{"id":309840,"date":"2025-08-01T03:54:27","date_gmt":"2025-08-01T03:54:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/309840\/"},"modified":"2025-08-01T03:54:27","modified_gmt":"2025-08-01T03:54:27","slug":"zollabkommen-trifft-italien-hart-trump-laesst-meloni-im-regen-stehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/309840\/","title":{"rendered":"Zollabkommen trifft Italien hart: Trump l\u00e4sst Meloni im Regen stehen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Italiens Premierministerin hatte bis zum Schluss gehofft, dass ihre Vermittlerrolle zwischen Br\u00fcssel und Washington den Zolldisput abmildern w\u00fcrde. Meloni hat sich geirrt &#8211; und sucht nach Auswegen.<\/strong><\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Donald Trump feiert seinen Zolldeal mit EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen als den wichtigsten aller Zeiten. Eine seiner treuesten Verb\u00fcndeten in der EU teilt diesen Enthusiasmus nicht: Italiens Premierministerin Giorgia Meloni hat allen Grund zur Entt\u00e4uschung. Lange Zeit konnte nichts ihre besondere Beziehung zu Trump tr\u00fcben, auch nicht seine Kampfansage an die europ\u00e4ische Wirtschaft. Nichts konnte ihre Loyalit\u00e4t ihm gegen\u00fcber schm\u00e4lern.<\/p>\n<p>Gleich, ob er mit Z\u00f6llen in H\u00f6he von 50 Prozent drohte, oder die Europ\u00e4er als Schmarotzer auf Kosten der USA bezeichnete: Kein Wort der Kritik kam \u00fcber Melonis Lippen. Im Gegenzug lobte er sie immer wieder, nannte Meloni unl\u00e4ngst eine &#8222;sehr spezielle Person, die eine fantastische Arbeit leistet&#8220;. War diese vermeintliche Freundschaft nur ein Lippenbekenntnis? Die von Meloni erhoffte Gegengef\u00e4lligkeit f\u00fcr ihre Loyalit\u00e4t ist jedenfalls ausgeblieben.<\/p>\n<p>Melonis Loyalit\u00e4t bleibt unbelohnt<\/p>\n<p>Meloni bef\u00fcrwortete einen Zolltarif von 10 Prozent und eine Senkung der 50 Prozent auf Aluminium- und Stahlexporte in die USA. In Apulien steht mit ILVA das gr\u00f6\u00dfte Stahlwerk Europas. Es ist aber auch das marodeste. Was nun kam, ist ein Zollsatz von 15 Prozent, das Dreifache der bisher g\u00fcltigen 4,8 Prozent, w\u00e4hrend die 50 Prozent auf Stahl und Aluminium vorerst bleiben.<\/p>\n<p>Meloni versucht, die Gem\u00fcter zu beruhigen. &#8222;Ich finde es positiv, dass man zu einer Vereinbarung gekommen ist&#8220;, hob sie schon am Montag hervor. &#8222;Ich war und bin weiter der Meinung, dass eine Zuspitzung der Handelsbeziehungen zwischen Europa und den USA zu katastrophalen Folgen gef\u00fchrt h\u00e4tte.&#8220; Au\u00dferdem solle man nicht vergessen, &#8222;dass die Details noch zu definieren sind&#8220;. Auch die deutsche Bundesregierung will etwa mit Blick auf Stahl noch g\u00fcnstigere Konditionen nachverhandeln. <\/p>\n<p>Italiens Politik und Wirtschaft fand kaum ein positives Wort zu der erzielten Einigung. Zu lesen ist von einer Dem\u00fctigung der EU; von Trump, der Europa \u00fcber den Tisch gezogen habe; von einem ungleichen Abkommen, das den USA mehr bringe als der EU. <\/p>\n<p>Wichtiges Zielland f\u00fcr Made in Italy<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie Deutschland ist Italiens Wirtschaft ma\u00dfgeblich vom Export abh\u00e4ngig, und die USA stechen als Handelspartner hervor. So lag der Exportwert der italienischen Ware in Richtung USA 2024 laut <a href=\"https:\/\/www.infomercatiesteri.it\/public\/osservatorio\/schede-sintesi\/stati-uniti-damerica_55.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausw\u00e4rtigem Amt<\/a> bei 64,8 Milliarden Euro. Das sind etwas mehr als 10 Prozent des italienischen Gesamtexports.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Produkte, die Italien in die USA verkauft, sind in dieser Reihenfolge:<\/p>\n<ul>\n<li>Pharmaprodukte<\/li>\n<li>Bergbauprodukte<\/li>\n<li>Chemikalien <\/li>\n<li>verarbeitete Metalle<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weiter nehmen Landwirtschaft, Lebensmittel und Getr\u00e4nke eine besondere Stellung ein. Diese Branchen z\u00e4hlen zu den wichtigsten Aush\u00e4ngeschildern des Made in Italy, und die USA sind ihr zweitwichtigster Exportmarkt. <a>Der Ausfuhrwert der Agrar- und Lebensmittelprodukte liegt bei knapp 8 Milliarden Euro.<\/a><\/p>\n<p>Mit gro\u00dfer Anspannung wartet auch die Weinbranche auf die Details des Zollabkommens. Die USA z\u00e4hlen zu ihren besten Kunden. 