{"id":309244,"date":"2025-07-31T22:22:14","date_gmt":"2025-07-31T22:22:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/309244\/"},"modified":"2025-07-31T22:22:14","modified_gmt":"2025-07-31T22:22:14","slug":"drohnenkrieg-in-der-ukraine-tunnel-des-lebens-fuer-die-front","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/309244\/","title":{"rendered":"Drohnenkrieg in der Ukraine: \u201eTunnel des Lebens\u201c f\u00fcr die Front"},"content":{"rendered":"<p class=\"Initial paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Luzk taz | An einem hei\u00dfen Julitag arbeiten mehrere M\u00e4nner auf einer Baustelle im Industriegebiet der westukrainischen Stadt Luzk. Sie laden gro\u00dfe Fischernetze von einem Lastwagen ab. Einen Moment lang duftet Luzk nach Meer. Sand und Salz aus der Ostsee werden auf die Ladefl\u00e4che des Lastwagens gesch\u00fcttet \u2013 f\u00fcr die \u201eTunnel des Lebens\u201c.<\/p>\n<p class=\"Initial paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Mehrere junge M\u00e4nner schneiden die Netze mit Messern in gro\u00dfe, rechteckige St\u00fccke. Diese werden nach einer Weile wieder in den Lastwagen geladen. \u201eHeute Abend f\u00e4hrt der Lkw an die Front\u201c, erz\u00e4hlen Wera Schwarzkop und Natalja Hruschka \u2013 zwei Frauen, die den Prozess beaufsichtigen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Sie sind Freiwillige und leiten im westukrainischen Gebiet Wolyn gleichzeitig mehrere Hilfsprojekte f\u00fcr die Armee. Nach der Abfahrt des Lasters mit den Fischernetzen wird Hruschka in eine Schule gehen, um beim Weben von Tarnnetzen behilflich zu sein. Schwarzkops Handy klingelt ununterbrochen: Sie verhandelt mit Lieferanten von Fahrzeugen f\u00fcr die Front. Vier sind auf dem Weg aus Europa in die Ukraine, zwei stehen an der Grenze, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Russische-Angriffe\/!6096064\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mehrere weitere werden in Luzk repariert<\/a>, andere sind bereits auf dem Weg Richtung Osten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Doch jetzt hat f\u00fcr die Freiwilligen die Organisation der Versorgung der Truppen mit Fischernetzen aus D\u00e4nemark, den Niederlanden und Polen Priorit\u00e4t. Das Milit\u00e4r nutzt sie zum Bau von Verteidigungs\u00adtunneln in der N\u00e4he der Frontlinie, um russische Drohnen abzuwehren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine\/!t5008150\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/ukraine-1.jpeg\" loading=\"lazy\" height=\"241\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Krieg in der Ukraine<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph\">Mit dem Einmarsch im 24. Februar 2022 begann der gro\u00df angelegte russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Bereits im M\u00e4rz 2014 erfolgte die Annexion der Krim, kurz darauf entbrannte der Konflikt in den ostukrainischen Gebieten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last\">\n              <a href=\"https:\/\/taz.de\/Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine\/!t5008150\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">\u279d Mehr zum Thema Krieg in der Ukraine<\/a>\n            <\/p>\n<p>      Schutzkonstruktion nach russischem Muster<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Fotos und Videos von der Front im Sommer 2025 zeigen oft Holzpf\u00e4hle entlang der Stra\u00dfen, zwischen denen Schutznetze gespannt sind. Russische Truppen haben im Sommer 2023 begonnen, solche Strukturen <a href=\"https:\/\/taz.de\/An-der-Front-im-Donbass\/!6079632\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in der N\u00e4he von Bachmut<\/a> einzusetzen. Damals handelte es sich noch nicht um durchgehende Tunnel, sondern um einzelne gespannte Netze, in denen sich Drohnen verfangen konnten.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>\n            Vorteile von Fischernetzen sind ihre Langlebigkeit und die fehlende Reflexion von Sonnenlicht<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"7\">Dann begannen die russischen Besatzer, die Nachschubwege f\u00fcr ihre Ausr\u00fcstung mit Fischernetzen abzudecken und so sichere Korridore zu schaffen. Der ukrainische Funktechniker Serhij Flesch schrieb in seinen sozialen Netzwerken, dass die Russen <a href=\"https:\/\/taz.de\/Neue-Kriegsfuehrung-in-der-Ukraine\/!6007853\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in der N\u00e4he von Tschassiw Jar<\/a> einen zwei Kilometer langen Tunnel aus Netzen angelegt h\u00e4tten. Gleichzeitig prahlten die Russen damit, dass ein Fischernetz effektiver sei als ein \u00fcbliches Metallnetz. Im Fischernetz verfangen sich die Propeller der Drohnen. Bei einer Kollision mit dem Metallnetz explodiert die FPV-Drohne und kann Verletzungen verursachen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"8\">Weitere Vorteile von Fischernetzen sind ihre Langlebigkeit und die fehlende Reflexion des Sonnenlichts, sodass sie von Drohnenpiloten nicht erkannt werden.