{"id":311662,"date":"2025-08-01T20:48:12","date_gmt":"2025-08-01T20:48:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/311662\/"},"modified":"2025-08-01T20:48:12","modified_gmt":"2025-08-01T20:48:12","slug":"ki-generierte-einbaende-buchcover-aus-der-retorte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/311662\/","title":{"rendered":"KI-generierte Einb\u00e4nde: Buchcover aus der Retorte"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Es gab mal eine Zeit, da hatte man noch Angst vor \u00adDeepfakes. US-Pr\u00e4sidenten, die den Kriegszustand ausrufen, Gesichter von Popstars, auf den K\u00f6rper nackter Frauen montiert. Heute wird man von KI-Videos regelrecht \u00fcberschwemmt. Neueste <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/ai-slop-auf-tiktok-und-instagram-ki-inhalte-verstopfen-die-timelines-a-50435346-1c38-4824-907f-67d27c31e5c0\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Studien<\/a> gehen davon aus, dass ein Viertel aller Videos auf Tiktok KI-generiert ist. Vorbei die Zeiten, als Bildgeneratoren wie DALL-E und Midjourney Gespenstergestalten ausspuckten, Menschen mit ein paar Fingern zu viel und ein paar Augen zu wenig. Vorbei die Zeiten, als der Rowohlt Verlag auf Instagram damit kokettierte, dass die KI nur schlechte Buchcover designte. Menschengemacht, das war im Sommer 2023 noch State of the Art.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Zwei Jahre sp\u00e4ter sitzt die KI auch im Hamburger Verlagshaus mit am Tisch. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Roman-Zauberberg-2-von-Heinz-Strunk\/!6056799\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Heinz Strunks \u201eZauberberg 2\u201c<\/a> erschien in einem Buchumschlag, den die KI mitgestaltete \u2013 inspiriert vom Werk von Millionen K\u00fcnstler:innen, die nie auch nur einen Cent von den gro\u00dfen KI-Firmen daf\u00fcr erhalten d\u00fcrften. Rowohlt steht damit nicht alleine da, auch andere Verlage sparen sich mittlerweile die Kosten f\u00fcr menschliche Il\u00adlus\u00adtra\u00adto\u00adr:in\u00adnen und beauftragen Grafikb\u00fcros, die KI-generierte Motive auf Buchcover setzen. Dar\u00fcber geredet wird indes nicht so gern. Von 17 Verlagen schickten nur drei Antworten auf Fragen zur\u00fcck, die die taz gestellt hatte. Andere verwiesen auf sich im Sommerurlaub befindende Ex\u00adper\u00adt:in\u00adnen oder h\u00fcllten sich schlicht in Schweigen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Es sind gro\u00dfe und kleine Verlage, die ihren Au\u00adto\u00adr:in\u00adnen KI-Designs zur Seite stellen, um sich auf dem Buchmarkt zu behaupten. Was das f\u00fcr Signale an potenzielle Le\u00adse\u00adr:in\u00adnen sendet, muss kaum betont werden. Wo Retorte draufsteht, kann nur Retorte drin sein. Wer sich f\u00fcr die Rechte von Wortk\u00fcnstlern einsetzt, muss noch lange kein Herz f\u00fcr Bildk\u00fcnstlerinnen zeigen. Man kann das schizophren finden. Oder pragmatisch \u2013 denn der Markt regelt es auch ohne R\u00fccksicht auf die Verlagskassen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Ob KI Kunst schaffen kann, ist unerheblich, sofern sich ihre Machwerke verkaufen. Wie das Autorentrio James Muldoon, Mark Graham und Callum Cant in \u201eFeeding the Machine\u201c aufzeigt, bedient sich die KI dabei am Werk von K\u00fcnstler:innen: KI-Firmen haben das Motto der Techbranche \u201eMove fast and break things\u201c zu \u201eMove fast and steal things\u201c erweitert. Denn trainiert wird die KI mit allem Material, das ihr in die Finger kommt \u2013 urheberrechtlich gesch\u00fctzt oder nicht. In den USA kam es daher bereits zu Klagen von Verlagen gegen KI-Firmen. Zuletzt, im Juni diesen Jahres, entschied ein Gericht in San Francisco jedoch zugunsten der Artifiziellen: KI-Software d\u00fcrfe auch ohne Zustimmung der Au\u00adto\u00adr:in\u00adnen trainiert werden, sofern deren Werke nicht illegal erworben worden seien.<\/p>\n<p>      Richtungsweisender Entscheid in den USA<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">F\u00fcr deutschsprachige Verlage habe diese Entscheidung Folgen, hei\u00dft es vonseiten des Dio\u00adgenes Verlags. Wie eine Pressesprecherin des Schweizer Verlagshauses mitteilt, pr\u00fcfe man die Bedeutung des Entscheids in den USA gerade mit den europ\u00e4ischen Verb\u00e4nden, darunter auch der B\u00f6rsenverein des deutschen Buchhandels. Man verweise zudem bei Neuerscheinungen schriftlich da\u00adrauf, dass die Nutzung des Werks \u201ezu Trainingszwecken\u201c der KI untersagt ist.