2024 wurde Wein in einem Gesamtwert von 1,9 Milliarden Euro in die Staaten verfrachtet. Der Vorsitzende des Italienischen Weinverbands UIV, Lamberto Frescobaldi, mahnt in einer Stellungnahme: &#8222;Sollte der Zolltarif auf 15 Prozent steigen, w\u00fcrde das einen Schaden von 460 Millionen Euro bedeuten.&#8220;<\/p>\n<p>Loyal, aber nicht blau\u00e4ugig<\/p>\n<p>Die Regierung bittet einerseits um Geduld, trifft aber andererseits selbst schon Vorkehrungen. Zum Beispiel wurde noch vor dem Treffen zwischen Trump und von der Leyen beschlossen, der Agrar- und Lebensmittelbranche mit 1 Milliarde Euro unter die Arme zu greifen. Denn wenngleich ein Zoll von 10 Prozent stemmbar gewesen w\u00e4re, wie Meloni mehrmals versichert hatte: Schwierigkeiten h\u00e4tte er vielen Unternehmen trotzdem bereitet.<\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen Wirtschaftsbranchen sind ebenfalls in Aufruhr und fordern finanzielle Unterst\u00fctzung. Der Vorsitzende des Industrieverbands Confindustria Emanuele Orsini sagte in einem TV-Interview: &#8222;Alles, was \u00fcber einem Zolltarif von null Prozent liegt, ist f\u00fcr uns ein Problem. Die jetzt beschlossenen 15 Prozent k\u00f6nnten einen Schaden von 22,6 Milliarden Euro bedeuten.&#8220;<\/p>\n<p>Meloni hat von Beginn ihrer Regierung darauf geachtet, zur EU eine konstruktive Beziehung aufzubauen. Und daran h\u00e4lt sie fest. Anstatt an dem Deal herumzum\u00e4keln oder wie ihr Vize-Premier, Lega-Chef Matteo Salvini, von der Leyen zum S\u00fcndenbock auszurufen, berief Meloni am Dienstag einen kleinen Ministerrat ein. Zusammen mit ihren zwei Stellvertretern sowie dem Wirtschafts- und dem Verteidigungsminister wurde beschlossen, 14 Milliarden Euro Darlehen aus dem EU-Safe-Fonds zu beantragen.<\/p>\n<p>Dieser mit bis zu 150 Milliarden Euro dotierte Fonds ist ein neues EU-Instrument, das jenen Staaten finanziell unter die Arme greifen soll, die in die technologische und industrielle Basis der europ\u00e4ischen Verteidigung investieren. Urspr\u00fcnglich hatte sich Rom diesem Fonds gegen\u00fcber skeptisch gezeigt: Finanzminister Giancarlo Giorgetti, weil Italien sowieso schon eine monstr\u00f6se Staatsverschuldung hat. Salvini, weil er strikt gegen eine Aufr\u00fcstung ist, die uns &#8222;Deutschland und von der Leyen aufzwingen wollen&#8220;.<\/p>\n<p>Doch die vorteilhaften Bedingungen, die das Darlehen vorsieht, und die R\u00fcckzahlung in 45 Jahren haben offenbar die Meinung ge\u00e4ndert. Noch ausschlaggebender war aber wahrscheinlich das Zollabkommen. Das Darlehen f\u00fcr die Wiederaufr\u00fcstung sp\u00fclt Geld in die Staatskasse zur Unterst\u00fctzung der italienischen Unternehmen. Das Zollabkommen d\u00fcrfte den Unternehmen mehr Schwierigkeiten bereiten, als Italiens Regierung gewillt ist, \u00f6ffentlich zuzugeben. Pr\u00e4ziser: als die Regierungschefin gewillt ist, zuzugeben.<\/p>\n<p>Meloni droht mit der Frage konfrontiert zu werden, ob ihre Vermittlungsrolle zwischen EU und USA wirklich etwas bewirkt hat? W\u00e4re es nicht besser, jetzt, da in Deutschland der konservative Bundeskanzler Friedrich Merz im Amt ist, sich enger mit ihm abzustimmen? Und, ja auch mit dem ihr nicht gerade sympathischen Emmanuel Macron? Berechenbarer als mit dem sprunghaften Trump w\u00e4ren diese Beziehungen allemal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Italiens Premierministerin hatte bis zum Schluss gehofft, dass ihre Vermittlerrolle zwischen Br\u00fcssel und Washington den Zolldisput abmildern w\u00fcrde.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":309841,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,106,30,9236,13,355,14,15,16,12,1493,211],"class_list":{"0":"post-309840","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-donald-trump","13":"tag-germany","14":"tag-giorgia-meloni","15":"tag-headlines","16":"tag-italien","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-politik","20":"tag-schlagzeilen","21":"tag-ursula-von-der-leyen","22":"tag-zoelle"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114951491896747785","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/309840","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=309840"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/309840\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/309841"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=309840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=309840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=309840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}