{"id":308232,"date":"2025-07-31T13:01:23","date_gmt":"2025-07-31T13:01:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/308232\/"},"modified":"2025-07-31T13:01:23","modified_gmt":"2025-07-31T13:01:23","slug":"wer-fuer-eu-sanktionen-gegen-israel-ist-und-warum-deutschland-noch-nicht-zustimmt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/308232\/","title":{"rendered":"Wer f\u00fcr EU-Sanktionen gegen Israel ist &#8211; und warum Deutschland (noch) nicht zustimmt"},"content":{"rendered":"<p>In Br\u00fcssel und den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten w\u00e4chst zwar die Sorge \u00fcber die humanit\u00e4re Lage der Zivilbev\u00f6lkerung im Gazastreifen und auch die Kritik an Israel. Doch beim Treffen des Ausschusses der St\u00e4ndigen Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten am Dienstagabend war der Widerstand gegen die von der Europ\u00e4ischen Kommission am Vortag empfohlene Sanktionierung Israels gro\u00df.<\/p>\n<p>Informationen der J\u00fcdischen Allgemeinen zufolge unterst\u00fctzten nur sieben der 27 Vertreter ausdr\u00fccklich den Versto\u00df der Beh\u00f6rde, Israel mit sofortiger Wirkung aus dem EU-F\u00f6rdertopf \u00bbEIC Accelerator\u00ab auszuschlie\u00dfen, der Teil des milliardenschweren \u00bbHorizon Europe\u00ab-Forschungsprogramms ist. <\/p>\n<p>Zu den Bef\u00fcrworten geh\u00f6rten unter anderem Frankreich, Spanien und die Niederlande. Diesen drei Regierungen ging der Sanktionsvorschlag der Kommission angesichts der Not im Gazastreifen nicht weit genug. Auch kleine EU-Staaten wie Irland, Luxemburg und Malta signalisierten Zustimmung. Drei weitere L\u00e4nder \u2013 Belgien, Portugal und Schweden \u2013 teilten mit, man werde die Empfehlung wohlwollend pr\u00fcfen, wolle zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht abstimmen.<\/p>\n<p>Offen gegen das Vorhaben der Kommission stellten sich hingegen f\u00fcnf EU-Mitgliedsstaaten: Bulgarien, Griechenland, \u00d6sterreich, Tschechien und Ungarn. Sie sehen den Ausschluss innovativer israelischer Unternehmen aus dem EU-Forschungsprogramm als nicht zielf\u00fchrend an. Dies schade sogar den ureigenen Interessen der Europ\u00e4ischen Union mit Blick auf Schl\u00fcsseltechnologien, argumentierten sie in der Sitzung.<\/p>\n<p>Berlin pr\u00e4feriert Sanktionierung von israelischen Siedlern<\/p>\n<p>Vorsichtiger Widerstand kam auch von Deutschland, obwohl auch die Bundesregierung gleichzeitig ihre Kritik an Israels Vorgehen in Gaza bekr\u00e4ftigte. Die am 10. Juli mit der EU geschlossene Vereinbarung zur Aufstockung der humanit\u00e4ren Hilfen f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser in der K\u00fcstenenklave werde von der Regierung in Jerusalem nur unzureichend umgesetzt, und die jetzt eingeleiteten Ma\u00dfnahmen seien nur ein erster Schritt, betonte der deutsche Vertreter in der Sitzung. <\/p>\n<p>Israel sei zudem vor Ort die einzige Partei, die die Versorgung der Bev\u00f6lkerung in Gaza gew\u00e4hrleisten k\u00f6nne. Deutschland wolle sich an den Hilfslieferungen beteiligen, sei sich aber der beschr\u00e4nkten Wirkung bewusst, was die Abw\u00fcrfe von Hilfsg\u00fctern aus der Luft angehe.<\/p>\n<p>Die Beschlussvorlage der Kommission nahm die Bundesregierung zun\u00e4chst nur zur Kenntnis, positionierte sich aber noch nicht dazu. Der Vorschlag m\u00fcsse vor einer Abstimmung erst einmal eingehend beraten werden. Das deutsche Abstimmungsverhalten bleibt damit weiter unklar. