{"id":310348,"date":"2025-08-01T08:44:09","date_gmt":"2025-08-01T08:44:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/310348\/"},"modified":"2025-08-01T08:44:09","modified_gmt":"2025-08-01T08:44:09","slug":"acc-empfiehlt-erstmals-adipositas-medikamente-gegen-herzinsuffizienz-hfpef","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/310348\/","title":{"rendered":"ACC empfiehlt erstmals Adipositas-Medikamente gegen Herzinsuffizienz (HFpEF)"},"content":{"rendered":"\n<p>Experten des American College of Cardiology (ACC) empfehlen erstmals Adipositas-Medikamente als m\u00f6gliche Therapien bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF). Die Wirkstoffe Semaglutid und Tirzepatid, beide urspr\u00fcnglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt, k\u00f6nnten laut dem im\u00a0Journal of the American College of Cardiology\u00a0ver\u00f6ffentlichten Statement helfen, Symptome bei HFpEF-Patienten zu lindern\u00a0[<a onclick=\"showToolTip(this, &#039;references&#039;, 1);\" href=\"https:\/\/deutsch.medscape.com\/artikelansicht\/javascript:void(0);\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">1<\/a>].<\/p>\n<p>Die Autoren betonen jedoch, dass es bislang keine Evidenz der h\u00f6chsten Stufe (Level 1) f\u00fcr eine Verringerung der Zahl kardiovaskul\u00e4rer Ereignisse unter diesen Wirkstoffen gebe. Ihr Fokus liegt auf der Symptomkontrolle, nicht auf der Pr\u00e4vention schwerer Verl\u00e4ufe.<\/p>\n<p>Die neuen Empfehlungen gelten ausschlie\u00dflich f\u00fcr HFpEF. F\u00fcr Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) liegen derzeit noch keine ausreichenden Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Semaglutid und Tirzepatid vor.\u00a0<\/p>\n<p>       <b>Von der Diabetes- zur Adipositas-Therapie mit Zusatznutzen<\/b>  <\/p>\n<p>Zum Hintergrund: Semaglutid und Tirzepatid wurden urspr\u00fcnglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt. Wegen ihrer stark gewichtsreduzierenden Wirkung und ihres g\u00fcnstigen Sicherheitsprofils erhielten beide Wirkstoffe sp\u00e4ter auch eine Zulassung zur Therapie von Adipositas, allerdings nur bei\u00a0Patienten, die zus\u00e4tzlich an mindestens einer weiteren Adipositas-assoziierten Erkrankung leiden, etwa an Hypertonie, Fettstoffwechselst\u00f6rungen oder obstruktive\u00a0Schlafapnoe.<\/p>\n<p>Semaglutid ist dar\u00fcber hinaus bei kardiovaskul\u00e4rer Erkrankung zugelassen, gest\u00fctzt auf Ergebnisse der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMoa2307563\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">SELECT-Studie<\/a>\u00a0aus dem Jahr 2023. Diese zeigte bei \u00fcbergewichtigen Personen mit kardiovaskul\u00e4rer Vorerkrankung, aber ohne Diabetes, einen signifikanten Nutzen bei harten\u00a0Endpunkten wie kardiovaskul\u00e4ren Todesf\u00e4llen, Herzinfarkten und Schlaganf\u00e4llen.\u00a0<\/p>\n<p>Tirzepatid wiederum erhielt im Jahr 2024 auf Grundlage der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMoa2404881\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">SURMOUNT-OSA-Studie<\/a>\u00a0eine Zulassung bei adip\u00f6sen Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe, ebenfalls unabh\u00e4ngig von Typ-2-Diabetes.\u00a0<\/p>\n<p>       <b>Forscher untersuchen Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t<\/b>  <\/p>\n<p>Forscher haben im Rahmen zweier klinische Studien gezielt die Wirkung von Semaglutid und Tirzepatid bei Patienten mit HFpEF untersucht. Die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMoa2306963\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">STEP-HFpEF-Studie<\/a>\u00a0(2023, Semaglutid) und die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMoa2410027\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">SUMMIT-Studie<\/a>\u00a0(2025, Tirzepatid) haben eine signifikante Besserung der Symptome gezeigt, auch wenn sich die Studiendesigns deutlich voneinander unterscheiden.<\/p>\n<p>In der STEP-HFpEF-Studie haben \u00c4rzte HFpEF als linksventrikul\u00e4re Ejektionsfraktion von \u2265\u202f45% definiert, w\u00e4hrend es in der SUMMIT-Studie ein etwas strengeren Grenzwert von \u2265\u202f50% war. In beiden Studien arbeiteten Forschende mit dem Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire (KCCQ) zur Erfassung der Lebensqualit\u00e4t als prim\u00e4rem Endpunkt. Allerdings erfassten sie bei STEP-HFpEF zus\u00e4tzlich den Gewichtsverlust, w\u00e4hrend es bei SUMMIT einen kombinierten Endpunkt aus kardiovaskul\u00e4rem Tod und HF-bedingten Komplikationen gab.\u00a0<\/p>\n<p>       Die Lebensqualit\u00e4t bessert sich signifikant  <\/p>\n<p>In STEP-HFpEF erzielten Patienten unter Semaglutid eine signifikante Verbesserung des KCCQ-Scores um 7,8 Punkte gegen\u00fcber Placebo (p\u202f\n      <\/p>\n<p>In der SUMMIT-Studie f\u00fchrte Tirzepatid zu einem Plus von 6,9 Punkten gegen\u00fcber Placebo (p\u202f\n      <\/p>\n<p>Beide Studien zeigten auch klare Verbesserungen der k\u00f6rperlichen Leistungsf\u00e4higkeit und der Mobilit\u00e4t der Patienten: ein weiterer Hinweis auf den potenziellen Nutzen der Wirkstoffe bei HFpEF.