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7843080\/1200\/38939098-2.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/38939098-2.jpeg\" alt=\"Drei Buchcover\" title=\"Drei Buchcover\" height=\"997\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Buchcover der Verlage Hanser, Oetinger und Kiepenheuer &amp; Witsch<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nHanser, Oetinger, Kiepenheuer&amp;Witsch<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Gleiches tut auch der Verlag C. H. Beck. Ein Pro\u00adblem bestehe allerdings darin, dass sogenanntes Text and Data Mining (TDM) f\u00fcr wissenschaftliche Zwecke, auf die sich KI-Firmen berufen, so nicht unterbunden werden k\u00f6nne, so eine Verlagssprecherin. Praktische Auswirkungen d\u00fcrfte der TDM-Hinweis also wenige haben.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"8\">\u00dcbrigens kommen auch bei C. H. Beck KI-generierte Motive bei der Covergestaltung zum Einsatz, best\u00e4tigt der Verlag, allerdings immer in Absprache mit den Autor:innen. Nun wenden sicher nicht alle Schrift\u00adstel\u00adler:in\u00adnen <a href=\"https:\/\/taz.de\/Romane-mit-Spice-und-Happy-End\/!5979599\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die gleichen Qualit\u00e4tsma\u00dfst\u00e4be an ihr Schreiben an.<\/a> Wer in wenigen Jahren mehr als 100 B\u00fccher schreibt, der \u00fcbersieht vielleicht mal, dass in einem noch die Antwort eines Chatbots drinsteht, der brav die Ausf\u00fchrung von Befehlen vermeldet wie j\u00fcngst bei einer Romance-Autorin geschehen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">Generative KI verengt die Welt, sie ist ausgesprochen gut darin, es allen recht zu machen. Wenn ein Erfolgsautor wie Frank Sch\u00e4tzing selbst zur Maus greift und mittels KI sein neustes Mittelalter-Epos so bebildert, wie so was eben bebildert wird, ist das wom\u00f6glich ein bisschen egal; man wei\u00df ja, was man zum Kilopreis kauft. Doch wenn Verlage den Druck KI-generierter Buchumschl\u00e4ge absegnen, die wie <a href=\"https:\/\/taz.de\/Anne-de-Marcken-legt-einen-spektakulaeren-apokalyptischen-Roman-vor\/!6100831\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im Fall Anne de Marcken (Suhrkamp) die vielleicht feinf\u00fchligste Zombiegeschichte aller Zeiten umkleiden,<\/a> kann man das Produkt nicht anders als verramscht bezeichnen.<\/p>\n<p>      Aufgeschlossen gegen\u00fcber neuer Technologie<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"11\">Es gibt eine Leitfrage, die der Medienwissenschaftler Neil Postman Tech\u00adno\u00adlo\u00adgie\u00adkri\u00adti\u00adker:innen in den 80ern an die Hand gab, die in ihrer Simplizit\u00e4t heute noch zu gebrauchen ist: F\u00fcr welches Problem ist das jetzt die L\u00f6sung? Vielleicht will man in der Buchbranche auch nur dem Vorwurf entgehen, als Luddit zu gelten, wenn man wie der Wallstein Verlag die \u201eAufgeschlossenheit gegen\u00fcber technischen Innovationen\u201c betont. Nach bisherigen Erfahrungen, so eine Sprecherin, sei KI beim Coverdesign \u201eein weiteres Tool, wie es zum Beispiel die gro\u00dfen Bilddatenbanken\u201c schon seit geraumer Zeit seien.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"12\">Nun geh\u00f6ren neue Technologien und Zivilisationskritik seit jeher zusammen. Doch die Nutzungen von KI und digitalen Stockfotos lassen sich nur bedingt miteinander vergleichen. Mit dem Aufkommen gro\u00dfer Bilddatenbanken wie Shutterstock f\u00fcrchtete man zwar auch um die Zukunft von Fotografen, deren Arbeit durch eine Schwemme an Amateurfotos an Wert verl\u00f6re, doch immerhin waren es hier Menschen, die in der Arena des Markts gegeneinander k\u00e4mpften; nach einem Regelwerk freilich, das man im kapitalistischen Realismus als fair bezeichnet.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"13\">Dass ein vom Verlag beauftragtes Grafikb\u00fcro ein Cover mithilfe von KI generiert hat, muss \u00fcbrigens nicht angegeben werden. Erst mit Inkrafttreten der EU-KI-Verordnung im August 2026 ist das Kennzeichnen von mit KI erstellten Inhalten gesetzlich vorgeschrieben. Nicht als solche ausgewiesene KI-Verdachtsf\u00e4lle, denen die taz begegnete, gab es einige. Entsprechende Anfragen an Grafikb\u00fcros blieben unbeantwortet. Sind ja auch Sommerferien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es gab mal eine Zeit, da hatte man noch Angst vor \u00adDeepfakes. 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