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte klargemacht, dass man sich alle Schritte vorbehalte. <\/p>\n<p>Wie Deutschland sich verh\u00e4lt, das macht die Bundesregierung in Br\u00fcssel aber schon einmal deutlich, h\u00e4nge ma\u00dfgeblich vom weiteren Verhalten Israels ab. Und auch, dass man nichts gegen eine Sanktionierung israelischer Siedler im Westjordanland durch die EU einzuwenden h\u00e4tte. Ein solcher Schritt m\u00fcsse jetzt auf den Weg gebracht werden, forderte die Bundesregierung nach Informationen dieser Zeitung. Um Personen und Organisation auf die EU-Sanktionsliste zu setzen, darf allerdings kein EU-Staat mit Nein stimmen; allenfalls eine Enthaltung w\u00e4re m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu braucht der Vorschlag der Europ\u00e4ischen Kommission eine sogenannte qualifizierte Mehrheit, um in Kraft zu treten. Mindestens 15 der 27 Mitgliedsstaaten m\u00fcssen ihm zustimmen, und diese Mehrheit muss wiederum mindestens 65 Prozent der EU-Bev\u00f6lkerung repr\u00e4sentieren. Damit kommt Deutschland und Italien eine Schl\u00fcsselrolle zu, denn allein diese beiden L\u00e4nder machen schon knapp ein Drittel der EU-Bev\u00f6lkerung aus. Gemeinsam mit Staaten wie Ungarn und Tschechien k\u00f6nnten Berlin und Rom den EU-Beschluss selbst dann vereiteln, wenn ihm deutlich mehr als 15 L\u00e4nder zustimmen sollten.<\/p>\n<p>Deutschland und Italien zusammen nah an Sperrminorit\u00e4t<\/p>\n<p>Auch in Rom besteht offenbar noch Pr\u00fcfungsbedarf. Die italienische Regierung von Giorgia Meloni hat noch keine Zustimmung in Aussicht gestellt. Auch Kroatien, Rum\u00e4nien, Zypern und die baltischen Staaten z\u00f6gern. In Br\u00fcssel soll nun im Ferienmonat August auf Arbeitsebene weiter \u00fcber den Vorschlag beraten werden. Falls sich keine Einigung findet, will der Ausschuss der St\u00e4ndigen Vertreter bei seiner n\u00e4chsten regul\u00e4ren Sitzung Anfang September abstimmen, erfuhr die J\u00fcdische Allgemeine.<\/p>\n<p>Die EU-Institutionen wollen indes sowohl den Dialog mit der israelischen Regierung als auch den Druck auf sie weiter aufrechterhalten. Sie fordern aber weitere Hebel daf\u00fcr. Die Kommission betonte in einem Briefing f\u00fcr Journalisten am Dienstag, der von ihr gemachte Sanktionsvorschlag sei \u00bbverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig\u00ab. Weitere Ma\u00dfnahmen gegen Israel behielt sie sich ausdr\u00fccklich vor.<\/p>\n<p class=\"u-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p>Allein im vergangenen Jahr erhielten israelische Firmen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.cogeril.de\/en\/news-and-events\/news\/eic-accelerator-awards-108-million-euros-to-israeli-startups\/#:~:text=EIC%20Accelerator%20is%20part%20of,quality%20of%20its%20entrepreneurial%20ventures.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr als 100 Millionen Euro aus dem EIC-Accelerator-F\u00f6rdertopf<\/a>. Sie standen damit hinter Deutschland und Frankreich auf dem dritten Platz der Empf\u00e4nger. Insgesamt haben israelische Start-ups laut EU-Kommission seit 2021 rund 200 Millionen Euro an F\u00f6rderung erhalten. Davon sind 135 Millionen als Zusch\u00fcsse und 65 Millionen als Eigenkapitaleinlage der EU geflossen.<\/p>\n<p>Wenn der Kommissionsvorschlag angenommen wird, k\u00f6nnten ab dem 1. Oktober keine Bewerbungen f\u00fcr F\u00f6rderung mehr von Unternehmen mit Sitz in Israel angenommen werden. Fast eine Milliarde Euro soll auch in diesem Jahr wieder ausgesch\u00fcttet werden an Start-ups, die sogenannte \u00bbdisruptive\u00ab Technologien und Verfahren an den Markt bringen wollen. <\/p>\n<p>Das EIC-Accelerator-Programm sei von der Kommission auch deswegen als Instrument zur Sanktionierung ausgew\u00e4hlt, weil so zielgenau israelische Firmen ins Visier genommen werden k\u00f6nnten und keine negativen Konsequenzen f\u00fcr m\u00f6gliche Partner aus anderen Staaten zu erwarten seien, hie\u00df es aus