{"id":310496,"date":"2025-08-01T10:05:11","date_gmt":"2025-08-01T10:05:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/310496\/"},"modified":"2025-08-01T10:05:11","modified_gmt":"2025-08-01T10:05:11","slug":"krebs-entzuendliche-prozesse-koennen-schlafende-tumorzellen-wecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/310496\/","title":{"rendered":"Krebs: \u201eEntz\u00fcndliche Prozesse k\u00f6nnen schlafende Tumorzellen wecken\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Nach Krebstherapien verbleiben mitunter inaktive Tumorzellen im K\u00f6rper. Einer Tierstudie zufolge k\u00f6nnen Atemwegsinfekte solche in der Lunge schlummernden Brustkrebszellen aktivieren. Forscher sind vom Nachweis \u201e\u00fcberrascht\u201c \u2013 es gibt aber auch Kritik.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Der Verdacht bestand schon l\u00e4nger \u2013 nun will ein Forschungsteam ihn gleich zweifach f\u00fcr Brustkrebs belegt haben: Demnach k\u00f6nnen virale Infektionen der Atemwege \u201eschlafende\u201c Krebszellen aktivieren und damit zur Bildung von Metastasen in der Lunge beitragen. Das berichtet ein Forschungsteam aus den USA und Gro\u00dfbritannien nach Versuchen an M\u00e4usen. Es st\u00fctzt sich jedoch vor allem auf genetisch ver\u00e4nderte M\u00e4use mit schlafenden Brustkrebs-Tumorzellen. Ob die Ergebnisse auf Menschen \u00fcbertragbar sind, ist bislang nicht sicher. <\/p>\n<p>Die Gruppe um <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/medschool.cuanschutz.edu\/biochemistry\/people\/primary-faculty\/degregori-james\/degregori-lab\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/medschool.cuanschutz.edu\/biochemistry\/people\/primary-faculty\/degregori-james\/degregori-lab&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">James DeGregori <\/a>von der University of Colorado in Aurora zeigt im Fachjournal \u201eNature\u201c nicht nur einen Zusammenhang auf, sondern beleuchtet auch die zugrundeliegenden Mechanismen. Hellmut Augustin vom Deutschen Krebsforschungszentrum (<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.dkfz.de\/\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.dkfz.de\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">DKFZ)<\/a> ist von dem Ergebnis nicht \u00fcberrascht, von dem gelungenen Nachweis hingegen schon. \u201eEntz\u00fcndliche Prozesse k\u00f6nnen schlafende Tumorzellen wecken\u201c, sagt der Heidelberger Experte f\u00fcr vaskul\u00e4re Onkologie und Metastasierung, der nicht an der Studie beteiligt war. Den Zusammenhang habe man in dieser Pr\u00e4zision noch nie gezeigt.<\/p>\n<p>Der zweite Teil <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-025-09332-0\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-025-09332-0&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">der Studie<\/a> befasst sich mit der \u00dcbertragbarkeit auf den Menschen. Nach Auswertung epidemiologischer Daten aus der Zeit der Corona-Pandemie schreibt die Forschungsgruppe, eine Sars-CoV-2-Infektion k\u00f6nne bei Krebs-\u00dcberlebenden das Sterberisiko m\u00f6glicherweise um nahezu das Doppelte steigern. Diese Interpretation \u00fcberzeugt den DKFZ-Epidemiologen Rudolf Kaaks wiederum nicht: \u201eDiese Studie enth\u00e4lt etliche M\u00e4ngel.\u201c <\/p>\n<p>Krebs-Sterberaten stiegen nach Corona-Pandemie<\/p>\n<p>Aber der Reihe nach: Brustkrebs ist bei Frauen die h\u00e4ufigste Tumorerkrankung. In Deutschland erkranken daran pro Jahr rund 75.000 Menschen \u2013 99 Prozent davon sind Frauen. Knapp 19.000 Menschen starben hierzulande 2022 an dem Krebsleiden. Generell w\u00fcrden die meisten der Todesf\u00e4lle auf metastasierte Erkrankungen entfallen, schreibt nun die Forschergruppe. Diese folgten oft \u2013 etwa nach einer Therapie \u2013 auf jahrelange klinisch unauff\u00e4llige Phasen. <\/p>\n<p>Das Team untersuchte deshalb, was schlafende Tumorzellen aktiviert. Was sind die Trigger? Die Vermutung, dass Entz\u00fcndungsprozesse dazu beitragen, bestand schon lange. Dazu passe, dass die registrierten krebsbedingten Sterberaten in den ersten beiden Jahren der Corona-Pandemie anstiegen \u2013 und zwar \u00fcber jenes Ma\u00df hinaus, das sich auf verz\u00f6gerte Diagnosen und Therapien zur\u00fcckf\u00fchren lasse, erkl\u00e4ren Studienautoren. M\u00f6glicherweise, so ihre Vermutung, haben Sars-CoV-2-Infektionen in der Lunge zur Entwicklung von Metastasen beigetragen.