<\/p>\n<p>      Schutz von Stra\u00dfen, Sch\u00fctzengr\u00e4ben und Unterst\u00e4nden<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"10\">Mit der Zeit begann auch das ukrainische Milit\u00e4r, diese Netze einzusetzen. \u201eDie Idee dahinter ist, dass eine FPV-Drohne, die Fahrzeuge auf diesem Stra\u00dfenabschnitt angreift, dieses Netz nicht bemerkt und sich aufgrund der schlechten Qualit\u00e4t des analogen Videos darin verf\u00e4ngt. Doch selbst wenn der Drohnenpilot das Netz erkennt, kann er sich dem Ziel nicht n\u00e4hern, um es zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"11\">Ein zus\u00e4tzlicher Vorteil ist, dass das Netz vor Glasfaser-Drohnen sch\u00fctzt\u201c, erl\u00e4utern Analysten des Portals Militarnyi. Mittlerweile werden Fischernetze nicht nur entlang der Logistikrouten gespannt, sondern auch \u00fcber Sch\u00fctzengr\u00e4ben und Eing\u00e4ngen zu Unterst\u00e4nden.<\/p>\n<p>      L\u00e4nder\u00fcbergreifende Freiwilligenarbeit<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"13\">Dank des Einsatzes von Wera Schwarzkop, ihrem Team und internationalen Partnern sind bereits sechs gro\u00dfe Netzlieferungen aus Europa \u00fcber Luzk an die Front erfolgt. \u201eAlles begann im Sommer 2024. Meine Bekannte aus Polen, Olga Charnetskaja, die mittlerweile eine Freundin geworden ist, sagte, dass es in der Ostsee Netze gebe, die das polnische Milit\u00e4r in die Grenzstaddt Przemy\u015bl liefern k\u00f6nne. Von dort haben wir sie mit einem eigenen Transport in die Ukraine gebracht\u201c, erz\u00e4hlt Wera<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"14\">Auch lokale Unternehmer machten mit. Serhij Hawrylowytsch transportierte kostenlos Netze aus Europa in die Stadt Roschyschtsche nahe Luzk. Dort wurden sie von Soldaten oder Freiwilligen ausgeladen und in die Ostukraine geliefert.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"15\">Sp\u00e4ter schlossen sich auch d\u00e4nische Partner dem Projekt an. Wera kontaktierte \u00fcber ihren Freund Mychajlo Makarow, einen Unternehmer aus dem wolynischen Horochiw, den D\u00e4nen Carl Futtrup. \u201eMychajlo setzte sich ans Steuer seines Lastwagens und fuhr nach D\u00e4nemark. Auf eigene Kosten, mit eigenem Treibstoff. Nur um zu sehen, wie viele Netze Carl hatte. Und er belud den Lastwagen sofort\u201c, erinnert sich Wera.<\/p>\n<p>      Fischernetze aus Skandinavien<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"17\">Skandinavische L\u00e4nder, in denen es eine entwickelte Fischerei\u00adindustrie gibt, sind zu Netzlieferanten geworden. Laut Futtrup h\u00e4tten f\u00fcnf d\u00e4nische H\u00e4fen die Erlaubnis zum Einsammeln von Netzen erhalten oder beantragt.\u201eWir erhalten immer mal wieder Nachrichten, dass die von uns gespendeten Netze einen Angriff verhindert oder ein Leben gerettet haben\u201c, sagt Carl Futtrup.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\" pos=\"18\">Der D\u00e4ne hat bereits den Transport von 120 Tonnen Fischernetzen in die Ukraine organisiert. Den Transport finanzieren Freiwillige in Europa und der Ukraine. \u201eEs gibt noch keine offizielle Hilfe. Wir stemmen das komplett aus eigener Kraft\u201c, sagt der Freiwillige. \u201eW\u00e4ren diese Netze fr\u00fcher da gewesen und h\u00e4tte man damit schon Tunnel bauen k\u00f6nnen, h\u00e4tten viele der M\u00e4nner und Frauen \u00fcberlebt.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-23\" pos=\"19\">Obwohl weithin der Eindruck vorherrscht, Europa sei kriegsm\u00fcde, beobachtet Schwarzkop das Gegenteil: Die Hilfe aus dem Ausland sei heute sogar noch gr\u00f6\u00dfer als noch vor einem Jahr. \u201eJedes Mal ist es eine echte Leistung, Netze zu liefern. Aber \u00fcberraschenderweise klappt das, weil viele hilfsbereite Menschen da sind\u201c, sagt die Freiwillige Wera Schwarzkop. \u201eWir haben kein recht aufzugeben, auch wenn es schwierig ist. Und darum suchen wir auch bereits einen neuen Sponsor f\u00fcr die n\u00e4chste Netzlieferung.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-24\" pos=\"20\">\n        Aus dem Russischen Barbara Oertel\n      <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Luzk taz | An einem hei\u00dfen Julitag arbeiten mehrere M\u00e4nner auf einer Baustelle im Industriegebiet der westukrainischen Stadt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":309245,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-309244","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114950186735088992","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/309244","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=309244"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/309244\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/309245"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=309244"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=309244"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=309244"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}