\u00a0<\/p>\n<p>       <b>Der Weg zur Indikationserweiterung ist geebnet<\/b>  <\/p>\n<p>Semaglutid und Tirzepatid sind bislang nicht f\u00fcr die Behandlung einer Herzinsuffizienz zugelassen. In ihrem aktuellen Statement stellen ACC-Experten die bestehenden FDA-Zulassungen dem evidenzbasierten Nutzen aus aktuellen Studien gegen\u00fcber. Sie schreiben, letztlich sei die Evidenz Grundlage f\u00fcr \u00e4rztliche Verordnungen bei HFpEF.<\/p>\n<p>\u201eDie Absicht des Autorenteams war, klarzustellen, dass es bislang keine FDA-Zulassungen f\u00fcr eine Behandlung der Herzinsuffizienz mit Inkretin-Mimetika gibt\u201c, betont\u00a0<b>Dr. Michelle M. Kittleson<\/b>\u00a0vom Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles.\u00a0Sie r\u00e4t, Patienten vor einer Verordnung sorgf\u00e4ltig auszuw\u00e4hlen und zu pr\u00fcfen, ob sie die Einschlusskriterien jener Studien erf\u00fcllten, in denen ein Nutzen gezeigt worden sei.\u00a0<\/p>\n<p>       <b>Ein Blick auf Wirkmechanismen<\/b>  <\/p>\n<p>Semaglutid hat ausschlie\u00dflich den GLP-1-Rezeptor zum Ziel, w\u00e4hrend Tirzepatid zus\u00e4tzlich als Agonist des glucoseabh\u00e4ngigen insulinotropen Peptids (GIP) wirkt. Beide Substanzen ahmen k\u00f6rpereigene Inkretinhormone nach, die unter anderem das S\u00e4ttigungsgef\u00fchl steigern: ein zentraler Mechanismus zur Verringerung des K\u00f6rpergewichts.\u00a0Aufgrund ihrer Wirkweise und ihres im Vergleich zu \u00e4lteren Pharmaka deutlich geringeren Nebenwirkungsrisikos gelten beide als Vertreter einer 3. Generation moderner Adipositas-Medikamente.<\/p>\n<p>ACC-Experten schreiben, aktuelle Daten w\u00fcrden auch Hinweise auf einen kardiovaskul\u00e4ren Gesamtnutzen liefern, insbesondere bei Patienten mit HFpEF. Zudem ist die Pipeline gut gef\u00fcllt: Mehr als 1 Dutzend \u00e4hnlicher Wirkstoffe befindet sich laut ACC derzeit in unterschiedlichen Entwicklungsphasen.<\/p>\n<p>       <b>Die Indikation nicht voreilig erweitern<\/b>  <\/p>\n<p>Trotz vielversprechender Studiendaten mahnt das Autorenteam des ACC-Statements zur Zur\u00fcckhaltung. Zwar zeigte die SUMMIT-Studie eine Verringerung harter Endpunkte, etwa kardiovaskul\u00e4rer Todesf\u00e4lle. Doch sei die bisherige Datenbasis noch zu gering, um daraus belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen.\u00a0Kittleson warnt in diesem Zusammenhang vor einer zu raschen Ausweitung der Indikationen auf Krankheitsbilder, f\u00fcr die ein Nutzen (noch) nicht ausreichend belegt ist.<\/p>\n<p>Doch die\u00a0SELECT-Studie f\u00fchrt zu Optimmismus beim ACC-Autorenteam. In dieser Untersuchung mit mehr als 17.000 \u00fcbergewichtigen Patienten mit kardiovaskul\u00e4ren\u00a0Erkrankungen, aber ohne Diabetes, verringerte Semaglutid das Risiko von Ereignissen des prim\u00e4en Endpunkts um 20% gegen\u00fcber Placebo (p\u202f\n      <\/p>\n<p>       <b>Lebensstil-\u00c4nderungen allein reichen oft nicht aus<\/b>  <\/p>\n<p>Die ACC-Autoren bewerten auch Lebensstil-Interventionen neu.\u00a0\u201ePatienten sollten nicht \u2013 wie bisher \u2013 gezwungen werden, zun\u00e4chst an Ver\u00e4nderungen ihres Lebensstils zu scheitern, bevor sie eine Pharmakotherapie beginnen d\u00fcrfen\u201c, betont\u00a0<b>Dr. Olivia Gilbert<\/b>\u00a0vom Atrium Wake Forest Baptist Medical Center in North Carolina. Sie war nicht an der Erstellung des aktuellen Statements beteiligt, hat jedoch an ACC-Leitlinien mitgearbeitet.\u00a0<\/p>\n<p>Gilbert verweist auf die \u00fcberlegene Wirksamkeit der Inkretin-basierten Therapien im Vergleich zu rein verhaltensbasierten Ma\u00dfnahmen sowie auf deren g\u00fcnstigeres Sicherheitsprofil gegen\u00fcber bariatrischen OPs. Ihr Fazit: \u201eLebensstil-Interventionen sollten immer in Kombination mit Adipositas-Medikamenten angeboten werden.\u201c<\/p>\n<p> Der Beitrag ist im Original erschienen auf\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.medscape.com\/viewarticle\/new-american-college-cardiology-statement-provides-guidance-2025a1000ggp\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> Medscape.com <\/a> . <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Experten des American College of Cardiology (ACC) empfehlen erstmals Adipositas-Medikamente als m\u00f6gliche Therapien bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":310349,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[29,30,141,232],"class_list":{"0":"post-310348","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-gesundheit","11":"tag-health"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114952631988383704","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/310348","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=310348"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/310348\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/310349"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=310348"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=310348"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=310348"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}