<\/p>\n<p>Diesen Verdacht pr\u00fcfte das Team unter anderen an genetisch ver\u00e4nderten M\u00e4usen, die als Modellorganismen f\u00fcr eine bestimmte Brustkrebsform gez\u00fcchtet werden, mit schlafenden Brustkrebs-Tumorzellen. Die Tiere wurden mit Influenza A-Viren infiziert, erholten sich aber binnen zw\u00f6lf Tagen wieder. W\u00e4hrend die Lungen der Tiere vorher nur vereinzelte Krebszellen aufwiesen, stieg die Metastasenlast binnen etwa zwei Wochen nach der Infektion um den Faktor 100 bis 1000 \u2013 und blieb \u00fcber Monate erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Analysen ergaben, dass der entz\u00fcndungsf\u00f6rdernde Botenstoff Interleukin-6 (IL-6) anf\u00e4nglich ma\u00dfgeblich an der Aktivierung der schlafenden Krebszellen beteiligt war. Eine Metastasen-f\u00f6rdernde Wirkung bei M\u00e4usen fand das Team nicht nur nach einer Influenza-Infektion, sondern auch nach Infektionen mit dem Covid-19-Erreger Sars-CoV-2. <\/p>\n<p>\u201eDie tierexperimentellen Untersuchungen konnten den grunds\u00e4tzlichen Nachweis f\u00fcr einen Zusammenhang von Atemwegsinfektionen und Metastasenwachstum ermitteln\u201c, sagt DKFZ-Forscher Augustin. \u201eDas macht es wahrscheinlich, dass die gleichen Mechanismen auch im Menschen aktiv sind.\u201c<\/p>\n<p>Eine Covid-Infektion steigerte das Sterberisiko<\/p>\n<p>Ob der im Tierversuch beobachtete Effekt auch beim Menschen auftritt, pr\u00fcfte die amerikanisch-britische Forschungsgruppe dann anhand der Gesundheitsdaten aus zwei \u201eBiobanken\u201c. Dabei setzten die Wissenschaftler auf den Umstand, dass Infektionen mit dem Covid-19-Erreger in den ersten Jahren der Pandemie weitverbreitet waren \u2013 und systematisch erfasst wurden. Um Effekte durch Impfungen und fehlerhafte Selbsttests auszuschlie\u00dfen, flossen nur Daten von Krebs-\u00dcberlebenden mit Corona-Infektionen bis Dezember 2020 ein. <\/p>\n<p>An die 4800 Patienten zum Beispiel, deren Daten in der britische \u201eUK-Biobank\u201c gespeichert werden, hatten ihre erste Krebsdiagnose vor dem Jahr 2015 erhalten. Dieses Auswahlkriterium f\u00fcr die Studien sollte sicherstellen, dass sie die anf\u00e4ngliche Erkrankung \u00fcberstanden hatten.<\/p>\n<p>Die Analyse der 128 Krebs-bedingten Todesf\u00e4lle in dieser Gruppe bis Januar 2022 deute darauf hin, dass eine Sars-CoV-2-Infektion das Sterberisiko nahezu verdoppelte, hei\u00dft es jetzt in der \u201eNature\u201c-Ver\u00f6ffentlichung. Eine zweite Analyse einer anderen, auf den Daten von knapp 38.000 Menschen basierenden Sammlung ergab, dass eine Covid-19-Erkrankung von Brustkrebs-Patientinnen die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr Metastasen in der Lunge um gut 40 Prozent erh\u00f6hte. \u201eInsgesamt unterstreichen diese Resultate das bedeutende Metastasen-Risiko, das f\u00fcr Krebs-\u00dcberlebende mit Covid-19 einhergeht\u201c, berichten die Studienautoren.<\/p>\n<p>Der DKFZ-Epidemiologe Kaaks hegt allerdings Zweifel an dieser Interpretation. So enthalte die UK-Biobank-Gruppe Menschen mit verschiedensten Tumorerkrankungen \u2013 nicht nur mit Brustkrebs. Kaaks kritisiert au\u00dferdem, dass die prim\u00e4re Todesursache nicht gesichert sei: So k\u00f6nnten tats\u00e4chliche Corona-Todesf\u00e4lle als Krebstod gewertet worden sein \u2013 diese Unterscheidung sei f\u00fcr einen Hausarzt beim Ausf\u00fcllen des Todesscheins nicht trivial. Zudem sei nicht belegt, ob \u00fcberhaupt Lungenmetastasen vorhanden waren.<\/p>\n<p>Schw\u00e4chen der Studie<\/p>\n<p>Die Gruppe der zweiten herangezogenen Datenbank umfasst zwar nur Brustkrebs-Patientinnen. Allerdings k\u00f6nnte es hier eine statistische Verzerrung geben: Es sei durchaus denkbar, dass bei Frauen mit einer Covid-19-Erkrankung eher die Lunge untersucht worden sei als bei den Covid-negativen Frauen. Schon dadurch, meint der Epidemiologe, k\u00f6nnten bei diesen Teilnehmerinnen vermehrt Lungenmetastasen gefunden worden sein.<\/p>\n<p>Eine weitere Schw\u00e4che: Wie viele der 532 Corona-infizierten Teilnehmerinnen \u00fcberhaupt Metastasen in der Lunge bildeten, dazu gibt es keinerlei Information. Aus epidemiologischer Sicht ist dieser Teil der Studie nicht \u00fcberzeugend, so das Fazit von Kaaks. <\/p>\n<p>\u201eAus meiner Sicht erlauben die in der Publikation berichteten epidemiologischen Analysen (&#8230;) die gezogenen Schlussfolgerungen nicht\u201c, sagt auch der Epidemiologe Andr\u00e9 Karch vom Universit\u00e4tsklinikum M\u00fcnster. Es sei unstrittig, dass Infektionen den Verlauf einer bestehenden aktiven Krebserkrankung negativ beeinflussen. \u201eGenau das zeigen aus meiner Sicht die durchgef\u00fchrten epidemiologischen Analysen im besten Fall \u2013 wenn die Ergebnisse nicht auf andere oben genannte Verzerrungen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind\u201c, erkl\u00e4rt Karch. Um die eigentliche Hypothese des Teams epidemiologisch untermauern zu k\u00f6nnen, \u201ew\u00e4ren deutlich anspruchsvollere Analysen notwendig\u201c.<\/p>\n<p>Walter Willems, dpa\/SMC\/rc<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach Krebstherapien verbleiben mitunter inaktive Tumorzellen im K\u00f6rper. 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