-Momente bekannt, die exzitatorischer wirken als das epochemachende Comeback des FC Liverpool gegen den AC Mailand im Champions League Finale 2005. Der Balkon-Cannabis-Bef\u00fcrworter Cem \u00d6zdemir etwa war seinerzeit aufgrund einiger zweckentfremdeter Flugbonusmeilen zur\u00fcckgetreten, wurde einige Jahre sp\u00e4ter daf\u00fcr dann aber Landwirtschaftsminister und demn\u00e4chst vielleicht sogar Ministerpr\u00e4sident Baden-W\u00fcrttembergs.<\/p>\n<p>Jette Nietzard kann demnach also immer noch jederzeit Bildungsministerin werden, sofern die Gr\u00fcnen nach dem bundespolitischen Abgang von Annalena Baerbock nicht FDP-esk von der W\u00e4hlerjury als gescheiterte Agenda-Nischenpartei in die ewigen Bundestagsjagdgr\u00fcnde verbannt werden.<\/p>\n<p>Der Elon Musk von Friedrich Merz<\/p>\n<p>Womit wir beim schon angesprochenen Philipp Amthor w\u00e4ren. Der gilt bei der CDU, den Gr\u00fcnen f\u00fcr Menschen mit Privatflugzeug, als sowas wie die Jette Nietzard des Konservativismus. Nur halt ohne problematisch bedruckte Sweater. Amthor war zwar nicht Vorsitzender, daf\u00fcr aber immerhin Bundesschatzmeister der Jungen Union, dem CDU-Pendant zur Gr\u00fcnen Jugend. Amthor gef\u00e4hrdete seine politische Karriere (anders als Nietzard) nicht mit eigent\u00fcmlichen Polizei-Ver\u00e4chtlichmachungen oder skurrilen Ansichten zum Nahostkonflikt, sondern mit lobbyverd\u00e4chtigen Verstrickungen mit dem IT-Unternehmen Augustus Intelligence. F\u00fcr dieses fungierte er als Aufsichtsrat, hielt ein Aktienpaket, lie\u00df sich zahlreiche Reisen finanzieren und warb auf offiziellem Bundestags-Briefpapier bei Parteikollege Peter Altmaier &#8211; zu der Zeit immerhin Bundeswirtschaftsminister.<\/p>\n<p>Amthor provoziert also nicht per antifaschistischer Pseudo-Revolte, sondern nur mit pers\u00f6nlicher Bereicherung und Interessensverstrickungen. Deswegen musste er auch nicht zur\u00fccktreten, sondern konnte seinen Aufstieg in der Zukunftspartei CDU ungebremst fortsetzen. Diese Woche erklomm die CDU-Kanzlerhoffnung f\u00fcr das Bundestagswahljahr 2037 einen weiteren Meilenstein. &#8222;Kleine Paschas&#8220;-Kanzler Friedrich Merz pers\u00f6nlich lancierte die Schaffung eines neuen Staatssekret\u00e4rsausschusses namens &#8222;Staatsmodernisierung und B\u00fcrokratier\u00fcckbau&#8220;, dem Amthor zuk\u00fcnftig vorstehen wird.<\/p>\n<p>Damit ist Philipp Amthor nun quasi der Elon Musk von Friedrich Merz. Globalpolitisch interessierte Mitleser werden es wissen: Der liebenswert bodenst\u00e4ndige Supermilliard\u00e4r, gegen den auch Privatflugzeugliebhaber Merz wie ein \u00f6konomischer Pflegefall wirkt, sollte in der neuen Trump-Administration als Mega-Minister den Staatshaushalt analysieren und durch mehr Effizienz und Kostenabbau gigantische Summen einsparen. \u00c4hnliches erwartet Merz nun von Amthor. Der soll zur Haushaltskassenoptimierung unter anderem den Personalbestand in der Ministerial- und Bundestagsverwaltung sowie in 950 nachgeordneten Beh\u00f6rden bis zum Jahr 2029 um mindestens acht Prozent reduzieren. So steht es jedenfalls im Koalitionsvertrag.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man sagen, dass die ersten Monate nach Arbeitsaufnahme des Merz-Kabinetts nicht unbedingt den Eindruck hinterlassen, die verantwortlichen Regierungsmitglieder w\u00fcrden sich sklavisch an die Versprechen aus dem Koalitionsvertrag halten. Daf\u00fcr aber kann Philipp Amthor nichts. Und der wird es in seiner neuen Aufgabe auch so schon schwer genug haben. Effizienter zu arbeiten und parallel dazu Personal abzubauen, das ist ein Konjunkturspagat, der nicht sehr h\u00e4ufig reibungslos klappt. Wie erfolgreich der politische Sunnyboy aus Mecklenburg letztendlich operieren wird als Peter Zwegat der Bundesregierung, das werde ich hier in meiner politischen Leitkulturkolumne selbstverst\u00e4ndlich dokumentieren. Bis dann! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;ACAB&#8220;-Nietzard will nicht mehr. Die Gr\u00fcne Jugend braucht eine neue Verbal-Krawallistin. 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