Kommissionkreisen. Ausdr\u00fccklich richte sich die Ma\u00dfnahme aber nicht gegen einzelne Technologien oder sogenannte Dual-Use-G\u00fcter wie Drohnen, sondern gegen die Beteiligung israelischer Firmen an sich, betonte ein Kommissionsbeamter im Pressebriefing. <\/p>\n<p>Von der Leyen-Vize vergleicht Lage in Gaza mit Holocaust<\/p>\n<p>Unterdessen \u00fcbte die spanische Vizepr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission, Teresa Ribera, unverhohlen Kritik an ihren Kollegen und an anderen Mitgliedsstaaten. In der Radiosendung \u00bbHoy por hoy\u00ab verglich die sozialistische Politikerin die Zust\u00e4nde und die Bilder in Gaza mit dem Holocaust. Ribera zog eine Parallele zum Warschauer Ghetto und zur Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau 1945.<\/p>\n<p>Externer Inhalt<\/p>\n<p class=\"txt\">An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir ben\u00f6tigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"txt\">Soziale Netzwerke zulassen<\/p>\n<p class=\"txt txt--small\">Mit dem Bet\u00e4tigen der Schaltfl\u00e4che erkl\u00e4ren Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Drittanbieter \u00fcbermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Ger\u00e4t n\u00f6tig. Mehr Informationen finden Sie <a href=\"#\" class=\"ub-cmp-settings\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>\u00bbWir sind Zeugen eines grauenhaften, unertr\u00e4glichen, unmenschlichen und unmoralischen Spektakels\u00ab, sagte sie dem Sender \u00bbCadena Ser\u00ab. Die aktuelle Situation sei durch die Milit\u00e4raktion Israels in Gaza entstanden, so die Stellvertreterin von Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen weiter.<\/p>\n<p>Jeder in der EU bringe seine eigene Kultur und Perspektive mit, was sich in den Debatten widerspiegele. Bislang habe man deswegen nicht \u00fcber das bereits Vorgeschlagene hinausgehen k\u00f6nnen, denn es gebe keine Mehrheiten f\u00fcr eine h\u00e4rtere Haltung gegen\u00fcber Israel. Offen sprach Ribera sich  f\u00fcr die Verh\u00e4ngung von weiterer Strafma\u00dfnahmen gegen den j\u00fcdischen Staat, um die Kriegshandlungen in Gaza zu stoppen. \u00bbEs ist ein Wettlauf gegen die Zeit; die Menschen in Gaza hungern\u00ab, betonte sie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Br\u00fcssel und den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten w\u00e4chst zwar die Sorge \u00fcber die humanit\u00e4re Lage der Zivilbev\u00f6lkerung im Gazastreifen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":308233,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,573,574,548,663,158,3934,3935,13,411,570,576,572,80,14,15,16,575,12,571],"class_list":{"0":"post-308232","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-berichte","11":"tag-blogs","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europaeische-union","15":"tag-europe","16":"tag-european-union","17":"tag-headlines","18":"tag-israel","19":"tag-juedische-allgemeine","20":"tag-juedisches-leben","21":"tag-kommentare","22":"tag-kultur","23":"tag-nachrichten","24":"tag-news","25":"tag-politik","26":"tag-religion","27":"tag-schlagzeilen","28":"tag-wochenzeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114947980344404187","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/308232","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=308232"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/308232\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/308233"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=308232"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=308232"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=308232"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}